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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Galil�isches Meer - Galilei
Tiberias, Tarich�a, Magdala, Kapernaum, und in Obergalil�a mit Safed, Merom, Giseala, Hazor, Kedes und Tabnith. - Wie sich in G. von je eine heidn. Bev�lkerung neben Israel erhalten hatte, so wurde hier auch die Herrschaft Israels zuerst gebrochen: Teglattphalasar II. f�hrte die angesehensten Israeliten 734 aus diesen Gegenden fort, und man erf�hrt nicht, da� jemals eine besondere R�ckwanderung stattgefunden h�tte. Da G. durch wichtige Stra�en und durch die gr��ere N�he des Meers in viel h�herm Grade dem V�lkerverkehr offen lag als Jud�a, so begreift es sich, weshalb die strengen H�ter des Gesetzes in Jerusalem, denen Reinheit der Religion und des Blutes �ber alles ging, die galil�ischen Glaubensgenossen nicht sonderlich achteten. Den eigent�mlichen Landesdialekt brachten sie mit der mangelhaften religi�sen Bildung der Bewohner in Verbindung. G. ist ein anmutiges, fruchtbares Land; Untergalil�a zeichnet sich durch Wechsel von Berg- und Flachland, von tropischem und gem��igtem Klima, Obergalil�a durch wasserreiche Berge und Baumwuchs aus. Der h�chste Gipfel ist der Dschebel Dschermak (1199 m). Die Mehrzahl der J�nger Jesu stammte aus G.- daher wurden die Christen von den Juden spottweise wohl Galil�er genannt. Nach dem letzten Aufstande der Juden unter Hadrianus bis zum 6. Jahrh, wurde G. der Mittelpunkt j�d. Fr�mmigkeit und Gelehrsamkeit; Sepphoris und Tiberias hatten ber�hmte Schulen. Die Tr�mmer von Synagogen erinnern noch an diese Zeit. Heute geh�rt das Gebiet des alten G. zum t�rk. Wilajet Beirut; die Kreise Haifa, Nazareth, Tiberias und Safed geh�ren zum Sandschak Akka, der Kreis Tibnin zu Tyrus.
Galil�isches Meer, soviel wie See Genezareth (s. d.).
Galilei, Galileo, der gr��te Naturforscher Italiens, zugleich einer der Begr�nder der modernen Naturwissenschaft, geb. 15. Febr. 1564 zu Pisa. Sein Vater, Vincenzo G. (gest. 2. Juli 159l), war ein bedeutender Mathematiker und hatte sich durch gesch�tzte Schriften �ber die Theorie der Musik einen Namen in der Gelehrtenwelt erworben. G. bezog 1581 die Universit�t zu Pisa, woselbst er zuerst Medizin, dann Mathematik und Physik studierte. 1585 verlie� er die Universit�t, um sich unter der Leitung Ostilio Riccis ausschlie�lich mathem. und physik. Studien zu widmen. Das Studium des Archimedes f�hrte ihn 1586 zur Entdeckung der hydrostatischen Wage, �ber deren Konstruktion und Gebrauch er eine kleine Schrift ("La Bilancetta")verfa�e, welche erst nach seinem Tode (1655) ver�ffentlicht wurde; 1587 schrieb er seine "Theoremata circa centrum gravitatis solidorum", die er 1638 als Anhang zu den "Dialoghi delle nuove scienze" drucken lie�. 1589 erhielt G. eine Professur f�r Mathematik an der Universit�t zu Pisa. Hier erforschte er die Gesetze des Falls ("Galileische Gesetze"), welche er in den "Sermones de Motu Gravium" (in Abschriften viel verbreitet, aber erst 1854 gedruckt) bekannt machte. Dadurch zog er sich Neid, durch seine ung�nstige Beurteilung einer angeblichen Entdeckung Johann de Medicis die Ungunst desselben zu, wodurch er sich bewogen sah, nach zweij�hriger Wirksamkeit sein Amt niederzulegen und sich wieder nach Florenz zur�ckzuziehen. Indessen erhielt er 1592 die Professur der Mathematik an der Universit�t zu Padua. Seine Vorlesungen erwarben ihm einen europ. Ruf, soda�
bald Zuh�rer aus allen L�ndern herbeistr�mten, dieselben zu h�ren. In Padua erfand G. den Proportionalzirkel und eine Vorrichtung zur genauern Bestimmung der W�rmeverh�ltnisse (W�rmezeiger, Thermoskop, um 1597), was manche verleitete, ihn f�r den Erfinder des Thermometers zu halten. Gro�es Aufsehen erregte G. 1605, als er den im Okt. 1604 im Bilde des Schlangentreters erschienenen, nach einem Jahre wieder verschwundenen neuen Stern als Argument gegen die Aristotelische Lehre von der Unver�nderlichkeit des Himmels benutzte. Sein Hauptkampf gegen die Peripatetiker begann aber erst nach der Erfindung des Fernrohrs 1609. Auf die blo�e Kunde hin, da� ein Holl�nder (Hans Lippersheym in Middelburgh) ein Instrument angefertigt h�tte, mittels dessen man ferne Gegenst�nde ganz nahe ger�ckt und sehr deutlich wahrn�hme, hatte n�mlich G. selbst ein Fernrohr angefertigt und es zum erstenmal zu astron. Beobachtungen angewendet. Mit seinem Fernrohr entdeckte er die Unebenheit des Mondes, er sah, da� die Milchstra�e aus einer dichten Menge kleiner Sterne besteht, im Orion erschienen statt der schon bekannten sieben Himmelsk�rper �ber 500 neue Sterne, die Zahl der Plejaden stieg von 7 auf 36.
Die bedeutendsten Entdeckungen machte aber G. 1610. Am 7. Jan. entdeckte er die Jupitertrabanten, welche er "Mediceische Sterne" nannte und wor�ber er im M�rz gleichen Jahres in der Schrift "Der Sternenbote" ("Sidereus nuncius") Bericht erstattete. Hierdurch war die f�r die Gegner des Kopernikanischen Weltsystems so unbequeme Thatsache festgestellt, da� sich auch ein Centrum von Bewegungen doch selbst bewegen kann. Als Anerkennung f�r die Herstellung seines Fernrohrs hatte ihn inzwischen die venet. Regierung zum Professor in Padua auf Lebenszeit ernannt. Da er sich aber durch die Lehrt�tigkeit in seinen Forschungen und in der Abfassung seiner Werke gehemmt glaubte, ging er 1610 wieder nach Florenz, wohin ihn Cosimo II. als "ersten gro�herzogl. Mathematiker und Philosophen" berufen hatte. Zugleich erhielt er den Titel eines "ersten Mathematikers der Universit�t Pisa". Er wohnte seitdem in Florenz oder auf einer Villa in der N�he der Stadt. Im Sept. 1610 bemerkte er die Phasen der Venus und des Mars, ungef�hr zur gleichen Zeit die Ringe des Saturn. Am 1. Jan. 1611 stellte er zum erstenmal den Satz auf, da� die Planeten keine selbstleuchtenden Himmelsk�rper seien, und da� Venus und Mars sich um die Sonne drehen, worauf bald die Lehre von der Achsendrehung der Sonne folgte.
Stieg auch G.s Ruf durch seine Entdeckungen immer h�her, so stie� er doch zugleich auf harten Widerstand. Um Freunde und Gegner von der Wahrheit seiner Entdeckungen zu �berzeugen, begab sich nun G. Ende M�rz 1611 nach Rom, wo er aufs ehrenvollste empfangen wurde. Aber schon bem�hten sich seine Feinde, ihn zu vernichten. Bereits 17. Mai 1611 richtete die r�m. Inquisition ihr Augenmerk auf den Bek�mpfer des Ptolem�ischen Weltsystems, und als er im Juni desselben Jahres nach Florenz zur�ckkehrte, ward im Palast des toscan. Erzbischofs eine geheime Konsultation gegen ihn abgehalten, wobei die Bibel und das kirchliche Dogma, welche die Wahrheit des Ptolem�ischen Weltsystems lehrten, als autoritative Grundlagen aufgestellt wurden. Trotzdem setzte G. seine Forschungen unverdrossen fort. 1612 ver�ffent-^[folgende Seite]