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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frankreich (Landwirtschaft)

hauptsächlich in Dordogne, Corrèze, Charente, Ardèche und Vienne und lieferte (1891) 842320 Doppelcentner im Werte von 17876063 Frs. In den südl. Strichen, von Var an, wachsen Orangen, Citronen, Feigen, Mandeln (etwa 300000 hl à 20 Frs.), von Cannes an einzelne Dattelpalmen. - Das meiste Olivenöl wird in den Depart. Var und Alpes-Maritimes gewonnen; der Ölbaum (150000 ha Anbaufläche) reicht im Rhônethal bis nach Montélimar hinauf. Von den andern Ölpflanzen liefern Raps (Colza) für 18,5, Rübsen für 2,2 und Nelken für 6,1 Mill. Frs. Öl. Die Zucht des Maulbeerbaums wird besonders in den südöstlichen Depart. Drôme, Ardèche, Vaucluse, Gard stark betrieben und giebt (1891) 1933812 Doppelcentner Blätter im Werte von 9,4 Mill. Frs. Die Blumenpflanzungen in der Provence und in Languedoc, auch in der Gegend von Lille, Caen und Grasse veranlassen Blumenhandel und liefern ätherische Öle und Essenzen.

Weinbau. Der Anbau der Rebe ist fast über das ganze Land ausgedehnt und fehlt nur nördlich von einer Linie Morbihan über Chartres nach Sedan. F. übertrifft hinsichtlich der Weinproduktion und vielleicht auch hinsichtlich der Güte des Weines alle Länder der Erde. Die berühmtesten und gesuchtesten Sorten sind die auf den sonnigen Hügeln der Champagne bei Reims und Epernay wachsenden Champagner (s. d.), die auf den Kalkfelsen der Ostseite der Côte-d'Or erzeugten Burgunderweine (s. d.) und der Médoc, welchen ein Streifen zwischen der Gironde und den Landes liefert. Zu den gewöhnlichern gehören die von Unterburgund, der Franche-Comté, von Mâconnais und Beaujolais, Untermédoc, Languedoc u. s. w. Im J. 1788 schätzte man das gesamte zu Weinbau benutzte Land auf 1568000 ha mit einem Ertrage von 25 bis 30 Mill. hl; 1808 gaben 1614000 ha Weinland 28 Mill. hl, 1850: 2182000 ha 45,3 Mill. hl Wein. Durch die Verheerungen des Oidium (s. d.) im J. 1850 sank das Gesamtergebnis 1855 bis auf 15,2 Mill. ha herab. Sehr gute Weinjahre waren später 1865, wo 68,9 Mill. und 1875, wo 83,3 Mill. hl erbaut wurden. Seit dieser Zeit ist aber die Ernte zurückgegangen. Dieser Rückgang rührt besonders von den Verwüstungen der Reblaus her. Dieselbe hatte von 1865 bis 1890 63 Departements angesteckt und zwar gerade die besten Weingegenden, so daß 1888-90: 6000 Gemeinden in 55 Departements von der Vergünstigung des Steuererlasses Gebrauch machten. Über die Bekämpfung der Phylloxera durch Neubepflanzung mit amerik. Reben u. s. w. s. Reblaus. Der Ertrag erreichte 1860-69 im zehnjährigen Durchschnitt 50,24 Mill. hl, 1870-79: 52,92 Mill. hl, 1880-89: 33,49 Mill. hl.

^[Tabelle]

Jahre Anbaufläche Ertrag überhaupt hl Ertrag auf 1 ha hl

1885 1971282 31481124 16,18

1886 1907550 30386234 16,24

1887 1919878 25365441 13,61

1888 1838360 30654153 16,67

1889 1836831 24031771 13,08

1890 1816544 27416327 15,09

1891 1763374 30139000 17,00

1892 1783000 29082000 16,00

1893 1821155 50703000 27,00

1894<sup>1</sup> 1766841 39052000 -

<sub>1</sub>10 Monate.

Der Erntewert für 1881 beträgt nur ein Drittel des durchschnittlichen Jahresertrages aus dem Jahrzehnt 1870-79; er betrug 1891: 1009, 1892: 912 Mill. Frs., der mittlere Preis an Ort und Stelle für 1 hl 33,5 und 31,4 Frs.

Sehr bedeutend ist der Weinverbrauch. Im Durchschnitt des Jahrzehnts 1850-59 wurden 21,8 Mill. hl (d. i. 0,6 hl pro Kopf), 1870-79: 38,1 Mill. hl (d. i. 1 hl pro Kopf) verbraucht. Ein kleiner Rückgang infolge der gestiegenen Preise trat seit 1880 ein; 1885 wurde der Verbrauch auf 36,6, 1886 auf 35,6, 1887 auf 34 Mill. hl geschätzt. Bier und Kunstwein (Produktion 4,29 Mill. hl) kommen mehr in Aufnahme. Infolge des strengen Gesetzes vom 26. Juli 1890 und der Erhöhung des Zolls auf Rosinen fiel die Kunstweinproduktion bis 1892 auf 1,05 Mill. hl. Auch die Fabrikation der verzuckerten Weine (vins de sucre) nimmt ab.

Der Ausfall in der Ernte muß durch gesteigerte Einfuhr (aus Spanien, Algier, Italien, Portugal, Österreich-Ungarn) ersetzt werden. 1867-76 wurden jährlich durchschnittlich 406200 ein- und 3283400 hl ausgeführt, 1882-91: 10,17 Mill. und 2,44 Mill. hl, 1891: 12,27 und 2,04 Mill. hl. Allerdings sind die ausgeführten Weine die bei weitem wertvollern; ihr Wert erreichte im Durchschnitt der J. 1880-84: 243,7, 1885-89: 248,5, 1892: 223,3 Mill. Frs.; während die Einfuhr sich auf 342,7, 434,3 und 302,1 Mill. Frs. stellte.

In den Depart. Ille-et-Vilaine, Sarthe, Seine-Inférieure, Eure, Calvados, Mayenne und Orne wird viel Obstwein oder Cider bereitet (von 1882 bis 1891 durchschnittlich jährlich 11,98 Mill. hl). 1894 wurden 15,54 Mill. hl gewonnen. Das Maximum (1893) betrug 31,61, das Minimum (1889) 3,7 Mill. hl.

Viehzucht. Die Wiesen- und Weidelandschaften sind durch den Ackerbau immer mehr eingeschränkt worden und bestehen aus 5075452 ha natürlichen (Ertragswert 848 Mill. Frs.) und 2413770 ha künstlichen Wiesen (Klee- und Luzerneanpflanzungen; Ertragswert 555,2 Mill. Frs.), von denen jene durchschnittlich 31 Ctr., diese dagegen 41 Ctr. Futter liefern. Die meisten natürlichen finden sich im Nordwesten des Landes (Halbinsel Cotentin und Umgebung) und in einem Landstrich vom Jura und den südl. Vogesen bis in das Centralplateau hinein; künstliche enthält besonders die Picardie und Flandern. Der geringe Prozentsatz des Wiesenlandes gegenüber dem Ackerland und der bedeutende Fleischverbrauch bewirkte, daß die Viehzucht den Bedarf des Landes nicht deckt und besonders Schlachtvieh eingeführt werden muß.

Der Pferdezucht wird im Interesse der Armee erhöhte Sorgfalt gewidmet, und der Staat verwendet alljährlich große Summen für sie. Die Stutereien zu Le Pin in der Normandie und Rosières in Lothringen liefern edle Vaterpferde zur Kreuzung mit Landpferden. Gute Arbeitspferde sind die Ardenner, Normänner (die Boulogner und Percherons), Bretagner und flandr. Pferde, während sich die Limousiner wegen ihrer arab. Abkunft durch schöne Formen, die von Morbihan und Calvados durch Ausdauer auszeichnen. Am 31. Dez. 1891 wurden 2883460 im Dienste des Landbaues stehende Pferde gezählt, während die Gesamtzahl auf 3500000 geschätzt wird. Jedoch ist der Pferdebestand in den Departements des Nordens und Nordwestens: Seine (Paris hatte 1884 außer den Armeepferden 71676), Finistère, Côtes-du-Nord, Marche und in Mayenne