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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fußesbrunnen - Fußlager
Aktiengesellschaft, ist Sitz des Bezirksamtes, eines
Amtsgerichts (Landgericht Kempten), Nent- und
Nebenzollamtes und hat i18W) ^1)8l) katb. E., Post-
erpedition, Telegraph, Wasserleitung; bedeutende
Seilerwarenfabrik (Aktiengesellschaft, 750 Arbeiter)
und Herstellung von Grabsteinen u. s. w. aus den
nahen Marmorbrüchen sowie Landwirtschaft und
lebhaften Handel mit Tirol. Die alte Burg auf
hohem Felsen wurde 1322 vom Bischof Friedrich
von Augsburg erbaut und von König Max II.
restauriert (namentlich der Rittersaal mit schön be-
malter Holzdecke und die Kapelle). Unterhalb der
Burg die 1701 auf alten Grundlagen ncuerbaute
Stiftskirche St. Magnus, mit Bildern und Grab-
steinen alter Geschlechter, im Chor ein sehr alte^
Bild Karls d. Gr. und in der 1810 entdeckten roman.
Krypta (10. Jahrh.), vielleicht der Grabstätte dec-
heil. Magnus (gest. 654), Kelch, Stola und Stab
dieses Apostels; in der St. Annakapelle ein zu An-
fang des 17. Jahrh, gemalter Totentanz in 20 Ab-
teilungen und ein in Holz geschnitzter Christus am
Kreuz. Daneben die Venediktinerabtei St. Mang
<oder ad I''auc68), 029 vom heil. Magnus gegründet,
und von Pippin reich ausgestattet, 788 zerstört, aber
vom Augsburger Bischof Sigmund wiederhergestellt,
mit sehenswertem (^peisesaal. Auf dem rechten Lech-
ufer steigt der interessante Kalvarienberg mit schöner
Aussicht auf. In der Nähe der Stadt bei Faulen -
bach ist eine Schwefelquelle und 1 Kin oberhalb
die schönste Stromschnelle auf deutschem Boden,
der Lechdurchbruch St. Mangstritt, wo der beil.
Magnus den Fluß überschritten haben soll. Un-
gefähr 4 km im SO. von F. das Schloß Hohen-
schwangau (s. d.).
F. (im Mittelalter ^9.nc.68 oder Inw/^in, im
I^FU8 X8itin8t6in) entstand um das Et. Magnus-
tloster, gehörte einst zu den Besitzungen der Welsen,
kam 1191 an die Hohenftaufen und durch Verpfän-
dung 1228 an den Herzog Ludwig von Bayern.
Unter König Friedrich III. dem Schönen gelangte
1313 die Vogtei daselbst an die Bischöfe von Augs-
burg. Um diefe Zeit wurde F. zur Stadt erhoben
und befestigt. Im Schmalkaldischen Kriege ward F.
1546 von Schertlin von Vurtenbach eingenommen,
1552 von Moritz von Sachsen, 1632 von den
Schweden überrumpelt, 1646 von denselben ge-
plündert. Am 13. Sept. 1796 wurden hier die
Franzosen unter General Tarneau voll den Öster-
reichern, 11. Juli 1800 dagegen diese von jenen, und
18. Aug. 1805 die Württemberger von den Tirolern
zurückgeschlagen. Die Stadt kam nebst der Burg
1802 bei der Säkularisation des Hockstifts Augs-
burg an Bayern, das St. MangMostcr aber mit
allen Einkünften an den Fürsten von Ottingen-
Wallerstein, von welchem es 1837 an die Freiherren
von Ponickau überging. - Am 22. April 1745 wnrdc
zu F. zwischen Bayern und Osterreich ein Friede
geschlossen, in welchem ersteres allen Ansprüchen auf
das österr. Erbe entsagte, die Pragmatische Sanktion
anerkannte und bei der neuen Kaiserwahl seine
Stimme dem Großherzog Franz zu geben versprach.
- Vgl. Preuß, Der Fricdc von F. (Müncb. 1894).
Fußesbrunnen, Konrad von, s. Konrad von
Fußesbrunnen.
Fußförmig, s. Blatt (Bd. 3, E. 86a).
Fußgeburt, s. Fußlage.
Futzgefecht der Kavallerie. Kavallerie, die
nicht erforderlichenfalls zu Fuß mit der Schuft-
Waffe auftreten kann, wird bei ihren mannigfachen
Aufgaben vor der Front der großen Heereskörper
leicht auf an und für sich unbedeutende Hindernisse
stoßen, die sie ohne Hilfe von Infanterie nicht über-
wältigen kann, z. V. Ortseingänge, Brücken, Wäld-
chen, selbst Buschwerk, wenn auch nur schwach vom
Feinde besetzt. Um daher die Kavallerie von der
Unterstützung durch Infanterie gewissermaßen un-
abhängig zu machen, ist sie mit einer Schußwaffe
ausgerüstet und in den einfachsten Formen des
Fußgefechtes unterwiefen und dadurch zu selbstän-
digen und zu weitausgreifenden Unternehmungen
befähigter. Jedoch bleibt das F. d. K. nur ein
Notbehelf, zu einem nachhaltigen Feuergefecht hat
sie nicht die Mittel; sie muß ihren Zweck möglichst
schnell zu erreichen suchen und dazu von vornherein
ihre verfügbaren Kräfte einsetzen. Da die Pferde
der zum Fußgefecht abgefessenen Mannschaften von
einer Anzahl anderer Mannschaften gehalten werden
müssen und auch stets ein Teil der Abteilung als
berittene Neserve verfügbar bleiben muß, so hat eine
Kavallerieabteilung stets nur eine geringe Anzahl
von Gewehren verfügbar. Ein schwieriger Punkt für
das F. d. K. ist die Führung und Ausstellung der
Haudpferde. Bleiben dieselben der feuernden Ab-
teilung zu nahe, so bieten sie dem Feinde ein vor-
zügliches Ziel; sind sie dagegen durch genügende
Entfernung gedeckt, so können die abgesessenen
Mannschaften bei einer ungünstigen Wendung des
Gefechtes ihre Pferde überhaupt nicht mehr errei-
chen. Bei der deutfchen Kavallerie sitzen nach dem
Reglement zwei Mann von dreien zum Fusigefecht
ab, während der dritte Mann zu Pferde bleibt und
die lcdigen Handpferde hält; in den meisten Fällen
(bei größern .Kavallerieabteilungen stets) bleiben
außer den Pfcrdehaltern noch geschlossene Abtei-
lungen, Züge oder ganze Eskadrons, als Ncserve
zu Pferde, um die Auftlärung und Beobachtung
besonders in den Flanken fortzusetzen und die Hand-
Pferde fowie das notwendig werdende Aufsitzen der
Fußmannschaftcn zu decken. Die fremden Kaval-
lerien lassen meist, wenn sie zum Fußgefecht ab-
sitzen, den ^ä'bel am Dattel befestigt zurück; die
deutsche Kavallerie bcbält den Säbel (jetzt Stich-
degcn) bei sich, der stürmende Einbruch in den Feind
erfolgt'mit umgehängtem Karabiner, den Säbel in
der Hand mit Hurrah! Die Taschenmunition der
deutschen Kavallerie beträgt 45 Patronen pro Kopf.
Fußgelenk, s. Fuß (anatom.).
Fußgicht, Podagra, s. Gicht.
Fußgrind des Rindes, s. Schlempemauke.
Fußklobett, Werkzeug der Schmiede, bestehend
aus einem Schraubstock mit Fuß.
Fußkrätze der Hühner, s. I)6iinkt0i-kM68.
Fußkuß, ein Zeichen demütiger Verehrung,
das die Päpste im Mittelalter von allen Christen
forderten und selbst die deutschen Kaiser bis Karl V.
ihnen zugestanden. Während die gekrönten Häupter
dein Papste nur noch den Handtusi leisten, wird der
F. dein Papste nach seiner Wahl von sämtlichen
Kardinälen und sonst vielfach bei feierlichen Audien-
zen von Laien und Geistlichen erteilt. Geküßt wird
dabei das Kreuz auf den zum päpstl. Ornate ge-
hörenden Schuben (daher auch Pantofseltuß).
Fußlage oder Fußgeburt, in der Geburts-
hilfe diejenige Lage des Kindes im Mutterleibe, bei
welcher ein oder beide Füße demselben nach unten
gegen den Muttermun^ gerichtet sind und auch zu-
erst geboren werden. (^. Geburt.)
Fußlager, irn Maschinenbau, s. Lager.