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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Friedrich II. (römisch-deutscher Kaiser)
hat nun F. 18 Jahre unermüdlich gekän^pft, unter
Zustimmung und mit Unterstützung der vornehmsten
Fürsten, besonders der Erzbisch öfe von Köln (Rainald
von Dassel) und Christian von Mainz. Mailand
wurde 1162 nach langer Belagerung bezwungen und
nach dem Spruche der von ihm früher bedrückten
Nachbarstädte zerstört; aber als F. 1167 nach einem
glänzenden Feldzuge gegen Nom sein Heer durch
eine Pest verloren hatte, an der auch Rainald starb,
traten alle lombard. Städte bis auf Pavia, Crc-
mona und Lodi dem 1164 erneuerten Bunde gegen
F. bei. Mailand wurde wieder aufgebaut, und zu
Ehren Alexanders III. eine neue Stadt Alessandria
begründet, die F. vergeblich belagerte. Mehrmals
hatte F. Unterhandlungen versucht; seinen Papst
(Victor IV., nach dessen Tode Paschalis III. und
dann Calixtus) konnte er nicht zur Anerkennung
bringen, weil Frankreich an Alerander festhielt
und auch Deutschland und England immer mehr
auf dessen Seite traten. Als er dann mit einer
letzten Anstrengung die Lombarden zu überwältigen
suchte, lies; ihn Heinrich der Löwe im Stich. Die
Folge war die Niederlage bei Legnano 29. Mai
1176. Jetzt entschloß sich F. in dem Frieden von
Venedig 1177, Alerander III. als rechtmäßigen
Papst anzuerkennen und verzichtete damit auf das
früher von ihm beanspruchte Recht, durch Konzilien,
die er berufen, über das Papsttum zu bestimmen,
blieb aber im thatsächlichen Besitze der zwischen ihn:
und dem Papste streitigen Landschaften und Güter.
Mit den lombard. Städten wurde zu Venedig ein
Waffenstillstand gefchloffen und nach dessen Ablauf
1183 der Friede zu Konstanz, in welchem dein
Kaiser ansehnliche Einkünfte und ein bedeutender
Einfluß auf die Einsetzung der Obrigkeiten zuge-
standen wurden. Hierdurch wurde ein so befrie-
digender Zustand erreicht, daß F. 1184 ohne Heer
nach Italien kommen konnte und freudige Auf-
nahme fand. Die Mailänder erbaten es sich als
eine Gnade, daß die Vermählung seines Sohnes
Heinrich VI. mit Konstanze, der Erbin des Nor-
mannenreiches in Unteritalien, 1186 bei ihnen ge-
feiert wurde. Wie stark F.s Stellung damals in
Deutschland war, zeigte das große Reichsfest zu
Mainz im Mai 1184, auf dem des Eifers Söhne,
König Heinrich und Friedrich von Schwaben, die
Schwertleite empfingen und das zu verherrlichen die
zeitgenössischen bänger nicht müde wurden. Nach
der Eroberung Jerusalems durch Saladin (1187)
nahm der greise Kaiser das Kreuz und führte sein
Heer unter vielen Mühen und großen Verlusten auf
dem Landwege nach Kleinasien, fand aber dort
10. Juni 1190 in den Wellen des Saleph (Kaly-
kadnos) seinen Tod.
F. war ein edler, tapferer, freigebiger, im Glück
und Nnglück gleich standhafter Fürst, fest auf dem
beharrend, was er für sein Recht und seine Pflicht
hielt; wenn er dabei wiederholt mit den geschicht-
lich gewordenen Verhältnissen in Konflikt geriet,
so wußte er sich doch schließlich auch in diese zu
fügen und aus ihnen Nutzen zu ziehen. Er war von
mehr als mittlerer Größe, schön und kräftig gebaut,
hatte blondes Haar und einen rötlichen Bart. In
der vaterländischen Sprache zeigte er sich sehr redc-
fertig; das Lateinische verstand er, ohne es zu
sprechen. Gern beschäftigte er sich, wie er selbst
sagt, auch im Feldlager mit den Berichten über
die Thaten der alten Kaiser und Könige; eine von
ihm selbst ausgegangene und noch vorhandene kurze
Übersicht über das, was er selbst in den ersten Iah--
reu seiner Regierung geleistet, wurde sür Bischof
Otto von Freising die Grundlage eines der besten
Werke der mittelalterlichen Geschichtschreibung, und
dieses wieder veranlaßte den Magister Günther zu
einem schwungvollen Epos über die Thaten F.s in
Italien, das dem alten Kaiser selbst und seinen,
fünf Söhnen gewidmet ist. F.s Liebe zur Baukunst
bezeugten zahlreiche herrliche Pfalzen und Kirchen-
bauten. Lange lebte er im Andenken des Volks^
fort; daß jedoch die ^age vom Kysfhäuser ursprüng-
lich nicht, wie man geglaubt hat, auf ihn, sondern
auf den Kaiser Friedrich II. zu beziehen sei, haben
G. Voigt und S. Niczlcr in der "Histor. Zeitschrift"
(Bd. 26 und 32) nachgewiefen. - Vgl. H. Prutz,
Kaiser F. I. (3 Bde., Danz. 1871-73); P. Scheffer-
Boichorst, F.s letzter Streit mit der Kurie (Berl.
1866); F. von Raumer, Geschichte der Hohenstaufen,
Bd. 2 (5. Aufl., Lpz. 1878); L. vonNanle, Welt-
geschichte, Bd. 8 (ebd. 1887); W. von Giesebrecht, Ge-
schichte der deutschen Kaiserzeit, Bd. 5 (Braunschw.
u. Lpz. 1880 u. 1888).
Friedrich II., römisch-deutscher Kaiser,
König von Jerusalem und Sicilien (1215-50), gcb.
26. Dez. 1194 zu Iesi in der Mark Ancona als Sohn
Kaiser Heinrichs VI. und der normann. Prinzessin
Konstanze, der Erbtochter Siciliens. Diese, nach Hein-
richs Tod 1197 von Parteien bedrängt und den Deut-
schen abgeneigt, wandte sich an Papst Innocenz III.,
erbat die Velehnung mit Sicilien und erkaufte die
Krönung des vierjährigen F. mit Aufopferung der
wichtigsten Rechte über die Kirche. Vor ihrem am
27. Nov. 1198 erfolgten Tode übertrug sie die Vor-
mundschaft dem Papste. Mitten unter stürmischen
Parteikämpfen trat F. 1208 die Negierung selbst an
und vermählte sich 1209 aus Betreiben Innocenz' III.
mit der 10 I. ältern Konstanze von Aragonien. Er
befestigte feine Herrfchaft mit unerwarteter Klugheit
und Festigkeit, auch dem Papste gegenüber. Als
Kaiser Otto IV. 1210 mit dem Papst in Kampf
geriet und auch in F.s Königreich einfiel, konnte
Innocenz, so unlieb ihm auch die Verbindung
Siciliens mit Deutschland war, nur F. als Gegen-
könig aufstellen, und entließ ihn 1212 auf den
Wunsch der deutschen Fürsten, die von Otto abge-
fallen waren, nach Deutschland. Freudig von den
Anhängern seines Hauses empfangen, gewann F.
bald die Übermacht, und als Otto 1214 bei Vouvines
von dem mit F. verbündeten Frankreich geschlagen
war, wurde F. allgemein anerkannt und 1215 zu
Aachen gekrönt, wo er aus freien Stücken das
verhängnisvolle Gelübde des Kreuzzugs ablegte.
Versprochen hatte er auch dem Papste, nach seiner
Kaiserkrönung das sicil. Reich seinen: ^ohne Heinrich
(VII.) zu übergeben; aber nachdem cr diesen zum
deutschen König hatte wählen lassen, wußte er den
Papst Honorius III. zu bestimmen, ihm den Besitz
des Erblandcs zu bewilligen, dessen Ordnung er sich
nun nach Empfang der Kaiserkrone (1220) ganz wid-
mete und wo er 1224 eine Universität in Neapel er-
richtete. Als F. zur Ausführung des schon wiederholt
verschobenen Kreuzzugs, Ausrottung der Ketzerei
und Herstellung der Reichsrechte auf Ostern 1226
einen Reichstag nach Cremona berief, erneuerten
die lombard. Städte, besorgt um ihre während der
Thronwirren usurpierten Rechte, ihre alte Liga
(s. Friedrich I.). F. zog gegen sie, doch vermittelte
Rom 1227 einen Scheinfrieden, der den Kreuzzug
möglich machte. F. schiffte sich auch noch in demselben