Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

456
Gadames - Gade
G. ist auch der Name eines Propheten zur Zeit '
Davids. Er soll über eine im Widerspruch mit. dem ^
Herkommen von David unternommene Volkszäh-
lung das Mißfallen Iahwes ausgesprochen, David
die Pest als göttliche Strafe angekündigt und ihn
nach dem Erlöschen der Pest zur Gründung der
Kultstätte auf dem Felsen bei der Tenne Ornans
des Iebusiters veranlaßt haben <2 Sani. 24). ^
Gadames, ^wot in Tripolis, s. Ghadames. '
Gadära (in der deutschen Bibel Matthäus 8,28
auch Gergesa), Stadt des Ostjordanlandes, wurde !
von dem matkabäischen Könige Alexander Iannäus ^
den Syrern entrissen, aber durch Pompejus 63 v. Chr.
schon von der jüd. Herrschaft befreit. G. trat darauf ,
dem Bunde der Dekapolis (s. d.) bei und geriet nur
vorübergehend durch Schenkung des Augustus unter
die Herrschaft des Herooes. G. war eine blühende
Stadt im hellenistischen Stile, vorwiegend heidnisch ^
und daher auch von den Juden 66 n. Chr. an- ^
gefeindet. Das Gebiet von G. bildete die Ostgrenze i
Galiläas und reichte bis an den See Genezareth. i
Später kam es unter die Herrschaft der von Nom ^
abhängigen christl. Ghassanidenfürsten, unter denen !
Geble I. die großartige Wasserleitung (heute Kana-
tir Fir'aun) aus der Nukra (Hauran) bis nach G.
baute. Besonders berühmt war es durch die heißen
Quellen, heute el-Hammi, im Thale des Hiero-
mices, der jetzt Iarmuk oder Schertat el-Menadire
beißt. Die Trümmer von G., hoch über dem Fluß-
thale nach Süden gelegen, sind sehr bedeutend (Tem-
pel, Theater u. s. w.); neben der ausgedehnten Grab-
stätte, die noch jetzt Chirbet Dschadur heißt, >
liegt das kleine Dorf Mutes. i
Gadderbaum, Gemeinde im Landkreis Bielefeld ^
des preuß. Neg.-Bez. Minden, hat (1890) 5604 E., !
Post zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrich-
tung, ein Schloß Sparrenberg, jetzt der Stadt Biele-
feld gehörig, die Anstalten Bethel, Sarepta und
Nazareth (kirchlich vereinigt zu einer evangel.-
luther. Anstaltsgemeinde derZionskirche, Vorsteher
Pastor von Vodelschwingh), mit im ganzen etwa ^
100 Gebäuden, enthaltend eine Heilanstalt für Epi-
leptische (über 1500 Kranke), 2 Irrenanstalten für
männliche und weibliche Kranke, Pensionat für
Pflegebedürftige aller Stände, mehrere gemein-
nützige Vereine, eine Kolonie des Vereins "Ar-
beitcrheim", Diakonissenhaus, Diakonen-Brüder- !
anstalt mit etwa 3000 Insassen, ferner eine Flachs- z
und Werggarnspinnerei "Vorwärts", Weberei "Io- !
hannisthal", Maschinenfabrik,Bleichereien, Wäfche- ^
reien und Plättereien. !
Gaddi, Name mehrerer florentin. Maler.
Gaddo G., geb. um 1260, wurde 1308 von Papst
Clemens V. nach Nom berufen, wo er großartige
Mosaikbildwe^kc ausführte, von denen Stücke an der ^
Facade von ^ta. Maria Maggiore erhalten sind. j
Von ihm rührt auch das Mosaik: Krönung Maria, z
über dem Hauptportal des Doms zu Florenz her.
Seine Arbeiten zeigen einen reinen byzantinischen, ^
aber durch die Auffassungsweise des Cimabue ge- ^
milderten Stil. Er starb nach 1333. >
Sein Sohn, Taddeo G., geb. um 1300, gest. ^
1366 in Florenz, war der bedeutendste Schüler dc^ ^
Giotto, dessen Richtung er folgte, nicht ohne jedoch
in derselben zu einer gewissen Manier zu gelangen.
Sein wichtigstes Werk ist ein Cyklus von Darstel-
lungen ano dem Leben der Maria in der Kapelle
Baroncelli in Sta. Croce zu Florenz, ^ehr ver-
dorben sind die Freskogemälde, Scenen aus dem <
Leben des heil. Franciscus, die G. in San Fran-
cesco zu Pisa ausführte. Außerdem hat man von
ihm kleine, zierlich gefertigte Madonnendilder (in
Berlin und (^iena) sowie eine Neibe von kleinern
Tafelbildern, welche einst die Sakristeischränke von
Sta. Croce schmückten (jetzt in Berlin und der Aka-
demie von Florenz). G. hat sich auch mit der Bau-
kunst beschäftigt; so vollendete er den Glockenturm
des Doms von Florenz.
Sein Sohn und Schüler, Agnolo G., geb. 1333,
gest. 1396, folgte ihm im Stil, ist aber kleinlicher
in den Formen und unruhiger in der Komposition.
Von seinen Arbeiten sind die Fresken aus dem
Leben der Maria (Verleihung de5 Gürtels an den
heil. Thomas, Aufsindung desselben in Palästina
durch einen Bürger von^Prato) in der Cappella
della Cintola des Doms zu Prato (1395) am besten
erhalten: auch diejenigen (Auffindung des Kreuzes)
in Sta. Croce zu Florenz sind von seiner Hand.
Sein älterer Bruder, Giovanni G., von dem
einige später untergegangene Bilder im Kloster
Santo Spirito herrührten, starb jung. Die Familie
G. erlosch 1607; Name und Besitz gingen an einen
1796 abgestorbenen Zweig der Pitti über.
Gade, Niels Wilhelm, dän. Komponist, geb.
22. Febr. 1817 in Kopenhagen, erhielt 1841 als
Violinist der königl. Kapelle seiner Vaterstadt für
die Ouvertüre "Nachklänge an Ossian" den Preis
des Kopenhagener Musikvereins und infolge dieser
Auszeichnung ein königl. Neisestipendium, das ihn
nach Leipzig zu Mendelssohn führte. Hier blieb er
mit kurzen Unterbrechungen als Mitarbeiter, Ver-
treter und Nachfolger Mendelssohns dis 1848, wo
er politisch verstimmt nach Kopenhagen zurückkehrte.
Daselbst wurde er Hoforganist, übernahm 1850 die
Leitung der Konzerte des Musikvereins, war später
kurze Zeit Kapellmeister am Hoftheater, seit 1865
erster Direktor des Musikkonservatoriums und stard
22. Dez. 1890. Seine <'lufzclcknunsien und Briefe"
gab Dagmar G. beraum "deutscd Bas. 1894".
Weniger gedankenreich und eigentümlich als Nob.
Schumann, desgleichen weniger meisterhaft in der
Form und Arbeit als Mendelssohn, steht G. dock
diesen nahe durch Feinsinnigkeit des Ausdrucks und
glückliche Benutzung des Klangmaterials. Seine
Bedeutung liegt darin, daß er in die höhere Instru-
mentalkomposition das nationale Element einführte.
Am stärksten tritt das nordisch romantifche Kolorit
in den ersten Orchesterkompositionen hervor, die er
als halber Autodidakt schrieb: in den schon genann-
ten "Nachklängen an Ossian" und in der Oinoii-
Sinfonie; seine spätern Werke haben weniger von
dieser Lokalfärbung und sind auch dürftiger an Ge-
balt. G. schrieb auch verschiedene Kompositionen
für Gesang, ist aber wesentlich Instrummtalnmsiker.
Er veröffentlichte: acht Sinfonien (darunter hervor-
ragend die erste und vierte), fünf Ouvertüren, "Co-
mala", dramat. Gedicht nach Ossian, für Solo, Chor
und Orchester; "Erlkönigs Tochter",Valladcnachdän.
Volkssagen, ebenfalls für ^olo, Chor und Orchester;
die Kantaten "Die Kreuzfahrer", "Kalanus", "Zion"
und "Psyche" (1881) für Solostimmen, Chor und Or-
chester; "Frühlingsphantasic" für vier Solostimmen,
Klavier und Orchester; ein Oktett, ein Sextett und
ein Qnintett für Streichinstrumente, zwei Klavier-
trios, einige Sonaten für Klavier und Violine, viele
kleinere Stücke für Klavier, ein- und mehrstimmige
Lieder u.s. w. G.s Oper "Mariotta" gelangte nur
in Kopenhagen zur Aufführung.