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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Franckensteinsche Klausel - Franco (Giovanni Battista)
Johann Karl, Freiherr von und zu F., geb. 27. Okt.
1858, vertrat 1890-93 den Wahlkreis Lohr im
Deutschen Reichstag als Mitglied des Centrums.
Franckenfteinfche Klausel, s. Franckenstein,
Georg Arbogast.
Franckesche Stiftungen, die von August Her-
mann Francke (s. d.) in der damaligen Amtsstadt
Glaucha (jetzt Vorstadt von Halle) gegründeten An-
stalten. Francke legte zunächst 1695 eine Armen-
schule an,' schon im Sommer dieses Jahres mußte
er eine zweite Klasse einrichten und, da auch Bürger
ihre Kinder gegen Entrichtung eines Schulgeldes zu
ihm brachten, die Bürgerschule von der Armenschule
trennen. In demselben Jahre gründete er mit ge-
ringen Mitteln auch eine Waisenanstalt; da die
Zahl der Waisen wuchs, wurde 1696 ein eigenes
Haus für sie eingerichtet und 1698 ein neues Ge-
bäude, das Vordcrgebäude der F. S., erbaut, zu
dem am 34. Juli der Grundstein gelegt wurde. Als
auswärtige Familien ihre Kinder unter Franckes
Augen erziehen lassen wollten, ließ er 1695 eine Er-
ziehungsanstalt, das Pädagogium, bauen. Dazu
kam noch eine Lateinische Schule und eine mit der-
selben verbundene Pensionsanstalt. Im Mai 1714
wurden 1075 Knaben und 700 Mädchen von 108 Leh-
rern unter Franckcs Leitung unterrichtet. Dazu ver-
band er mit seinen Stiftungen noch die Cansteinsche
Bibelanstalt (s. d.) und unter dem Schutze der dän.
Regierung ein Missionsinstitut für Ostindien. Alle
diese Anstalten erforderten bedeutende Summen, die
reichlich, auch aus dem Ausland, flössen. Auch lie-
ferten mehrere der Anstalten eine wachsende Ein-
nahme. Die Apotheke, die Buchhandlung, vor allem
aber die Medikamenten-Expedition gewährten zu
manchen Zeiten einen bedeutenden Ertrag. Nach
dem Tode des Stifters 1727 übernahmen sein ein-
ziger Sohn, Gotthilf Francke, der 1769 ohne
Nachkommen verstarb, und sein Schwiegersohn Joh.
Anast. Freylinghausen (s. d.) die Direktion der F. S.
Seit 1892 ist Dr. Fries Direktor.
Das Eigentümliche der F. ^. besteht jetzt wie zur
Zeit des Stifters darin, daß in ihnen eine Anzahl
der verschiedenartigsten Schulen auf einem leicht
übersehbaren Raume zusammengedrängt und damit
eine kleine Schulstadt begründet ist, die (1895) fol-
gende Anstalten umfaßt: eine Vürgermädchenschule
(Mittelschule, 454 Schülerinnen), eine Bürgerkna-
benschule (Mittelschule, 510 Schüler), eine Vorschule
für die höhern Lehranstalten (146 Schüler), eine
höhere Mädchenschule (250 Schülerinnen), ein Real-
gymnasium (390 Schüler), ein Gymnasium (die La-
teinische Hauptschule, mit 720 Schülern); zusammen:
6 Lehranstalten mit 2470 Zöglingen. Mit diesen
Schulen sind noch verbunden: die Waisenanstalten
für 115 Knaben und 16 Mädchen, die Pensions-
anstalt für 250 und das Alumnat für 50 Zöglinge.
In neuester Zeit ist noch ein Seminar für Lehrer an
höhern Schulen und ein Lehrerinnenseminar dazu-
gekommen. Als Schule ist das Pädagogium 1870
eingegangen, die Freischule ist 1894 aufgelöst worden.
Neben diesen Schul- und Erziehungsanstalten be-
stehen als erwerbende Institute: eine Apotheke, eine
Buchhandlung und eine Vuchdruckerei. Der Ver-
lagstatalog der Buchhandlung zählt für die 50 Jahre
1832-82 allein über 1000 Nummern, darunter eine
größere Anzahl wissenschaftlicher und praktisch pä-
dagogischer Schriften in sich stetig wiederholenden
Massenauflagen; die Druckerei arbeitet mit 12 mit
Dampf betriebenen Schnellpressen und einer Tiegel-
presse. Ihre Einkünfte beziehen die Stiftungen teils
aus Grundbesitz (drei Rittergüter sind ihr Eigentum)
und Kapitalvermögen, teils aus den Erträgen ihrer
Institute, teils aus ^taatszuschüssen. Die innere
Organisation der Schulen und Erziehungsanstalten
hat sich im Laufe der Zeit etwas geändert. Der
Unterricht hat zwar die religiöfe Grundlage be-
halten, aber die große Zahl der Andachtsstunden ist
aus pädagogischen Rücksichten vermindert. Das
Fachsystem hat dem Klassensystem weichen müssen.
Die Disciplin hat ihren klosterartigen Charakter ver-
loren, und es wird den Zöglingen die Teilnahme
an Vergnügungen gestattet, die der Pietismus von
ehedem nicht erlaubte. Anderes hat sich erhalten:
Die Nachfolger im Direktorium haben noch be-
stimmte Vorrechte. Sie ernennen ihre Kollegen wie
ihre Nachfolger, sie berufen die Lehrer und stellen
die Beamten an, verleihen die Stipendien und die
Freistellen in den verschiedenen Schulen, der Pen-
sionsanstalt und der Waisenanstalt ganz selbständig;
wie denn die Aufsichtsbehörden (die Anstalten
stehen zunächst unter dem Provinzialschulkollegium)
nichts ohne ihre Zustimmung und Mitwirkung in
dem Bereiche der Stiftungen anordnen. - Vgl.
Franckes Stiftungen. Eine Zeitschrift zum Besten
vaterlofer Kinder, hg. von Schulze, Knapp und Nie-
meyer (3 Bde., Halle 1792-96); Die Stiftungen
August Hermann Franckes in Halle (ebd. 1863);
O. Frick, Die F. S. (ebd. 1892).
I'rI.no-ina.Hon (frz., spr. srang maßöng), Frei-
maurer; I^ranoin3^0uu6ri6 (spr. -ßonn'rih), Frei-
maurerei.
Franco,Mehrzahl Franchi (spr.-ki), Name der
Geldeinheit Frank (s. d.) in Oberitalien.
I'ra.noo (ital.; frz. assi-anclii, portpavö; engl.
7"Hiä), frei, insbesondere portofrei, kostenfrei für den
Empfänger von Briefen, Waren u. 1. w. (s. Fran-
kieren), wird auf Briefen oder Paketen gewöhnlich
mit lr. oder lo. bezeichnet; ^. Courtage oder
Provifion oder ^. tout (spr. tu) bedeutet: ohne
Anrechnung von Courtage oder Provision; Franko-
zwang, die Verpflichtung zur Vorausbezahlung
des Portos.
Franco von Köln, Komponist des Mittel-
alters, der wahrscheinlich Ende des 12. und Anfang
des 13. Jahrh, lebte und sich um die Mensuralmusik
Verdienste erworben hat. Ob jedoch der Traktat
"^.rs cautug in6U8urHl)iIi8" von ihm oder dem etwa
gleichzeitigen F. von Paris herrührt, ist zweifel-
haft und auch die Echtheit des unter F.s Namen
überlieferten "^ompsudwin äi8cantn8" wird be-
stritten. Beide Werke, von denen das erste für die
Musikgeschichte wichtig ist, sind abgedruckt in Cousse-
makers "Zcripwrs" ä6 mu8ic3. iußdii aevi", Bd. 1
(Lille 1865); aus der "^r8 ^antu8 mei^ni'adiijs"
gab Bellermann das Kapitel "1)6 liiscantn" mit
Übersetzung und Kommentar (Berl. 1874) heraus.
Franco, Giovanni Battista, genannt Semolei,
ital. Maler, geb. 1510 in Udine, gest. 1561 in Ve-
nedig, gehörte der Schule dieses Ortes an, hatte je-
doch durch einen Aufenthalt in Rom Gelegenheit,
Anregungen aus der Schule des Michelangelo mit
feiner heimatlichen Kunst zu verschmelzen. Nament-
lich an den umfangreichern Kirchenbildern kommt
diefe Mischung zu Tage. In Venedig ist die Taufe
Christi in der Kirche ^an Francesco della Vigna
eins seiner trefflichsten Werte. Auch als Radierer
leistete F. Gutes; er arbeitete fowohl nach eigenen
Entwürfen als nach Originalen Michelangelos,