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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Futterbereitung - Futterdämpfer
das betreffende Futter gewachsen oder produziert
ist (Boden, Düngung, Wetter während der Vege-
tation und der Ernte u. s. w.) oder durch Analysie-
rung des Futters auf einer landwirtschaftlichen Ver-
suchsstation. Der Gehalt der käuflichen Futtermittel
ist häusig garantiert, da aber von der Menge der
durch Schätzung oder direkte Analyse bestimmten
Nährstoffe, der sog. Rohnährstoffe (Rohprotem,
Rohfett, Rohfaser), nur ein Teil vom Tie^körper
wirklich verdaut wird, so hat man bei der F. auch
nur diesen Teil in Betracht zu ziehen. Zu diesem
Zwecke verfährt man wie folgt. Unter Zugrunde-
legung des bei den betreffenden Tiergattungcn durch
besondere Versuche bereits ermittelten Verdaulich-
keitsgrades der Nährstoffe in den einzelnen Futter-
mitteln (Verdauungskoefficient), ferner der oben schon
erwähnten Bodenwachstums- und Produktionsver-
hältnisse sowie der die Verdaulichkeit beeinflussen-
den gleichzeitigen Verabreichung gewisser Futtermit-
tel (z. B. Rüben und Kartoffeln neben Rauhfutter)
wird der Gehalt einer bestimmten Futtermifchung
an verdaulichen Stoffen und durch^lnderung in der
Mifchung oder Zufügung neuer Futtermittel eine
der Norm (f. unten) entsprechende Ration festgestellt.
Nebenbei ist aber auch die specifiscbe Wirkung, die
einzelne Futterstoffe auf gewisse Produktionsrich-
tungen ausüben (Schlempe auf Menge der Milch,
Palmkuchen auf Fettgehalt der Milch, Rapskuchen
auf Mast u. s. w.), die aber häusig mit dem Nähr-
stoffgehalte in keinem Zusammenhange stehen, dann
aber auch der Preis zu berücksichtigen. Wichtig ist
ferner, eine bestimmte Menge an Trockensubstanz in
der Futtermischung einzuhalten, da insbesondere die
Wiederkäuer ein bestimmtes Nahrungsquantum zur
regelrechten Verdauung bedürfen.
Nach den zahlreichen, auf den landwirtschaftlichen
Versuchsstationen ausgeführten Fütterungs- und
Verdauungsversuchen und den darauf gegründeten
zusammengestellten Zahlen für die Zusammensetzung
und die Verdaulichkeit der Futtermittel namentlich
von E. Wolff und I. Kühn kann man eine zweckent-
sprechende Futterration berechnen. Es bedürfen nach
E. Wolff 1000 Pfd. Lebendgewicht verdauliche Stoffe
im Futter (s. d.) pro Tag in Pfund:
Viehart
Ochsen bei mittlerer Arbeit .
Wollschafs feinere Raffen .
Mastschafc,
1. Periode......
2. Periode......
Mastschweine,
1. Periode......
2. Periode

N

K

24,0
1,6
22,5
1,5
26,0
3,0
25,0
3,5
36,0
5,0
31,0
23,5
4,0
2,7
15 !" "
UMZK
0,30, 11,3j
0,25 11,4!
1: 7,5
1:8,0
0,50,15,2! 1:5,5
0,60 j 14,4! 1:4,5
27,5 ! 1:5,5
24,0 ! 1:6,0
17,5 1:6,5
3. Periode . . '. '. . . ^ 23^5
Dagegen giebt I. Kühn als Norm an für 1000 Pfd.
Lebendgewicht:
Viehart
Mastochsen.
1. Periode .
2. Periode .
.'5. Periode .
Milchkühe . .
28,0
30,0
27,0
35
2,6
3,2
2,8
. ! 20-3012,0-2,7
X>
0,80
1,00
0,98
0,4-0,7
^H
13,6
14,8
14,0
12,5-15,0
UM
1:6,0
1:5,4
1:5,9
1:5-7
Hierbei sind Protem, Fett und Kohlehydrate in
verdaulichem Zustande verstanden; bei dem Verhält-
nis von Protem zu Kohlehydraten und Fett ist die
Menge Fett mit 2,5 zu multiplizieren und zu der der
Kohlehydrate zu addieren.
Bei Pferden, welche nach den Anforderungen, die
man an ihre Leistungsfähigkeit stellt, eine bestimmte
Menge von Körnerfutter (Hafer) erhalten müssen,
hat man in neuerer Zeit von der Aufstellung von
Futternormen ganz abgesehen.
Vgl. E. Wolff, Die Ernährung der landwirtschaft-
lichen Nutztiere (Berl. 1876): ders., Die rationelle
Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere (6. Aufl.,
ebd. 1894); I. Kühn, Die zweckmäßigste Ernährung
des Rindviehes (10. Aufl., Dresd. 1891); Straucb,
Anleitung zur Aufstellung von Futterrationen
(2. Aufl.,'Lpz. 1890); Schultze, Die Ernährung der
landwirtschaftlichen Nutztiere (Vresl. 1888).
Futterbereitung dient dazu, das den landwirt-
schaftlichen Nutztieren zu reichende Futter so vorzu-
bereiten, daß die Schmackhaftigkeit und der Nähr-
effett desselben gesteigert wird. Die F. besteht ent-
weder in einer mechan. Zerkleinerung oder in einer
chem. Umwandlung des Futters. Am wenigsten Zu-
bereitung bedarf das Grünsuttcr (f. Futter), obgleick
auch dieses durch Schneiden auf der Futterfchneide-
mafchine (s. d.) und Vermischen mit Stroh eine
höhere Ausnutzung erfährt. Das Rauhfutter wird
in verschiedener Art zubereitet, durch schneiden und
Vermischen mit Stroh sowie Dämpfen und Brühen.
Beides ist nur zweckmäßig, wenn das Rauhsutter
von mangelhafter Beschaffenheit ist, wenn die Tiere
vermocht werden sollen, größere Mengen davon
aufzunehmen, was durch Vermischen mit schmack-
hafterm Futter (Schrot, Kleie, Ölkuchen u. s. w.)
erleichtert wird, oder wenn schädliche Eigenschaften
des Futters (Befallenscin) vernichtet werden sollen.
Eine höhere Verdaulichkeit des Futters wird weder
durch das Schneiden noch durch das Dämpfen be-
wirkt. Die Wurzelfrüchte werden auf besondern Ap-
paraten zerkleinert, um den Tieren die Aufnahme
derfelben zu erleichtern; die Ölkuchen behandelt man
ebenso oder vermischt dieselben mit demTränkwasjcr.'
die Körner müssen für manche Tiere, z. B. die Kühe,
geschroten werden, weil dieselben sonst den Ver-
dauungssästen keine Angriffspunkte darbieten und
den Körper unverdaut wieder verlassen. Eine chem.
Umwandlung der Futterstoffe wird bei Bereitung
des Braunheues (s. d.) und bei dem Einsäuern
(s. d.) hervorgerufen. - Vgl. I.Kühn, Die zweck-
mäßigste Ernährung des Rindviehes (10. Aufl.,
Dresd. 1891); Laszczynsti, Das Konservieren von
Grünmais und anderm Grünfutter (2. Aufl., Verl.
183M; Brummer, Die Zubereitung der Futter-
mittel (Aarau 1886).
Futterdämpfer, Futterkochapparate, die-
nen dazu, das den landwirtschaftlichen Nutztieren zu
reichende Futter, namentlich Rauhfutter und Kar-
toffeln, zu kochen oder zu dämpfen. Das Dämpfen
erfolgt in der Weise, daß der Dampf entweder un-
mittelbar in das in einem eisernen verschlossenen
Behälter befindliche Futter ein- und unten als hei-
ßes Wasser abgeleitet wird oder in einen den F.
umgebenden Mantel einströmt und das Futter mit-
telbar erhitzt. Letztere Art verdient den Vorzug dort,
wo man dicht gelagerte Futterstoffe, z. V. Lupinen,
dämpfen will und^ keinen gespannten Dampf zur
Verfügung bat. i^.Tafel: Landwirtschaftliche
Geräte und Maschinen III, Fig. 8.)