Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

484
Galläpfel - Gallas
Par. 1889) sind eine reiche Duelle für die Kenntnis
der Beziehungen zwischen der Türkei und den christl.
Staaten sowie der Stellung der christl. Unterthanen
der Türkei im 17. Jahrh.
Galläpfel, die durch den Stich verschiedener In-
sekten an vielen Pflanzen hervorgerufenen Gallen
(s. d.), die bald als holzige, bald als beerenartig-
weiche Auswüchse von mannigfacher Form er-
scheinen. Am bekanntesten sind die G., die auf den
Blättern und knospen verschiedener Arten der Eiche
vorkommen; dieselben rühren namentlich von den
zum Behufe der Eiablage gemachten Stichen ge-
wisser Gallwespenweibchen (s. Gallwespen) her, sind
aber nicht, wie man früher glaubte, durch einen von
dem legenden Insekte abgesonderten Saft, sondern
durch den Reiz der aus dem Ei hervorgegaugenen In-
sektenlarven veranlaßt. Unsere einheimischen Eichen
(Huercu" i)6äunculata ^/"'/^. und 8688i1iti0i'H Fm.)
werden von einer Anzahl Gallwespen befallen, deren
jede eine Galle von bestimmter Form hervorbringt,
^o erzeugt ('Mi^s 8cut6ii3,ii8 O/i?-, die kirschgroßen,
weichen, auswendig schön grün und oft auch rot ge-
färbten, kugeligen G., die man so häufig an der
untern Seite der Eichenblätter findet; ('Mip8 t6i-
iniiiali8 ^. die holzigen G. an der spitze der Zweige;
t^nii)8 cortic-lUiä M</. die ebenfalls holzigen, kegel-
förmigen, zierlich gerieften G. an der Ninde junger
Eichenpflanzen, die oft das Eingehen oder wenig-
stens Verkrüppeln solcher Pflanzen herbeiführen;
('vnip8 (jn6rcu8 corti"8 L. die holzigen, unregel-
mäßig geformten, nach dem Ausschlüpfen der zahl-
reichen, in ihnen sich entwickelnden Gallwespen sieb-
artig durchlöcherten G. an den Stämmen, Asten
und Zweigen; (')iiip8 t'ecuml^ti'ix //5//. die braunen,
beschuppten G., die aus von dieser Gallwespe an-
gestochenen Knospen hervorgehen; <^uip8 C3iici8
Z?ti'</sck. die sog. Knoppern an den Früchten von
Hu6i-cu8 psäunculatll, seltener von (Hn(^rcii8 8088i-
liüoi-H. Letztere sind die unregelmäßig ausgewach-
senen Fruchtbecher, in die die genannte Gallwcspe
ihre Eier legt und die oft die darin steckende Eichel
ganz umhüllen. Unter den Knoppern gelten die un-
garischen für die besten. Die Knoppern enthalten,
wie alle Eichengalläpfel, Gerbstoff und Gallussäure
und werden deshalb in der Färberei technisch ver-
wendet. Bekannt sind die holzigen, harten G., die zur
Tintenbereitung, in derFärberei und zur Gewinnung
der Gerbsäure und Galläpfeltinktur benutzt werden.
Man unterscheidet im Handel mehrere Sorten;
die sog. t ü rkischen, klei n asiati s ch en, auch l e -
vantinische oder mossulische genannt, sind
kugelig, auf der Oberfläche mehr oder weniger warzig-
stachelig, heller oder dunkler graugrünlich (schwarz,
blau, grün und marmoriert) oder grünlichgelb bis
schmutzigweiß (weiße G.), schwer und bis 2,5 cm
im Durchmesser groß. Sie werden durch den Stich
der Cvnii)8 tiiictm-iH ^v. hervorgebracht, die ihre
Eier in die knospen der im Orient (namentlich
Kleinasien) wacksenden t^ixni8 intectoi-ia 0//,'.
legt. Die kleinasiatischen G. enthalten von allen G.
die größten Mengen von Gerbstoffen, gegen 60 Proz.
und darüber. Unter den europäischen G. sind zu-
nächst 1) die sog. großen ungarischen G. her-
vorzuheben; diese stammen von ()n^rcu8 p6(Iun-
culat". und werden durch den Stich von (^ni^8
knn^i'ica ^/t</. erzeugt; sie erreichen bis 3,5 cm
im Durchmesser. Ferner 2) kleine ungarische
G., die zum größten Teil von den Stichen der
(?vnii>8 XoUllli /?t</. herrühren sollen; sie sind ku-
gelig, von hellbrauner Farbe und haben einen
Durchmesser von 1 bis 2,5 cm, der Gebalt an Gerb-
stoffen beträgt 25-30 Proz.; 3) deutsche G., die
von den in Deutschland einheimischen Eichen stam-
men und von den Stichen verschiedener Cvnips-
Arten erzeugt werden; 4) französische G., die auf
den Blättern von Hu6i-ou8 ilox ^. und ceiii8 Iv.
vorkommen, deren Verursacher noch unbekannt find.
Von (^i-cu8 c6i'i-i8 sollen auch die griechischen
und italienischen G. stammen.
Die am meisten in den Handel kommenden sind
die kleinasiatischen und zwar die großen mossulischen
und die G. von Haleb, wovon in guten Jahren
8-9000 Säcke im Werte von je 140-160 M. pro-
duziert werden; außerdem finden sich bäusig die
großen und kleinen ungarischen G. und die Knop-
pern. An diese Produkte des Eichbaums schließen
sich die sog. chinesischen G., die sich seit 1846 im
Handel finden und aus China und Japan stammen.
Es sind blasige Anschwellungen, die sich durch den
(^tich von^piii8 c-dw6N8i81)o?M. an einer Sumacb-
Art, der 1llni8 8emmlHtH I^"-?-., bilden und meist
länglich-walzenförmig, aber auch plattgedrückt, birn-
förmig, kugelig vorkommen und auf ihrer mit gelb-
lichgrauem Filz bedeckten Oberfläche mancherlei bohle
Höcker und Zacken zeigen; ihre Länge variiert von
3 bis 10 cin und ihre Dicke von 1,5 bis 4 cm, die
Wände sind sehr dünn, hornartig durchscheinend und
spröde; sie zeichnen fich durch hohen Gerbsäuregenalt
(bis zu 60-70 Proz.) aus. Es werden jäbrlich
30-45000 Pikuls (1892: 38000 Pikul^! im Werte
von je 110-120 M. erzeugt. Die G., sowohl die
gewöhnlichen wie die chinesischen, finden in der Fär-
berei, zur Fabrikation der Tinte und zur Herstellung
des Tannins, der Galluvsäure und des Pyrogallols
ausgedehnte Anwendung.
Die Galläpfeltinktur (lincwi-H Mlwruin),
die durch Ausziebcn der G. mittels Alkobol ge-
wonnen wird, verwendet man in der Heilkunde
häufig, äußerlich als zusammenziehendes Mittel bei
wunden Brustwarzen, Hautschrunden und nässen-
den Flechten, innerlich als Gegengist bei Vergif-
tungen mit narkotischen Pflanzenstoffen (z. B. mit
Opium, Morphium, Bilsenkraut u. s. w.), obgleich
hierzu Tannin vorgezogen wird.
Galläpfeleiche, s. Gche (Bd. 5, S. 1625). -
Galläpfelfliegen, s. Gallwespen. . ^ -
Galläpfelgerbsäure, s. Gerbsäuren. , . -^
Galläpfeltinktur, s. Galläpfel.
Gallarate, Hauptort des Kreises G. (153 486 E.)
in der ital. Provinz Mailand, 41 kin im NW. von
Mailand, an den Linien Arona-Mailand, G.-Varese
(19 kinj und G.-Laveno (32 km) des Mittelmeer-
netzes, Sitz einer Nnterpräfettur, hat (1881) 6734,
als Gemeinde 8442 E., in Garnison 2 Eskadrons
des 18. Kavallerieregiments, eine technische schule
und bedeutende Baumwollmanufattur (Kattune).
Gallas, Mattlüas, Graf von Campo, Herzog
von Lucera, kaiserl. General im Dreißigjährigen
Kriege, geb. 16. Sept. 1584 zu Trient, machte seinen
ersten Feldzug in dem span. Heere in Flandern mit,
kämpfte dann 1616 und 1617 in ^avoven, trat aber
bald darauf als Hauptmann in den Dienst der deut-
schen kath. Liga und wurde zu Anfang deo Dreißig-
jährigen Krieges Oberst eines Fuszreanuents. Be-
sonders zeichnete er sich bei Stadtlodn <1623) aus,
kommandierte 1629 als von ^d'a//^^? /?c'stallter
(>)eneral'Feldwachtmeister ein Truppenkorps in Ita-
lien und eroberte 163l> unter Eollalto Mantua. Dar-