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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Galvano; Galvanochirurgie; Galvanochromie; Galvanoglyphie

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Galvano - Galvanoglyphie

band Volta die Enden (Pole) seiner Säule durch einen Leiter, so fand in demselben ein Ausgleich der elektrischen Spannungen statt. Volta betrachtete seine Säule als eine Leidener Flasche von sehr großer Kapacität und geringer, sich immer wieder ersetzender Spannung und sah den Ausgleich (den elektrischen Strom) als eine rasche Folge von Flaschenentladungen an. Berührte man beide Pole, so empfand man physiol. Wirkungen, Zuckungen, Reizung von Sinnesnerven u. s. w. Eine große Flaschenbatterie konnte durch Berührung der beiden Belegungen mit den Polen augenblicklich zu einer allerdings nur geringen Spannung geladen werden. Carlisle und Nicholson hatten schon chem. Wirkungen (Wasserzersetzung) durch die Säule beobachtet (1800), die Davy in sehr erfolgreicher Weise untersuchte. Er fand eine ganze Reihe anderer zersetzbarer Korper und wurde zur Entdeckung neuer Elemente (Kalium, Natrium) geführt. Erwärmung und Schmelzen von Drähten durch den Strom war schon von Pfaff beobachtet worden. Davy leitete den Strom durch Kohlenspitzen und fand so den nach ihm benannten Lichtbogen.

^[Fig. 3.]

Volta hatte schon richtig erkannt, daß in einem Ring, der nur aus Leitern erster Ordnung besteht, kein Strom entstehen kann. Denn wenn K die Spannung x und Z mit A berührt x+e haben, so wird eine zweite Berührung von K mit x durch Schließen des Ringes diese Spannungsverteilung nicht stören. Führt man aber die zweite Berührung durch einen Leiter zweiter Ordnung W (z. B. Wasser) herbei, so gleicht sich durch diesen die Spannungsdifferenz zwischen K und x aus. Diese Spannungsdifferenz stellt sich nach Voltas Ansicht durch eine in der Berührungsfläche von K und x wirksame Kraft (die elektromotorische Kraft) immer wieder her, wodurch der Strom erhalten wird. Während Volta auf die Berührung das Hauptgewicht legt, erkannte vor allen Davy die Wichtigkeit der chem. Veränderungen in der Säule und betrachtete diese als die Quelle der auftretenden elektrischen Spannungen und des elektrischen Stroms. Nun folgten De la Rive, Faraday, Schönbein u. a.

Der Streit zwischen der ältern Berührungstheorie und der neuern chem. Theorie ist noch immer nicht ganz ausgeglichen, wenn auch die ursprüngliche Voltasche Theorie nicht mehr vertreten wird. Helmholtz hat, was an der letztern haltbar schien, in eine schärfere Form gebracht. Nach seiner Auffassung erhalten die Leiter erster Ordnung bei gegenseitiger Berührung bestimmte, von der Natur der Stoffe abhängige Potentialunterschiede (s. Elektrisches Potential), die dadurch entstehen, daß z. B. ein positiv elektrisches Teilchen auf unmeßbar kleine Entfernungen von den Molekülen des Zinks stärker angezogen wird als von jenen des Kupfers. Ein elektrisches Teilchen im Innern von Zink oder Kupfer, das ganz gleichmäßig von demselben Stoff umgeben ist, erfährt keine Einwirkung. An der Berührungsfläche von Zink und Kupfer aber erhält das positive Teilchen einen Antrieb gegen das Zink, das negative gegen das Kupfer. Erst wenn durch ein höheres (positives) Potential des Zinks diesem Antrieb das Gleichgewicht gehalten wird, hört der elektrische Austausch auf. Das genaue Maß der Voltaschen elektromotorischen Kraft ist also der Potentialunterschied. Nur ein Leiter zweiter Ordnung kann in Berührung mit Leitern erster Ordnung an verschiedenen Berührungsflächen verschiedenes Potential haben, wodurch allein ein Strömen der elektrischen Ladung ermöglicht wird, wenn jene Potentiale erhalten werden. Zugleich erkennt aber Helmholtz, daß in diesem Falle bleibende (chem.) Veränderungen eintreten müssen, da sonst die Arbeit, die der elektrische Strom leistet, aus Nichts erzeugt wäre.

Am entschiedensten wird in neuerer Zeit die chem. Theorie von F. Erner (1880) gegen zahlreiche Gegner vertreten. Erner behauptet, daß die bei Berührung von Metallen auftretenden Potentialunterschiede, soweit dieselben überhaupt existieren, von chem. Wirkungen herrühren. Es liegt in der That nahe, anzunehmen, daß diese Potentialdifferenzen, die während des Stroms durch chem. Vorgänge erhalten werden, auch durch solche erzeugt werden können. (S. Galvanische Batterie, Galvanischer Funke, Galvanischer Strom, Galvanisches Element, Galvanometer, Galvanoskop.)

Litteratur. Bezüglich der Gesamtlehren des G. vgl. G. Wiedemann, Die Lehre von der Elektricität (4 Bde., Braunschw. 1882-85); Maxwell, Electricity and magnetism (2 Bde., Oxf. 1873; 2. Aufl. 1881; deutsch von Weinstein, Berl. 1883); Erner, Theorie des galvanischen Elements (Wien 1880). Über die Anwendung des G. vgl. Merling, Elektrotechnische Bibliothek (Braunschw. 1884 fg.), ferner Hartlebens Elektrotechnische Bibliothek (Wien 1883 fg.) sowie die elektrotechnischen Zeitschriften.

Galvano (Kupfercliché), s. Clichieren, Galvanoplastik und Holzschneidekunst.

Galvanochirurgie, die Anwendung des Galvanismus als Heilmittel im Gebiete der Chirurgie, s. Elektrotherapie und Galvanokaustik.

Galvanochromie, Metallochromie, Galvanische Färbung der Metalle, beruht auf der elektrochem. Ausscheidung sehr dünner Schichten von Hyperoxyden auf blanken Metallen, die an dem positiven Pole einer schwachen Volta-Batterie befestigt sind und in eine entsprechende Lösung tauchen, während der negative Pol in derselben Flüssigkeit in einigem Abstände vom positiven Pole eingesenkt ist. Die Farben der betreffenden Niederschläge sind sog. Farben dünner Blättchen (s. Newtons Farbenglas). Die ersten farbigen Ringe dieser Art stammen von Nobili (s. Nobilis Farbenringe), während Becquerel (1840) und nach ihm auch die Metallindustrie dieses Princip zur Verzierung von Kunstgegenständen benutzten. Die Vorschriften zu den hierher gehörigen Lösungen findet man in den Werken über Galvanoplastik, Elektrochemie und Elektrolyse. In neuerer Zeit (1881) hat Guébhard in Paris diese elektrolytischen Figuren benutzt, um bei Strömungen in der Ebene die Linien gleichen Potentials durch die gleichfarbigen Kurven darzustellen.

Galvanoglyphie, die Herstellung von Hochdruckplatten für die Buchdruckpresse durch ein ziemlich einfaches, jedoch nur auf gewisse Illustrationsmethoden anwendbares Verfahren. Eine mit Ätzgrund überzogene Zinkplatte wird in der gewöhnlichen Weise radiert und geritzt. Hierauf entfernt man den Ätzgrund und erhöht die bloßgelegten Stellen durch öfteres Auftragen schnell trocknender Farbe um so viel, daß sie in der dann auf galvani-