Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

522
Ganerbe - Gänge (des Pferdes)
Anführer der Ganas, dienender Geister des Hiva.
G. wird beim Beginn aller Unternehmungen und
am Anfange jedes Bnches angerufen; sein Bild
steht häufig an Wegen, auf offenen Plätzen und
über den Thüren der Häuser und Läden. Abgebil-
det wird er als ein kleiner Mann mit einem großen
Bauche, einem Elefantenkopfe mit einem Zahn und
vier Armen. Sein Tier ist die Ratte, auf der er
auch reitend dargestellt wird.
Ganerbe, aus Ge-Anerbe, d. i. Mit-Anerbe,
Miterbe. Unter Ganerbschaft wird in der ältern
deutschen Rechtssprache eine besondere Art der Ge-
meinschaft verstanden, welche indessen nicht von einer
Vtiterbschaft auszugehen brauchte, sondern auch sonst
durch Vertrag errichtet werden konnte. Gegenstand
ist eine bestimmte Vermögensmasse, eine Waldmark,
ein Salzwerk, meistens eine Burg (Ganerben-
schloß) mit Zubehör. Der Vertrag heißt Burg-
friede, welcher Allsdruck zugleich das Gebiet be-
zeichnet. Eine ansehnliche Ganerbschaft war Burg-
friedberg (s. Friedberg) in der Wetterau. Die G.
gehören meistens dem Adel an. Das Besondere
der Gemeinschaft besteht in dem Ausschluß der ge-
wöbnlichen Miteigentumsordnuug und Ersetzung
derselben durch eiue besondere, die Teilung aus-
schließende und den längern Fortbestand der Ge-
meinschaft und die Mitbenutzung regelnde Ordnung.
- Vgl. Wippermann, Kleine Schriften jurist. uud
rechtshistor. Inhalts, Heft 1: Über Ganerbschaftcn
(Wiesb. 1873).
Gang (Korridor), langgestreckter Verbin-
dungsweg vor oder zwischen einer Reihe von Zim-
mern, in Gärten, .hofräumen u. s. w. Seine Breite
soll mindestens so viel betragen, daß zwei Personell
bequem nebeneinander gehen können (1,25 m). Bei
mittelalterlichen Gebäuden und in milden Land-
strichen wird der G. sehr oft außen vor den Zimmern
nach dem Hofe hingeführt und in diesem Falle auf
Säulen gestellt oder durch Konsole unterstützt (Ga-
lerie), auch durch Geländer, Brüstungen, Glaswände
u. s. w. geschützt und abgeschlossen. Die Ausbildung
der G. im Innern der Häuser gehört erst der neuern
Zeit und der Forderung an, daß jedes Zinnner einen
direkten Zugang innerhalb des betreffenden Stock-
werks besitze. Während man im 17. und 18. Jahrh,
durch kleine Treppen und versteckte Verbindungs-
gäncze vom darunter liegenden Stockwerk die zur
Bedlenung nötigen Zugänge zu schaffen suchte, hat
man jetzt meist lange, an den innern Seiten der
Wohnräume hinführende G. eingerichtet. Selten
gelingt es aber, diesen zwar bequemen Verbindungen
eine befriedigende künstlerische Gestalt zu geben.
Gang, im Bergwesen und in der Geologie mit
Gestein oder Mineralien ausgefüllte Spalte in
irgend einem andern (ältern) Gestein. Man unter-
scheidet Gesteinsgänge, Mineralgänge ulldErzgänge.
Gest eins gange heißen Spaltenausfüllungen,
deren Material aus irgend einem auch cncherdem
als ein Hauptbestandteil der festen Erdkruste auf-
tretenden und zwar meist eruptivem Gestein besteht,
z. B. aus Granit, Porphyr, Basalt u. s. w. Mi-
neralgänge dagegen sind Spaltenallsfüllungen,
die aus Mineralien bestehen, welche in dieser Verbin-
dung und in solcher Ausbildungsweise nicht als
Gesteine auftreten, z. B. aus Quarz mit Braunspat,
Kalkspat, Schwerspat, Flußspat u. s. w. Enthalten
aber die eine Spalte ausfüllenden Mineralien ab
bauwürdiges Metall, so nennt man solche G. Erz?
gange (s. Erzlagerstätten, Bd. l;, S. ^39 a).
Das Gestein, das den G. einschließt, heißt sein
Nebengestein; für einen nicht ganz senkrecht
stehenden G. ist der Teil des Nebengesteins, der
über ihm liegt, das Hangende, der Teil, dem
er aufruht, das Liegende. Unter dem Streichen
versteht man die Richtung des G. gegen den Meri-
dian, unter Fallen seine Neigung gegen den Hori-
zont, wobei sowohl die Richtung als der Grad des
Fallens zu bestimmen sind. Nach dem Grad des
Fallens werden in vielen Gegenden die G. einge-
teilt in schwebende G. von0 bis 15° Fallwintel,
flache von 15bis45", tonnlägige von45bis 75",
steile von 75 bis 89 und stehende (seigere) von
90" Fallwinkel. Nimmt der G. nach der Tiefe mehr
Fallgrade an, so sagt man: er stürzt sich; im ent-
gegengesetzten Falle: er richtet sich auf. Ändert der
G. in horizontaler Erstreckung Plötzlich sein Strei-
chen, so heißt es: er wirft einen Haken. Ganz schmale
G. werden wohl als Klüfte bezeichnet. Vielfach
teilen sich die G. entweder in ihrem Streichen oder
in ihrem Fallen in zwei auseinandergehendc Hälften
(gabeln sich), oder in mehrere schmälere Teile (zer-
schlagen oder zertrümmern sich). Die Mächtig-
keit des G. ist der kleinste, also rechtwinklig ge-
messene Abstand zwischen seinem Hangenden und
Liegenden. Die Berührungsflächen des G. mit dem
Nebengestein nennt mall seine Ulmen oder Sal-
bänder, und den Teil, womit er an die Erdober-
fläche hervortritt, sein Ausgebendes oder Aus-
streichen. Häufig befindet sich zwischen dem G.
und dem Nebengestein eine schmale, von den Be-
standteilen beider zusammengesetzte Einfassung, meist
in einem sehr aufgelösten Zustand, der Besteg,
oder auch bei thoniger Beschaffenheit der Letten -
besteg genannt. Wenn mehrere G. dieselbe Gegend
nach verschiedeilen Richtungen durchsetzen, so bilden
sie Kreuze miteinander, durchsetzen und verwerfeil
oder schleppen sich auch wohl. Eine Gruppe von
mehrern untereinander ziemlich parallelen G. nennt
man einen Gangzug. Viele Metalle und deren
Erze werden vorzugsweise in G. gefunden, weshalb
die Lehre von den Erzgängen Wichtigkeit erhalten
hat. - Über die Beleihung auf G. in rechtlicher
Beziehung s. Bergwerkseigentum (Bd. 2, S. 785 d).
Gang, ill der Fechtkunst die Gesamtheit meh-
rerer aufeinanderfolgender Hiebe odec Stiche und
Paraden. Beim studentischen Kontraschlagen und
auf der Mensur rechnet man als einen G. die Zeit
von dem Kommando "Los" bis "Halt". Früher
forderte man auf 12-24 G., jetzt wird gewöhnlich
so lauge gefochten, bis die Summe der G. ohne
Einrechnung der Pausen 15 oder 20, manchmal
auch 30 Minuten beträgt, wenn nicht ausdrücklich
"bis zur Abfuhr" gefordert ist. B.'i Pistolenduellen
pflegt man auch jeden Kugelwechsel einen G. zu
nennen. (S. auch Zweikampf.)
Ganga, der ind. (Sanskrit-) Name des Flusses
Ganges (s. d.) und der Flußgöttin.
Gangädwära,inBritisch-Ostindiell,s.Hardwär.
Ganganelli, Lorenzo, Name des spätern
Papstes Clemens XIV. (s. d.).
Gangart, im Bergwesen, s. Erzlagerstätten
(Bd. 6, S. 840 a).
Gangarten des Pferdes, s. Gänge.
Gangbares Zeug, im Maschinenwesen soviel
wie Vorgelege.
Gangbauten, soviel wie Ganggräber (s. d.).
Gänge (Gangarten) des Pferdes, werden
eingeteilt in schreitende (Schritt und Trab) und