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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Französisch-Österreichischer Krieg von 1809

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Französisch-Österreichischer Krieg von 1809'

österr. Truppen wurden hierauf nach dem Brenner gezogen; doch besetzten die Bayern am 19. Innsbruck, wo eine Division belassen wurde; mit der andern Division kehrte Lefebvre nach Salzburg zurück. Vicekönig Eugen war inzwischen in Villach eingerückt, und Chasteler sammelte sein Korps, unter Zurücklassung einer Brigade auf dem Brenner, bei Lienz und Sachsenburg, von wo er durch Kärnten abzog und sich in Steiermark mit dem Banus vereinigte. Doch griff die Brigade Buol, die auf dem Brenner stand, mit den Tirolern unter Hofer, Speckbacher und Haspinger vereint 25. und 29. Mai die Bayern auf dem Berge Isel und bei Volders im Innthale an, worauf die bayr. Division Deroy Innsbruck räumte und nach Rosenheim abzog. Die bayr. Besatzung des Scharnitzpasses wurde von den Tirolern bei Mittenwald geschlagen und rettete sich nach Benediktbeuren. Ganz Tirol war befreit, nur der Kufstein in franz. Besitze. – In Kroatien war die 7000 Mann starke Brigade Stoichevich von Grachacz in der Licca her gegen Dalmatien zu Ende April vorgerückt, hatte Marmonts Vortruppen 27. April überfallen und den Posten Verlika genommen, wurde jedoch von Marmont 16. Mai geschlagen und bis Gospich zurückgedrängt, von wo sie 23. Mai auf höhern Befehl den Rückzug antrat, 30. nach Verbovsko gelangte und in Ran zum Heere des Banus stieß. Marmont ließ in Dalmatien 4000 Mann und zog mit den übrigen Truppen über Zengg nach Fiume. Der Banus marschierte im Juni von Agram nach Marburg und vereinigte sich mit Chasteler, dessen Korps jedoch bald nach Ungarn berufen wurde. Marmont rückte von Fiume nach Laibach und Mitte Juni nach Cilli, worauf der Banus nach Graz zog, dort 24. und 26. Juni Gefechte bestand, demnächst aber vor Marmont nach Ungarn zurückwich. Marmont rückte hiernach zu Napoleons Heer nach Wien ab, sodaß der Banus 2. Juli Graz wieder besetzen konnte.

In Galizien stand Erzherzog Ferdinand mit 38000 Mann (einschließlich Besatzungstruppen), ihm gegenüber im Herzogtum Warschau Fürst Poniatowski mit 30000 Polen und Sachsen. Der Erzherzog ging 15. April über die Pilica, schlug am 19. bei Raszyn die Polen und besetzte 23. April Warschau, doch hielt sich Praga; ein Angriff des von der Narew herangerückten Fürsten Poniatowski wurde am 25. bei Grochow zurückgeschlagen. Der Erzherzog ließ bei Gora eine Brücke über die Weichsel mit Brückenkopf herstellen, der jedoch in der Nacht vom 2. zum 3. Mai von den Polen erstürmt wurde, worauf das österr. Heer aus dem linken Stromufer bis Gombin marschierte; eine Brigade stürmte 15. Mai den Brückenkopf von Thorn und beschoß die Stadt. Poln. Abteilungen waren inzwischen in Galizien bis an den San vorgerückt und bedrohten Lemberg und Sandomir, auch sammelten sich feindliche Scharen bei Posen, und ein russ. Heer von 50000 Mann er schien an der Grenze von Ostgalizien, um dies Land auf Grund des Erfurter Vertrags zu besetzen. Der Erzherzog führte deshalb, nachdem Sandomir, Zamost und Lemberg von den Polen genommen worden, sein Heer 22. Mai von Gombin über Warschau und Rawa gegen Sandomir, das 4. Juni eingeschlossen wurde und 16. Juni kapitulierte. Das österr. Heer bezog hierauf ein Lager bei Opatow, eine Brigade blieb in Ostgalizien, während sich die Russen unter Fürst Galitzin mit dem poln. Heere vereinigten und auf beiden Ufern der Weichsel ↔ vorrückten. Lemberg mußte wieder aufgegeben werden, und zu Anfang Juli zogen sich die Österreicher um Krakau zusammen, wo 11. Juli die Nachricht von der Schlacht bei Wagram und der Befehl, nach Olmütz abzurücken, eintraf. Die Russen und Polen besetzten hierauf Krakau, ihnen gegenüber blieb eine österr. Brigade bei Myszlenice stehen, während der Erzherzog nach Olmütz ging und dort den Befehl über die Truppen in Böhmen und Mähren übernahm, das 7. Armeekorps jedoch über Teschen und Jablunka nach Komorn schickte.

In Franken war Feldmarschalllieutenant Radivojevich von Eger aus 10. Juni mit 3400 Mann eingerückt, hatte Bayreuth besetzt und bis Bamberg und Nürnberg gestreift, wurde dann durch Junot, der von Hanau mit franz. Reserven auf Bamberg marschierte, an den obern Main gedrängt, erhielt jedoch 4000 Mann Verstärkung (Baron Kienmayer), worauf Junot 8. Juli nach Bayreuth und Amberg zurückkehren mußte. – In Sachsen war Feldmarschalllieutenant Am Ende mit 10000 Mann von Teplitz und Dippoldiswalde her eingerückt, hatte 11. Juni Dresden besetzt, gab diese Stadt aber 29. Juni beim Anmarsch des Königs Jérôme von Westfalen, der 16000 Mann befehligte, auf. König Jérôme rückte jedoch zur Unterstützung Junots gegen Radivojevich, worauf Am Ende Dresden abermals besetzte und erst infolge des Waffenstillstandes wieder räumte. – In Tirol traf Ende Juli die Nachricht von der Abtretung des Landes ein; die Brigade Buol erhielt Befehl, abzuziehen, und Lefebvre rückte mit 40000 Bayern und Sachsen ein und besetzte Innsbruck. Die Tiroler erhoben sich unter Andreas Hofer abermals, schlugen 7. Aug. bei Lienz den aus Kärnten anrückenden franz. General Rusca und verhinderten auch den Vormarsch Lefebvres nach Brixen; nach einer Reihe blutiger Gefechte gab Lefebvre Innsbruck auf und zog sich über Kufstein nach Salzburg zurück, worauf Innsbruck 15. Aug. von den Tirolern besetzt wurde. Im September drangen die Tiroler in Salzburg ein und besetzten Berchtesgaden, wurden aber Mitte Oktober von dort vertrieben. Nun drangen von allen Seiten franz. und bayr. Truppen in Tirol ein und besetzten während des November nach vielen Kämpfen das ganze Land. Hofer wurde 20. Jan. 1810 gefangen genommen und 20. Febr. 1810 in Mantua erschossen.

Auch in Norddeutschland hatten zwei selbständige Unternehmungen gegen Napoleon stattgefunden, die jedoch an der Unzulänglichkeit der Streitkräfte scheiterten und daher ohne weitern Einfluß auf den Verlauf des Krieges blieben. Herzog Friedrich Wilhelm (s. d.) von Braunschweig bildete ein Freikorps, kämpfte bis Anfang Juli in Sachsen und Franken gegen König Jérôme und die Sachsen, zog nach der Schlacht bei Wagram mitten durch die feindlichen Korps hindurch und schiffte sich nach England ein. Der preuß. Major von Schill (s. d.) rückte mit seinem Husarenregiment eigenmächtig 28. April von Berlin ab, versuchte die Bevölkerung zur Erhebung zu bestimmen, was jedoch mißlang; er schlug sich nach Stralsund durch und fiel dort 31. Mai bei Verteidigung der Stadt.

Der brit. General Stuart hatte gegen Ende Juni Neapel angegriffen, die Inseln Ischia und Procida sowie das Schloß Scylla in Calabrien genommen, mußte jedoch diese Punkte einen Monat später wieder räumen. Auch an der holländ. Küste unternahmen die Engländer einen Angriff. Lord Chatham

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 215.