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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Friedrich II. (Kurfürst von der Pfalz) - Friedrich III. (Kurfürst von der Pfalz)
dem Kurfürstentum vereinigte. Als Ludwig IV.
1449 mit Hinterlassung eines minderjährigen Soh-
nes Philipp starb, wurde F. dessen Vormund und
Verwalter des Kurfürstentums. Infolge vieler
Grenzfehden mit unruhigen Nachbarn der Pfalz,
besonders Mainz und den Grafen von Lützelstein,
ließ sich F., um allen Angriffen erfolgreicher ent-
gegentreten zu können, 1451 von den Ständen des
Landes die Regierung als Kurfürst auf Lebenszeit
mit der Bedingung übertragen, daft er sich nie stan-
desgemäß vermählen und seinen Neffen Philipp als
(^ohn und Nachfolger annehmen wolle. Papst Ni-
kolaus V., die Kurfürsten sowie mehrere kleinere
deutsche Fürsten erkannten F. als Kurfürst an, da-
gegen widersprach Kaiser Friedrich III., und die zum
turfürstl. Pra'cipuum gehörigen Städte derOberpfalz
verweigerten den Gehorsam. Die letztcrn brachte F.,
indem er durch einen plötzlichen Überfall Amberg
eroberte, bald zur Unterwerfung. Auch besiegte
er die feindlich gesinnten Lützelsteiner Grafen und
vereinigte ihre Grafschaft mit der Pfalz, demütigte
den Herzog von Veldenz und verglich sich mit Baden
und Kurmainz zum Frieden. Inzwischen war in
Mainz Diether von Isenburg zum Erzbifchof ge-
Mhit worden, dem jedoch Papst Pins II. das Dop-
pelte der Annaten und Pallicngelder auferlegte und
zur Pflicht machen wollte, die Kurfürsten nur mit
seiner Bewilligung zu gemeinschaftlichen Verabre-
dungen M berufen. Als Diether sich weigerte, setzte
der Papst ihn ab und ernannte Adolf von Nassau
zum Erzbischof. Als nun Diether bei dem Kur-
fürsten F. und dem Herzoge Ludwig von Bayern
Hilfe suchte und fand, fchickte Kaiser Friedrich III.,
nachdem er die Reichsacht über F. ausgesprochen,
ein Heer unter dem brandend. Kurfürsten Albrecht
Achilles gegen ihn; auch wußte er den Grafen
Ulrich von Württemberg, den Markgrafen Karl
von Baden und den Vifchof Georg von Metz zur
Teilnahme an dem Kampfe gegen Diether und
dessen Bundesgenossen zu gewinnen. Dieser sog.
Pfalz erkrieg hatte anfangs für F.s Gegner
einen sehr günstigen Erfolg, bis es F. gelang, sie
bei Seckenheim 1462 zu schlagen und Ulrich, Karl
und Bischof Georg gefangen zu nehmen. Mit fchwc-
rem Löiegelde und mit Abtretung mancher Bezirke
mußten sie sich loskaufen und noch überdies ver-
sprechen, den Kurfürsten mit dem Papste und dem
Kaiser auszusöhnen. Auch Dielher verpfändete
aus Dankbarkeit für den kraftvollen Beistand F.
einen Teil der Bergstraße, der erst durch den West-
fälischen Frieden wieder an Mainz kam. Der Kai-
ser aber war jeder Aussöhnung mit F. entgegen;
nichtsdestoweniger blieb F. im ungestörten Besitze
der Negierung, um so mehr, da sein Nefse, mit dem
er im besten Vernehmen lebte, nicht die Absicht zeigte,
ihn zu verdrängen. F. vermählte sich 1472 seinem
Versprechen gemäß nur zur linken Hand mit einer
Vürgerstochter aus Augsburg, Klara Dettin, die
er zur Freiin von Dettingen erhob. Aus dieser Ehe
entsprossen zwei Söhne, Friedrich und Ludwig, von
denen der letztere der Stammvater der Fürsten und
Grafen von Löwenstein wurde. F. starb, nachdem
er das Kurfürstentum ansehnlich vermehrt hatte,
12. Dez. 1476; ihm folgte in der Regierung sein
Neffe Philipp der Edelmütige. - Vgl. Krcmer, Ge-
schichte des Kurfürsten F. I. von der Pfalz (2 Bde.,
Mannh. 1766); Quellen und Erörterungen zur bayr.
und deutschen Geschichte, Bd. 2 u. 3: Quellen zur
Geschichte F.s des Siegreichen (Münch. 1857-63):
K. Menzel, Kurfürst F. der Siegreiche (ebd. 1861);
Noder, Die Schlacht bei Seckenheim (Villingen 1877).
Friedrich II., der Weise, Kurfürst von der
Pfalz, geb. 9. Dez. 1482 als vierter Sohn des
Kurfürsten Philipp, verlebte seine Jugend unter,
ritterlichen und galanten Zerstreuungen an den
Höfen in den Niederlanden, Frankreich und Spanien,
wo er Philipp dem Schönen nahe trat, diente Maxi-
milian 1.1508 gegen Venedig, danach König KarlI.
in Brüssel, dessen Wahl zum röm. König er be-
trieb und zu dessen Hauptstützen er am Regiment
von Nürnberg 1521-25 und auf den folgenden
Reichstagen gehörte; 1529 und 1532 kämpfte er als
Reichsfeldherr gegen die Türken. 1535 verheiratete
er sich mit der Tochter des gefangenen Christian II.
von Dänemark, Karls V. Schwager, in der Hoff-
nung, die skandinav. Kronen zu gewinnen. Am
16. März 1544 starb sein Bruder Ludwig, und F.
folgte ihm in der Kurwürde; im Mai desselben
Jahres aber machte Karl V. mit Christian III. von
Dänemark Frieden und verschloß damit F. die Aus-
sicht auf die skandinav. Erbschaft. Dies war für
diefen, dem seine Anhänglichkeit an die Habsburger
fast nur leere Versprechungen eingetragen hatte,
Anlaß zur Abkehr von der kaiscrl. Politik und zur
Annäherung an den Schmalkaldischen Bund, dessen
Religion er seit Ende 1545 im Kurfürstentum zur
Geltung brachte. Die Spannung mit dem Kaifer
mehrte sich durch die Begünstigung, die dieser dem
rivalisierenden kath. Herzog Wilhelm von Bayern
gewährte. (S. Eck.) F. kam jedoch, da er die Schmal-
taldener nur sehr schwach unterstützte, mit persön-
licher Abbitte und einer Strafzahlung davon. Er
führte 1548 das Interim ein und blieb bei der
Fürstenempörung neutral. 1553 stiftete er den Heidel-
berger Fürstenbund. (S. Christoph, Herzog von
Württemberg.) Die Universität Heidelberg verdankt
ihm den Beginn ihrer Blüte. F. starb 26. Febr.
1556. Da seine Ehe kinderlos geblieben, folgte ihm
Otto Heinrich von Pfalz-Neuburg in der Kurwürde.
- Vgl. Hubertus Leodius (F.s Sekretär), 1)6 vita.
6t r6du8 Z68ti3 I^iä6rici II. (Frankf. 1624); Häusser,
Geschichte der rhein. Pfalz (2 Bde., Heidelb. 1845).
Friedrich III., der Fromme, Kurfürst von der
Pfalz, geb. 14. Febr. 1515 zu Simmern, der älteste
Sohn des Herzogs Johann II. von Pfalz-Simmern,
folgte diesem 18. Mai 1557 in diesem Herzogtum
nach und wurde nach dem Tode des kinderlosen Otto
Heinrich 12. Febr. 1559 Kurfürst von der Pfalz.
Anfangs strenger Lutheraner, trat er 1561 offen
zum Calvinismus über, den er auch in seinem Lande
durchzuführen suchte; er schuf in dem Heidelberger
Katechismus eins derfymbolifchenVücherder reform.
Kirche und schaffte durch die neue Kirchenordnung
1564, besonders durch die Kirchenratsordnung und
die "geistliche Güterverwaltung", dem Calvinismus
eine feste Grundlage in der Nheinpfalz, während die
luth. Stände der Obcrpfalz sich mit Glück wider-
setzten. Durch diese Maßregeln regte F. die luth.
und die tath. Partei im ganzen Reiche gegen sich
auf, aber als Kaiser Maximilian II. auf dem Augs-
burger Reichstag 1566 die Calviniften von dem
Schutz des Religionsfriedens ausschließen wollte,
scheuten auch die schroffen Lutheraner, wie Kurfürst
August von Sachfen, vor diefem Äußersten zurück.
F. ging überall energisch vor, wo es Schutz und
Ausbreitung des Protestantismus galt. 1567 und
1574 führte sein vierter Sohn Joh. Kasimir ein
HilfsHeer den Hugenotten nach Frankreich zu, und