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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Französische Befestigungsmanier
das italienische. Vauban (1633-1707), der be-
rühmteste Kriegsbaumcistcr nicht nur Frankreichs,
der den Neubau von 33 und den Umbau von etwa
300 festen Plätzen geleitet hat, vereinfachte die For-
men Pagans und verstand die Befestigungen scbr
geschickt dem Gelände anzupassen. Die von Vauban
zuerst und zumeist angewendete Anordnung des
Grundrisses wird seine er st e, spätere Abänderungen
werden seine zweite und dritteManier genannt.
Leitender Gedanke der erst en Man i er ist das Be-
streben, durch Bastionierten Grundriß (s. d.) voll-
ständige Grabenstankierung vom hohen offenen Walle
aus zu erreichen. Vauban giebt der Polygonseite 1'
eine Länge von 320 bis 400 in. Der Konstruktions-
perpendikel scä in der Figur unter Bastioniertcv
Grundriß, Bd. 2, S. 481)'^ '/g I>, die Bastion^-
faccn -^ ^ I>. Die Flanken standen weocr zur Knrtin.e
^vch zur Dcsenslinie senkreckt. Bei den ältesten Be-
festigungen Vaubans sind die Flanken hinter sog.
Orillons zurückgezogen (linke Hälfte von beistehender
Fig. 1), später einfach geradlinig ohne Orillons
(rechte Hälfte von Fig. 1). Die Bastione sind bald
bohl, bald voll, letztere meist mit Kavalier. Der
mit gemauerter Kontereskarpe versehene Graben
hat vor den Vastionsspitzen eine Breite von 32 bis
36m. Fig. 2a stellt die Bastionsflanke dar; vor
der Kurtine liegt eine Grabenschere (Fig.2d). Da
1688) fuchte Vauban dem Mangel an innern Ab-
schnitten dadurch abzuhelfen, daß er die Vastione vom
Hauptwalle trennte und letzterm einen einfachen
polygonalen Grundriß gab, an dessen Ecken tcmi-Z
dH3tionu<?68 (Vollwerkstürme) zur Grabenflanlie-
rung erbaut wurden. Da die kasematiierten Flanken
sich die Rasanten der Flankenbrustwehren vor der
Mitte der Kurtine über der Grabensohle schneiden,
so entsteht ein toter Winkel, der durch einen gleich-
zeitig als gedeckter Verbindungsweg dienenden
Doppelk o ffer zum Teil beseitigt wird. Das Ra-
velin (Fig. 2e) ist klein und springt mit seiner
__.....,...,.M^
d. Grabenschere.
spitze nur 5)0-60 in über die Polygonseite vor;
seine Facen sührten in ihrer Verlängerung auf die
Schulterpuntte der Bastion (später 10 in über-
greifend). DerRavelingraben ist 5 in tief und 20 in
breit. Das Reduit des Ravelins ist entweder als
Schartenniauer oder als kleines offenes Erdwert
angeordnet. Der Gedeckte Weg (Fig. 2ä), 10 in
breit, liegt im toten Winkel des Hauptwalles und er-
fordert daher eine Palissadierung. Das Profil blieb
unverändert, das Eökarpenmauerwert ungedeckt.
In seiner zweiten Manier (nach dieser sind
nur zwei Plätze erbaut: Velfort 1682 und Landau
Fig. 3.
der Türme eine niedere Grabenbestreichung ermög-
lichen, so wird bei dieser Manier auch die Anwen-
dung sehr kurzer Fronten angängig, während die
vom hohen Walle aus zu bewirkende Flankierung
bei der ersten Manier zur Vermeidung toter Winkel
lange Kurtinen notwendig machte.
Die dritteManier (nach dieser ist nur Neu-Brei-
sach erbaut 1697) unterscheidet sich von der zweiten
hauptsächlich dadurch, daß die langen Polygonseitcn
nach Art bastionierter Fronten gebrochen und mit
turzen tasemattierten Flanken versehen sind. Außer-
dem sind in dieser Manier die Bollwerkstürme, Ba-
stione, Raveline und Ravelinreduits größer, das
Commanoement des Hauptwalles ist behufs
besserer Bestreichung des gedeckten Weges verrin-
gert und das Revetement, bis zum Cordon gedeckt,
zum Teil als halbe, nicht völlig sturmfreie Futter-
mauer aufgeführt. (Fig. 3.)
Cormontaigne (s. d.) verwarf die Anwendung
von Flankenkasematten zur niedern Grabenbestrei-
chung gänzlich und vergrößerte lbci gleicher Länge
der Polygonseite und
die Vaubanschen Vastione (erster Manier), indem
er ihre Face ^ ^ I>
machte. Im Innern
der Vastione empfahl
er auf den dem förm-
lichen Angriff beson-
ders ausgesetzten
Fronten die Anlage
von .Kavalieren, die
durch Anschlüsse an
die hintern Enden der
Vastionsfacen mit da-
vorgelegten Coupuren Zu permanenten Ab-
schnitten gemacht werden sollen. Wenn Kavaliere
lauf den weniger gefährdeten Fronten) nicht erfor-
derlich sind, will er das Bastion von: HauptwaU
trennen und hinter seiner Kehle die anstoßenden
Kurtinen durch eine kleine bastionierte Front ver-
binden. Die Spitze des Navelins ließ er etwa 100 in
über die Polygonseite vorspringen und die Verlän-
gerung der Facen desselben 30in über die Basüons-
i chulterpunkte übergreifen, wodurch der innere Raum
des Ravelins bedeutend vergrößert wird. Die Es-
tarpcnmauer wurde durch das Glacis gegen Ticht
c Ravelin.
d. Gedeckter Weg.