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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Friedreich - Friedrich I. (römisch-deutscher Kaiser)
zurück, nachdem er von 1876 bis 1870 Mitglied des
Hamburger Stadttheaters gewesen war, und ver-
ließ es 1881 wieder, um sich auf Gastreisen zu be-
geben. Dann wurde er Mitbegründer und 1882
- 92 Societär des Deutschen Theaters in Berlin.
Die Ehe F.s mit Helene von Dönniges wurde nach
fünfjähriger Dauer gelöst. 1893 zog er sich von der
Bühne zurück und lebt seitdem in Blasewitz bei Dres-
den. Für F.s Darstellungen ist vor allem originelle
Auffassung bei großer Lebenswahrheit charakteri-
stisch. Zu seinen besten Leistungen gehören einer-
seits Shylock, Othello, Iago, Hamlet, Richard III.,
Karl IX. in Lindners "Bluthochzeit", Franz Moor,
Philipp II., Marinelli u. s. w., andererseits Tho-
rane, Bonjour, Bolz, Schumrich u. s. w.
Friedreich, Nikol., Mediziner, geb. 31. Juli
1825 zu Würzburg, studierte in Würzburg und
Heidelberg Medizin und habilitierte sich 1853 an
erstgenannter Universität für das Gebiet der innern
Pathologie, nachdem er mehrere Jahre als Assistent
am Julius-Hospital daselbst unter Marcus fungiert
hatte. 1857 wurde er außerord. Professor der pathol.
Anatomie und Leiter des pathol.-anatom. Instituts
ebendaselbst, 1858 ord. Professor der Patbologie und
Therapie und Direktor der mediz. Klinik in Heidel-
berg, wo er 6. Juli 1882 starb. Er schrieb: "Beiträge
zur Lehre von den Geschwülsten innerhalb der Schä-
delhöhle" (Würzb. 1853), "Die Krankheiten der
Nasenhöhlen, des Larynr und der Trachea u. s. w."
(in Virchows "Handbuch der speciellen Pathologie",
Erlangen 1854), "Die Krankheiten des Herzens"
(ebd. 1861; 2. Aufl. 1867), "Über progressive Mus-
kelatrophie, über wahre und falsche Muskelhyper- !
trophie" (Berl. 1873), "Der akute Milztumor und !
seine Beziehungen zu den aknten Infektionskrank-
heiten" (Sammlung klinischer Vorträge, Lpz. 1874).
Friedrich I., der Notbart (Barbarossa),
römisch-deutscher Kaiser (1152 - 90), zweiter
König und erster Kaiftr aus dem Hause der Hohen-
stausen, geb. 1121 als (^ohn Herzog Friedrichs II., des
Einäugigen, von Schwaben und der Judith, einer
Schwester des Welsen Heinrichs des Stolzen, folgte
als Friedrich III. seinem Vater 1147 in der herzogl.
Würde und wurde nach dem Tode König Konrads III.,
seines Oheims, den er auch auf seinem unglücklichen
Kreuzzuge begleitet hatte und der die Anfmerksam-
keit der Fürsten auf diesen seinen kraftvollen Neffen
gelenkt hatte, 1152 zum deutschen König erwählt.
Mit fester Hand wußte F. zunächst in Deutschland
selbst ohne Ansehen der Person Recht und gesetzliche
Ordnung herzustellen und beendete die Bürgerkriege,
die unter Konrad III. das Reich zerrüttet hatten,
indem er seinen: Vetter Heinrich dem Löwen zu
seinem Herzogtum Sachsen auch Bayern znrückgab
(1156). Der bisherige Inhaber Heinrich Jasomir-
gott wurde durch Erbebung der alten bayr. Ost-
mark zu einem selbständigen Herzogtum Österreich
zufrieden gestellt. Als aber später Heinrich der
Löwe gar zu mächtig ward und des Kaisers schwie-
rige La.ge dem Papst und den lombard. Städten
gegenüber für seine persönlichen Interessen aus-
zubeuten suchte, wandte sich F. mit seiner ganzen
Macht gegen ihn und ließ ihm nach drei vergeblichen
Vorladungen zu Würzburg beideHerzogtümernebst
allen seinen übrigen Erwerbungen absprechen (1180);
Bayern, diesmal um Steiermark, das ein reicbsnn-
mittelbares Herzogtum wurde, verkleinert, erhielt
der Pfalzgraf Otto von Wittelsbach; wachsen wurde
ganz zerschlagen: der Osten kam als Herzogtum
Sachsen an Bernhard von Askanien, den Sohn
Albrechts des Bären, Teile von Westfalen als be-
sonderes Herzogtum an den Erzbischof von Köln,
andere Stücke wurden den sächs. Bischöfen zurück-
gegeben oder jetzt verliehen; Heinrich erhielt nach
seiner Demütigung zu Erfurt nur seine Hausgüter
Braunschwcig und Lüneburg znrück (1181), mußte
aber auf drei Jahre das Reich verlassen. Kräftig
wahrte F. ferner die Machtstellung des Reichs.
Der Dänentonig erschien vor ihm zu Merseburg
und erkannte seine Oberhoheit an. Durch einen
siegreichen Feldzug gegen die Polen, deren König
Boleslaw IV., das bloße Schwert am Halse, seine
Befehle entgegennahm (1157), sicherte F. die deutsche
Kolonisation in Brandenburg und Schlesien. Der
Vöbmenberzog Vladislaw ward für treue Dienste
mit der Königskrone belohnt, ohne daß aber dadurch
dessen Zugehörigkeit zum Reiche gelöst worden wäre
(1158). Zu Vesancon empfing F. die Huldigung
der Großen des Königreichs Burgund, das er durch
feine Vermählung (1156) mit Beatrix, der Tochter
und Erbin des reichen Grafen Reinald, noch enger
mit dem Reiche verband.
Ernste Schwierigkeiten erwuchsen F. aus seiner
Stellung zu Italien und zur Kirche. Zwar hatte er
schon 1155 in Pavia die lombard. Königskrone und,
nachdem er Arnold von Vrescia, den heftigsten Geg-
ner der Hierarchie, an den Papst ausgeliefert hatte,
in Rom die Kaiserkrone erhalten, aber die allmäh-
lich zu reichen republikanischen Gemeinwesen heran-
gewachsenen lombard. Städte, voran Mailand, woll-
ten die von ihm beanspruchten Hoheitsrechtc nicht
anerkennen und noch weniger wollten das die Päpste,
die seit Gregor VII. nickt ohne Erfolg bemüht gewesen
waren, ihre ursprüngliche Abhängigkeit vom Kaiser
ins Gegenteil zu verkehren. Auf dem Tage zu Ve-
sancon (s. oben) überreichten die Legaten Hadrians IV.
sogar ein Schreiben, worin die Kaiserkrone als ein
IieuLÜciuin (d. i. Lehen) des Papstes bezeichnet war.
Sie wnrden scharf abgewiesen, und F. erklärtein
einem Rundschreiben vor aller Welt, daß er die
Kaiserkrone lediglich der Gnade Gottes und der
Wahl der deutschen Fürsten verdanke, über das
Mathildische Hausgut (s. Atathilde von Tuscien),das
Kaiser Lothar gegen das Recht als Eigentum des röm.
Stuhles anerkannt hatte, verfügte F., ohne den Papst
zu befragen, und da er auch in dem ?atriin0uiuin
1^6tri Abgaben erhob und Rom ebenso zu behandeln
Miene machte wie die übrigen Städte seines Reichs,
wurde die Spannung zwischen ihm und Hadrian IV.
immer größer. Nach dessen Tode (1159) wählte die
Majorität einen Gegner F.s, den Kardinal Roland
(Alexander III.), die kaiserlich gesinnte Minorität
den Kardinal Octavian (Victor IV.) zum Papst.
Ein von F. zur Entscheidung der Wahl berufenes
Konzil erklärte sich unter Zustimmung des Kaisers
für Victor, aber Alerander protestierte und wurde
von Kömg Ludwig VII. von Frankreich und von
den lombard. Städten anerkannt. Mailand, obgleich
es sich erst knrz vorher der Gnade des Kaisers hatte
ergeben müssen, rüstete sich von neuem zum Wider-
stände, seitdem F. auf dem Reichstage auf den
Rontalischen Feldern (1158) unter Mitwirkung von
Rechtslehrcrn aus Bologna sich alle in den Vesch
der Städte übergegangenen Regalien, insbesondere
auch die Ernennung der städtischen Obrigkeiten,
hatte zusprechen lassen.
Für den vollen Umfang seiner Hoheitsrechte und
für den unter seiner Mitwirkung anfgestellten Papst