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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gallacetophenon; Gallait; Galläker; Galland

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Gallacetophenon - Galland

angrenzenden Ländern den Islam an; nur im äußersten Westen blieben sie Heiden. Sie besitzen keine Sklaven. Ihre Sprache gehört wie die der Danakil und Somal zur äthiop. Gruppe des hamit. Stammes. Sie bebauen ihre Felder mit Sorgfalt, schmieden Waffen, darunter die berühmten kunstreichen Dolche, und verfertigen Holzschnitzereien. Ihre Tracht besteht in einer Toga aus Kamel- und Ziegenhaaren und einem Lendentuch, die der Weiber in langen Röcken. Bekannt wurden sie zuerst im 10. Jahrh., wo sie vom Südosten her eindringend das Abessinische Reich verwüsteten. Erst allmählich wurden sie dort überwunden oder vertrieben, aber noch immer haben sie, teils selbständig, teils tributpflichtig, viele Landstriche Abessiniens inne, namentlich die Thäler des Abai und Hawasch, große Teile von Amhara, Godscham, Begemeder, Schoa, ferner die südl. Länder Gurage, Enarea und Kaffa. Auch mit den Somal sind sie in fortwährenden Fehden, von denen sie gegen und über den Tanasee gedrängt wurden. Die G. zerfallen in eine zahllose Menge kleinerer und größerer Stämme, unter denen die 150 000 starken Borani oder Wuorani am Renia wegen ihres kriegerischen Mutes und ihrer Religiosität hervorzuheben sind. Alle Gemeinwesen bilden kleine Republiken mit einem Präsidenten, Schatzmeister, Oberpriester, einem Rat der alten und allgemeinen Volksversammlungen. - Vgl. Tutschek, Lexikon der Gallasprache (3 Bde., Münch. 1844-45); Beke, On the origin of the G. (Lond. 1848); Massaja, Lectiones grammaticales linguae Americae et Oromonicae (Par. 1867); Schmidt, Shoagallagrammatik (in der "Zeitschrift der Deutschen Morgenländ. Gesellschaft", Bd. 22); Paulitschte, Beiträge zur Ethnographie und Anthropologie der Somal, Galla und Harari (Lpz. 1880); ders., Harar (ebd. 1888); Geschichte der G. Bericht eines abessin. Mönches im 16. Jahrh., hg. von Schleicher (Berl. 1893); Prätorius, Zur Grammatik der Gallasprache (ebd. 1893).

Gallacetophenon, C6H3.CH3.CO(OH)3, ein schwachgelbes, in kaltem Wasser schwer, in heißem Wasser, Alkohol, Äther und Glycerin leicht lösliches Pulver, das als Ersatz der Pyrogallussäure (s. d.) mediz. Verwendung gegen Flechtenleiden findet.

Gallait (spr.-läh), Louis, belg. Maler, geb. 10. Mai 1810 in Tournai, erhielt seine künstlerische Bildung daselbst und in Antwerpen, seit 1834 in Paris, wo der Verkehr mit Ary Scheffer, P. Delaroche und andern bedeutenden neuern franz. Malern nicht ohne Einfluß auf seine Richtung blieb. Dort schuf er außer Bildnissen mehrere Historienbilder, so: Christus heilt einen Blinden (1833; Kathedrale in Tournai), Hiob und seine Freunde (1836; im Luxembourg zu Paris), Montaignes Besuch bei Tasso im Gefängnis, Schlacht von Mont-Cassel 1677 (Museum in Versailles). Seinen Ruf als Historienmaler begründete er dann 1841 durch: Die Abdankung Kaiser Karls V. (im Museum zu Brüssel). Das durch tüchtige Technik, durch Unmittelbarkeit und dramat. Kraft der Darstellung ausgezeichnete Gemälde stellte ihn neben Biésve (s. d.) an die Spitze der neuern belg. Malerschule. In den spätern histor. Darstellungen G.s tritt hauptsächlich die Seelenschilderung in den Vordergrund. Von diesen Gemälden sind hervorzuheben: Die Versuchung des heil. Antonius (im königl. Schloß zu Brüssel), Egmond vor seiner Hinrichtung (1848; Nationalgalerie zu Berlin, s. Tafel: Niederländische Kunst VII, Fig. 4) Eroberung Antiochias 1098 (l849), Die Brüsseler Schützengilde erweist den hingerichteten Grafen Egmond und Hoorn die letzten Ehren (1851; Tournai, Stadthaus), Johanna die Wahnsinnige mit der Leiche Philipps von Burgund (1859), Alba Todesurteile unterzeichnend (1863), Die Pest in Tournai 1092 (1882; Museum in Brüssel; ein 6 m hohes, 9 m breites Bild). Ferner hat G. auch vorzügliche Genrebilder geschaffen, wie: Mönch im Klostergang Arme speisend (l845; Neue Pinakothek in München), Murillo das Modell seiner Madonna findend, Slowakische Musikanten (1852; Galerie Ravené zu Berlin), Die Familie des Gefangenen (1855), Fischerwitwe mit ihren Kindern am Meeresstrande, Gebet nach der Weinlese. Auch als Porträtmaler erwarb er sich Ruf; unter andern malte er während eines längern Aufenthalts in Italien das Bildnis des Papstes Pius IX. (1861) und des Kardinals Antonelli (l862). G. war Mitglied der Belgischen Akademie sowie der von Berlin, München, Paris und Wien; er starb 20. Nov. 1887 in Brüssel.

Galläker (Gallaeci oder Callaici), ein altspan. Volk, das anscheinend den Lusitanern nahe stand und auf die Nordwestecke der Pyrenäenhalbinsel den Namen Galicia (s. Galicien) vererbt hat, wohnte in 40 Gauen oder Kantonen nördlich vom untern Duero und westlich von den Asturiern. Ihr Niederland zwischen Duero und Minho, 24 Kantone, von den Römern nach der Gerichtshauptstadt Bracara (jetzt Braga) das Land der Bracarenses genannt, wurde schon 130-135 v. Chr. von den Römern unterworfen und zu der jenseitigen span. Provinz geschlagen. Der rauhere Norden, 10 Kantone, hieß bei den Römern nach der durch Augustus angelegten Centralstadt Lucus Augusti (jetzt Lugo) das Land der Gallaeci Lucenses. Unter Augustus wurde das Land zuerst zur Provinz Lusitanien, dann zu Tarraconensis geschlagen, Caracalla dagegen machte um 210 n. Chr. aus demselben und Asturien eine eigene Provinz Gallaecia. In der Nordwestecke des Landes saß der kelt. Stamm der Arotrebä oder Artabri, der wahrscheinlich zur See von der Bretagne aus eingewandert war.

Galland (spr.-láng), Anton, Orientalist und Numismatiker, geb. 4. April 1646 zu Rollot bei Montdidier in der Picardie, begleitete 1670 den franz. Gesandten Rointel nach Konstantinopel und dann nach Jerusalem. Später machte er noch zwei Reisen nach dem Orient. Nach der Rückkehr von der dritten, die er 1679 unternahm und bei der er von Colbert und dann von Louvois unterstützt wurde, lebte er seinen wissenschaftlichen Arbeiten, erst in Paris, dann zu Caen. Er wurde 1701 Mitglied der Akademie der Inschriften, 1709 Professor der arab. Sprache am Collège de France und starb 17. Febr. 1715. Der größte Teil seiner Schriften betrifft die Numismatik und den Orient; den allgemeinsten Ruf aber verschaffte ihm seine Übersetzung der "Tausend und einen Nacht", deren Bekanntwerden in Europa an seinen Namen geknüpft ist: "Mille et une nuits, contes arabes" (12 Bde., Par. 1704-8 u. ö.; nicht vollständige Ausg. von Abbé Pinard besorgt, 5 Bde., ebd. 1844). Außerdem sind zu erwähnen seine "Paroles remarquables, bons mots et maximes des Orienteux" (ebd. 1694 u. ö.) und "Les contes et fables indennes de Bidpaï et de Lokman" (2 Bde., ebd. 1724 u. ö.). Seine durch Ch. Schefer herausgegebenen Tagebücher aus Konstantinopel ("Journal d'A. G. pendant son séjour à l'ambassade de France à Constantinople", 2 Bde.,