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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Französische Sprache; Französisches Hustpulver

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Französisches Hustpulver - Französische Sprache

boote mit 48 Mann; 1 Unterseetorpedoboot mit 4 Mann; 14 Transportavisos mit 75 Kanonen und 1497 Mann; 8 Transporter I. Klasse mit 41 Kanonen und 2514 Mann; 5 Transporter II. Klasse mit 11 Kanonen und 1256 Mann; 6 Transporter III. Klasse mit 8 Kanonen und 423 Mann; zusammen 321 ungepanzerte Schiffe mit 596 Kanonen (außer den Schnellfeuer- oder Revolverkanonen derjenigen Schiffe, deren einzige Bewaffnung diese Geschütze bilden, wie die Torpedoavisos, die Avisos II. und III. Klasse u. a.) und 24989 Mann. Die franz. Kriegsmarine zählt also 365 gepanzerte und ungepanzerte Schiffe mit 1161 Kanonen ausschließlich Schnellfeuer- und Revolverkanonen. Dazu sind noch einige von den Schiffen zu rechnen, welche 1893 als im Bau begriffen aufgeführt wurden, von denen der größere Teil inzwischen fertig gestellt sein wird, während andererseits die Zahl der seit 1893 etwa ausgeschiedenen, noch nicht bekannt gewordenen Schiffe abzuziehen bleibt. Als im Bau begriffen sind aufgeführt: 8 Geschwaderpanzerschiffe, 4 Küstenpanzerkreuzer, 6 Panzerkreuzer (mit Panzerdeck), 2 Panzerkanonenboote, sowie von ungepanzerten Schiffen: 3 Kreuzer I. Klasse (mit Panzerdeck), 7 Kreuzer II. Klasse, 1 Kreuzer III. Klasse, 2 Torpedokreuzer, 1 Torpedodepotschiff (mit Panzerdeck), 4 Torpedoavisos, 17 Hochseetorpedoboote, 45 Torpedoboote I. Klasse, 1 Unterseetorpedoboot, 1 Kanonenboot, 1 Transportaviso, 1 Transporter II. Klasse.

Das Personal umfaßt (1893): 45 Admirale, 1790 Seeoffiziere aller Grade; 162 Maschineningenieure, 135 Bauingenieure, 17 Wasserbautechniker; 363 Marinekommissare (Zahlmeister), 468 Ärzte, 24 Geistliche, 29 Inspektoren, 249 Unteroffiziere; 39519 Mann Besatzungen und 1836 Marineveteranen. Der Bestand an Reservemannschaften entspricht allen Bedürfnissen.

Zur Übung von Offizieren und Mannschaften im Frieden und gewissermaßen als Kern für Schlachtflotten bei einer Kriegserklärung werden die jährlich in Dienst gestellten Schiffe in Geschwader oder Schiffsdivisionen zusammengestellt; andererseits befindet sich eine bestimmte Anzahl von Schiffen fortwährend in überseeischen Stationen. An Geschwadern werden gebildet: das westl. Mittelmeer- und Levantegeschwader, das Nordgeschwader; an Schiffsdivisionen sind in den verschiedenen Meeren 7 ausgestellt; überseeische Stationen sind 8. Das Marinebudget betrug 1890: 203148225, 1891: 209563781, 1892: 218396332 Frs. - Vgl. Formation und Taktik der franz. Armee (Berl. 1893); Exner, Die franz. Armee im Krieg und Frieden (2. Aufl., ebd. 1894).

Französisches Hustpulver, s. Brustpulver.

Französische Sprache. Ihr Gebiet ist teils vom Meer, teils von german. Sprachen eingeschlossen und stößt nur im Süden mit dem roman. Idiom zusammen. Die Grenze gegen das Provençalische bildet eine Linie, die sich durch Dauphiné, Lyonnais, Auvergne, Limousin, Périgord und Saintonge zieht. (Vgl. Tourtoulon und Bringuier, Étude sur la limite géographique de la langue d'oc et de la langue d'oïl, Par. 1876.) Im Osten, in der Freigrafschaft, einem Teil von Burgund, im Lyonesischen, der franz. Schweiz, im Depart. Isère und endlich in Savoyen wird die von Ascoli als franco-provençalisch, von Suchier als mittelrhonisch, von Meyer-Lübke als südostfranzösisch bezeichnete Mundart gesprochen, die sich vom Französischen namentlich dadurch unterscheidet, daß sie lat. a nur nach Palatalen zu e wandelt (neben franz. changer, südostfranz. changier, vgl. franz. aimer, südostfranz. amar), sonst aber mehr zum Französischen als zum Provençalischen gehört. (Vgl. Ascoli, Schizzi franco-provenzali, im "Archivio glottologico italiano", Bd. 3.) Auch im eigentlichen Nordfranzösischen lassen sich verschiedene Dialekte unterscheiden: die südwestl. Mundarten (hauptsächlich das Poitevinische), das Normannische, von dem sich im 11. Jahrh. das Anglonormannische abzweigte, das Picardische, das Wallonische, die Mundart der Isle-de-France, das Lothringische, Burgundische und Champagnische. Der wissenschaftlichen Erforschung der Mundarten ist die "Revue des patois gallo-romans" von Gilliéron und Rousselet gewidmet. Eine Bibliographie der franz. Dialekte giebt Behrens in der "Zeitschrift für neufranz. Sprache und Litteratur", Bd. 9 (Oppeln 1887; 2. Aufl. in franz. Übersetzung separat, Berl. 1893).

Die Denkmäler des Französischen reichen weiter hinauf als die irgend einer andern roman. Sprache. An der Spitze stehen die Straßburger Eide von 843, dann folgt bald eine reiche epische Litteratur. Zugleich aber hat das Französische innerhalb der Zeit, in der wir es kennen, stärkere Umgestaltungen erfahren, als die Schwestersprachen, daher sich in der Geschichte der franz. Sprache drei Entwicklungsstufen feststellen lassen: Das Altfranzösische vom Beginn der Litteratur (9. Jahrh.) bis zum 14. Jahrh., das Mittelfranzösische, das 15. und 16. Jahrh. umfassend, und das Neufranzösische. Besonders bemerkenswert ist in der alten Zeit der Unterschied zweier Kasus, z. B. Nom. Sing. ans (Jahr), Acc. Sing. an; Nom. Plur. an, Acc. Plur. ans, genau entsprechend lat. annus, annum, anni, annos. Die Wortstellung ist eine freiere, die lautliche Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten wie heute; vgl. pedre, lat. patrem, neufranz. père, meur (zweisilbig), maturus, neufranz. mûr, fesis = fecisti, neufranz. fis. Die Verbalflexion zeigt viel mehr Mannigfaltigkeit als heute. Auch die Bedeutung der Wörter ist oft eine andere, z. B. entre-prendre heißt unterbrechen, während im Sinne des neufranz. entreprendre (unternehmen) noch emprendre (vgl. engl. emprise) gebräuchlich ist. Grammatiken für Altfranzösisch haben geschrieben: Orelli, Burguy, Schwan (2. Aufl., Lpz. 1893), Horning, Clédat, Bourciez, Suchier (Halle 1893 fg.); Wörterbücher: Du Cange, La Curne de Sainte-Palaye, Roquefort, Burguy, Godefroy.

Das Mittelalter kennt noch keine allgemeine Schriftsprache. Jeder Schriftsteller schreibt seine Mundart; erst seit dem 14. Jahrh. wird das Pariser Französisch mehr und mehr allgemein maßgebend. Mit Franz I. trat durch Studium und Nachahmung der altklassischen Sprachen und Litteraturen ein epochemachender Wendepunkt in der Bildung der franz. Schriftsprache ein, indem ihre Grammatik nach der lateinischen geregelt, vor allem aber die Sprache der Gebildeten durch Aufnahme zahlreicher neuer Wörter bereichert wurde und sich von der Sprache des Volks mehr und mehr entfernte. Durch die Thätigkeit der Französischen Akademie (1635) und durch das sog. Goldene Zeitalter der franz. Litteratur unter Ludwig XIV. erhielt dann diese gewähltere Schrift- und Umgangssprache eine feste, streng abgegrenzte Gestalt, deren Schranken zu durchbrechen erst in neuerer Zeit (seit 1830 ungefähr), aber eben nicht mit Erfolg, die Neuromantiker ge-^[folgende Seite]