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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fugger
Bürger ein Unterkommen finden. Jakob II. wurde
1508 vom Kaiser Maximilian, der ihm 1507 die
Grafschaft Kirchberg und die Stadt Weihenhorn
verpfändet hatte, mit seines Bruders Ulrich Sohn,
Ulrich II., in den Adelstand erhoben und später zum
kaiserl. Rat ernannt. 1509 zahlte er dem Kaiser
170000 Dukaten als den Betrag der diesem für
den ital. Krieg bewilligten Subsidien (40000 für
Papst Julius II., 60 000 für Spanien, 70000 für
Frankreich). 1519 beteiligte er sich mit 543 585
Goldgulden an dem zur Gewinnung der Stimmen
der Kurfürsten sür die Wahl Karls V. zum röm.
Kaiser ausgenommenen Darlehn. Da auch er
(30. Dez. 1525) kinderlos verstorben war, so be-
ruhte nunmehr der Stamm und Glanz des Ge-
schlechts auf den Söhnen Georg F.s, geb. 10. Mai
1453, gest. 14. März 1506. Bei dem Tode des letz-
tern lebten von seinen der Ehe mit Regina Imhof
entsprossenen Kindern noch drei Söbne, von denen
der älteste, Markus F., in geistlichen Würden
27. Okt. 1511 starb, die beiden jüngern aber,
Raymund und Antonius, die Begründer der
noch jetzt blühenden beiden Hauptlinien des Hauses
F., der ältern Raymundus-Linie und der i ungern
Antonius-Linie, wurden und das Geschäft fort-
führten. Beide Brüder waren eifrige Katholiken
und unterstützten den Eifer Ecks gegen Luther und
die Wittenberger mit ihrem Gelde. Anton wurde
1519 von Papst Leo X. zum päpstl. Ritter, Hof-
und Pfalzgrafen erhoben. Kaiser Karl V., bei dem
sie in hoher Gunst standen, erhob 30. Juni 1526
beide samt ibrcm Vetter, dem oben genannten Hie-
ronymus, mit allen ihren Nachkommen männlichen
Stammes in den Reichsgrascnstano, der 14. Nov.
1530 auch auf die weiblichen Descendenten ausge-
dehnt wurde, nahm sie auf der schwäo. Grafenbank
unter die Reichsstände auf und begabte sie mit einem
Siegelbriefe, der ihnen fürstl. Gerechtsame verlieb.
1535 wurden sie samt allen ihren Erben von König
Ferdinand aucb in den ungar. Adelstand aufgenom-
men. Für die Unterstützung, die sie ihm bei seinem
Zuge gegen Algier 1535 gewährten, verlieh er ihnen
das Vorrecht, goldene und silberne Münzen zu schla-
gen, das bereits 1538 von Anton F. in einer zu
Wcihenborn errichteten Münzstätte ausgeübt wurde.
Als Karl V. 1547 gegen die Städte des Schmalkaldi-
schen Bundes zog, wußte Anton F. als Unterhändler
der Stadt für Augsburg das Versprechen günstiger
Bedingungen zur Unterwerfung zu erlangen, das
freilich nachher nicht eingehalten wurde. Bei sei-
nem Tode hinterließ Anton F. 6 Mill. Goldkronen
bar, abgesehen von vielen Kostbarkeiten und Ju-
welen und Gütern in allen Teilen Europas und
beider Indien. Kaiser Ferdinand II. erhöhte noch
den Glanz des F.schen Hauses durch die Verleihung
neuer großer Vorrechte an die beiden Ältesten der
Familie, die Grafen Hans oder Johann und
Hieronymus F. Auch als Grafen setzten die F.
die Handlung fort und erwarben unermeßliche
Reichtümer. Die ersten und vornehmsten Stellen
im Reiche wurden ihnen zu teil. Sie waren im Be-
sitz ausgezeichneter Kunst- und Vüchersammlungen;
Maler und Musiker wurden von ihnen unterhalten,
Künste und Wissenschaften mit Freigebigkeit unter-
stützt; ihre Wohnungen und Gärten waren Meister-
werke der Baukunst und des damaligen Geschmacks.
DieRaymundus - Linie, gegründet von R a y -
muud F. (geb. 24. Okt. 1489,' gest. 3. Dez. 1535),
wurde, da von des Stifters Söhnen Ulrich F. (gest.
1584), der ein gründlicher Hellenist war, auf seine
Kosten Ausgaben von Klassikern, besonders H'eno-
phon, veranstaltete, seine große Bibliothek der Uni-
versität Heidelberg vermachte, sich offen zum Pro-
testantismus bekannte und deshalb von seiner Fa-
milie hart bedrängt wurde, und Christoph F. (gest.
1579) unverheiratet geblieben waren, durch Hans
Jakob F. (gest. 1575) in dem Aste zu Pfirt, und Georg
F. (gest. 1569) in dem Aste zu Kirchberg fortgeführt.
Hans Jakob war einer der gebildetsten Männer
seiner Zeit, ein eifriger Förderer der Künste und
Sammler wertvoller Altertümer; durch A. Pow-
zano, einen Schüler Tizians, ließ er Säle, Hofkapelle
und Badezimmer mit Fresken und Hochreliefs aus-
schmücken, wovon einige noch vorhanden sind.
Ludwig I. von Bayern lieh ihm 1857 in Augsburg
ein Denkmal setzen. Von seinen 21 Kindern er-
langte nur ein einziger Sohn, Konstantin I. F.,
dauernde Nachkommenschaft. Des letztcrn drei Söh-
nen, Franz Venno, Konstantin II. und Johann
Friedrich, entstammten die drei Zweige in Götters-
dorf (erloschen 1846), Eulmertingen (erloschen 1738)
und Adelobofen. Dem Adelshofener Zweige
geborten Graf Max Joseph F. auf Zinnenberg
(gest. 1751 als Wirtl. Geheimrat und Feldmarschall-
lieutenant) und dessen Sohn Graf Ignaz Joseph
Cajetan F. auf Zinnenberg (gest. 15. Juni 1791
als kurbayrischer Wirkl. Geheimrat und Konferenz-
minister) an. Mit des letztern Sohne erlosch 1795
auch der Adelshofener Zweig. Es blühte fomit von
der Raymundus-Linie nur noch der von Georg ab-
stammende Kirchberger Ast, der durch des Stif-
ters beide Urenkel, Karl Philipp F. (gest. 1654) und
Albert F. (gest. 1692), wiederum in zwei Zweige, zu
Weißenhorn und zu Kirchberg, zersiel. Der erstere
erlosch 1690, während ein Sohn Alberts, Franz
Eigismund Joseph F. (gest. 1720), das gesamte Be-
sitztum des Georgschen Astes vereinigte, aber 1719
seinem Bruder Anton Nupert Christoph (gest. 1746)
Kirchberg überließ, das dessen Nefse und Erbe, Adam
Franz Joseph Anton F., wieder mit Weißenhorn ver-
einigte. Er wurde der nächste Ahnherr der noch
gegenwärtig blübenden Grafen F. von der Ray-
mundus-Linie. Senior derselben ist Franz F.,
Graf von Kirchberg und Weißenhorn, geb. 2. Aug.
1843, erblicher Reichsrat der Krone Bayern und
Rittmeister ^ 1a 8uit6.
Die Antonius-Linie des Hauses F. gründete
Anton F. (geb. 10. Juni 1493, gest. 14. Sept. 1560),
dessen drei Söhne Markus, Johann und Jakob die
Stammväter der drei Liste zu Nordendorf, Kirchheim
und Wöllenburg wurden. - I. Den N o r d e n d o r f e r
Ast stiftete Markus F., geb. 14. Febr. 1529, gest.
18. Juni 1597, Verfasser des merkwürdigen Buches:
"Wie und wo man ein Gestüt von gutten, edeln
Kriegsrossen ausfrichten u. s. w. soll" (o. O. 1578;
2. Aufl. u. d. T. "Von der Gestüterey", 1584; neu
hg. von Wolstcin, 2 Bde., Wien 1788). Sein Enkel,
Franz F., stieg bis zum Generalfeldzeugmcister bei
der Reicksinfanterie auf und siel in der Schlacht
bei St. Gotthard (1. Aug. 1664) als Befehlshaber
der Reichsarmee. Dieser Ast erlosch 1676 mit einem
andern Enkel, dem Grafen Nikolaus. - II. Den
Kirchheimer Ast stiftete Johann (Hans)F. (gest.
1598), von dessen Söhnen Jakob F. (geb. 1567)
als Bischof von Konstanz 1626 starb, und Christoph
F. (geb. 1566, gest. 29. Dez. 1615) zwei (^öhne, Io-
bann Ernst (Zweig Glött) und Otto Heinrich (Zweig
Kirchheim) hinterlieh. ^. Der Glottsche Zweig,