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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Francucci - Frangulinen
betta ergangenen Aufrufs sehr bedeutend und '
nötigte, trotz der geringen Tüchtigkeit der meisten ,
dieser Korps, die deutsche Armee zu starten Entsen- ,
düngen, wodurch die eigentliche Feldarmee beträcht- !
lich geschwächt wurde. Dies wurde namentlich mit '
Beginn des Winters sehr lästig, da dieser die Ver-
wendbarkeit der zahlreichen und vor Paris u. s. w.
entbehrlichen Reiterei beschränkte und die Entsen-
dung von Infanterie zum Schutze der Verbindungen
in größerm Umfange notwendig machte.
Ihrem Auftreten nach teilen sich die F. in vorüber-
gebend tbätige und in ständige. Erstere bestanden
zumeist aus den Bauern, die, anfgehetzt oder durch
Requisitionen zur Verzweiflung getrieben, in blauer
Bluse und Holzpantoffeln jede Gelegenheit benutzten,
um aus dem Hinterhalte auf feindlicbe Soldaten zu
schießen oder gar dieselben im Schlafe zu ermorden.
Die ständigen F. erhielten mit der Zeit militär.
Wert sowie bessere Bewaffnung und fcklngen sich
schließlich einigemal mit hervorragender Tapferkeit. !
(S. Freikorps, Freischaren.) i
Francucci (spr. -kuttschi), Innocenzo, ital. ^
Maler, s. Imola.
Franeker, Stadt in der nicderländ. Provinz
Friesland, an dem Kanal zwischen Harlingen und
Leeuwarden und an der Linie Harlingen-Leeuwarden
der Niederländ. Staatsbahnen, bat'(1891) 7239 E.,
eine Martinskirche mit schönen Grabsteinen, ein jetzt
restauriertesRathaus von 1591 niit Porträten, botan.
Garten; Seiden- und Wollindustrie. F. war ebemals
Sitz einer Universität, die 1585 von den fries. Stän-
den gestiftet, 1811 aber von Napoleon I. aufgehoben
wurde und 1816-43 als Atbenäum bestand. An
dieser Hochschule lehrten Vitringa, Heineccius, T.
Hemsterhuis und Valkenaer. Eine besondere Merk-
würdigkeit besitzt die Stadt in einem Planeta-
rium, welches Eise Eisinga, ein Bürger von F.,
1774-81 anfertigte.
Frange (frz., spr. frangsch'), Fadensaum, Frause
(s. d.); frangieren, mit Fransen besetzen.
Frangipäni (spr.frandschi-), römisch es Adels-
geschlecht, welches sich zwar bis auf die Anicier der
röm. Kaiserzeit zurückführt, urkundlich aber erst 1014
mit Leo F. auftritt und vom 11. bis 13. Jahrh, in
der Geschichte Italiens, namentlich Roms, als
Führer des ghibellinischen Adels wiederholt eine
bedeutende Rolle spielt; nicht minder bemerkens-
wert ist der nach Kroatien ausgewanderte Zweig
(s. unten). Als die bedeutendsten der italischen F.
sind hervorzuheben:
Cencio F.; er nahm den ohne Zustimmung des
ghibelliniscken Adels gewählten Papst Gelasius II.
1118 gefangen, mußte ihn jedoch dem Volk, das sich
unter Führung des Pietro Leoni drodend erhob, aus-
liefern. Als aber Heinrich V. anrückte und Gela-
sius II. nach Gaeta floh, verständigte sich Cencio
mit Heinrich V. über die Wahl des Erzbischofs Bur-
dinus von Vraga zum Gegenpapst unter dem Na-
men Gregor VIII. Nach Hemrichs Abzug kebrte Ge-
lasius nach Rom zurück, mußte aber zum zweiten-
mal vor den F. fliehen. - Den F. namentlick ver-
dankte der dem Kaiser Lothar günstig gesinnte Hono-
rius II. seine Erbcbung; ebenso stellten sie sich bei
der Doppelwahl von 1131 auf Seite Innocenz' II.,
des vom Kaiser anerkannten Papstes, gegen den
Normanncnpapst Anakletus II. Dagegen traten
sie Friedrichs I. gewaltsamen: Eingreifen in Rom
(1167) feindselig entgegen und bildeten eine Haupt-
stütze Alexanders III. Nochmals übernahmen die F.
die Führung der kaiserl. Partei in Rom unter Fried-
rich II., wurden aber nach dessen Tod von den Päpsten
durch die Übertragung Tarents und die Aussicht
auf steil. Lehen gewonnen. So lieferte denn auch
Johannes F., Herr von Astura, der den Ver-
sprechungen und Drohungen des Admirals Karls
von Anjou mehr Gewicht beilegte als den Befehlen
des röm. Legaten, Konradin 1268 an jenen aus.
Er siedelte, hierfür reich belohnt, nach Neapel über
und wurde dort das Haupt eines neuen Zweiges
der F. An die leitende Stelle in Rom traten statt
der F. die Colonna und Orsini.
Die kroatische Familie dieses Namens hat angeb-
lich denselben Ursprung, ist jedoch wahrscheinlich slaw.
Abkunft. Sie wurde für ihre Dienste von Vela III.
von Ungarn (1173 - 96) mit dem Komitat Mo-
drus belehnt und leistete Vela IV. gegen die Mon-
golen 1242 erfolgreiche Hilfe. Die F. nahmen teil
an den innern Kämpfen unter Matthias Corvinus
(1458) und Wladislaw (1493) an der Verteidigung
Ungarns gegen Venedig (1509) und gegen die Tür-
ken (1525) und stellten sich hierauf schon unter
Zapolya (1526) in die Reihe der Verfechter eines
ungar. Nationalkönigtums. Vefonders hervorzu-
heben sind: Johann F., der um 1390 seiner aus-
gezeichneten Dienste wegen von Kaiser Sigismund
zum Ban von Kroatien, Dalmatien und Slawonien
erhoben ward; Franz F., Graf von Szluin, der
um 1566 durch seine Thaten gegen die Türken sich
dauernden Ruhm erwarb (gest. 1572); Christoph
F., der nach der Schlacht von Mohäcs (1526) Jo-
hann Zapolya in seinem Streben nach der ungar.
Krone begünstigte und 1527 bei der Belagerung von
Varasdin erschossen ward. Franz Christoph F.,
Graf von Tersat, trat 1667 mit Zrinyi, Rakoczy,
Tököly, Nadasdy und Wesselenyi an die Spitze
einer Bewegung, die sich gegen Kaiser Leopold I.
ricktete und die Herstellung und Erhaltung der
nationalen Freiheit und Verfassung bezweckte. Der
Kaiser sollte gefangen genommen und gezwungen
werden, die den Ungarn mißliebigen Minister zu
entlassen, die deutschen Söldnertruppen aus dem
Lande zu ziehen und freie Religionsübung zu ge-
währen. Die Verschwörung wurde aber verraten,
und F. wegen Hochverrats 30. April 1671 mit Zrinyi
und Nadasdy enthauptet, ^eine Güter wurden in-
folgedeffen eingezogen und feine Familie aus dem
Adelstand ausgestoßen.
Von einer Nebenlinie der neapolitanischen F.
stammen die Trasmondo; ein Zweig der römischen
F. blüht noch in Friaul; die Hauptlinie starb aus
mit Mario F., der Antonio Barberini fs. Varderini,
röm. Fürstengeschlecht) zum Erben einsetzte.
Frangot, Frangotte (spr. -goh,-gott), Ge-
wicht, s. Fargot.
Frangulm, ein in der Faulbaumrinde (s. I^am-
nus) vorkommendes krystallinisches, gelbrotes Gly-
! kosid, t^uH^o^lo, das durch Kochen mit verdünnter
Salzsäure in Zucker und Fran gulin säure zer-
fällt. Letztere ist ein Dioryanthrachinon und dem
! Alizarin isomer.
l Frangulmen, Ordnung aus der Gruppe der
, Dikotyledonen, Abteilung der Choripetalen, charak-
^ terisiert durch regelmäßige zwittrige Blüten mit
! vier- oder sünfzähligcn Vlumenblattkreisen und
einem aus zwei bis fünf Fruchtblättern verwachse-
' ucn Fruchtknoten, der sich häufig zu einer becren-
! artigen Frucht entwickelt. Die Ordnung umfaßt die
Familien der Celastraceen (s. d.), Pittosporaceen