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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fürstenberg (schwäb. Geschlecht)
Wolfgang, der im selben Kriege oberster Feldhaupt-
mann des Schwäbischen Bundes war, wurde 1592
Landvogt im Elsas;, ^undgau, Breisgau und einem
Teil der Ortenau und starb 31. Dez. 1509. Von des
letztern Söhnen diente WilhelmI. von F. (geb.
1492, gest. 1549) erst unter dem Kaiser, daun unter
Franz 1. von Frankreich, dann wieder unter dem
Kaiser, und Friedrich II. von F. (geb. 1496,
gest. 1559), ein treuer Anhänger Karls V. und der
tath. Kirche, erwarb durch Verheiratung unter an-
derm 1534 die Reichsgrafschaft Heiligenberg. Von
Friedrichs So'lmen stiftete Joachim die Heiligen-
berger und Christoph I. die Kinzigthaler Linie.
1) Heili gen berger Linie. Des Grafen
Joachim I. ^ohn, Friedrich IV. von F. (geb.
1563, gest. 8. Aug. 1617), batte bei Kaiser Rudolf II.,
Mattbias und bei den Erzherzögen von Österreich
großen Einfluß. Sein jüngster Sohn IakobLud -
wig von F. (geb. 1592, gest. 15. Nov. 1627),
kaiserl. Feldzeugmeister, war einer der tüchtigsten
Generale der kath. Liga. (^ein älterer Bruder Graf
Egon VIII. von F. (geb. 21. März 1588), erst
Geistlicher, dann Soldat in ligistiscken Diensten,
nahm an allen Feldzügen der Liga bis 1630 teil,
befehligte unter Tilly bei Leipzig 1631 den rechten
Flügel und starb als kurbayr.Generalfeldzeugmeister
24. Aug. 1635. Von seinen Söhnen waren Graf
Franz Egon von F. (geb. 10. April 1626, gest.
1. April 1682 als Bischof von Straßburg) und be-
sonders Graf Wilhelm Egonvon F. (geb. 2. Dez.
1629) ganz dem franz. Interesse hingegeben. Beide
lebten am Hofe des Kurfürsten Maximilian Hein-
rich (s. d.) von Köln, und obschon Kaiser Leopold
12. Mai 1664 die Brüder in den Reichsfürstenstand
erhoben und 6. Sept. 1667 auch in das Rei.chs-
fürstentollegium eingeführt hatte, blieben sie ioch
bei ihrer bisherigen Politik und ließen sich von
Mazarin für die sog. Rheinische Allianz (s. d.)
gewinnen. Endlich ließ der Kaiser 4. Febr. 1674
zu Köln sich Wilhelm Egons von F., der auf alle
Weise die Pläne Ludwigs XIV. aus Deutschland
förderte, bemächtigen, ihn nach Bonn und dann
nach Wienerisch-Neustadt führen; erst im I. 1679
erhielt Wilhelm Egon durch den Nimwegener Frie- ^
den seine Freibeit und wurde mit seinen Brüdern !
wieder in alle Ehren und Würden eingesetzt. !
Ludwig XIV. ernannte ihn 1682 znm Bischof von !
Straßburg, also zum Nachfolger seines Bruders,
der 1681 die Besetzung Straßburgs durch die Fran-
zosen eifrig gefördert hatte. Der Papst erhob ihn
1686 zum Kardinal; seine Bewerbung um den Köl-
ner Kurfürstenhut 1688 aber scheiterte. Er starb
6. April 1704 zu Paris. Der dritte Bruder war
Graf Hermann Egon von F. (geb.5. Nov. 1627,
gest. 25>. Scpt. 1674 als Oberhofmeister des Kur-
lürsten Ferdinand Maria von Bayern), mit dessen
Sohn, Fürst Egon Anton von F., geb. 1656,
gest. 10. Okt. 1716 zu Hubertusburg, dem Statt-
balter des Kurfürsten August des Starken von Po-
len in Kursachsen, die Heiligenbergcr Linie erlosch.
2) Die Kinzigthaler Linie," die im Gegen-
satz Zu der Heiligenberger in allen ihren Gliedern
stets treu zu Kaiser und Reich gehalten hat, grün-
dete Graf Christoph I. von'F. (geb. 24. Aug.
1534, gest. 17. Aug. 1559). Seines Enkels Chri-
stoph II. beide Söbne Wratislaw (geb. 1600, gest.
als Präsident des Reichshofrates 1642) und Fried-
rich Rudolf (geb. 1602, gest. 26. Okt. 1655 als
k. k. Oberfeldzeugmeister) stifteten den Meßkircher
und ^tühlinger Ast, auf welche beide der Fürsten-
stand der Heiligenberger Linie nach deren Erlöschen
(10. Okt. 1716) nach dem Rechte der Erstgeburt
übertragen wurde. - a. Wratislaws, des Stif-
ters des Mehkircher Astes Enkel, Graf Karl
Egon von F. (geb. 2. Nov. 1665), der 1697
Generalfeldzeugmeister des Schwäbischen Kreises,
1700 k. k. Feldmarschalllieutenant wurde, befehligte
14. Okt. 1702 in der Schlacht bei Friedlingen den
linken Flügel und fiel in der Schlacht. Seines
Bruders, des Fürsten (seit 1716) Froben Ferdi-
nand von F. (geb. 6. Aug. 1664, gest. 4. April 1741),
einziger Sobn Fürst Karl Friedrich Nikolaus von F.
beschloß diesen Ast 7. Sept. 1744. - d. Friedrich
Rudolf von F., der Stifter des Stühlinger
Astes, hatte zum Enkel den Grafen Prosper
Ferdinand von F., geb. 12. Sept. 1662, der vor
Landau 21. Nov. 1704 als kaiserl. Feldzeugmeister
siel. Von dessen Söhnen stiftete Graf Ludwig
August Egon den landgräfl. Zweig in Weitra, wäb-
rend der ältere, Graf Joseph Wilhelm Ernst
von F., geb. 12. April 1699, Reichsfürst seit 1716,
seinerzeit als Diplomat vielfach thätig, nach dem
Aussterben des Meßkircher Astes in den alleinigen
Besitz des Familienerbes kam und, nachdem er noch
19. Jan. 1762 die Ausdehnung des Reichsfürsten-
standes auf alle ehelichen Erben beiderlei Gefchlechts
erhalten, 29. April 1762 zu Wien starb. Seine Ge-
mahlin Maria Anna, geb. Gräfin von Waldstein
zu Pürglitz (gest. 1756), begründete durch Testament
vom 30. Äug. 1756 für ihren zweiten Sohn, Karl
Egon, den fürstl. Zweig in Böhmen, während der
älteste Sohn, Fürst Joseph Wenzel Johann Nepo-
muk von F. (geb. 21. März 1728, gest. 2. Juni 1783)
im Hauserbe folgte. Da jedoch sein Stamm in: zwei-
ten Sohne, dem Fürsten Karl Joachim von F.,
17. Mai 1804 ansstarb, so fiel die Nachfolge im
schwäb. Besitz an den böhm. Zweig. Der Gründer
desselben, Fürst Karl Egon I. von F. (geb.
7. Mai 1729, gest. 11. Juli 1787), der sich als
Oberstburggraf von Böhmen (1771-82) um dieses
Land verdient machte, hinterließ zwei Söhne, Phi-
lipp Nerius Maria Joseph von^F. (geb. 21. Okt.
1755, gest. 5. Juni 1790), dessen ^tamm schon 1799
erlosch, und Karl Joseph Aloys Fürsten von F. (geb.
1760), der als Generalfeldmarschalllieutenant des
Schwäbischen Kreises 25-^März 1799 in der Schlacht
bei Stockach fiel. Sein Sohn Karl Egon von F.
geb. 28. Okt. 1796, folgte 17. Mai 1804 im Stamm-
besitz, doch wurde sein Fürstentum bereits 1806 me-
diatisiert. Nach vollendeten Studien begleitete er
1815 Schwarzenberg als Ordonnanzoffizier nach Pa-
ris, vermählte sich 1818 mit der Prinzessin Amalie
von Baden, wirkte 1831 für die Ablösung derZehnten
und der Leibeigcnschaftsabgaben und für größere
Preßfreiheit, förderte Industrie und Landwirtschaft,
gründete verschiedene wohlthätige Stiftungen, war
bad. General, erbliches Mitglied der bad. Stände-
versammlung, Vicepräsident derselben und starb
22. Okt. 1854. Ihm folgte sein ältester Sohn, Fürst
Karl Egon von F. (geb. 4. März 1820, gest.
15. März 1892 bei einem Aufenthalt in Paris), hock-
verdient um Kunst und Wissenschaft, preuh. General
der Kavallerie und Generaladiutant des Großher-
zogs von Baden, während seine Brüder Mar
Egon (geb. 29. März 1822, gest. 27. Juli 1873)
und Emil Egon (geb. 12. Sept. 1825) Stifter
eigener fürstl. Linien in Böhmen, zu Pürglitz und
Königshof, wurden. Haupt der schwäb. Linie sowie