Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

459
Gafori - Gagern (Friedr. Baldum, Freiherr von)
Berlin im mcdiz.-chirurg. Iriedrich-Nilhelms-Insti-
tut, trat dann als Militärarzt in die preuß. Armee,
wurde 1880 in das kaiserl. Gesundheitsamt kom-
mandiert und nahm 1883^84 an der unter Robert
Kochs Leitung stehenden Expedition zur Erforschung
der Cholera in Ägypten und Ostindien teil. 1885
wurde er zum Regierungsrat und Mitglied des
kaiserl. Gesundheitsamtes befördert und 1888 als
Professor der Hygieine an die Universität Giesicn
berufen. G. nahm an der Entwicklung und dem
weitern Ausbau der modernen Bakteriologie her-
vorragenden Anteil; unter seinen Arbeiten, die meist
in den "Mitteilungen (bez. Arbeiten) aus dem
kaiserl. Gesundheitsamt" veröffentlicht wurden, sind
hervorzuheben: "Erperimentell erzeugte Septicäniie"
(daselbst Bd. 1, Verl. 1881), "Zur Mologie des Ab-
dominaltyphus" (daselbst Bd. 2, ebd. 1884), "Bericht
über die Thätigkeit der zur Erforschung der Cholera
1883 nach Ägypten und Indien entsandten Kommis-
sion" (mit Robert Koch, daselbst Bd. 3, ebd. 1887).
Gafori, Franchino, ital. Musiker, geb. 14. Jan.
1451 in Lodi, gest. 24. Juli 1522 in Mailand als
Kantor am Dom, gehört unter die wichtigsten musi-
kalischen Theoretiker des 15. Jahrh. Sein Haupt-
werk, die "I'i'actic", inusiciiL 8iv6 inu3ica6 Hetionez
in IV 1idii8" erschien 1490 (Mailand: bis 1512
4 Auflagen). Einer feiner letzten Schriften: "I>o
n^rmonin. inuLicoi'um iii8ti'nin6ntoruin oi)N8" (ebd.
1518), ist die Biographie G.s beigegeben.
Gafsa, Stadt im mittlern Tunis, die nördlichste
in der Oase Biled ul-Dscherid (Dattelland), etwa
1231<m im NW. von Gabcs, am Wed-Tarfawi, hat
4000 E., darunter 800 Juden: man fertigt Burnus,
Halts und Wolldecken. G. ist das alte (a^H, wo
die Schlitze Iugurthas lagen.
Gagarin, russ. Fürstcnfamilie, die ihren Ur-
sprung von den einst in Starodub herrschenden
Nachkommen Runks ableitet.
Matwjej Pctro witsch G., unter Peter d. Gr.
Gouverneur von Sibirien, soll, als der Krieg mit
Karl XII. für Peter eine üble Wendung nahm,
den Entfchluß gefaßt haben, sich zum selbständigen
Beherrscher Sibiriens zu machen. Doch wurde er
vor der Ausführung festgenommen und 17. Juni
1721 in Petersburg gehenkt.
Alexander Iwanowitsch G., General, zeich-
nete sich in den Kämpfen im Kaukasus und im
Orientkrieg aus, war dann Generalgouverneur von
Kutais und starb 6. Nov. 1857 daselbst infolge
eines Attentats, das der Fürst Konstantin Tadesch-
kalian von Swanetien, den G. gefangen nach Tiflis
bringen sollte, gegen ihn ausübte.
Grigor Grigorowitsch G., geb. 11. Mai
(29. April) 1810, Maler und Zeichner, wirkte als
Viceprä'sident (1859-72) der Kunstakademie in
Petersburg für Anwendung des byzant. Stils und
Ornaments in den Heiligenbildern und malte selbst
in diesem Stil die Zionskathedrale in Tiflis aus.
Auch lieferte er die Illustrationen zu Stakelbcrgs
"1^6 (^3.110^86 I)ittoi'68tiu6" (Par. 1847-57). Er
starb 30. Jan. 1893.
Iwan lHergejewitsch G., geb. 1814, lies; sich
nach kurzem diplomat. Dienst in Paris nieder, trat
1843 zum Katholicismus über und wurde Jesuit.
Als solcher wirkte er eifrig für die kath. Kirche,
namentlich untcr seinen Landsleuten und den griech.-
tath. Slawen, errichtete in Paris eine slaw. Biblio-
thek "HIu866 81n.v6" und war 1857 Mitbegründer
der Zeitschrift "^tullc8 äe tk^ow^w, äe ^di^zo^Iiie
6t ä'1ii3t0ii'6", die 1862 in "1^mäo3 reliFienäes,
1n3t0i'i<iu63 et iitt^l'Äii'68" umgewandelt wurde. Er
starb 1882 in Paris. G. schrieb: "1^3 3wi'ovör68,
I'^iiso 1'N336 6t 16 P3P6" (Le Mans 1857), "I.Ä
Hu83i6 86ia,-t-6li6 catluilign^?" (ebd. 1857; deutsch,
Münst. 1857), "l.63 N)'MU03 (Ic; 1'^FÜ86 FI'6cl1U6>)
(Par. 1868) u. a.
Gagat (srz. M5) oder Pechkohle, eine derbe,
spröde, pechschwarze, wachs- oder fettglänzende
Braunkohle mit vollkommen muscheligem Bruch,
die unter allen Varietäten die größte Härte besitzt
und fich äußerlich manchmal der Steinkohle nähert;
nur selten läßt sie noch Spuren der Holzstruktur
wahrnehmen. G. läßt sich schneiden und drechseln
und nimmt eine schöne Politur mit starkem fettigen
Glanz an. G. findet fich besonders in Asturien und
im Tepart. Aude (Südfrankreich), über die Ver-
wendung des G. f. Jet.
Gage (frz., spr. gahsch'), eigentlich Pfand; dann
Besoldung, Gehalt, namentlich von Offizieren und
Schauspielern.
Gagel, Gagelstrauch, s. >1)iica.
Gagern, Frieor. Valduin, Freiherr von, nieder-
land. General, ältester Sohn von Hans Ehristopb
Ernst von G., geb. 24. Okt. 1794 zu Weilburg in
Nassau, weilte 1809 und 1810 in Paris, bezog dann
die Universität Göttingen, gab aber bald die aka-
demischen Studien auf. Er trat in das österr. Heer,
nahm an dem rnss. Feldzuge und den Kämpfen von
Dresden, Kulm und Leipzig teil, ging hierauf in
niederländ. Dienste über, kämpfte mit Auszeichnung
in den Schlachten von 1815, studierte noch ein Jahr
in Heidelberg und war 1824 und 1825 für Lurcm-
burg Mitglied der Bundesmilitärkommission. 183<>
und 1831 nahm er als Major und Chef im General-
stabe des Herzogs Bernhard von Weimar an den
Kämpfen der Holländer in Belgien teil. Er war
1839 Begleiter des Prinzen Alerandcr von Ora-
nien auf dessen Reise nach Ruhland und erhielt
1844, nachdem er inzwischen zum General befördert
war, eine wichtige Mission nach Ostindien zur Unter-
suchung des dortigen Militärwescns. 1847 wurde
er Gouverneur im Haag und Kommandant in ^üd-
bolland. Im Frühjahr 1848 nahm er Urlaub zu einer
Reise nach Deutschland. Im bad. Scekreise war
eben der Heckerschc Anfstand ausgebrochen, und G.
übernahm, ohne die nachgesuchte Genehmigung der
niederländ. Regierung abzuwarten, den von Baden
ibm angetragenen Oberbefehl gegen die Freischaren.
Vergebens suchte er, als er bei Kandcrn 20. April
auf sie stieß, die Führer von ihrem Vorhaben abzu-
bringen. Nach einer erfolglosen Unterredung mit
Hecker war er eben im Begriff, die Mahregeln zum
Angriff zu vollziehen, als ihn die Kugeln der Frei-
schärler tödlich trafen. Mit tiefer Bildung und den
tüchtigsten Fachkenntnissen verband G. eine frei-
sinnige Denkungsart und vertrat bereits in den
dreißiger Jabren den Gedanken, daß die bunde^-
staatliche Einigung Deutschlands nur durch Über-
tragung der Eentralgcwalt an Preußen möglich sei.
-- Vgl. Heinr. von Gagern, Das Leben des Gene-
rals Friedrich von G. (3 Bde., Heidelb. u. Lpz.
1856-57); Das Gefecht dei Kandern und der Tod
des Generals von G. (nach offiziellen Aktenstücken,
Karlsr. 1848).
Gagern, Friedr. Balduin, Freiherr von, Poli-
tiker, ältester Sohn des Frciherrn Heinrich von G.,
geb. 9. Juni 1842 zu Monechciin bei Worms, diente
in der österr. Kriegsmarine bi5 1871 und widmete