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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fouquet - Fourcroy
wurde 23. Juni von dreifacher Übermacht ange-
griffen und nach heldenmütiger Gegenwebr überwäl-
tigt, wobei er verwundet in Gefangenschaft geriet.
Nach dem Frieden trat F. nicht wieder in den Dienst,
sondern lebte zu Brandenburg, wo ihn: Friedrich
einc Präbende als Dompropst verliehen hatte. Dort
starb er 3. Mai 1774. - Vgl. ^lönioiros du davon
äc; 1^ flotte 1''. (2 Tle., Verl. 1788; deutsch von
Büttner, 2 Tle., ebd. 1788). Eine ausführliche
Lebensbeschreibung F.s gab sein Enkel, der Noman-
tiker Friedrich von F., heraus (Berl. 1824); vgl. auch
E. von St., Der Feldzug des Generals F. in Schle-
sien 1760 (Cassel 1862).
Fouquet (spr. sukeh), Charles Louis Auguste,
Marschall von Frankreich, s. Belleisle.
Fouquet (spr. fukeh), Nicolas, franz. Finanz-
minister, geb. 1615 in Paris, trat 1635 als Ne-
quetenmeister indieVerwaltungslanfbabn ein, war
mehrfach Intendant, taufte 1650 die Stelle eines
Generalprokurators am Pariser Parlament und
leistete Mazarin in den Kämpfen der Fronde jahre-
lang die wertvollsten Dienste. Dieser erhob ihn zum
Lohne 1653 zum Oberintendanten der Finanzen, nnd
F. fuhr als folcher fort, Mazarin in allen Kriegen
der fünfziger Jahre Geld zu schaffen. Er schoft selbst
dem Staate Snmmen vor und gehörte dann zu den
"Partisans", die sich gegen solche Vorschüsse spätere
Staatseinnahmen verpfänden lieften und sich dadurch
bereicherten. Glänzend, geistvoll und leichtlebig,
ein prunkender Gönner der Kunst, strebte er höher;
schon unter Mazarin entwarf er einen Plan, wie er
sich auch etwa gegen diesen mit Gewalt im Amte
halten und, auf weitverzweigte Klientel gestützt, selbst
zum ersten Minister aufsteigen könne. Anf dieses
zweite Ziel richtete er, als Mazarin 1661 starb, alle
Anstrengungen; aber Ludwig XIV. war durch Col-
bert gewarnt, und währendF. sich am Hofe durch
Bestechung eine geheime leitende Partei zu schaffen
strebte und selbst die Königin-Mutter Anna von
Österreich umwarb, beschloß der Köuig, ihn unschäd-
lich zu machen. Nachdem F. seine Proknratorstelle
niedergelegt hatte, wurde er unter Eutwicklung star-
ker Vorsichtsmaßregeln Sept. 1661 verhaftet. Vor
dem Gerichtshof für Reform der Finanzen hatte F.
einen endlosen Prozeß zu bestehen, dessen Dauer
und übertriebene Härte die öffentliche Meinung mehr
und mehr zu ihm hinüberzog: Dez. 1664 wurde er
statt, wie die Negierung wollte, zum Tode, zu ewiger
Verbannung verurteilt; aber Ludwig verschärfte die
Strafe auf ewiges Gefäuguis. F. starb 1680 im Ge-
fängnis zu Pignerol. - Vgl. Cheruel, Nemoii-es
8nr 1a vi6 pudlilin" et pi'iveo äo IV (2 Bde., Par.
1864); Vonnaffe, 1.6 8uiint6uällut 1^. (ebd. 1882);
Lair, ^icolas 5'. (2 Bde., ebd. 1890).
Fouquier-Tinville (spr. futleh tängwil), An-
toine Ouentin, der berüchtigte öffentliche Ankläger
in der Französischen Nevolution, geb. 1747 im Dorfe
Herouel (Depart. Aisne), war Prokurator am Chäte-
let, mußte aber wegen Bankrotts seine Stelle nieder-
legen und trat dann zu Paris in den Dienst der ge-
heimen Polizei. Beim Ausbruch der Nevolution
wandte er sich alsbald den Anarchisten zu. Durch
Danton wurde er mit Robespierre bekannt, der ihn
nach dem 10. Aug. 1792 zum Geschworenen, dann
1793 zum Direktor und öffentlichen Ankläger des
Nevolutionstribunals machte. Ohne Bildung, Ge-
wissen und Nechtssinn, führte er hier unter der Maske
der Unbestechlichkeit die Blutbefehle des Wohlfahrts-
au.sschu.sses a^s. Er schickte Spione und Anstifter
(montan) in die Gefängnisse, die dann als Zeugen
vor dem Tribunal erscheinen mußten. Den Ge-
schworenen Montane klagte er an, weil er bei Ver-
urteilung der Charlotte Corday Mitgefühl für die
Girondisten geäußert habe. Dem Konvent schlug
er die Errichtung eines Schafotts im <^aale des Ge-
richts vor, was selbst Collot d'Herbois mit Ent-
rüstung zurückwies. Nachdem er über Mitglieder
aller Parteien das Todesurteil gesprochen, beför-
derte er auch mit gleichem Eifer die Hinrichtung von
Nobespierre und dessen Genossen. Varrere wollte
ihn in seinem Amte erhalten, Freron ihn in Anklage
stellen. Aber erst nach 10 Monaten machte man ihm
den Prozeß. Obwohl er alle Schuld auf Nobespierre
schob, wurde er doch verurteilt und 7. Mai 1795
guillotiniert. - Vgl. Domenget, ^. et 1e trilnmal
i'evolutiomilure (Par. 1878).
Fourage (frz. f0ui-i-"F6, spr. surahsch'), Pserde-
futter, f. Fouragieren.
Fourageleistung, Fouragelieferung, s.
Friedcnsleistungen und Kriegsleistungen.
Fouragiereu, das Herbeischaffen des Pferde-
futters (Fourage). Der Ausdruck wird fowohl im
Friedensvcrhältnis gebraucht, wo es sich um den
Empfang des Futters aus Magazinen oder von den
bequartiertcn Ortschaften handelt, wie auch beson-
ders im Kriege in Feindesland, in welchem Falle
das F. einerseits gegen feindliche Unternehmungen
taktisch gesichert, andererseits meist der Bevölkerung
gegenüber durch Droh - und Zwangsmittel durch-
geführt werden muß. - Im Felde unterscheidet man
trockne und grüne Four agierung, je nachdem
es sich um die Fortschasfung bereits eingeernteter
Vorräte ans den Häusern und ^cheuuen oder um
das Abmähen des Getreides auf dem Felde handelt.
Fouragierleine, ein zur Ausrüstung der Ka-
vallerie gehörender, ursprünglich zum Zusammen-
schnüren von Heu und Stroh bestimmter Strick, der
auch zu verschiedenen andern Zwecken benutzt wird.
I'ourderio (frz., spr. furb'rih), Betrügerei,
Schurkenstreich.
Fourchambault (spr. furschaugboh), ^tadt im
Kanton Pougues-les-Eaur, Arrondissement Revers
des franz. Depart. Rievre, rechts von der Loire, an
der Linie Paris-Nevers-Lyon der Mittelmeerbahn,
hat (1^91) 6020 E. und eins der wichtigsten Eisen-
werke Frankreichs, das eiserne Brücken, Gußwaren,
Eisenbahnschienen, Näder für Lokomotiven und
Waggons sowie Tclegraphendrähte herstellt.
I^ouroketts (frz., furschett), Gabel; ä^eunei-
^ Ili. louiciiette, Gabelfrühstück.
Fourcroy (fpr. furkröä), Antoine Francois de,
franz. Chemiker, geb. 15. Iuui 1755, studierte zu
Paris und wurde 1784 Professor der Chemie am
^räin äes I'lanteg daselbst. Als Mitglied des
Rationalkonvents 1793 setzte er die Einführung
der Gleichheit von Maß und Gewicht durch. Später
war er Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, trat
aber 1798 sein Lehramt wieder an. Bonaparle
übertrug ihm 1801 die oberste Leitung des öffent-
lichen Unterrichts und erhob ihn später zum Reichs-
grafen. F.s Arbeiten gehören hauptsächlich dem Ge-
biete der physiol. und analytischen Chemie an, seine
Hauptverdienste aber bestehen in der Thätigkeit für
Ausbreitung der Lehre Lavoisiers. Er starb 16. Dez.
1809. Seine hauptsächlichsten Schriften sind: "^o-
^ong ä'Iiistoii'o nHwi'ttii" et 66 cliimie" (2 Bde.,
Par. 1781; 6. Aufl., 6 Bde., 1798), "Steins äk3
c0unai88Änc63 cliimihues" (6 Bde., ebd. 1801;