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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Futterdiebstahl - Fyndykly

Futterdiebstahl ist der Fall des §. 370⁶ des Deutschen Strafgesetzbuches. Nach demselben wird auf Antrag, dessen Zurücknahme zulässig ist, mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft bestraft, wer Getreide oder andere zur Fütterung des Viehes bestimmte oder geeignete Gegenstände wider Willen des Eigentümers wegnimmt, um dessen Vieh zu füttern.

Futterkochapparate, s. Futterdämpfer.

Futtermauer, s. Erddruckmauer. – In der permanenten Befestigung dienen F., häufiger anliegende Mauern oder Revetements genannt, zur Bekleidung von Böschungen, um das Hinauf- und Hinabsteigen an denselben zu erschweren. Besonders wichtig sind die F. an der Eskarpe und Kontereskarpe der Festungsgräben. Wenn die Eskarpemauer 7½-10 m hoch ist, bei welcher Höhe eine Leiterersteigung sehr schwierig ist, so betrachtet man sie als sturmfrei und bezeichnet sie als ganzes Revetement. Das halbe Revetement hat die halbe Höhe des ganzen, ist daher dem Feuer nicht so ausgesetzt, aber dafür nicht ausreichend sturmfrei. Erhält die F. überwölbte Strebepfeiler (Konterforts), so heißt sie Dechargenmauer (s. d.), Dechargenrevetement oder Entlastungsmauer.

Futtermittel, s. Futter.

Futterpflanzen, s. Futterbau und Futterpflanzen.

Futterroggen, Grünroggen, wird zeitig im Herbste auf gut gedüngtem Boden gesät und liefert im Frühjahr bis zum Hervortreten der Ähren gewöhnlich das zeitigste Grünfutter für das Milchvieh.

Futterrüben, alle für Futterzwecke angebaute Rübensorten, wie die Runkelrübe (s. Beta), Kohlrübe (s. d.), Mohrrübe (s. d.) und die Weiße Rübe (s. Brassica); meistens versteht man darunter die Futterrunkelrübe (s. Beta).

Futterschneidemaschine, im engern Sinne Bezeichnung für die Häckselmaschine, welche das Rauhfutter, besonders das Stroh, in kurze Stücke schneidet, im weitern Sinne für jede Maschine, welche Futtermittel anderer Art, besonders Rüben, Kartoffeln oder dgl. zerkleinert. Die Häckselmaschine (s. Tafel: Landwirtschaftliche Geräte und Maschinen Ⅳ, Fig. 9) besteht aus einer Lade, in welche die Halme eingelegt werden, einem oder mehrern Messern, welche sich am vordern Ende der Lade vorbeibewegen und die vorstehenden Halme abschneiden, einer Einrichtung, welche die Halme dabei festdrückt, und einer solchen, welche die Halme um die abzuschneidende Länge nach jedem Schnitte vorwärts schiebt. Die Messer werden in neuerer Zeit meistens an Schwungrädern befestigt, welche sich vor dem Ende der Lade drehen und entweder durch Hand- oder Göpel- oder Dampfkraft in Bewegung gesetzt werden. Die F. liefern einen Häcksel, dessen Länge nach Belieben zwischen 0,7 und 4 cm wechseln kann. Die Rüben- und Kartoffelschneidemaschine (Fig. 8) bestehen aus einem zur Aufnahme des Futters bestimmten trichterförmigen Kasten und einer mit der Schneidevorrichtung versehenen Scheibe, welche die an die Scheibe gedrückten Rüben u. s. w. schneidet und die geschnittenen Stücke sofort entfernt. Man wendet drei Arten der Zerkleinerung an: 1) Schneiden in Scheiben, 2) Schneiden in Streifen und 3) Schaben oder Musen. – Vgl. Wüst, Landwirtschaftliche Maschinenkunde (2. Aufl., Berl. 1889).

Fütterung, s. Futter, Futterberechnung, Futterbereitung. – In der Jägersprache nennt man F. die Anlage zum Füttern des Wildes (im Winter). – Vgl. Neumeister, Laub- und Kalkfütterung des Edel- und Rehwildes (Tharandt 1891).

Fütterungslehre, s. Futter (S. 445 b).

Futterwicke, s. Vicia.

Futūna, Insel, s. Hoorne-Inseln.

Futūrum (lat.), in der Grammatik eine Form des Verbums, welche die Zukunft ausdrückt. Alle indogerman. Sprachen besitzen von Anfang an als F. eine Form, deren charakteristischer Bildungsbestandteil ein s ist, wie grch. δώ-σ-ω (dō-s-ō), altind. dā-syā-mi «ich werde geben». Diese Form ist indes von den meisten indogerman. Sprachen aufgegeben, und so ist entweder keine besondere Verbalform für das F. vorhanden, indem die Präsentia auch im futurischen Sinne gebraucht werden (so im ältesten und vielfach auch noch im heutigen Deutsch, im Slawischen), oder es wird die Umschreibung mit einem Hilfsverbum gewählt, z. B. frz. aimerai = ameir-ai, entstanden aus lat. amare habeo, «zu lieben habe ich», d. h. «ich soll» oder «werde lieben», engl. shall und will (sollen und wollen), deutsch «werden»; im lat. ama-bo, «ich werde lieben», ist das -bo ebenfalls ein mit einer ursprünglichen Infinitivform verbundenes Hilfsverbum. Das F. exactum ist die Form zur Bezeichnung einer in der Zukunft vor einer andern gleichfalls zukünftigen Handlung vollendeten Handlung. (S. Tempus.)

Fux (student.), s. Fuchs.

Fux, Joh. Joseph, Komponist und Musiktheoretiker, geb. 1660 in Hirtenfeld (Steiermark), wurde Organist, dann Kapellmeister am Stephansdom in Wien und rückte 1713 zum zweiten und 1715 zum ersten Hofkapellmeister auf. Er starb 13. Febr. 1741 zu Wien. F. stand in der Gunst des Hofs wie in der Achtung der musikalischen Welt gleich hoch. Seine Kompositionen sind sehr zahlreich und umfassen alle Gattungen (Kirchenmusik, Oratorien, Opern und Instrumentalwerke). Er arbeitete in dem strengen oder kontrapunktischen Stil und seine Kompositionen sind in dieser Schreibart wahre Muster. Die Missa canonica ist fast das einzige, was noch davon bekannt ist. Allgemein dagegen kennt man F. als Theoretiker. Sein 1725 zu Wien auf Kosten des Kaisers gedruckter «Gradus ad parnassum» wurde nicht nur ins Deutsche, Italienische, Französische und Englische übersetzt, sondern auch spätern Werken zu Grunde gelegt und wird auch heute noch als Unterlage für die Lehre des Kontrapunktes benutzt. – Vgl. L. von Köchel, J. J. F. (Wien 1872).

Fyan, Geld in Siam, s. Fuang.

Fylgjen (altisländ. fylgjur, «Folgegeister»), geisterhafte Wesen in der nordischen Mythologie. Sie kommen mit dem Menschen in die Welt und begleiten ihn auf allen seinen Lebenswegen, bald nur eine, bald mehrere. In der Regel schützen sie das Individuum, dem sie innewohnen. Es giebt ferner F., welche die Schutzgeister ganzer Geschlechter und Familien sind (altnord. ættarfylgjur, kynfylgjur). Neben diesen schützenden F. giebt es auch böse F., die den Menschen ins Verderben zu stürzen suchen. Der Glaube an die F. war ganz besonders bei den Norwegern und Isländern verbreitet, nach deren Anschauung sie ihren Sitz unter der Kopfhaut hatten. Sie sind eine Personifikation der menschlichen Seele, die jederzeit den Körper verlassen kann. – Vgl. K. Maurer, Bekehrung des norweg. Stammes zum Christentume (2 Bde., Münch. 1855‒56).

Fyndykly, Vorstadt von Konstantinopel, s. Fündüklü.