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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gadebusch - Gadolinit
Gadebusch, Stadt und Hauptort des Tomanial-
amtes Gadebusch-Rehna (4733 E., 2350 männl.,
2377 weibl.) im Herzogtum Schwerin des Groß-
herzogtums Mecklenburg-Schwerin, 24 km im NW.
von Schwerin, in freundlicher, waldreicher Gegend
am Flusse Nadegast, bat (1890) 2439 (1213 männl., !
1226 weibl.) (5., Post zweiter Klasse, Telegraph-, ^
Amtsgericht (Landgericht Schwerin), Vorschußver- !
ein, Kranken- und Armenhaus, St. Iakobikirche im
byzant. Stil (12. Iabrh.) mit got. Chor (14. Jahrh.) ^
und Turm (45 m), <^nnagoge, stattliches Rathaus
(1618), schloß (1570) im Renaissancestil, früher
Nesidenz, Sitz der Bcbörden, Amtsgericht, Bürger- ,
und Gewerbeschule; Maschinenfabrik, Dampfloh-
gerbcrei, Dampfmühle und Ackerbau. - Gegründet
vom Fürsten Heinrich Burwy 1. zu Mecklenbnrg
wurde G. 1181 durch Heinrich den Löwen verwüstet i
und erhielt 1218 Lübisches Recht. In der Nähe, auf ,
der Rambeeler Heide, siegten 1283 die Söhne >
Heinrichs I. von Mecklenburg über die Sachsen und
Brandenburger, und 20. Dez. 1712 bei dem Dorfe
Wakenstädt die Schweden unter Steenbock über
die Dänen unter Friedrich IV. G. kapitulierte am
folgenden Tage. Bei dem nahen Dorfe Lutzow siel
in einem Gefechte 26. Aug. 1813 Theodor Körner. ^
Gaden (Gadem), altdeutsches, nocb in Süd-
deutschland in der Volkssprache vorkommendem Wort ^
(z. V. Tuchgaden; s. Frankfurt a. Vt., ^. 40 d), be- '
deutet kleines Haus, Hütte (mittelhochdeutsch auch ^
soviel wie Burg, wie in Verchtesgaden); dann Ge-
mach, Kammer (besonders zu Wirtschaftszwecken,
s. Burg, Bd. 3, S. 753 a), auch das Obergeschoß im
fränk.-thüring. Vauernhaus (s. d., Bd. 2, S. 509 a),
Verkaufsladen, auch Stockwerk; G a d e ni e r (Gäd -
mer), Häusler, Kotsasse.
Gaderthal, in Tirol, s. Enneberg.
Gaedertz, Karl Theodor, Litterarhistoriker, Sohn
des folgenden, geb. 8. Jan. 1855 zu Lübeck, studierte
in Leipzig und Berlin Jurisprudenz und Cameralia,
dann Philologie, hauptsächlich Germanistik, wurde
1880 an der königl. Bibliothek in Berlin angestellt
und 1891 Kustos derselben. Seine plattdeutschen
Dichtungen "Iultlapp! Leederun Läuschen" (Hamb.
1879) machten ihn als trefflichen Dialektdichter be-
kannt' auch sein plattdeutsches Stück "Eine Komö-
die" (Berl. 1880) fand Anklang. G.' Monographien
"Gabriel Rollenhagen. Sein Leben und seine Werke"
(Lpz. 1881), "Das niederdeutsche Eckauspiel. Zum
Kulturleben Hamburgs" (2 Bde., Berl. 1884), "Fritz- ^
Reuter-Reliquien" (Wismar1885), "Fritz-Neuter-
stndien" (ebd. 1890), "Emanuel Geibel-Denkwürdig-
keiten" (Berl. 1886), "Goethes Minchen" (Brem.
1887; 2. Aufl. 1888), "Friedrich d. Gr." (ebd. 1893) ^
u. a. baben ihren Wert vornehmlich in der Ver-
öffentlichung vorher unbekannten Materials.
Gaedertz, Theod., Kunstforscher, geb. 6. Dez. !
1815 zu Lübeck, studierte in Bonn und Göttingen
Rechtswissenschaft, in Berlin Kunstgeschichte und
ließ sich dann in Lübeck nieder, wo er im Justiz- und
Verwaltungsdienst thätig war und 1871 erster Ober-
beamter des vereinigten Stadt- und Landamtes
wurde. Seit 1846 Direktor des dortigen Kunstver-
eins, war er 1850 Mitbegründer des Norddeutschen
Gesamtkunstvereins. G. schrieb "Adrian von Ostade.
Sein Leben und seine Kunst" (Lüb. 1869), "Hans
Holbcin der Jüngere und seine Madonna des Bür-
germeisters Meyer" (ebd. 1872), worin er für die
Echtheit des Darmstädter Bildes eintrat: "Rubens
und die Rubens-Feier in Antwerpen" (Lpz. 1878),
"Erinnerungen aus Wisbys Vorzeit" (Lüb. 1883),
"Hans Memling und dessen Altarschrein im Dome
zu Lübeck" (Lpz. 1883), "Kunststreifzüge" (ebd. 1889).
Gades, der altröm. Name für Eadiz (s. d.).
Gadhelifch, s. Gälisch.
<3a.äiä"l.s (ttaäoiäöi), s. Schellfische.
Gadjatsch. 1) Kreis im nordöstl. Teil des russ.
Gouvernements Poltawa, von Psjol und Chorol
durchflossen, reich an Schwarzerde, hat 2461 ^Km,
160266 E. und Ackerbau. - 2) G., auch Ha-
dj ätsch, Kreisstadt im Kreis G., 117 km nordnord-
westlich der Stadt Poltawa, an der Mündung des
Grün in den Psjol, hat (1891) 6541 E. (davon 1400
Israeliten), Post und Telegraph, 4 Kirchen, 2 is-
rael. Vethänser, städtische Bank und 20 Schmiede-
Werkstätten. G. war seit Vogdan Chmclnizkij bis
1764 das mit ihrem Rang verbundene Eigentum
der Hetmane der Kosaken.
Gadmenthal, Hochthal im Bezirk Oberhasle
des schweiz. Kantons Bern, 18 km lang, beginnt,
an der Sohle selten über ^ Km breit, am Fuße
des Sustenpasses (s. d.) und wird im N. von der
schroffen Felskette der Gadmcrflühe (2972 m) und
der Wendenstöcke (3044m), im S. von den Ausläu-
fern des Dammastockes, den Tierbergen (3343 m),
umfchloffen. Die oberste ^tufe, die Steinalp, ist
ein steiniges baumloses Hochthal, durchflossen vom
Etcinwasser; die mittlere, das eigentliche G., in
dem sich das Steinwasser mit dem vom Titlis kom-
menden Wendenwasser zum Gadm er Wasser ver-
einigt, bildet einen mit Ahorngruppen übersäten,
von Nadelwaldungen umgebenen Thalboden; die
unterste Stufe, das Nesseuthal, nimmt links das
Triftwasser, dann rechts den Bach des Genthals, den
Abfluß des Engstlensees (1852 m) auf und führt nach
Innertkirchen ins Aarethal. Hauptort ist Gadmen,
in 1207 m Höhe, mit 731 prot. E.
Gadolin, Johan, finn. Chemiker und Natur-
forfcher, geb. 5. Juni 1760 in Äbo, stndierte inÄbo
und Upsala und wurde 1782 Adjunkt und 1789
Professor der Chemie an der Universität zu Äbo.
Er starb 15. Aug. 1852 in Wirmo bei Äbo. Seine
wichtigsten Arbeiten sind: "I)o tiieoiia chlorig coi-
povum Lpeciüci" (Upsala 1792), "Einige Bemer-
kungen über die Natur des Phlogiston" (1788), "In-
Ikänii^ tili (Homien" (Abo 1798), "Z^stema toz-
ßilinm" sBerl. 1825). Nach ihm ist das Mineral
Gadolinit benannt.
Gadolnnt, ein Mineral, das im monoklinen
(nach ältern Angaben im rhombischen) System
krystallisiert, aber nur höchst selten in einigermaßen
deutlich ausgebildeten kurzsäulenförmigenKrystallen,
meist in derben eingesprengten Massen auftritt, die
pechschwarz und rabenschwarz, fettartig, glasglän-
zend, tantendurchfcheinend bis undurchsichtig sind,
von muscheligem bis unebenem Bruch, ohne hervor-
tretende Spaltbarkeit. Die Härte ist 6,5 bis 7, das
spec. Gewicht 4 bis 4,3. Merkwürdigerweise verhält
sich der G. bald wie ein amorpher einfach-brechender
Körper, bald doppeltbrechend, bald stellt er ein
Aggregat von einfach- und doppeltbrechenden Par-
tien dar. Die chem. Zusammensetzung hat sich als
wechselnd ergeben, sodaß eine auf alle Vorkomm-
nisse passende Formel nicht aufgestellt werden kann.
Im allgemeinen ist der G. aber ein Silikat von
Mtererde (auch Erbinerde), Eisenoxydul, Lanthan-
oryd (Cerorydul) und gewöhnlich auch Veryllerde.
Vor dem Lötrobr verglimmen einige Varietäten un-
ter Anschwellen sehr lebhaft, indessen ohne zu fchmel-