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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fratriagium - Frau (Weib)
liche]); F. matruāles, Söhne von Schwestern; F. patruāles, Söhne von Brüdern; F. minōres, Mindere Brüder, Minoriten (s. Franziskaner); F. praedicatōres, die Mitglieder des Dominikanerordens (s. d.); F. pontifices, Brückenbrüder (s. d.); F. cummūnis vitae. F. bonae voluntātis oder F. devtōi, Brüder des gemeinsamen Lebens (s. d.); F. Bethlemītae, Bethlehemiten (s. d.); F. charitātis, Chariten (s. Charité); F. de Victorĭa, F. minĭmi, F. eremītae Sancti Francisci de Paula, Minimen (s. d.); F. eremītae de monte Olivēti, Olivetaner (s. d.); F. ignorantiae, Ignorantenbrüder (s. Schulbrüder).
Fratrigĭum (mittellat.), auch Freragium oder Fraternitas, das Erbteil jüngerer Brüder, sog. nachgeborener Söhne, sofern das Erstgeburtsrecht (Primogenitur) für die Bevorzugung des ältesten Sohnes maßgebend ist.
Fratricidĭum (lat.), Brudermord; Fratricīda, Brudermörder.
Fratta-Maggiore (spr. madschohre), Stadt im Kreis Casoria der ital. Provinz Neapel, 7 km im NNW. von Casoria, an der Linie Foggia-Neapel des Adriatischen Netzes, hat (1881) 10848 E., Seidenindustrie und Seilerei sowie zahlreiche Landhäuser reicher Neapolitaner. Aus F. stammt Pergoleses Lehrer, Francesco Durante (s. d.).
Frattsein, Afterfratt, s. After und Erythem.
Fratze, ein verzerrtes, oft durch Teile von Tieren entstelltes menschliches Gesicht, welches in der Ornamentation der Baukunst vielfach verwendet wird, namentlich an Konsolen, Schlußsteinen u. dgl. Die Wasserspeier (s. d.) der Gotik sind Fortbildungen des Fratzenornaments.
Frau oder Weib, der erwachsene Mensch weiblichen Geschlechts, im engern Sinne der verheiratete. Alle die körperlichen und geistigen Eigentümlichkeiten, durch die da? Weib sich vom Manne unterscheidet, stehen im innigsten Zusammenhange mit der Bestimmung desselben, Mutter zu werden. Der weibliche Körper unterscheidet sich vom männlichen
im allgemeinen durch eine geringere Größe, schwächere Entwicklung der Knochen, der Muskeln und des Atmungsapparats, kurz, das ganze motorische System zeigt eine schwächere Ausbildung. Dagegen sind die Formen des Weibes plastischer; die Fettbildung ist leichter und reichlicher und bewirkt gegenüber den mehr eckigen Formen des Mannes eine größere Fülle und Rundung der Glieder. Während beim Manne das Schultergerüst und der Brustkasten auffallend entwickelt ist, hat der weibliche Körper seine größte Breite in der Beckengegend. Das Nahrungsbedürfnis des Weibes ist geringer, sein Stoffwechsel nicht so energisch; es ist weniger zu großen Kraftleistungen befähigt, aber ausdauernder bei mäßiger Anstrengung. Die Krankheiten des Weibes sind im allgemeinen minder stürmisch als beim Manne; auch unterliegt der letztere einem chronischen Siechtum viel rascher als das Weib. Akute Entzündungskrankheiten sind bei dem Weibe seltener, chronische Krankheiten häufiger. Krumpfe, Lähmungen und andere Affektionen des Nervensystems, die beim Manne fast stets das Zeichen gefährlicher innerer Störungen sind, haben beim Weibe häufig keine tiefere Ursache und heben sich oft unerwartet rasch wieder.
Ein Blick auf die Geschichte des weiblichen Geschlechts ergiebt, daß die Lage und Stellung desselben von der Bildung des männlichen abhängt und eins der wichtigsten Symptome des Nationalcharakters und der Kulturstufe eines Volks ist. Bei den meisten rohen Völkern des asiat. Nordens, Amerikas, Afrikas ist das Weib wenig mehr als Sklavin und Lasttier; es steht in der äußersten Abhängigkeit und Erniedrigung und wird nur als Instrument für die Bedürfnisse des Mannes betrachtet und behandelt. In solchen Verhältnissen, wo auf die Treue des Weibes in der Regel nicht gerechnet ist, die Vaterschaft daher mehr oder weniger ungewiß bleibt, pflegen die Kinder der Mutter zu gehören und dieselbe zu beerben, während die Erbschaft der Väter auf Geschwister und Schwesterkinder übergeht. Die Geltung dieses mütterlichen Erbrechts bei fast allen wilden Völkern beurkundet den dort herrschenden niedrigsten Grad des Familienlebens und die Stellung der F. in demselben. Auch in der Polygamie der südasiat. Völker wird die Treue des Weibes noch nicht als auf Moral beruhend angesehen, daher nur mit äußern Mitteln erzwungen und so eine würdige Stellung der F. vereitelt.
Unter den Kulturvölkern der Alten Welt, den Griechen und Römern, war die Stellung der F. schon eine viel bedeutsamere. Obgleich die griechischen F. noch in ihren Gynäceen fast abgesperrt und lediglich mit häuslichen Arbeiten beschäftigt unter ihren Sklavinnen lebten, so genoß doch die liebende Mutter und Schwester, die sich aufopfernde Gattin bei den Griechen eine hohe Verehrung. Geschichtschreiber feierten edle Thaten der F.; Dichter stellten reine Ideale echter Weiblichkeit auf in einer Penelope, Iphigenia, Antigone, Elektra, Alcestis; auch die bildende Kunst drückte in ihren Hera-, Artemis-, Athene-und Musengestalten ein inniges Gefühl aus für weibliche Würde und Größe. Aber auch die Römerinnen, dem Gesamtcharakter ihres Volks entsprechend mehr ernst, gemessen und sittlich-streng als geistreich und poetisch regsam, übten sowohl in der Familie auf ihre Kinder wie überhaupt auf das ganze Staatsleben einen durch die ganze Geschichte Roms durchgehenden und sehr kenntlichen moralischen Einfluß aus. Obgleich sie, mehr durch die strenge Sitte als durch äußern Zwang bewogen, sehr eingezogen lebten, war es ihnen doch durch das Gesetz vergönnt, bei Schauspielen und Gastmählern gegenwärtig zu sein. Mit dem Verfall der alten Zucht und Sitte verlor indessen in Griechenland und Rom auch das Weib seine Würde, und die Zersetzung des Familienlebens ging Hand in Hand mit dem Zerfalle des politischen. In Athen war ein Symptom davon das immer allgemeiner sich verbreitende Hetärenwesen. Hetären wie die geistvolle Aspasia, wie Lais, Phryne, Leontion, Hipparchia, Lamia stehen an der Pforte, welche zum Untergange der einfachen Sitten des alten Griechenland führte. Selbst die strengen Spartanerinnen ergaben sich später der Üppigkeit, und die Lykurgischen Gesetze selbst, nur für eine einfache und unschuldige Zeit berechnet, beförderten zu der Zeit der Ausartung die Zügellosigkeit und den Ehebruch. Auch in den Untergangszeiten Roms spielt das Weib eine ebenso traurige als hervortretende Rolle, indem Wollust, Herrschsucht und Intriguensucht unter den F. über Hand nahmen. Dieser Verderbnis arbeitete im Schoße der röm. Welt das Christentum mit seiner einfach-edeln Moral entgegen, worauf sodann das kräftige Volk der Germanen, befruchtet mit den bildenden Ideen des Christentums, dem Staats- und Familienleben neue Gestalt und neuen Gehalt gab. Bei ihnen war die F., die sich durch Zucht und Keusch-^[folgende Seite]