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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Füßli - Fust
Füßli, Künsllersamilie, s. Füehli.
Fußmörser, früher gebrauchte, glatte Mörser,
die in bestimmtem Winkel (meist 45") auf einer Fuß-
vlatte feftgegosien waren.
Fußpfund, die Einheit der inechan. Arbeit in
denjenigen Maß- und Gewichtsfystemen, bei denen
als Einheit für die Länge der Fuß und für das Ge-
wicht das Pfund angenommen wird, d. h. die Ar-
beit, die 1 Pfund 1 Fuß hoch hebt. Das F. ist in
den Ländern, die das metrische System angenom-
men haben, durch das Kilogrammmeter ls. d.) erfetzt
worden. (S. Arbeit lphysik.^ und Effekt.)
Fußpunkt, in der Geometrie, f. Lot; in der
Astronomie, f. Nadir.
Fußpnnktt'urve, der geometrische Ort der Fuß-
punkte lf. Lot) allcr Perpendikel, die von einem
festen Punkte (dem Pol der F.) aus auf alle Tan-
genten einer gegebenen Kurve gefällt werden kön-
nen. Auf der Tafel: Kurven I, Fig. 3 findet sich
als F. einer gleichseitigen Hyperbel für den Mittel-
punkt als Pol eine Lemniskate. - Auch für Flächen
giebt es entsprechende Untersuchungen.
Fußräude, s. Näude.
Fußschweiß, die übermäßige Absonderung von
Schweiß an den Füßen, ist ein sehr verbreitetes und
lästiges, meist angeborenes Übel, welches namentlich
durch zu warme oder die Hautausdünstung zurückhal-
tende Fußbekleidung, durch übermäßiges Stehen und
Gehen, durch Unreinlichkcit sowie durch übermäßige
Fettleibigkeit befördert wird und sich vorwiegend im
mittlern Alter, seltener im Kindes- oder Greifenalter
vorfindet. Der F. wird nicht nur durch feinen wider-
wärtigen Geruch lästig, der auf die fchnelle Zer-
setzung des abgesonderten Schweißes zurückzuführen
ist, sondern er sührt auch sehr leicht durch Erwei-
chung und Schmelzung der Oberhautschichten zu
schmerzhaften Entzündungen der Haut, namentlich
zwischen den Zehen und an den Fußsohlen, wodurch
die Kranken oft am Stehen und Gehen gehindert
werden, keinerlei Fußbekleidung ertragen und gar
nicht selten das Bett zu hüten genötigt sind; auch
geben ftark schwitzende Füße wegen der beständigen
Feuchtigkeit der Fußbekleidung sehr leicht Anlaß zu
starken Erkältungen. Wer an F. leidet, wechsele
bäufig feine Fußbekleidung, trage stets wollene
Strümpfe, nehme öfters ein lauwarmes Fußbad
und bestreue feine Strümpfe mit Salicylstreupulver
iaus 3 Teilen Salicylsäure, 10 Teilen Stärkemehl
und 87 Teilen Talk bestehend); auch das Einstreuen
von Tannin wirkt nützlich. Vorzüglich wirken die
in der deutschen Armee angewandten Vepinfelungen
mit einer 5prozentigen Chromfäurelöfung - etwa
alle 8-14 Tage einmal. Das noch immer unter den
Laien herrfchende Vorurteil, daß plötzliches Aus-
bleiben oder Unterdrücken des F. zu schweren in-
nern Krankheiten Anlaß geben könne, hat sich vor
einer nüchternen wissenschaftlichen Kritik als durch-
aus unhaltbar erwiesen. Wer aber trotzdem nach
Erkältungen u. dgl. seinen plötzlich ausgebliebenen
F. wieder hervorrufen will, erreicht diefen Zweck am !
sichersten durch sehr warme, mit Senfmehl versetzte ^
Fußbäder, durch Einstreuen von Senfpulver in die
Strümpfe oder durch mehrtägiges Umwickeln der
Füße mit Guttaperchapapier. In den Tropenlän-
dern verschwindet gewöhnlich selbst jahrzehntelang
bestehender F. von selbst, was wohl in der allgemei-
nern Schweißbildung an der gesamten Körperdecke,
in der häufigern Anwendung von Bädern sowie in
der luftigern Fußbekleidung seinen Grund sindet.
Fußton, s. Fuß (in der OrgeN.
Fußventil, bei Dampfmaschinen ein aus dem
Kondensator nach der Luftpumpe führendes Ventil,
im allgemeinen bei Pumpen das im untern Teile
derselben, dem Fuße, angeordnete Saugventil. Vei
Brunnenpumpen nennt man F. ein in dem tiefsten
Teil des Saugrohrs angebrachtes Saugventil, wel-
ches das Wasser in dem Saugrohr zurückhält. Fer-
ner nennt man F. das Rückschlagventil, welches, am
Ende der Saugleitung von Centrifugalpumpen an-
gebracht, das Anfüllen derfelben mit Wasser behufs
Ingangsetzung ermöglicht.
Fußvolk, 's. Infanterie.
Fußwaschen, im Morgenlande eine Pflicht der
Gastfreundschaft, die der Wirt feinen Gästen persön-
lich oder durch seinen Diener leistete. Da nach dem
Evangelium Johannis auch Jesus seinenIüngern am
Abend vor seinem Todestage die Füße wusch, um sie
dadurch zur Demut und dienenden Liede zu ermahuen
(Joh. 13,4fg.), bildete sich im Abendlande vor der
allgemeinen Einführung der Kindertaufe die Sitte,
daß die Priester oder, wie in Mailand, der Bifchof
felbst, an den Neugetauften das F. vollzog. Von
manchen wurde diefer Handlung eine sakramentale
Wirkung zugeschrieben. Als bloße Kundgebung der
Demut hat sie sich in der kath. Kirche sowie bei den
Mennoniten, Wiedertäufern und andern Sekten
erhalten. In Nom wird das F. am Gründonnerstag
vom Papste, dein Kardinäle Handtuch und Becken
halten, fo vollzogen, daß er in der Clementinischen
Kapelle 13 weiß gekleideten Priestern (früher waren
es Arme) den rechten Fuß benetzt, darauf abtrocknet
und küßt. Die 13 sog. "Apostel" werden dann in
der Pauluskapelle gespeist und dabei vom Papste
bedient. Die wollenen Kleider und das Handtuch
sowie eine silberne Denkmünze erhalten sie zum
Geschenk. Beim Beginn der Ceremonie wird die
Antiphonie: ttN^uäatiim novuin äo vodiä" ("Ein neu
Gebot geb' ich euch", Joh. 13,3 l) gesungen; deshalb
wird die ganze Handlung ^Ilindawm genannt (daher
heißt der Gründonnerstag englisch )lHuuäv-1'1iui'8-
(II^). Ahnlich wird das F. von den Bischöfen und
Klostervorstehern, auch an den Höfen mehrerer kaib.
Fürsten, sowie in der griech. Kirche besonders am
russ. Hofe, am Gründonnerstag vollzogen. Die
Herrnhuter haben es abgefchafft.
Fußwafser nach 5koch, s. Gehe'unnüttel.
Fußwurzel, s. Bein und Fuß.
Fust, Johann, Buchdrucker, entstammte einer an-
gesehenen und begüterten Bürgerfamilie der Stadt
Mainz, wo Glieder der Familie sich vom 15. bi->
17. Jahrh, im Besitz geistlicher und weltlicher Wür-
den, aber auch im Betrieb bürgerlicher Gewerbe
nachweisen lassen. Erst im Anfang des 16. Jahrb.
kam die Namensform "Faust" auf. Etwa Anfang
1450 gewann Gutenberg, der zu feinen Unter-
nehmungen viel Geld brauchte und stark verschuldet
war, F. für eine Geschäftsverbindung, in der F.
800 Fl. gegen Zins vorstrecken und jährlich 300 Fl.
zu den Kosten des Unternehmens geben, Gutenberg
aber das Gerät (zum Drucken) herstellen follte; im
Falle der Trennung sollte Gutenberg das geliehene
Kapital zurückzahlen oder das Gerät dem F. ver-
fallen. Die Partner wurden uneins, und 1455<
klagte F. den Betrag von 2020 Fl. an Kapital mit
Zins und Zinfeszins gegen Gutenbcrg ein. Durch
Nichterfpruch wurde Gutcnberg Rechnungslegung,,
dem F. aber Nachweis in betreff dcr Zinsen auf-
erlegt. Letztern führte F. 6. Nov. 1455 durch Ab-