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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ful-o - Fulvier
Grenze von Asterreichisch-Schlesien, in einem weiten
Kesselthale, das vom Schloßberge beherrscht wird,
an der Lokalbahnlinie F.-Zauchtl (101<m, Anschluß
an die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn), bat (1890)
3498 deutsche E., Post, Telegraph, Bezirksgericht
(121^ c^m, 12 Gemeinden, 15 Ortschaften, 12942
meist kath. E., 12 756 Deutsche, 117 Czechen), Pfarr-
kirche, bei der einst eine Propstei der regulierten
Augustiner-Chorherren bestand, eine alte Burg, das
sog. neue, seit dem Brande 1801 nur mit einer Seite
erhaltene Schloß sowie ein Denkmal des Pädagogen
Comenius (19.Iuni 1892 errichtet), Seiden-, Tücker-
und Modewarenfabriken und Feldwirtschaft. Die
Tuchmanufaktur, die im 17. Jahrh, hier 522 Meister
zählte, ist der großartigen Fabrikindustrie in F. ge-
wichen. Die Gegend um F., das sog. Kuh land-
chen, gehört zu den schönsten landschaftlichen Par-
tien Mährens. - Anfang des 17. Jahrb. war F.
Sitz der Mährischen Vrüdergemeine, deren Schule
1618-21 von Comenius (s. d.) geleitet wurde.
ssul-o, Einzahl von Fulbe (s.' o.).
Fulton (spr. fullt'n), Robert, der Schöpfer der
Dampfschisfahrt, geb. 1765 in Little Britain in
der Grasschaft Lancaster (Pennsylvanien), widmete
sich der Kunst und war in London Schüler des Ma-
lers Benjamin West. Nachdem F. 1793 den Beruf
eines Künstlers mit dem eines Ingenieurs vertauscht
hatte, ging er nach Frankreich und machte 1797 in
Paris erfolgreiche Versuche mit Torpedos und Tor-
pedobooten. 1801 lernte F. Livingston kennen, der
damals Gesandter der Vereinigten Staaten in
Frankreich war. Beide beschlossen, ein Versuchs-
dampfschiff für den Betrieb auf der Seine zu bauen.
Im Frühjahr 1802 schickte F. Zeichnung und Be-
schreibung der von ihm konstruierten Modelle an
Livingston; im folgenden Winter vollendete er das
Modell eines Dampfboots, bei welchem Schaufel-
räder an den Seiten angebracht waren. Am 24. Jan.
1803 sendete F., um die Priorität seiner Erfindung
festzustellen, an das Direktorium des ^on86i-vliwn-6
<I68 ai't8 6t mötioi-g in Paris ein Schreiben, das
die Beschreibung der treibenden Maschine enthält.
Im Frühling des genannten Jahres war das neue
Fahrzeug vollendet, doch erwies sich der Rumpf für
die schwere Maschine zu schwach, sodah das Boot
unterging. Im Juni desselben Jahres war ein
neuer Bau mit der alten von F. gebobenen Ma-
schine vollendet und 9. Aug. dampfte das kleine
Fahrzeug in Gegenwart einer Kommission der Fran-
zösischen Akademie sowie einer Anzahl bedeutender
Gelehrten, Mechaniker und Stabsoffiziere strom-
aufwärts. Umfonst bemübte sich F., für fein Unter-
nehmen die Unterstützung Vonapartes zu erlangen;
mehr Erfolg hatte die Verwendung Livingstono be-
züglich eines ihm durch den Staat Neuyork gewähr-
ten Monopols für die Dampfschisfahrt auf den nord-
amerik. Flüssen. Im Mai 1804 ging F. nach Eng-
land. Eine nach seinen Plänen von der Firma
Boulton & Watt in ^oho ausgefübrte Dampf-
maschine wurde 180") vollendet; F. begab sich nach
Neuyork voraus und begann sofort den Bau des
Fahrzeugs, für das die Maschine bestimmt war.
Inzwischen war auch Livingston nach den Ver-
einigten Staaten zurückgekehrt, und beide arbeite-
ten nun gemeinsam an dem größten aller bis dahin
konstruierten Dampsfchisfe.
Im Aug. 1807 konnte der Claremont, wie das
neue Schiff genannt wurde, dem Betrieb übergeben
werden. (S. Dampfschiff, Bd. 4, S. 745 a.) In den
nächsten Jahren folgte der Bau dreier anderer
Dampfer: Karitan, Car of Neptune und Paragon,
von denen die beiden letztern nahezu die doppelte
Größe des Claremont hatten. 1812 baute F. eine
Dampffähre für den Verkehr zwischen Neuyork und
Jersey-City, und im folgenden Jahre zwei andere,
um Neuyork mit Brooklyn zu verbinden. Später
konstruierte er noch mehrere Dampfschiffe für den
Betrieb auf den Flüssen des Westens; einige seiner
Fahrzeuge wurden 1815 als Paketboote auf der
Linie Neuyork-Providence in Betrieb gesetzt. Im
März 1814 erteilte ihm der Kongreß der Vereinigten
Staaten die Bewilligung zum Bau des ersten mit
Dampf betriebenen Kriegsschiffs; im Juli des fol-
genden Jahres machte das Schiff, Fulton the First
genannt, seine Probefahrt in den Ocean, wobei es
die Entfernung von 43,6 Seemeilen in 8 Stunden
30 Minuten zurücklegte. F. erlebte jedock diesen
Erfolg nicht. Infolge eines Streites mit Living-
ston zu einem Termin nach Trenton gerufen, er-
krankte er auf dem Rückwege und starb 24. Febr.
1815. - Vgl. Montgery, Police 8ui- 1a, vie 6t 168
ti-avinix ä6 15o1)6i't l. (Par. 1825).
Fulu, Mehrzahl von Fels, marokk. Geldbc-
nennung, s. Uckia.
Fulup, Negerstamm, s. Felup.
Fulvia, die Geliebte des Quintus Curius, eines
Teilnehmers an der Catilinarischen Verschwörung
(63 v. Chr.), machte Cicero Mitteilung über die
Pläne der Verschworenen und trug dadurch zur
Verhinderung des Anschlags wesentlich bei. - F.,
die berüchtigte Gemahlin des Clodius, dann des
Curio, endlich (seit 49 v. Chr.) des Antonius, soll,
als Cicero geächtet und getölet war und dem An-
tonius Kops und Hand des Getöteten gebracht wur-
den, dessen Zunge noch mit Nadeln durchstochen
haben. 41 v. Chr. verleitete F., wie es heißt in
der Hoffnung, dadurch ihren Gemahl zu veranlassen,
nach Italien zu kommen, und ihn fo von Kleopatra
zu entfernen, seinen Bruder Lucius Antonius zum
Kriege gegen Octavian; als dieser Krieg (der Peru-
sianische) schon Anfang 40 mit Octavians völligem
Siege endete, begab sie sich zu Antonius, der sie in
Athen mit Vorwürfen empfing. Sie erkrankte auf
der Rückreise und starb bald darauf, noch 40 v. Chr.,
in Silyon, ein Umstand, welcher der Aussöhnung
zwischen Antonius und Octavian zu statten kam.
Fulvier (I^ulvii, ^6H8 I^uivia.), altröm. Ge-
schlecht. Ihm entstammten:
Quintus Fulvius Flaccus, kämpfte 237
v. Chr. als Konsul mit Erfolg gegen die Bojer und
unterwarf sie mit seinem Kollegen T. Manlius
Torquatus in seinem zweiten Konsulat 224 v. Chr..'
auch sollen diese Konsuln das erste röm. beer über
den Po in das gallische Gebiet geführt haben. 212
v. Chr. zum drittenmal Konsul, besiegte er den
karthag. Feldherrn Hanno in Campanien, hielt
dann in Verbindung mit zwei andern Heeren Cayua,
eingeschlossen und zwang 211 v. Chr. als Prokonsul
die Stadt, sich ihm und seinem Kollegen zu ergeben.
Ohne die Entscheidung des Senats abzuwarten,
hielt er über die Aufständischen ein furchtbares
Strafgericht. In seinem vierten Konsulat, 209
v. Cbr., gewann er die Lucaner und Hirpincr wieder
für Rom.
Quintus Fulvius Flaccus, der Sohn des
vorigen, besiegte als Prätor im diesseitigen (östl.)
Spanien 182 v. Chr. die Keltiberer und zwang 181
als Proprätor einen Teil derselben zur Unterwer-