Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

370
Fritzen (Aloys) - Fritzsche
und Bonn, empfing 1862 die Priesterweihe, wirkte
1866-73 als Lehrer am CollegiumAugustinianum
in Gaesdonk (Westfalen), war 1874-87 in Dres-
den Hofkaplan und Erzieher der Söhne des Prinzen
Georg von Sachsen und wurde 1887 an die Spitze
des lnschöfl. Gymnasiums in Montigny bei Metz be-
rufen. 1890 war F. Begleiter des Prinzen Friedrich
August von Sachseil auf dessen Orientreise. Im
Jan. 1891 wurde er zum Bischof von Straßburg
ernannt. Die Schwierigkeiten, die man für einen
Altdeutschen in dieser Stelluug der eingeborenen
Geistlichkeit gegenüber befürchtete,blieben aus: viel-
mehr gewann F. in kurzer Zeit Geistlichkeit wie Be-
völkerung für sich. Seine Maßnahmen auf reli-
giösem wie administrativem Gebiete zeugen von
großer Umsicht, Frömmigkeit und edler Denkungs-
art. Hu seinen bemerkenswertesten Errungenschaften
für die Förderung des Deutfchtums in den Reichs-
landen zählt der'im Herbst 1892 erfolgte Anschluß
der reichslä'ndischen Katholiken an den "Volksverein
für das kath. Deutschland".
Fritzen, Aloys, Politiker, geb. 19. Febr. 1840
zu Cleve, studierte in Bonn und Heidelberg Rechts-
wissenschaft, trat 1861 am Landgericht Cleve in den
praktifchen Iustizdienst, wurde 1866 Landgerichts-
assessor und machte den Feldzug gegen Österreich
mit. 1868 wurde er zum ersten Beigeordneten in
Düsseldorf gewählt und 1875 als Oberbeamter
(Landesrat) in die rhein. Provinzialverwaltung
berufen, nahm aber 1889 seinen Abschied, um sich
ganz der parlamentarischen Thätigkeit zu widmen.
F. ist Mitglied des Deutschen Reichstags (sür
den 9. Düsseldorfer Wahlkreis), des preuß. Ab-
geordnetenhauses und des rhein. Provinzialland-
tags; er schloß sich der Centrumspartei an, in der er
eine angesehene Stellung einnimmt, und ist nament-
lich in Budgetfragen hervorgetreten. Er schrieb u. a.:
"Über die Kirchenbaulast im Bergischen mit beson-
derer Rücksicht auf die Kirchtürme" (Düffeld. 1870),
"Des Quintus Horatius Flaccus Oden", im Ori-
ginalversmaße übersetzt (ebd. 1888). - Sein Bruder
Karl, Amtsgerichtsrat zu Dutten, geb. 19. Febr.
1844 zu Cleve, gehörte dem Reichstag 1890-93 für
den 3. Koblenzer, feit 1894 für den Wahlkreis Cleve-
Geldern, und dem preuß. Abgeordnetenhaus seit
1880 als Mitglied der Centrumspartei an.
Fritzlar. 1) Kreis im preuft. Neg.-Bez. Cassel,
bat 340,08 <^<m, (1890) 26 482 (12 779 männl.,
13 703 weibl.) E., 3 Städte, 47 Landgemeinden
und 9 Gutsdezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis F.,
26 Km im SW. von Cassel, in anmutiger Lage steil
über der Eder, die hier eine langgestreckte Insel
bildet, an der Nebenlinie Wabern-Wildungen der
Preuß.Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines
Amtsgerichts (Landgericht Cassel), Kreisdauamtcs
und emer Oderförsterei, von mittelalterlichen War-
ten umgeben, hat (1890) 3232 E., darunter 1083
Evangelische und 146 Israeliten, in Garnison (298
Mann) die 2. Abteilung des 11. Feldartillerieregi-
ments; eine schöne Stiftskirche St. Peter mit zwei
Türmen, von denen der südwestliäse (1873 restauriert)
7. Dez. 1868 bei einem heftigen Sturme einstürzte
und 22 Menschen tötete, ein ehemaliges Franzis-
kanerkloster, Lateinschule, Präparandenanstalt, Pen-
sionat der Ursulinerinnen (1887 wieder eröffnet)
sowie Handwerksschule; Ackerbau, starte Töpferei,
Gerberei und acht Jahrmärkte. - F. ist ein sehr
alter Ort und die Wiege des Christentums im
Hessenlande. Bonisatius, der 724 die dem Gottc
Thor geweihte Eiche an der Stelle der jetzigen Pe-
terskirche fällte, gründete 741 unweit südlich von
F. auf dem Vürberge das Bistum Buraburg und
zu "Frideslar" selbst die St. Peterskirche, ein Klo-
ster und eine Klosterschule. 786 ward das Bistum
nach F. selbst verlegt und mit dem Kloster vereinigt,
aber schon unter dem zweiten Bischof wurde es von
dem Kloster wieder getrennt und mit Mainz ver-
einigt. F. war die Residenz der Herzöge von Fran-
ken. 919 fand zu F. die Wahl König Heinrichs I.
durch die Franken und Sachsen statt; 1078 eroberte
Rudolf von Schwaben die Stadt. 1232 erstürmte
und verbrannte sie Landgraf Konrad von Thüringen
und Friedrich von Tressurt. Die Schweden unter
Vanör lieferten bei F. 1640 den Kaiserlichen unter
Erzherzog Leopold und Piccolomini mehrere Treffen.
Im Siebenjährigen Kriege schlug bei F. 1. Juli
1760 General Luckner einen Überfall der Franzosen
siegreich zurück; um den Rückzug des Herzogs von
Broglie über Fulda zu decken, setzten sich die Fran-
zosen mit 2000 Mann unter dem Marquis von
Narbonne 12. bis 15. Febr. 1761 hier fest und
hielten die Alliierten mehrere Tage lang auf. F.
bildete ehemals ein Fürstentum, das bis 1802 zum
Erzbistum Mainz gehörte, dann hefstsch wurde, 1807
zum Königreich Westfalen und 1814 an Hessen zurück-
gegeben ward. 1866 wurde die Stadt preußisch.
Fritzlar, Herbort und Hermann von, s. Herbort
von Fritzlar und Hermann von Fritzlar.
Fritzner, Joh., norweg. Sprachforscher, geb.
9. April 1812 in Asköen, studierte in Kristiania seit
1828, wurde 1835 Lehrer in Bergen, 1838 Pfarrer
in Vadfö und 1862 in Tjödling; er nahm 1877 Ab-
schied vom priesterlichen Amte und lebte seit 1878
in Kristiania, wo er 17. Dez. 1893 starb. Schon
in Bergen begann F. seine umfassenden Studien
für die Lexikographie der altnordischen Sprache
und gab 1862 die erste Hälfte vom "OrädoF over äet
FHinis H0l8k6 8pl0Z" heraus, welche Arbeit 1867
vollendet wurde. Seit 1883 erscheint eine neue,
bedeutend umgearbeitete und vermehrte Auflage.
Fritzower See, s. Camminer Bodden.
Fritzsche, Adolf Theodor Hermann, Philolog,
geb. 3. Juni 1818 zu Groitzfch in Sachsen, Nefse von
Christian Friedrich F., studierte zu Leipzig, habili-
tierte sich 1844 zu Gießen, wo er 1849 eine außer-
ordentliche Professur erhielt, und siedelte 1850 nach
Leipzig über, wo er als auherord. Professor auch
eine griech. Gesellschaft leitete. Er starb daselbst
9. Fedr. 1878. F. veröffentlichte eine Ausgabe des
8. und 9. Buchs der "Ntkica. ^icoinackka" (Gieß.
1847) und der "^tdioa Anäemia" (Ncgensb. 185 l>
des Aristoteles, eine Ausgabe des Theokrit (mit
deutschem Kommentar, Lpz. 1857; 2. Aufl. 1869;
größere Ausgabe mit kritischem und exegetischem
lat. Kommentar, 2 Bde., edd. 1868-69; 2. Aufl.
in 1 Bd., 1870) und der Satiren des Horaz (2 Bde.,
ebd. 1875-76). Ferner schrieb er: "Do ^ootig (li ao-
eornin dueolioiL" (Gieß. 1844), "Horaz und sein
Einfluß auf die lyrische Poesie der Deutschen" (in
den "Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik",
Bd. 88, Lpz. 1863). Auch hat sich F. als Dichter in
lat. und deutscher Sprache, in letzterer unter anderm
in der Sammlung "Hebe und Charis" (Lpz. 1849),
bekannt gemacht.
Fritzsche, Christian Friedr., prot. Theolog,
geb. 17. Aug. 1776 zu Naundorf bei. Zeitz, studierte
in Leipzig, wurde 1799 Pfarrer zu Steindach bei
Borna in Sachfen, 1809 Superintendent zu Dobru