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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frischfeuer - Friseur
2-25 km breit und 860,5 hivin groß, erstreckt sich
in nordöstl. Richtung von den Orten Jungfer und
Bodenwinkel bis Fischhausen und Königsberg, hat
eine durchschnittliche Tiefe von 3 bis 5 m und wird
von der Ostsee durch die Frische Nehrung, eine
70 km lange, nur 2 km breite Dünenbildung,
getrennt; nur das Pillauer Tief (f. Pillau), das
10. Sept. 1510 während eines Sturmes entstand,
hält die Verbindung mit dem Meere offen. Die
Nogat (s. d.) schickt 20, die Elbinger Weichsel
14 Mündungsarme in das F. H.; außerdem er-
hält es noch den Elbing, die Passarge und den
Frisching ls. d.), nach dem es vielleicht benannt ist.
Frischfeuer, f. Eisenerzeugung (Bd. 5, S. 926a).
Frisch, frei, fröhlich, fromm, der Wahlspruch
der Turner, gründet sich auf ein altes Sprichwort:
"Frisch, fröhlich, fromm und frei, das andere Gott
befohlen fei." Ein ähnliches Sprichwort lautet:
"Frisch und fröhlich zu feiner Zeit, Fromm und treu
in Ewigkeit." Die Zusammenstellung der 4 I'" ^
!^! für Frisch, fromm, froh, frei wnrde zuerst auf
dem fchwäb. Turnfest zu Heilbronn 2. und 3. Aug.
)846 von I. H. Felsing, Mitglied der Darmstädter
Turngemeinde, als Turnerfymbol vorgeschlagen.
Frisching, Fluß im preuß. Neg.-Bez. Königs-
berg, entsteht nordwestlich von Friedland, empfängt
links die Zuflüsse Etablack, Verleide, Pasmar und
Etradick und mündet nach einem Laufe von 60 km
bei Brandenburg in das Frifche Haff.
Frischlin, Nikodemus, Philolog und lat. Dich-
ter, geb. 22. Sept. 1547 zu Balingen im Württem-
dergischen, wurde schon 1568 Professor der Poesie
und Geschichte in Tübingen, verfeindete sich teils
durch Lehrerfolge, teils durch feine fcharfe Zunge die
Kollegen, war aber am Stuttgarter Hofe als glän-
zender Gesellschafter angesehen. Als er durch un-
vorsichtige Kritik der fchwäb. Landjunker auch diefen
Rückhalt verlor, ging er 1582 als Schulrettor nach
Laibach, kehrte aber bald nach Tübingen zurück,
von wo er Anfang 1587 auf Betreiben feiner Kol-
legen verbannt wurde. Neue Unvorsichtigkeiten be-
i^irlten, daß er nach unsteten Wanderungen 24. Mai
1590 als Pasquillant auf die Festung Hohenurach
gebracht wurde. Bei einem Fluchtversuch zerschellte
er in der Nacht vom 29. zum 30. Nov. 1590 an den
Felsen. F. war ein bedeutender Gelehrter, ein ge-
nialer Mensch von glänzendem Witz, freilich unruhig,
würdelos, maßlos im Genuß und in der Kritik.
Als Philolog vertrat er mit Scaliger den damals
neuen Grundsatz, daß die lat. Sprache nicht nach
Donat und Pri^cianus, sondern nach dem Gebrauch
der Klassiker gelernt werden müsse ("6i'HmmlUic6
latinH", Tüb. 1585, u. a.). Weit mehr als seine
Aus gaben, seine Lyrik, seine Epen ("Il^di-a^", 1590)
und Tragödien bedeuten seine trefflichen, freilich
mehr im Dialog und Detail als in der Komposition
ausgezeichneten meist lat. Komödien. Noch heute
wirkt sein patriotischer "^ulin8 i'6äivivu8" (1584),
der Cäsar und Eicero auf die Oberwelt führt und
Deutschlands Herrlichkeit (Buchdruck, Pulver) be-
wundern läßt; "?IiH8MH" (1580) ist eine reformato-
rische, "?i'i8cianu8 vHMiaii8" (1571) eine gramma-
tische Satire; Frauentrcue feiern "I^doee^" (1576),
"ÄusÄnuH" (1578),"11i1dc^i'äi8 mH^nli" (1579, eine
Genovevafage) und die deutsche "Frau Wendel-
gard" (1579). F.s dentsche Dichtungen gab D. F.
Strauß (in der "Bibliothek des Litterarischen Ver-
eins in Stuttgart", Bd. 41, 1857) heraus. Vgl.
Strauß, Leben und Schriften des Dichters und
Philologen F. (Frankf. a. M. 1856).
Frischling, in der Jägersprache das junge Wild-
schwein, bis es ein Jahr alt wird.
Frischstahl, der durch die Frischarbeit (s. Eisen-
erzeugung, Bd. 5, S. 926a.) erzeugte Stahl.
Frisco, amerik. Abkürzung für San Francisco.
Frise (frz.), Krausgefpinst, f. Leonifche Waren;
F. als Band, f. Vandfabrikation (Bd. 2, S. 360a).
Friseur (frz., fpr. -föhr), als Innungsbezeich-
nung gewöhnlich noch Perückenmacher und F.,
Gewerbtreibender, dessen Thätigkeit von alters her
im Anfertigen von Straßen- und Theaterperücken,
im Theaterfrisieren und im Damen- und Herren-
frisieren besteht. Besondere Gruppen bilden die
Herrenfriseure ((^dinetisi^), die Damen-, Theater-
friseure und die Tischarbeiter (1^03ticd6ui'8), doch
werden meist alle vier Berufsarten gemeinfam be-
trieben. Die Glanzperiode des Gewerbes siel in die
Zeit der Allongeperücke und der Puderfrisur mit
dem Zopf (f. Perücke). Damals waren unter den
F. viele Franzofen, fo in Berlin 1787 113 franz.
Herren neben 182 deutschen, und außerdem gab es
noch Militärfriseure. In neuerer Zeit beschränkt
sich die Thätigkeit der F. immer mehr auf das Fri-
sieren des natürlichen Haars sowie auf Anfertigung
und Erfindung von Haararbeiten für Damen.
^ In Leipzig erhielten die Perückenmacher das erste
Statut 5. Juli 1667. Innungen derfelben sind
nachweisbar in Gera 1675, in Nürnberg 1707, in
Dresden 1724, in Cclle 1730. In Berlin wurde
die erste Perückenmacherinnung 15. Mai 1737 von
der Negierung bestätigt. Sie erhielt sich auch wäh-
rend der Gewerbefreiheit des 19. Iabrh. und grün-
dete mit den andern noch vorhandenen solchen
Innungen im Aug. 1873 den Friseur-Genossen-
schaftsbund für Deutfchland, der bis 1880 bestand.
Aus ihm ging 1. Sept. 1877 hervor die "Vereini-
gung deutscher Perückenmacher und F.", die sich in-
folge der Innungsgefetze von 1881 im April 1884
zu dem "Bunde der deutschen Perückenmacher- und
Friseurinnungen" konstituierte und 4. Juni 1891
Korporationsrechte erhielt. Der Bund mit dem Sitz
in Berlin (Präsident Richard Thomas) umfaßte
(1892) 34 Innungen mit etwa 1000 Mitgliedern,
sowie eine Reihe Einzelmitglieder an Orten ohne
Innung', er besitzt Fachschulen (s. Friseur- und
Varbierschulen) für Gehilfen und Lehrlinge, eine
Wander-, Muster- und Modellsammlung, eine Unter-
stützungskasse, veranstaltet Wanderversammlungen
mit Fachausstellungen, Schau- und Preisfrisierun-
gen, und giebt das "Fachblatt der deutschen Pe-
rückenmacher und F." (Berl.; seit 1877, monatlich)
nur für die Mitglieder des Bundes heraus mit den
von der Modekommission desselben herausgegebe-
nen Modebildern. Andere Fachzeitschristen sind:
"Der F." (Lpz.; seit 1868), "Deutsche Allgemeine
Friseurzeitung" (Berl.; seit 1885), "Der deutsche F."
(Frankf. a. M.; seit 1886), "Neue Wiener Friseur-
zeitung" (Wien; feit 1887). S. auch Barbier.
Im Auslande steht Frankreich in der Litteratur
und in der Herausgabe von Modebildern an der
Spitze des Frifeurgewerbes; dann folgen Österreich-
Ungarn, England, Amerika und die Schweiz. In
Frankreich und England bestehen Akademien und
Vereinigungen von F., in Österreich-Ungarn In-
nungen. Auch werden in jedem der letztgenannten
drei Länder große Schau- und Preisfrisierungen
veranstaltet.