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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frauenarbeitsschulen
Personen thätig. Auch hier zeigt die Zahl der Fabrikarbeiterinnen in der letztern Zeit ein stärkeres Wachstum als die der Fabrikarbeiter. In den Fabrikbetrieben zählte man:
Jahr Frauen über 15 J. Zunahme Proz. Männer über 16 J. Zunahme Proz.
1850 226000 - 731000 -
1870 324000 43 1616000 121
1880 532000 64 2019000 25
Unter den selbständigen Erwerbsthätigen und in leitenden Stellungen sind die Frauen regelmäßig schwächer vertreten als in der eigentlichen Arbeiterschaft. An der Ausübung liberaler und höherer Berufe nehmen sie überall in wachsendem Maße teil. Im Lehrfache waren thätig:
Länder Jahr Frauen Männer
Deutsches Reich 1882 48065 127614
Österreich 1880 14809 41120
Italien 1881 46887 32908
Frankreich 1891 81978 87559
England 1891 144393 50628
Nordamerika 1880 154375 73335
Hierzu kommen in England und Nordamerika die besonders gezählten Lehrer und Lehrerinnen der Musik. Unter den Berufsmusikern und Musiklehrern waren in England (1891) 1911 1 Frauen und 19197> Männer, in Nordamerika (1880) 13182 Frauen und 17295 Männer. In der Schweiz wurden (1891). 3108 Lehrerinnen neben 6221 Lehrern in den Primärschulen gezählt. In den Kleinkinderschulen unterrichteten 703 Lehrerinnen ausschließlich. In den Sekundärschulen war die Zahl der Lehrerinnen 192 neben 1178 Lehrern. An den Lehrerbildungsanstalten erteilten 70 Frauen und 298 Männer Unterricht. Die preuß. öffentliche Volksschule zählte 1891 neben 63000 vollbeschäftigten Lehrern nur 8500 Lehrerinnen (11,9 Proz.), von denen nahezu drei Fünftel der kath. Konfession angehören. An allen Volks- und Mittelschulen zusammen warenvollbeschäftigt 67600 Lehrer und 13250 Lehrerinnen (16,4 Proz.). Hierzu kommen 7000 männliche und 1100 weibliche Hilfslehrer sowie 8500 geprüfte und 31000 ungeprüfte Handarbeitslehrerinnen. In Österreich sind die Lehrerinnen mit 20 Proz., in Frankreich, Italien und England mit 50 und 60 Proz. und mehr an der Volksbildung beteiligt.
Im Sanitätswesen und der Heilkunde waren in:
Länder Jahr Frauen Männer
Deutschland 1882 46177 27122
Österreich 1880 15828 16427
Italien 1881 15204 39636
Frankreich 1891 17737 40410
England 1881 37846 17063
Die Zahl der weiblichen Ärzte ist immerhin in allen diesen und in andern Staaten noch sehr gering. Ausgenommen sind Nordamerika, das (1890) 2438 Ärztinnen, England, das (1891) 101 Ärztinnen und 345 Zahnärztinnen, und Rußland, das (1887) neben 18009 männlichen 550 weibliche Ärzte zählte.
Vielfach wird eine umfassendere Verwendung von Frauen im Verkehrsdienste begehrt. In Deutschland waren (1882) im Eisenbahnbetriebe 1302, im Post- und Telegraphenbetriebe 1012 Frauen angestellt. Erheblicher stellt sich die Zahl für Frankreich, wo (1891) 8991 Frauen allein im Post- und Telegraphenbetriebe thätig waren. In Nordamerika finden sich Frauen in größerer Anzahl in verschiedenen höhern und niedern Beamtenstellungen. 1880 wurden dort im ganzen 7316 weibliche neben 108 215 männlichen Regierungsbeamten gezählt. Eine eigenartige Erscheinung bildet dort die Kategorie der weiblichen Priester (165), sowie die der weiblichen Advokaten (110). Daneben erscheinen etwa 320 Schriftstellerinnen und 580 Journalistinnen, die in geringerer Zahl sich auch in andern Staaten finden. Es gab außerdem 2061 Künstlerinnen, 21071 weibliche Privatclerks und Buchhalterinnen, 14463 selbständige weibliche Kaufleute.
Die Vergütung weiblicher Arbeit ist überall und durchweg geringer als die der Männerarbeit. Die Frauenlöhne betragen regelmäßig nur 1/2 bis 2/3 der Männerlöhne. Diese Thatsache dürfte in erster Linie darauf zurückzuführen sein, daß die Erwerbsarbeit der Frauen einen ständigen Charakter erst in später Zeit annahm. Eine dauernde Stütze finden die niedrigen Löhne in der größern Anspruchslosigkeit und Wehrlosigkeit des weiblichen Geschlechts.
Litteratur. Amtliche Ergebnisse der Berufszählung vom 5. Juni 1882, in der "Statistik des Deutschen Reichs", Neue Folge, Bd. 2-4 (Berl. 1884) und Bd. 6 u. 7: die Gewerbestatistik des Reichs von 1882 (ebd. 1885); Jules Simon, L’ouvrière (Par. 1861 u. ö.); Daubié, La femme pauvre au dixneuvième siècle (2. Aufl., ebd. 1870); Leroy-Beaulieu, Le travial des femmes au XIX<sup>e</sup> siècle (ebd. 1873); Hirt, Die gewerbliche Thätigkeit der Frauen vom hygieinischen Standpunkte aus (Bresl. u. Lpz. 1873); Stahl, Das deutsche Handwerk, Bd. 1 (Gieß. 1874); Ergebnisse der über die Frauen- und Kinderarbeit in den Fabriken auf Beschluß des Bundesrats angestellten Erhebungen (Berl. 1877); Amtliche Mitteilungen aus den Jahresberichten der mit Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten, Jahrg. 1 fg. (ebd. 1877 fg.); Kuno Frankenstein, Die Lage der Arbeiterinnen in den deutschen Großstädten (im "Jahrbuch für Gesetzgebung" u. s. w., Neue Folge, Bd. 12, Lpz. 1888); Eugen Kämpfe, Die Lage der industriell thätigen Arbeiterinnen in Deutschland (ebd. 1889); Working women in large cities, Report of the commissioners of labour (4. Jahrg., Washingt. 1889); Stieda in den "Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik", 3. Folge, Bd. 2 (Jena 1891), S. 189 fg.; Pierstorff, F. und Frauenfrage im "Handwörterbuch der Staatswissenschaften", Bd. 3 (ebd. 1892); Lina Morgenstern, F. in Deutschland (2 Bde., Berl. 1893).
Frauenarbeitsschulen. Unter diesem Namen hat sich zuerst in Württemberg seit den sechziger Jahren eine Gattung von Fachschulen für Frauenarbeit blühend entwickelt. Mit gründlicher Unterweisung in den Arbeiten des Nähens, Kleidermachens, Stickens und Strickens verbindet sich nicht nur Zeichenunterricht, sondern auch Anleitung in gewerblicher Buchführung, Korrespondenz und im kaufmännischen Rechnen. Mit der 1868 errichteten Reutlinger Mutteranstalt ist ein Institut für Ausbildung von Frauenarbeitslehrerinnen verbunden, welches
bis 1889 269 Lehrerinnen ausbildete. Die mit staatlicben Mitteln unterstützten Schulen stehen unter Kuratorien, die verstärkt werden durch Frauen-^[folgende Seite]