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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Franz I. (König von Frankreich) - Franz II. (König von Frankreich)
seines Bruders Ludwig XI. sichern wollte. Erst
1475 kam der Friede bei Senlis zu stände, ohne
doch die Feindschaft der Parteien zu beendigen.
1478 schloß F. ein Bündnis mit Eduard IV. von
England, dessen Thronerben er mit seiner Erbtochter
Anna verlobte. Ludwig XI. starb, im Begriff F.
anzugreifen, 1483; sein Nachfolger Karl Vlll. aber
ließ es seine vornehmste Aufgabe fein, F. zu bän-
digen. Die Eroberung von Nantes und die Nieder-
lage bei St. Anbin (Juli 1488) brachen in der That
die Macht des Herzogs; bald darauf^(Sept. 1488)
starb er ohne männlichen Erben, ^eine Tochter
Anna (s. d.) wurde zur Ehe mit Karl VIII. gezwungen.
Franz I., König von Frankreich, 1515)-47,
geb. 12. Sept. 1494 zu Cognac, Sohn Karls von
Orlöans, Grafen von Angonleme, und der Luise
von Savoyen, bestieg nach dem Tode seines Schwie-
gervaters Ludwig XII. als Eukel von dessen Vaters-
bruder 1. Jan. 1515 den Thron. Sofort nahm er
die ital. Eroberungspolitik seines Vorgängers (s.
Ludwig XII.) auf; mit einem bedeutenden Heere zog
er über die Alpen und erfocht 13. und 14. Sept. 1515
in den Ebenen von Marignano über die Schweizer
einen glänzenden Sieg, wonach Maximilian Sforza
weichen mußte und ihm das Herzogtum Mailand
zufiel. Auch Genua erklärte sich für den Zieger, und
Papst Leo X. schloß mit ihm zu Bologna ebenfalls
Frieden und das Konkordat von 1516. Noch in dem-
selben Jahre kam mit Karl I. von Spanien, dem
nachmaligen Kaiser Karl V., der Fricdensvertrag
zu Noyon zu stände. Nach Kaiser Maximilians
Tode (1519) warben F. und Karl um die deutsche
Kaiserkrone. Ungeachtet der großen Summen, die
F. zur Bestechung der deutschen Kurfürsten ver-
wandte, und der Hilfe des Papstes mußte er doch
seinem Nebenbuhler weichen, und fortan begann
zwischen beiden ein fast ununterbrochener Kampf.
Karl V. rang um die kaiserl. Oberherrschaft, F. ver-
teidigte die Selbständigkeit Frankreichs gegen den ihn
umfassenden Gegner. 1521 brach der Kampf offen aus
an den Pyrenäen, an der niederländ. Grenze und in
Italien. 1521-22 verlor F., namentlich durch die
Schlacht bei Vicocca (s. d.), Italien; infolge innerer
Zerwürfnisse siel der Connstable Charles von Vour-
bon zum Kaiser ab (1523), schlug 1521 die Franzosen
in Italien und drang in die Provence ein; doch trieb
F. ihn zurück und folgte ihm über die Alpen nach:
da traf den König 24. Febr. 1525 bei Pavia die
Niederlage, die ihm die Freiheit tostete. Nach
Madrid abgeführt, ward er zum Vertrage vom
14. Jan. 1526 genötigt, worin er feine Ansprüche
auf Neapel, Mailand, Genua, Asti wie die Ober-
herrlichkeit über Flandern und Artois aufgab, das
Herzogtum Burgund abzutreten und die Schwester
des Kaisers, Eleonore, zu heiraten vorsprach. Bis zur
Erfüllung des Vertrags mußte er seine zwei jüngsten
Söhne als Geiseln stellen. Nach seiner Befreiung ver-
weigerte F. indes die Abtretung von Vnrgund unter
dem Vorwande, von den Ständen daran verhindert
zu werden, und schloß mit dem Papste Clemens VII.,
Heinrich VIII. von England und mehrcrn ital. Fürsten
22. Mai 1526 zu Cognac eine sog. Heilige Ligue, die
den Fortschritten des Kaisers Einhalt thun sollte.
Diesem Bündnis zufolge ließ F. 1527, nach der Ein-
nahme Roms durch die Kaiserlichen, ein großes
Heer unter dem Marschall Lautrec in Italien ein-
rücken, das bis Neapel vordrang, durch die Pest
aber zurückgejagt wurde. So sah sich F. gezwungen,
5.Aug. 1529 den sog. Damenfrieden zu Cambrai (s. d.)
zu schließen, demgemäß er seine Sö'lme mit 2 Mill.
Thlrn. auslösen und auf Italien, Flandern und
Artois verzichten mußte. Doch bald trat F., dessen
Politik Anne dc Montmorency (s. d.) zu leiten suchte,
mit dem Papste, prot. und kath. Fürsten Teutsch-
lands, Magyaren und Türken gegen Karl in Ver-
bindung. Als sforza 1535 gestorben war, mußte
Montmorency der Kriegspartei nachgeben; er ver-
teidigte mit Glück 1536 die Provence gegen den
Kaiser, brachte 1538 einen neuen Waffenstillstand
zu Nizza zu stände; aber die Interessen der zwei
Herrscher waren allzu feindlich, schon 1541 griff F.,
mit dem Herzoge Wilhelm von Cleve verbunden, ein
viertes Mal zu den Waffen. Wäbrend eine nanz.-
türk. Flotte unter Cheir-eddin Barbarossa die Küsten
Italiens verheerte, verband der Kaiser sich 1543 mit
Heinrich VIII. von England zur gänzlichen Erobe-
rung Frankreichs und schlug den Herzog von Eleve.
Im März 1544 erfocht zwar das franz. Heer unter
Enghien in Italien bei Cerifole einen Sieg; allein
Karl V., von den Protestanten sowie von England
nnterstützt, zog gegen Paris und erzwang im Septem-
ber den Frieden von Cre^py, worin F. die Zusicherung
des burgund.Besitzes undfürseinen Sohn, denHerzog
von Orleans, die Aussicht auf Mailand erhielt, alle
andern Ansprüche aber aufgab. Erst Juni 1546 endete
der Krieg mit England. F.'starb 31. März 1547. Er
hatte seinen größern Gegner immerhin an vollern
Erfolgen gehindert. Im Innern hat er, erst von
seiner Mutter Luise und dem Kanzler Kardinal
Duprat, später von Montmorency, seit 1542 vom
Kardinal Tournon beraten, den königl. Absolutis-
mus bewußter und schärfer als sein Vorgänger
durchgeführt; seine Regierung zeigt einen Gipfel-
pnnkt des franz. Königtums. Den Adel zog er in
seinen Dienst; in Kirche, Gericbt, Verwaltung ver-
band er Einheits- und Machtstreben in glücklicher
Weise. Seine Finauzverwaltung war drückend,
sein persönliches Leben kostspielig, zuchtlos, glän-
zend; er beförderte aufs entschiedenste die neue
Bildung (humanistische Wissenschaft, Baukunst,
Dichtung) auf franz. Boden, belebte das gesamte
geistige Leben; die franz. Protestanten, die unter dem
Schutze seiner Schwester Margarete von Navarra
(s. d.) standen, ließ er erst gewähren, hielt sie
dann aber, aus polit. Ursachen, mit Härte nieder.
- Vgl. Mignet, Rivaiite äo I^Qhoiä 1^ 6t äs
(Hai'l68 Hnint (2 Bde., Par. 1875); Vaumgarten,
Geschichte Karls V. (Bd. 1-3, Stuttg. 1885-92);
Decrue, ^uno äo Nontinoi-kuc^ (Bd. i, Par. 1885);
P. Paris, ^Wä68 8ui- ^1^119013 1" (2 Bde., 1885);
(^tiiloguL (168 act68 ä6 ^1-3.11^013 I" (4 Bde., 1888
-90); Lalanne, ^ourng.! ä'im d0ui'Z60i8 äe ?ai-i3
(1854); Guiffrey, OonihiiL än i ov 1^1190131 (1860).
Franz II., König von Frankreich (1559-60),
geb. 19. Jan. 1544 zu Fontainebleau, der älteste
Sohn Heinrichs II. und der Katharina, von Medici,
bestieg 10. Juli 1559 den Thron. Sckon 1558 hatte
man den gebrechlichen Knaben mit Maria (^tuart,
der Tochter König Jakobs V. von Schottland und
der Maria Guise, vermählt, die ihre Oheime, die
katholisch gesinnten Gnisen, an den Hof und an die
Spitze der Verwaltung brachte. Deren Partciregi-
ment einigte alle ihre Gegner zu gemeinsamem
Widerstände, der nach Reichsständen rief und hitzige
Ausbrüche gewaltsamer Art herbeiführte, wie zumal
die sog. Verschwörung von Amboise unter Ludwig I.
von Condö (s. d. und Hugenotten), die März 1560
entdeckt und blutig bestraft wurde. Ein zweiter Plan,