Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Französische Kreide; Französische Kunst

150

Französische Kreide - Französische Kunst

Kolonien und Schutzgebiete qkm Einwohner

Afrika:

Algerien 667100 4174700 (1891)

Tunis (Schutzstaat) 116300 1500000 (1883)

Senegal 38000 (?) 194000 (?)

Französisch-Sudan 400000 (?) 2000000 (?)

Französisch-Guinea mit Dahome 130000 (?) 890000 (?)

Französisch-Kongo 600000 (?) 3000000 (?)

Schutzgebiete Tedschura u. Kubbet - 14600

Obok - 7770

Asien:

Ind. Besitzungen (Pondichéry usw.) 509 283053 (1891)

Cochinchina 59500 1876689 (1889)

Annam } 230000 6000000

Kambodscha } (Protektorate) 100000 814757

Tongking } 100000 10000000

Amerika:

St. Pierre und Miquelon 235 5929 (1889)

Guadeloupe (mit Dependenzen) 1870 165899 (1889)

Martinique 988 175863 (1888)

Französisch-Guayana 78900 25796 (1888)

Südsee:

Neu-Caledonien u. Loyalty-Inseln 19823 62714 (1887)

Wallis-Inseln }

} (Schutzgebiete) 255 5000

Futuna und Alofi }

Französisch-Oceanien (Tahiti-Gruppe, Inseln unter dem Winde, Marquesas-, Paumotu-, Gambier- und Tubuai-Inseln) 4108 28129 (1889)

Clipperton-Insel 6 -

Indischer Ocean:

Réunion 1980 165915 (1889)

Mayotte 366 12270 (1889

Comoren 1606 53000

Diego Suarez } 4607

Nossi-Bé } 7803

} 591964

Ste. Marie de Madagaskar } 7667

Madagaskar (Schutzstaat) } 3500000

Insel St. Paul 7 -

Insel Neu-Amsterdam 66 -

Vgl. Rambaud, La France coloniale (Par. 1886); Vignon, Les colonies françaises (ebd. 1885); Mager, Atlas colonial (ebd. 1886); Henrique, Les colonies françaises (6 Bde., ebd. 1889-90); Gaffarel, Les colonies françaises (neue Aufl., ebd. 1893); Petit, Organisation des colonies françaises (Nancy 1894).

Französische Kreide, s. Schwarzkreide.

Französische Kunst, jene Kunst, welche sich seit der Verschmelzung der Franken mit den im alten Gallien ansässigen roman. Kelten sowie mit den Romanen der südl. Lande zu einer Nation entwickelte, im weitern Sinne aber alle auf dem Boden des heutigen Frankreichs entstandene Kunst. (Hierzu die Tafeln: Französische Kunst I-VI.)

1) Baukunst. Die Menhir (s. d.) und Dolmen (s. d.), welche sich in Frankreich in nicht geringer Anzahl finden, gehören einer vorgeschichtlichen Zeit an. Mit dem Eintritt in den röm. Interessenkreis und mit der Unterwerfung durch Cäsar wurde Frankreich dem antiken Bauwesen zugeführt, welches in allen Teilen des Landes, sowohl im Süden (Maison carrée, ein korinth. Tempel von vorzüglicher Erhaltung, zu Nîmes) als im Norden (Triumphthor zu Reims) monumentale Werke hinterließ. Erst mit der beginnenden Befestigung des nationalen Königtums im frühen Mittelalter erscheint eine selbständige Architektur des romanischen Stils, die sich aber ganz wesentlich nach den einzelnen Landesgebieten unterscheidet. Im südl. Frankreich wird im 12. Jahrh. die Überwölbung der Bauten durch die Tonne angestrebt, sodaß diese über den Mittelschiffen der basilikalen Kirchenanlagen ruht, während zwei Halbtonnen strebbogenartig die Seitenschiffe überdecken. Das Detail zeigt noch deutlich den Zusammenhang mit der Antike, soweit dies die ungeübte Meißelführung und die technische Unsicherheit gestatteten. Die Kathedrale zu Avignon, die Kirchen zu St. Gilles, St. Trophime zu Arles zeigen diese Anlage in fortschreitender Entwicklung; St. Sernin zu Toulouse, die Abteikirche zu Conques und Notre-Dame du Pont zu Clermont stellen die Vollendung dieser strengen, wuchtigen Kunstrichtung dar, welche sogar dort, wo albigensische Einflüsse sich geltend machten, in ihrer Formeneinfachheit vor schlichten, tonnengewölbten Saalbauten (Kathedrale zu Toulouse, Béziers u. a.) nicht zurückschreckte. Höher noch entwickelte sich die Baukunst in Burgund unter dem Einfluß der Cistercienser und Cluniacenser. Während die erstern die Veranlassung gaben, daß fast alle Cistercienserkirchen gewisse von der strengen Regel geforderte Eigentümlichkeiten: die schlichte Größe, den geraden Chorabschluß, den Mangel an Türmen übernahmen, wurden durch die Cluniacenser die mit Kapellen und Umgängen versebenen reichen Chorhäupter, welche im nördl. Frankreich zuerst in Anwendung kamen, für die ganze christl. Baukunst auf lange Zeit vorbildlich. Schon in der neuerlich ausgegrabenen Grabeskirche des heil. Martin zu Tours (472 geweiht) zeigt sich eine solche Chorentwicklung. Im westl. Frankreich bildeten sich Kuppelkirchen heraus, welche jenen der Byzantinischen Kunst (s. d.) nahe verwandt sind. Beispiele sind die Kathedralen zu Cahors (Ende des 11. Jahrh.) und Angoulême (12. Jahrh.). Das vollendetste, überhaupt eins der raumschönsten Werke ist St. Front zu Perigueux, dessen Anordnung und Maße mit der Markuskirche zu Venedig übereinstimmen. In der Normandie endlich bildete sich ein Bausystem von strenger Gesetzmäßigkeit, einfacher klarer Grundanlage aus, welches die Kreuzgewölbe mit der Basilika in innigen Zusammenhang brachte, den Turmbau stattlich bedachte und in der Ornamentation jene Linienspiele und Rankenwerke nicht vergaß, welche die Eigentümlichkeit der nordischen Frühzeit sind. Die Kirche St. Etienne (s. Taf. II, Fig. 3) und die Dreifaltigkeitskirche zu Caen dürfen als Beispiele normann. Kunst des 11. Jahrh. und als Vorbilder für die mit Wilhelm dem Eroberer über den Kanal schreitenden engl. Kunstart gelten. Im mittlern Frankreich beginnt sich früh das System des Gotischen Stils (s. d.) auszubilden, welches hier seine eigentliche Wiege hat. Die 1144 geweihte Kirche von St. Denis bei Paris zeigt zuerst das Strebesystem mit dem Spitzbogen und den reich entwickelten Chorabschluß, also die entscheidenden Merkmale franz. Frühgotik. Die Kirche St. Remi zu Reims, die Kathedralen von Paris (s. den Grundriß Taf. II, Fig. 13, und Tafel: Pariser Bauten, Fig. 1, beim Artikel Paris), Laon (s. das Kapital Taf. I, Fig. 7), Bourges, entwickeln diese in der glanzvollsten Weise fort, sodaß mit dem beginnenden 13. Jahrh. die Gotik ihre herrlichsten Werke in Angriff nehmen konnte. Die Kathedralen zu Chartres (1195-1260; s. Taf. I, Fig. 2, und den Grundriß Taf. II, Fig. 14), Reims (1212 begonnen; s. Taf. I, Fig. 4 u. 6), Amiens (1220-88; s. Taf. I, Fig. 1 u. 3), Beauvais, die Samte Chapelle zu Paris (1243-51; s. Taf. II, Fig. 5) zeigen in fortschreitender Verfeinerung die got. Kunst auf ihrer höchsten Höhe sowohl in kraftvollem Ausdruck ihrer Baugedanken als in monumentaler Größe und stilistischer Vollendung. Die Grundrisse erhalten bis zu fünf Schiffe, das Chorhaupt wird in einen Kranz von Kapellen aufgelöst, die Quer-^[folgende Seite]