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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frazer-Island - Frederich
Portefeuille niedergelegt, erhielt er im Aug. 1829
die lemiis äe8 döiMceL, d. h. das Necht der Prä-
sentation für die Erzbistümer, Bistümer und andere
geistliche Titel. Infolge der Iulirevolution begab er
sich 1830 nach Prag an den Hof Karls X. und später
nach Görz, wo er an der Leitung der Erziehung
des .Herzogs von Bordeaux (Grafen Chambord)
teilnahm. Seit 1838 nach Frankreich zurückgekehrt,
lebte er zurückgezogen und starb zu Et. Genies in
der Gascogne 12. Dez. 1841. Großes Auffehen
erregte zu ihrer Zeit feine Schrift "vLkenLs äu
cki-i3tiaui8M6" (3 Bde., Par. 1825; neue Aufl.,
2 Bde., ebd. 1889), zu der die nach feinem Tode er-
schienenen "lÜ0nf6r6nc68 6t äi800ur8 in6äit8" (ebd.
1843) die Fortsetzung bilden. Seine "dl^uvi-68 ora-
toii-68" wurden von Migne ("^oiisction ä63 ora-
t6ur8 8aci-68", 2. Serie, Bd. 10) herausgegeben.
- Vgl. Henrion, Vi6 äs 5. (2 Bde., Par. 1844).
Frazer Island (spr. frehf'r eiländ), auch
Great-Sandy-Island, Infel an der füdl. Ost-
küste der brit.-austral. Kolonie Queensland, 130 Icm
lang und bis 30 km breit, endet nördlich im Sandy-
Cape und setzt sich in einem Nisf fort, welches im
Break-Sea-Spit endet. F. bildet mit dem Festlande
die nach N. offene Herveybai. ^(s. d.).
Frc.^ Abkürzung für die franz. Münze Frank
?. A. <3. ?., in England Abkürzung für I^IImv
ok tu6 I^oval OolIeßO ol?ii^8iei9,u8 (d. h. Mitglied
des Königlichen Kollegiums der Arzte, d. h. mediz.
Fakultät).
Frcs., Abkürzung für Francs (f. Frank, Münze).
r. A. v. 3., in England Abkürzung für ^eiimv
0l tli6 Ro^^I öo1i6F6 ol 8ui-ß60N8 (d. h. Mitglied
des Königlichen Kollegiums der Chirurgen).
Frechen, Dorf im preusi. Reg^-Vez. und Land-
kreis Köln, 11 km von Köln, am Nande der Ville,
hat (1890) 4361 E., Post, Telegraph, evang. und
kath. Pfarrkirche; Fabrikation von Steingut- und
Töpferwaren, vorzügliche Thon-, Braunkohlen- und
Sandgruben. Hier wurde im 16. und 17. Jahrh.
Steinzeug (Kruge, Kannen) von rötlichgclber und
schmutzigbrauner Farbe und meist plumpen, bauchi-
gen Formen verfertigt. (S. Vartmannskrüge.)
Frcdeburg, Stadt im Kreis Mefchede des
preuß. Neg.-Vez. Arnsberg, in 450 m Höhe, an der
Nebenlinie Altenhunoem-F. (23,9 km) der Preuß.
Staatsbahnen, Sitz eines Amtes und Amtsgerichts
(Landgericht Arnsberg), hat (1890) 1073 meist
kath. E., Post, Telegraph, Wasserleitung, Rektorat-
schule; Wollwaren-, Cigarren- und Feuerschwamm-
fabrikation und Dachfchieferaruben.
Fredegar, frank. Gefch'lchtschreiber, wird seit
Marquard Freher, dem ältesten Herausgeber (1613),
der unbekannte Verfasser einer großen bis 642 rei-
chenden Zusammenfassung der allgemeinen und
frank. Geschichte genannt. Sie ist übrigens nicht
das Werk eines einzigen Verfassers, man tann darin
drei unterscheiden. Ort der Entstehung ist offenbar
Burgund, wahrscheinlich Avenches; der erste von
jenen drei Verfassern schrieb 613, der letzte 658,
das Werk ist eine Zusammenstellung von Angaben
aus ältern Chroniken, zuletzt aus Gregor von
Tours, den es (vielfach sagenhaft) ergänzt und fort-
setzt. Sprache und Komposition sind barbarisch,
aber doch bildet F. eine wichtige Ouclle, ebenso seine
Fortsetzer, die bis 768 reichen. Die besten Ausgaben
sind die in den "^onuinLniH (^6i'mauili6 IiiZtolick",
8criptoi'68 rerum NerovinZicarnm, Bd. 2 (Hannov.
1888) und von O. Monoo, "^ompilatio^ditti äs
1^i'6(1^i!'6" (Abbeville 1880). Eine deutsche Über-
setzung lieferte O. Abel in den "Geschichtschreibern
der deutschen Vorzeit" (Berl. 1849). - Vgl.Vrosien,
Kritische Untersuchungen zur Geschickte Dagoberts I.
(Gott. 1868) und die I^llUio zu der Ausgabe in
den "NouuinkQtI. t36rmaiiiH6" von V. Krusch.
Fredegunde, erst Konkubine, dann Gemahlin
des frank. Königs Chilperich I., nachdem sie dessen
westgot. Gemahlin Galsuintha (s. d.) aus dem Wege
geräumt hatte. Über ihren Kampf mit Galsuintbas
Schwester Vrunhilde und deren Gemahl Sigibert
s. Vrunhilde. Als ihr eigener Gemahl Chilperich
584 ermordet wurde, legte man auch diesen Mord
der F. zur Last, und da das Gerücht ging, daß sie
ihren Sohn Chlotar II. nicht von Chilpcrich, son-
dern von einem Buhlen empfangen habe, so mußte
F. in einer Gerichtssitzung mit 3 Bischöfen und
300 vornehmen Männern als Eideshelfern be-
schwören, daß das Kind Cbilperichs Sohn sei. Bis
593 stand sie mit diesem Kinde unter König Gun-
trams Schutz und führte dann selbst die Regierung
für den Sohn, bis sie 597 starb.
Fredemann oder Vredeman, Hans, genannt
Vries, nieoerländ. Maler, geb. 1527 zu Leeuwar-
den, gest. nach 1604, hat ein vielbewegtes Leben ge-
führt und bald in vlämifchen, bald in deutschen
Städten gearbeitet. Er ist als der älteste Architektur-
maler zu betrachten, doch kennt man nur wenig
Bilder von ihm, unter denen die allegorischen Dar-
stellungen im Rathause zu Danzig die hervorra-
gendsten sind. Dagegen haben sich eine Anzahl
Zeichnungen, Kupferstiche und Illustrationen erhal-
ten, in welchen er die flandr. Hochrenaissance durch
eine reiche Fülle von Kartuschen, Grotesken, Gurten
und Idealarchitekturen vertritt. Als Theoretiker
trat er in seiner Vaulehre (nach Vitruv, 1577) und
seiner Perspektive (1604) auf.
Fredensborg, Schloß, 8 km im NO. von Fre-
deriksborg (s. d.) bei Hilleröd auf Seeland, am
Esromsee gelegen, ist Herbstresidenz derdän. Königs-
familie. Es wurde 1720 inmitten eines schönen
Parks erbaut und enthält wertvolle Gemälde.
Frederich, Vertha, geborene Heyn, Roman-
schriftstellerin unter dem Pseudonym Golo Rai-
mund, geb. um 1825 zu Hannover, seit 1847 ver-
mählt mit ihrem Vetter, dem Hofmaler und fpätern
Redacteur des "Hannövcrfchen Courier", Eduard F.
in Hannover (gest. 1864), veröffentlichte feit 1854
zunächst im Feuilleton dieser Zeitung, dann in Buch-
form eine Reihe von Novellen. Sie starb 5. Okt.
1882 zu Koblenz. (Bis zu ihrem Tode wurde als
der wahre Verfasser der Golo Raimundfchen Arbei-
ten eine erdichtete Perfönlichkeit, Georg Dann en-
berg, angegeben.) Sie behandelte gern Probleme
aus dem modernen Leben. 1856 erschien ihr erster
zweibändiger Familienroman "Zwei Bräute", dem
eine größere Anzahl anderer Romane und Novellen
folgten, fast sämtlich im "H anno verschen Courier"
oder in O. Iankes "Deutscher Romanzeitung"
(Berlin) und dann in Buchform in demselben Verlag
in mehrern Auflagen, darunter "Bürgerlich Blut"
(1859), "Ein hartes Herz" (1859), "Durch zwei
Menschenalter" (1862), "Schloß Elkrath" (1865),
"Zweimal vermählt" (1867), "Verwaist" (1876),
"Mein ist die Rache" (1878), "Ein neues Geschlecht"
(1878), "Gesucht und gefunden" (1880), "Vauern-
leben" (1880), "Von Hand zu Hand" (3 Bde., 1882).
Eine Sammlung ihrer "Novellen" erschien 1857-60
(Hannover, 11 Bde.; neue Ausg., 4 Bde., 1860).