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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frankreich (Kolonien. Landwirtschaft)

burten. Unter den 866377 im J. 1891 geborenen Kindern waren 443227 Knaben und 423150 Mädchen, darunter 772441 ehelich und 73936 unehelich geboren. Das Verhältnis der unehelichen zu den ehelichen Geburten beträgt für Gesamtfrankreich 8,8 Proz.; im Seinedepartement entfällt auf 4 Geburten eine uneheliche. Die Fruchtbarkeit der Ehen ist eine geringe und geht auch zurück. (S. Zweikindersystem.) Von 1000 Familien haben 200 überhaupt keine Kinder (1856 nur 170), 244 haben 1, 218 haben 3, 52 haben 5, 29 haben 6, nur 22 haben 7 oder mehr. In den J. 1881-87 kamen im Durchschnitt auf eine Familie 3,09, 3,06, 3,08, 3,04, 2,93, 2,95, 2,91 Kinder (1861-65 noch 3,08), in Österreich 4, in Preußen 4,1. Obgleich immer mehr Knaben geboren werden als Mädchen (1887: 105 zu 100, bei totgeborenen 145 zu 100), so ist doch das weibliche Geschlecht in den spätern Lebensjahren immer in der Überzahl und betrug 1881: 50,12 Proz., 1886: 50,18 Proz. - In der geringen Zahl der Eheschließungen und der beständigen Abnahme der Geburten liegt der Hauptgrund dafür, daß der natürliche Bevölkerungszuwachs immer geringer wird und die Bevölkerungszahl viel langsamer wächst als in den meisten andern europ. Ländern. Denn die Sterblichkeit ist eigentlich gering und hat in den letzten Jahrzehnten eher ab- als zugenommen. Auf 1000 E. kamen 1861-70 durchschnittlich 23,6, 1871-80: 23,7, 1881-85: 22,2, 1886: 22,3, 1887: 22,0, 1893: 22,8 Sterbefälle. 1893 entfielen im Durchschnitt 1008 Geburten auf 1000 Todesfälle. Die äußersten Ziffern waren: Pas de Calais 1440 Geburten und im Depart. Gers 730 Geburten zu 1000 Todesfällen. - Die Zahl der Selbstmorde nimmt in F. mit erschreckender Regelmäßigkeit zu. Auf 1 Mill. E. kamen 1827-30 durchschnittlich 54 Selbstmorde, 1846-50: 97, 1856-60: 110, 1866-69: 136. Seit 1870 haben dieselben um 50 Proz. zugenommen. 1871-75 kamen auf 1 Mill. E. 150, 1881: 174, 1883: 191, 1885: 208, 1886: 210, 1887: 210 Selbstmörder. Von den 8187 Selbstmördern des J. 1886 waren 21 Proz. Frauen; 5 Proz. unter 16 Jahr, 30 Proz. über 60 J. alt; 19 Proz. entfielen allein auf das Depart. Seine.

Nur der geringfügigen Auswanderung, die jedoch seit den letzten Jahren schnell anwächst, hat es F. zu verdanken, daß es nicht in noch höherm Grade von Deutschland in der Volkszunahme überflügelt wird. 1878 verließen 2300 Franzosen ihr Vaterland, 1880: 4600, 1882: 4480, 1884: 3770, 1886: 7314, 1887: 11170, 1888: 23339, 1889: 31354, 1890: 20560, 1891: 6217 und 1893: 5528. Die meisten Auswanderer begeben sich nach Nord und Südamerika.

Im ganzen haben seit 1801 nur 82 Arrondissements eine Zunahme der Bevölkerung von 50 bis 100 Proz. zu verzeichnen; 19 haben ihre Einwohnerzahl mehr als verdoppelt und zwar 6 infolge der Ausbeutung der Steinkohle, 7 sind hervorragend gewerbthätig, 5 treiben Seehandel und eins ist Paris.

Vgl. V. Turquon, Répartition géographique et densité de la population en France (im "Journal de la Société de statistique de Paris" 1886); Levasseur, La population française (3 Bde., Par. 1889-92); Schöne, Histoire de la population française (ebd. 1893).

Kolonien, s. Französische Kolonien.

Landwirtschaft. Die Lage in der Mitte der gemäßigten Zone und zwischen zwei Meeren und die Bodenbeschaffenheit weisen auf den Landbau als Hauptnahrungsquelle hin. Die fruchtbarsten Gegenden finden sich im Norden (in der Umgegend von Paris, im Mündungsgebiet der Seine und Somme und an der belg. Grenze), ferner in der Vendée und im Thal der Garonne und der Rhône. Der unfruchtbarste Teil sind vor allem die Alpen und Pyrenäen und das franz. Centralplateau; ganz unproduktiv sind ferner die Landes südlich der Garonne, die mit Sümpfen und Teichen bedeckte Sologne (Loir-et-Cher), der steinige Boden der Crau (s. d.), die Camargue (s. d.), die Heidestrecken der Bretagne und der Kreideboden der Champagne-Pouilleuse. Von der Gesamtfläche sind 26017582 ha Ackerland, 9455225 ha Wald, 1843580 ha Weinland, 5816640 ha Wiesen und Auen, 478870 ha Gebüsch, 291825 ha Obst-, 77338 ha andere Gärten und Parks. Von dem nicht angebauten Boden (6222537 ha) entfallen 3889171 ha auf Heiden und Viehweiden, 1958750 ha auf felsiges, 328297 ha auf sumpfiges Land und 46319 ha auf Moore. Die Bauten, Wege, Flüsse, Kanäle, Seen u. s. w. beanspruchen außerdem noch 2296483 ha. 1884 wurde der Wert des gesamten Kulturlandes vom Ackerbauministerium auf 91584 Mill. Frs. berechnet, darunter 57600 Mill. Ackerland, 14800 Mill. Wiesen und Weiden, 6888 Mill. Weinberge, 6257 Mill. Wald und 3829 Mill. Gärten. Die Grundsteuer brachte 1891: 388,5 Mill. Frs.; davon entfallen 242 Mill. auf nicht bebautes Terrain. 1892 zählte man 9089218 bebaute Grundstücke (8949036 Häuser, 140177 Fabriken).

Während die Zahl der Grundbesitzer zur Zeit der Revolution auf 4 Mill. geschätzt wird, soll dieselbe jetzt 8 Mill. betragen. Das Land ist in 135 Mill. einzelne Parzellen von 39 a mittlerer Größe (in den Depart. Seine und Seine-et-Oise von 20, in Landes von 81 a) zerteilt. Durch diese große Zerstückelung, zu welcher vorzugsweise das Princip gleicher Erbteilung beigetragen hat, ferner durch hohe Steuern, gesteigerte Arbeitslöhne, Mangel an Kapital und Kredit ist die Landwirtschaft in eine üble Lage gekommen. Auch sind nur 79,8 Proz. der Landwirte wirklich Eigentümer, 13,8 Proz. sind Pächter (fermiers) und 6,4 Proz. Meier (métayers), welche für die Bebauung des Feldes einen bestimmten Teil des Ertrages beziehen. Hiernach gliedert sich der Boden in drei Teile, auf dessen ersten 59,8, auf den zweiten 27,2, auf den dritten 13,0 Proz. entfallen. F. deckt weder seinen Bedarf an Getreide noch an Fleisch. Seit 1885 versucht die Regierung durch Einfuhrzölle auf Getreide, Mehl, Vieh und Fleisch der Landwirtschaft aufzuhelfen. Gleichzeitig ist man auch bestrebt, durch Entwässerungs- und Drainagearbeiten, durch Einführung besserer Kulturmethoden, durch Errichtung landwirtschaftlicher schulen, durch Aufforstung, ferner durch Einrichtung von Musterschäfereien in Haut Tingry (Pas-de-Calais) und Rambouillet und einer großen Molkerei in Corbon (Calvados), durch Ausstellungen und Auktionen von Zuchttieren die Landwirtschaft zu heben. Der Wert des Grund und Bodens ist seit der Revolution um mehr als das Dreifache gestiegen. 1789 betrug der mittlere Kaufpreis 500, 1850: 1275, 1879: 1830, 1889: 1700 Frs. für 1 ha. Am höchsten stellt er sich in dem Depart. Nord, am niedrigsten in Hautes-Alpes. Seit 1881 besteht ein eigene Ackerbauministerium.

Nachfolgende Tabelle giebt eine Übersicht über Anbaufläche (1000 ha) der wichtigsten Getreidearten, und Ernteergebnis (1000 hl) für den Durch-^[folgende Seite]