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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Französische Revolutionskriege
heim, sodaß die Verbündeten nur noch Mainz auf
dem linken Nheinufer besaßen; England hatte schon
seit 1. Okt. nicht mehr Subsidien gezahlt, und 20000
Mann waren vom Rhein nach Polen abberufen wor-
den. Unter diesen Umständen fchloß Preußen zu Basel
5. April 1795 mit Frankreich Frieden und überließ
demselben das linke Nheinufer. (S. Baseler Friede.)
In Italien standen 1794 40000 Österreicher und
Piemontesen gegen 71000 Franzosen, die im März
zum Angriff schritten. Die Armee von Italien,
36 000 Mann unter Dumerbion, besetzte 4. April
neutrales genuesisches Gebiet, stürmte 10. Mai den
Col di Tenda und trat mit den unzufriedenen Ele-
menten in Turin in Verbindung; die Alpenarmee,
35 000 Mann unter Dumas, befetzte den Kleinen
St. Bernhard und Mont-Cenis. Die Zerrüttung
beider franz. Heere ließ es zu weitcrn Fortschritten
bis zum Jahresschlüsse nicht kommen.
In den Ostpyrenäen drängte ein 50000 Mann
starkes franz. Heer unter Dugommier die nur halb
so starken Spanier und Portugiesen aus den franz.
Grenzplätzen zurück und bemächtigte sich dann der
catalon. Küstenforts, während gleichzeitig 40000
Frauzofen unter Müller (fpäterhin unter Moncey)
Fuentcrrabia und Ernani nahmen und die ihnen
gegenüberstehenden 20000 Spanier bis nach Pam-
plona zurückdrängten. Dugommicr griff 17. Nov.
1794 das fpan. Heer bei Figueras in verschanzter
Stellung an und fand hierbei den Tod; doch er-
litten die Spanier 20. Nov. durch seinen Nachfolger
Perignon eine empfindliche Niederlage, welche die
Kapitulation der starken Festnng Figueras zur
Folge hatte. Die Spanier organisierten hierauf
den Volkskrieg unter Leitung von Urrntia, wurden
jedoch durch das energische Vorgehen Monceys ver-
anlaßt, 22. Juli 1795 mit Frankreich zu Basel Frie-
den zu schließen.
Im I.1795 wurden die am Nhein stehenden Trup-
pen der noch gegen Frankreich verbündeten Mächte
in zwei Heere gegliedert. Das Neichsheer stellte sich
zwischen der ^ieg und dem Main zum Schutze von
Mainz und dem Niederrhein auf', das 100000
Mann starke österr. Heer besetzte den Oberrhein mit
40000 Mann und stellte südlich des Mains 00000
Mann für den Angriff der Pfalz bereit. An Stelle
des Herzogs von Sachsen-Teschen übernahm im
April Clersayt den Oberbefehl über beide Heere.
Ein von Preußen vorgeschlagener Waffenstillstand
wurde von Frankreich abgelehnt, indessen Preußens
Vermittelung angenommen; doch verlangte Frank-
reich die Nheingrcnze, woran die Verhandlungen
scheiterten. Hessen-Cassel schloß allein durch preuß.
Vermittelung 27. Aug. mit Frankreich Frieden.
Die Franzosen hielten Luxemburg blockiert, 70000
Mann standen unter Iourdan am Nhein von Ko-
blenz bis zur Holland. Grenze, 50 000 Mann unter
Pichegru von Basel bis Koblenz und 30000 Mann
unter Michaud fspätcrhinSchaal) vor Mainz. Luxem-
burg verteidigte sich sieben Monate lang, mußte
aber 6. Juni kapitulieren, da alle Vorräte aufge-
zehrt waren. Auf deutscher Seite wurde im Juli der
größte Teil der Hauptarmee (Neichstruppen und
ein Teil der südlich des Mains stehenden österr.
Truppen) unter Clerfayt im Lager von Schwetzin-
gen zufammengezogen, ebenfo der größte Teil der
Armee des Oberrhcins unter Graf Wurmfer für
den Einmarsch in das Elsaß. Clerfayt verstärkte
den rechten Flügel des Nheincordons im August
zwischen Lahn und Wipper bis auf 34000 Mann
und behielt bei Schwetzingen und Mainz uur noch
58000 Mann; Wurmfer verfügte am Oberrhein im
ganzen über 75000 Mann. Iourdan und Pichegru
waren bis auf 178000 Mann verstärkt worden.
Ende August begab sich Iourdan nach Koblenz
und ließ in der Nacht vom 1. zum 2. Sept. die
Nheininfel bei Neuwied besetzen, um die gegenüber
stehenden Truppen dort festzuhalten; 6. Sept. ging
der bis auf 40000 Mann verstärkte linke Flügel
des franz. Heers unter Kleber bei Düsseldorf,
ürdingen und Eichelskamp über den Nhein und
nötigte den Feldmarschalllieutenant Erbach durch
Umgehung seiner rechten Flanke zum Nückzuge,
worauf sich die Besatzung von Düsseldorf, 2000
Pfälzer, ergab. Iourdan zog im Nheinthale auf-
wärts, drängte die Österreicher über Wipper und
! Sieg zurück und nahm 15. Sept. Neuwied, woraus
! sein rechter Flügel dort ebenfalls auf das rechte
Nheinufer überging und Wartenslcben seine drei
Divisionen hinter der Lahn versammelte. Iourdan
rückte 19. Sept. mit 70000 Mann vor, bemächtigte
sich am folgenden Tage durch die Gefechte von Dizt
und Limburg der Lahn, wonach Wartensleben an
den Main zurückwich und dort von der Hauptmache
Clerfayts aufgenommen wurde. Jetzt bezog Iourdan
eine Stellung bei Höchst und lieh Ehrenbreitstein
durch Marceau, Mainz durch Kleber auf dem rechten
Nheinufer einschließen. Zu derselben Zeit wurde
Mannheim an Pichegru seitens der pfälz. Negie-
rung übergeben, worauf er zwei feiner Divisionen am
Neckar aufwärts rücken ließ, um Wurmser von
Clerfayt zu trennen; doch wurden diese Divisionen
24. Sept. bei Handschuhsheim vom österr. Feld-
marschalllieutenant Quovdanovich geschlagen und
nach Mannheim zurückgeworfen. Wurmser rückte
mit seiner Hauptmacht an den Neckar, und die Be-
satzuug von Mainz vertrieb 3. Okt. die Franzosen
aus Vischofsheim und Ginzheim, wodurch die Fe-
stung wieder die Verbindung mit dem kaiserl. Heere
erlangte. Clerfayt überfchritt 10. und 11. Okt. den
Main mit 42000 Mann bei Offenbach und Seligen-
stadt, rückte an die Nidda und bestimmte 29. Okt.
Iourdan zum Nückzuge fowie zur Aufhebung der
Blockade von Mainz und Ehrenbreitstein; ^dha^t
! verfolgt, ging Iourdan über die Lahn und Sieg
und dann auf das linke Nheinufer zurück.
Clerfayt kehrte gegen Ende Oktober mit der Haupt-
macht an den Main zurück, ließ aber an der Sieg und
am Nhein Abteilungen zur Beobachtung Iourdans
stehen. Inzwischen hatte auch Wurmser 18. Okt. vor
Mannheim mit 27000 Mann einen Sieg über Piche-
grn erfochten und darauf Mannheim eingefchlossen.
Clerfayt führte 28.Okt.30000Mann überdieNhein-
brücke nach Mainz, erstürmte tags darauf die auf
dem linken Ufer angelegten schanzen und schlug das
franz. Blockadekorps, das hinter die Nahe zurückging.
Pichegru ließ nunmehr 10000 Mann in Mannheim
stehen und sührte den Nest feiner Truppen hinter die
Pfriem, während Iourdan auf dem linken Nheinufer
bis an die Mosel heranrückte. Wurmser ließ Mann-
heim beschießen, erzwang oie Näumung des Brücken-
kopfes und erreichte 22. Nov. die Kapitulation des
Platzes, dessen Besitz in Verbindung mit Mainz
den beiden kaiserlichen, nunmehr nahe beieinander
stehenden Heeren für die weitern Operationen große
Vorteile gewährte. Ader die errungenen Erfolge
wurden wegen des zwifchen Clerfayt und Wurmser
bestehenden Zwiespalts nicht unmittelbar ausge-
nutzt; erst 10. Nov. wurde Pichegru an der Pfriem