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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frankfurt am Main
gartengesellschaft (1869), welche den herrlichen
Palmengarten mit Wintergarten vor dem Bocken-
heimerThor gestiftet hat, mehrere Musikvereine (der
Philharmonische Verein, der Cäcilienverein,Rühlschc
Gesangverein u. a.), im ganzen für Kunst und
Wissenschaft 72, Musik und Gesang 103, religiöse
und wohlthätige Zwecke sowie für Erziehung und
Bildung 109, Politik und Volkswirtschaft 21, zur
Wahrung öffentlich er und geschäftlicher Interessen 56,
gesellige Zwecke 114. (5s bestehen 7 Freimaurerlogen.
In der Sparkasse (seit 1822) befanden sich (Ende
1892) auf 63 417 Büchern 41,275 Mill. M., in der Er-
sparungsanstalt auf 11369 Büchern 5,510 Mill. M.,
außerdem bestehen eine Pfennig-Sparanstalt, die
Sparkassen-Agentur der nassauischen Landesbank,
die Sparkassen der Frankfurter Gewerbekasfe und
der Landwirtschaftlichen Kreditbank, der Spar- und
HilfsVerein Bornheim. Im städtischen Leihhause
(1739) wurden (1892/93) 98387 Pfänder im Werte
von 751355 M. beliehen. Die Stadt hat (1893)
1 Orts-, 8 Betriebs- und 2 Innungkrankenkassen
mit durchschnittlich 22774, 5976 und 599 Mitglie-
dern, 522700,154900 und 12000 M. Einnahmen,
529500, 148100 und 11900 M. Ausgaben und
260800,130800 und 12900 M. Gesamtvermögen.
Wohlthätigkeitsanstalten. Von den zahl-
reichen Kranken- und Armenanstalten sind zu er-
wähnen: das städtische Krankenhaus, das Hospital
zum Zeiligen Geist (1278 gegründet, seit 1839 in
dem jetzigen Gebäude) für Gesellen, Dienstboten
und Fremde, das Senckenberg-Stift(Vürgerhospital
und Pfründneranstalt), zwei Entbindungsanstalten,
Dr. Christsches Kinderhospital, Israelitisches Ge-
meindehospital, Anstalt für Epileptische und Irre,
Rochushospital-Stiftung, ^lrmenklinik, Augenheil-
anstalt, Diakonissenhaus, (^chmidbornsches, Rückcr-
sches und Iägersches Siechenhaus, Clementinen-
Mädchenspital, Georgine Sara von Rothschildsche
Stiftung, städtisches und andere Waisenhäuser,
Stipendienstiftungen und Erziehungsvereine. Der
allgemeine Almosenkasten (1428 gegründet, 1532
reformiert), die konfessionellen Almosenkasten und
Stiftungen ergänzen die 1883 nach dem Elberfelder
System umgestaltete öffentliche Armeilpflege.
Industrie und Handel. Die Industrie war
früher infolge des Mangels einer eigentlichen Ar-
beiterbevölkerung schwach vertreten, hat sich aber
seit 1870 aussichtsreich entwickelt, so in der Fabrika-
tion von Kupferdruckfchwärze (Frankfurter Schwarz,
s. d.), Wachstuch, Gold- und Silbcroraht, Tapeten,
Rauch- und Schnupftabak, Droguen, Arzneiwaren,
Bierbrauerei, Eisengießerei, Maschinenbau, Her-
stellung elektrischer Anlagen u. s. w. Weit mehr
wird für Frankfurter Rechnung in Hanau und Offen-
bach gearbeitet. Der engl. und franz. Warenhandel
im großen hatte durch den Zollverein, der Zwischen-
handel durch die erleichterten direkten Verbindungen
der Landstädte mit den Seeplätzen sich sehr vermin-
dert. In F. haben ihren Sitz die Süddeutsche Eisen-
und Stahl-, die Brauerei- und Mälzerei-, die Hessen-
Nassauische Baugewerks-Berufsgenossenschaft und
deren 1. Sektion, die 7. Sektion der Verufsgenossen-
schaft der chem. Industrie, die 6. der Gas- und
Wasserwerke, die 11. Sektion der Müllerei-, die
3. der Tabak-, die 3. der Deutschen Buchdrucker-,
dic 10. der Schornstcinfcgermeislcr- und die 19. der
Fuhrwerks-Verufsgenossenschaft. Der Handel er-
streckt sich auf Kolonialwaren, Eisen- und Stahl-
waren, Leder, Häute, Felle, Wein, Steinkohlen, Ma-
nufaktur-, Seiden- und Modewaren. Die beiden
Messen (die Ostermesse und die Herbstmesse), im
16. Iabrh. von großer Bedeutung für die Stadt,
haben sehr abgenommen, und der Buchhandel, für
den F. im 17. Jahrh, der Hauptstapelplatz war
(f. Buchhandel, Bd. 3, S. 676 d), hat gegen Leipzig
längst seine Bedeutung verloren. Nachdem die vom
Staate mit einem Kostenaufwande von 5^ Mill. M.
ins Werk gesetzte Mainkanalisieruna^ 16. Okt. 1886
und der im Anschluß hieran von der ^tadt angelegte
Sicherheitshafen mit seinen Lagerhäusern und
-Plätzen (7,2 Mill. M. Kosten) dem Verkehr über-
geben ist, hat der Handel und der Schiffsverkehr eine
wesentliche Förderung erfahren. Nach der Aufstel-
lung des Generalkonsulats der Vereinigten Staaten
von Amerika in F. wurden (1892) aus dem Bezirk
des Generalkonsulats Waren im Werte von 38,902
Mill. Doll. in die Vereinigten Staaten eingeführt.
Von den biervon auf die Stadt F. entfallenden
Waren im Werte von 4,010 (1891: 3,675) Mill. Doll.
waren 1426 762Doll.Farben,Droguen, Chemikalien
u. s. w., 556 265 Leder, Häute und Felle, 318 679
Platinadraht und Platina, 216162 Hasenhaar,
146 393 Bücher, Schreibmaterialien, Photographien
und Papierwaren, 144621 buntes, Photographie-
und Luxuspapier, 135857 zugerichtetes und rohes
Haar, 127366 Wein, Branntwein, BierundLiqueure,
114970 Hopfen und 102 918 Doll. Pfeifenthon.
Das Bank- und Wechfelgefchäft ist hier am bedeu-
tendsten in Süddeutschland und wird durch einen
regen Verkehr an der Börse und der Esfektensocietä't
(s. d.) vorzugsweise vermittelt. Von größeren Banken
und Versicherungsanstalten sind zu nennen, außer
der Reichsbankhauptstelle, die Frankfurter Vant
(Notenbank, 17 Mill. M. Aktienkapital, Reingewinn
1891: 1228323 M.), die Allgemeine Elfäfsische
Bankgesellschaft,FrantfurterHypothekenbank(9Mill.
M., 960909 M.), Frankfurter Hypotheken-Kredit-
Verein (2,7 Mill. M., 200630 M.), Filiale der Bank
für Handel und Industrie (s. d.), Deutsche Effekten-
und Wechselbank (30 Mill. M., 616 000 M.), Mittel-
deutsche Kreditbank (30 Mill. M., 1706378 M.),
Deutsche Vereinsbank (24 Mill. M., 1498696 M.),
Deutsche Genossenschaftsbank, Deutsche Gold- und
Silberscheide-Anstalt, Deutsche Unionbank, Eisen-
bahn-Nentenbank, Frankfurter Gewerbekasse, Land-
wirtschaftliche Kreditbank, Volksbank, Frankfurter
Baubank, Frankfurter Spar- und Leihbank, Kösters
Bank. F. ist Stammsitz des Hauses Rothschild und
hat außerdem noch viele bedeutende Bankgeschäfte
(von Erlanger und Söhne, Gebr. Bethmann, Speyer-
Ellissen u. a.). Die bedeutendern europ. und außer-
europ. Staaten sind durch Konsulate in F. vertreten.
Verkehrswesen. F. liegt an den Linien F.-
Vebra (166,6 km), F.-Gießen-Cassel (199,8 km),
F.-Wiesbaden (42 km), F.-Homburg (19km), F.-
Hanau (22,9 km), F.-Rüdesheim-Niederlahnstem
(123,8 Km) der Preuß. Staatsbahnen, F.-Niedern-
Hausen-Limburg (75,i km), F.-Mainz-Bingerbrück
(68,? km), F.-Aschaffenburg (41,3km), F.-Biblis-
Mannheim (80,9km) und F.-Eberbach (106,i km)
der Hess. Ludwigsbahn und F.-Heidelberg (88,1 km)
der Main-Neckar-Babu. Von F. nach Eschersheim
(FrankfurterLokalbahn) und von Sachsenhausennach
Neu-Isenburg, Niedcrrad und Schwanheim (Frant-
surter Waldbahn, s. d.) sühren Lokalbahnen, von
Sachsenhausen nach Oberrad und Offenbach eine elek-
trische Straßenbahn. Der Hauptbahnhof (s. S.40k,
Weltliche Gebäude) ist für die Preuh. Staatsbahn,