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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Forstinsekten
der Fraß im Bayrischen und Vöhmcrwald 1871-
75; hier hatten die großen Stürme-1868 und 1870
die Vermehrung der Käfer durch das Werfen vieler
taufend Stämme ungewöhnlich stark begünstigt,
etwa 11000 lia mit 4Mill. lm Holzmasse^ wurden
verwüstet. - Nicht in fo großartiger Weise verderb-
lich, aber ebenfalls sehr schädlich wirkt in Tannenbe-
ständen der doppclarmigeWagcgänge fressendes-
micu3 curviä6U3 Aei'm., in Kiefern ^0micu8 8t6-
noFr^pIiu8 ^. und H^l68iQU8 piniperän. ^., der als
Käfer überdies die jungen Kieferntriebe ausfriftt.
Ebenso verdienen noch zahlreiche andere Nadelholz-
bewohner als Beftandsverderber unfere Beachtung.
- Weniger haben die reproduktionskräftigen Laub-
hölzer von Borkenkäfern Zu leiden. Ihnen fchaden
hauptfächlich die Arten der Vaftkäfer (ll^ioLini) und
Splintkäfer (äcolMni), letztere sind nur Laubholz-
bewohner. II)'i63iuu8 ci'6Niitu3 FVlb?'. und lraxiui
I^ab?-. (f. Taf. I, Fig. 8) haben schon oft Eschen ge-
tötet oder empfindlich gefchädigt, ebenfo 8c0iMi8
N^t^ßdur^ii "/tt/iF. Birken, 8c0l^tu8 668trnct0r Oö.
Ulmen u. s. w. Den Fichten werden verschiedene
Vastkäfer fchädlich, fo der große (vLnärootoni^
iniccins /Qi</i.) und der fchwarze Fichtenbastkäfer
sH^1a8t63 cunioul^ri8 H^oc/i). Mehrere Borken-
käferarten fressen nicht in der Bastschicht, sondern
gehen tief in das Holz hinein und werden dadurch
technisch schädlich, fo die Nutzholzborkcnkäfcr loini-
"n8 (X)'1ot6ru8) 1in6lNu8 O/i'v. in Nadelhölzern,
^0niicu8 äom63ticii3 ^. in Laubhölzcrn, '1'0micu3
äi')'0ZI'ai)IiU8 ^sli.3. und M0!10^1'^)IiN8 ^Kb/'. in
Eichen, äi^ar I^b,-. in verfchiedenen Laubbäumen;
von letztern Arten werden einige, fo namentlich
^0inicn8 äi8Mi-, häusig auch jungen Laubholz-
heistern fchädlich.
Die forftfchädlichen Nüsfelkäfer (l^urculio-
niäao) treteir meist als Kulturverdcrbcr ailf. Vor-
zugsweife ist es der große braune Rüsselkäfer, II^W-
diu3 3.di6tiy ^>. (l^urculio piui ^i"^., f. Taf. I,
Fig. 4), der oft ausgedehnte Pflanzungen von jun-
gen Fichten und Kiefern durch Benagen der Ninde
fast vollständig zerstört. Viele Tansend Mark werden
in Deutschland jährlich verwendet, um durch Sam-
meln dieses Käfers die Kulturen einigermaßen zu
fchützen. ^eine Larve ist dagegen nicht fchädlich,
da sie sich in den im Boden zurückbleibenden Wur-
zeln gefällter Bäume entwickelt. Der kleine braune
Nüsfelkäfer, ?i88oä68 uotlUu8 ^ab?-., fchadet durch
den Fraß der Larve, die sich unter der Ninde jnnger
Kiefern entwickelt. Sein Gattungsverwandter ?i8-
8oä63 ilLl'cMilw I/ei-bst wurde in neuerer Zeit wie-
derholt in Fichtenftangenhölzern sehr fchüdlich, unter
deren Ninde die Larve lebt, ebenfo 1^i88oä68 piui-
I)ki1u8 ^ls7^t in Kiefernstangen, ?i88oä68 piceae
/i?. in Tannen u. a. m. Eine große Anzahl der
Rüsselkäfer fchadet nur mehr oder weniger empfind-
lich durch Vefresfen der Triebe und Blätter, fo die
den Gattungen 1>KMc>diu8 und ?0i)'äi'08ii8 an-
gehörigen, meist schön grün gefärbten Arten.
Aus der Familie der Bl atth o rnkäf er t^liinLiIi-
corni^) ist als arger Waldfeind Vorzugsweife der zu
den 3cai'lüiN6iäa6 gehörige, allbekannte Maikäfer
N6ioi0Qt1i3. viÜFai-i8 ^tld^. (f. Taf. I, Fig. 10) zn
nennen. Weniger verderblich ist die allerdings auch
recht nachteilige Zerstörung der Blätter und Blüten
durch den Fraß des Käfers, viel mehr dcrunterirdifche
Fraß der Larve, des sog. Engerlings, an den
Wurzeln. Wiederholt gehen oft die Pflanznngen,
namentlich die der Kiefern in der mittel- und nord-
deutschen Ebene, vollständig dadurch zu Grunde.
Eine auf fehlerhaften Grundsätzen der Forsteinrich-
tung beruhende Schlagführung, bei der zu große
Flächen kahl gelegt weden, vermehrt das Übel.
In der Familie der Bockkäfer (^6i'llnil)^cida.6),
deren Larven meist im Holze selbst leben, finden
sich nur einige wirtlich fchäoliche Arten, fo tötet
z.V/Iotropimn wriäuni^v. die von ihn: befallenen
Nadelhölzer. Alte Eichen werden von der Laroe
des (^6i'ainl)^x ceräo ^v. s1i6i'08 FVlk)'.) durchwühlt,
Pappeln von der der 8ap6i-ä3. carcli^i-ia3 D. (f.
Taf. I, Fig. 5); sterben auch diese Laubhölzer infolge
des Fraßes meist nicht ab, fo wird doch deren Holz
krank und technifch entwertet. In jüngern Äus-
fchlägen und Ästen der Aspe lebt ^^erä^ i^nwoa
^. und verursacht knotige Anschwellungen. Viele
Bockkäfer leben in Weiden, z. V. Lluni^ texwi- ^>.,
deren Larve durch Zerstörung der Stöcke in Weiden-
hegern empfindlich fchadet.
Die zahlreiche Familie der Blattkäfer (^ui-)--
80in6iiäa6) fchadet als Käfer und Larven durch
Abfressen der Blätter. Forstlich wirlluh beachtens-
werten Schaden thun nur die auf Weiden lebenden
Arten in den Korbweidenanlagen, fo die roten
(M'^80IN6l3. (N6IH80IQ3,, I^Qk) POMÜ ^. ls. Taf. I,
Fig. 6), treinulas ^ttb?'. und 1c"n^ic0iÜ8 ^ttF>., die
dunkelnietallischen (Hr^Lomßla si^^Ilodoct^) vitei-
Iiüa6 _l>., va^Hti88ima ^v. u. a.
Von andern Vlattfreffern sei noch der zur Fanlilie
der Pflaster käfer Mkioiä^) gehörigen fog.Spa-
nifchen Fliege (s. d.), ^tw v63icltt(>i-iü ^. (f. Taf.I,
Fig.1), gedacht, die durch Entblättern verschiedenen
Laubhölzern, namentlich jungen Eschen, schadet.
Auch andere Käferfamilien, die Prachtkäfer (Zu-
nr6ßti6k.?). die Schnellkäfer lU^t^'-idae) u. s. w.,
enthalten forstlich fchädliche, mehr oder weniger be-
achtenswerte Arten; ^riwu viiilli8 I>. uild ver-
wandte Arten töten durch ihren Laroenfraß junge
Buchen und Eichen, die Larven einiger Schnellkäfer
(Drahtwürmer) fchaden durch Wurzelfrah und Ver-
zehren der Sämereien in Saatkämpen.
Den verheerenden Borkenkäfern an Bedeutung
nahe stehen einige Infekten aus der Ordnung der
Schmetterlinge, ja unter Umständen werden
sie noch gefährlicher. An erster Stelle sind zu
nennen die Nonne, I.iMi-i8 mona^^ 1^. (s.Taf. Il,
Fig. 1), und der große Kiefernspinner, (^ti-o-
1)3^9. pini ^. Die Naupe der Nonne frißt fehr
verschiedene Pflanzen, lebt aber vorzugsweise
auf Kiefern und Fichten und wird befonders den
letztern verderblich. Einer der größten Nonnen-
srahe der neuern Zeit fand 1853 - 55 in Ost-
preußen statt. Die Schmetterlinge waren 1853
massenhaft aus Ruhland kommend angeflogen, und
bis 1855 waren schon über 2500 IiH Nadclholz-
bestände kahl gefressen. Der nachfolgende Bortcn-
käferfraß vermehrte das Übel. In neuester Zeit
wütete ein Nonnenfraß in Bayern, namentlich in
Ober- und Niederbayern; er begann 1888 und hat
1890 und 1891 wohl feinen Höhepunkt erreicht;
1890 zählte man in den bayer. Staatswaldungen
23560 na befallene, davon 2666 1^ kahlgefressene,
1891 123914 I13. befallene, davon 2606 Ka. kahl-
gefressene Bestände; 1890 - 91 wurden für Be-
kämpfungsmahregeln 2 297111 M. ausgegeben.
Aber auch in Böhmen, Mähren, Asterreich, Würt-
temberg, Hessen, in der Lüneburger Heide, in den
preuß. Provinzen Brandenburg und Schlesien, in
Altenburg und Oldenburg u. s. w. ist die Nonne