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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ganges (Ort) - Ganglbauer
oder vor seinem Tode sein Wasser trinkt, ist des
Paradieses sicher. Aus diesem Grunde trägt man
Sterbende zu ihm, flößt ihnen von dem Wasser
ein, taucht sie in dasselbe und übergiebt nach dem
Tode die Asche den Wellen des Flusses. Trotz des
strengen Verbotes werden noch viele Leichen, be-
sonders die von Büßern und kleinen Kindern, un-
verbrannt in den G. geworfen. Die, welche entfernt
vom G. wohnen, bewahren sein Wasser, das in
Indien einen bedeutenden Handelsartikel abgiebt,
in kupfernen Flaschen, um es in der Todesstunde zu
trinken, und lassen, wenn sie reich sind, sich nach dem
Tode verbrennen und ihre Reste in den G. werfen.
Ganges (spr. gangsch), Hauptort des Kantons
G. (160,54 hkm, 9 Gemeinden, 9051 E.) im Arron-
dissement Montpellier des franz. Depart. He'rault,
in einem schönen Cevennenthale, unweit links des
He'rault, an der Linie Lunel-Le Vigan der Mittel-
meerbahn, bat ll891) 4330, als Gemeinde 45)52 (5.,
Fabriken für Seidenstrümpfe, wichtige Seidenhaspe-
leien, Filet- und Handschuhfabriken und Baumwoll-
spinnerei. In der Nähe die prachtvolle Stalaktiten-
grotte des Doumiselles oder des Mes.
Gangesdelphitt (^Ilitlnn^ta ßan^etica O,,?-.),
Susuk, ein oben schwarzgrauer, unten weiß-
licher Delphin von 2 m Länge aus der Gruppe der
Schnabeldelphine <s. Delphine). Seine Schwanz-
flosse ist nicht ausgeschnitten, sondern halbmond-
förmig ganzrandig. In jedem Kiefer sitzen 30-32
nach hinten gerichtete Kegelzähne. Er bewohnt den
Ganges und die Nebenflüsse von dessen unterm Teil
und wird seines Specks wegen verfolgt.
Gangesgavial, Krokodilart, s. Gavial.
Gangfedern, soviel wie Triebfedern, s. Feder
(Bd. 6, S. l'.Wll).
Gangfisch, s. Blaufelcken.
Ganggräber (schwed. ^u^rittei'; dän. Iätte -
stuer, Iettenstuben, d. h. Riesenstuben), große
l^rabanlagen aus den ältesten Perioden der Ur-
geschichte. Sie bestehen aus geräumigen, aus großen
Steinplatten erbauten und von Erdhügeln bedeckten
Kammern, zu denen immer ein schmaler Gang führt,
der ebenso mit Steinen ausgebaut ist. Zuweilen
sind mehrere kleinere Abteilungen in einem Grabe,
von denen jede ein Skelett birgt, meist sind aber nur
mehrere Skelette nebeneinander in hockender Stel-
lung beigesetzt. Nach den den Toten mitgegebenen
Beigaben zu schließen gehören die G. wie die Dol-
men (s. d.) in die Steinzeit (s. d.) oder auch in den
Anfang der Bronzezeit (s. d.), da schon ab und zu
Bronze in ihnen gefunden wurde. Ihr Gebiet ist
nicht so groß wie das der Dolmen, sie sind am häu-
sigsten in Skandinavien, Großbritannien, dem nord-
westl. Deutschland und nördl. Frankreich.
Ganghofer, August, Forstmann, ged. 23. April
1827 zu Dießen in Bayern, besuchte die Forstlehr-
anstalt Aschaffenburg und studierte Staatswissen-
schaften an der Universität München. Von 1860
dis Ende 1873 war er Oberförster in Welden, 1874
ttreisforstmeister in Würzburg. Am 1. Jan. 1875
wurde er als Vorstand des im bayr. Staatsmini-
sterium der Finanzen nach seinen Vorschlägen neu
eingerichteten Bureaus für forstliches Versuchswesen
und forstliche Statistik nach München berufen, bald
darauf zum Forstrat in demselben Ministerium er-
nannt. Die 1885 durchgeführte Reorganisation der
bcwr. Staatsforstverwaltung erfolgte unter seiner
besondern Mitwirkung. 1880 wurde G. zum Ober-
forstrat und 1882 zum Ministerialrat und Vorstand
des Mimsterialforstbureaus befördert. Er veröffent-
lichte: "Erörterungen über die nächsten Aufgaben
des bayr. Forstwesens" (unter dem Pseudonym Sil-
vius, Augsb. 1873), "Der praktische .ftolzrechner"
(ebd. 1872; 3. Aufl. 1883), "Das forstliche Bewuchs-
Wesen" (2 Bde., ebd. 1877-84). "Das Forstgesetz
für das Königreich Bayern, in neuer Tertierung
vom I. 1879" gab er mit Erläuterungen heraus
(Augsb. 1880; 2. Aufl., Nördl. 1889).
Ganghofer, Ludwig, Dichter, Sohn des vorigen,
geb. 7. Juli 1855 in Kaufbeuern, wurde zunächst
Maschinentechniker, besuchte 1874-78 Polytechni-
kum und Universität in München und, nachdem er
den technischen Beruf gänzlich aufgegeben batte,
!878-79 die Universität Berlin. 1879 erschien
seine erste lyrische Sammlung "Vom Stamme Asra"
(Bremen). Angeregt von den in Berlin gastierenden
Schauspielern des Münchener Gärtner-Theaters
entwarf er das oberbayr. Volksschauspiel "DerHerr-
gottschnitzer von Ammergau" (Augsb. 1880; 9. Aufl.,
Stuttg. 1891), das, von Hans Neuert überarbeitet,
zuerst 1880 in München zur Aufführung gelangte;
als Novelle erschien das Werk im "Neuen Novellen-
schatz", Bd. U) (Münch. 1887) und mit Illustrationen
von Engl (stuttg. 1890). Der große Erfolg dieses
Werks in ganz Deutschland war ausschlaggebend
für G.s litterar. Richtung. Im gleichen Jahre ent-
standen noch das fünfaktige Drama "Wege des
Herzens" (Augsb. 1882) und das einaktige Lust-
spiel "Der Anfang vom Ende"; im Frühjahr 188 l.
Im Herbst 1881 wurde G. als Dramaturg an dav
Wiener Ringtheater berufen. 1886-92 redigierte
er das Feuilleton des "Wiener Tageblatts". Der
Brand des Ringtheaters und die mißlichen Verhält-
nisse der volkstümlichen Bühnen in Wien veran-
laßten ihn zu vorwiegend novellistischer Thätigkeit.
So entstanden "Der Jäger von Fall" (Stuttg. 1883;
dramatisiert u. d.T. "Derzweite Schatz"), "Bergluft"
(edd. 1883), "Aus Heimat und Fremde" (ebd. 1884),
"Almer und Iägerleut'" (ebd. 1885)), der zweibän-
dige Roman "Die Sünden der Väter" (ebd. 1886),
"Edelweißkönig" (2 Bde., ebd. 1886), "Oberland"
(ebd. 1887) und "Der Unsried" (ebd. 1888), "Es
war einmal. Moderne Märchen" (ebd. 1889), "Der
Besondere" (ebd. 1890), "Fliegender Sommer"
(Berl. 1892), "Die Fackeljungfrau" (Stuttg. 1893),
"Der Klosterjäger" (ebd. 1893) und "Die Martins-
klause" (ebd. 1895); auch zwei lyrische Sammlungen
"Bunte Zeit" und "Heimkebr" (ebd. 1883) hat er
veröffentlicht. Neuerdings bat er sich dem Drama
wieder zugewendet; auf das dreiaktige Dialektfchau-
fpiel "Der Geigenmacher von MUenwald" (mit
Neuert, Stuttg.1887) folgte^das auf einer Novellevon
Marco Nrociner fußende Schauspiel "Die Hochzeit
von Valeni" (ebd. 1890), da^ Lustspiel "Die FaUe"
(ebd. 1891) und das fünfattige Schauspiel "Auf
der Höhe" (1892). Mit Cbiavacci gab G. 1890-
1891 Joh. Nestroys "Gesammelte Werke" heraus.
Gangi (spr. -dschi), Stadt im Kreis Cefalü der
ital. Provinz Palermo auf Sicilien, an einem Zu-
flüsse der Pollina, am Abbange eines steilen Bergs
in 850 m Höhe, hat (1881) 12021 E. Etwa 3 km
entfernt, bei San Venedetto, einem Kloster, welches
auf den Trümmern des ältern G. erbaut war, stand
die Sikelerstadt Engyon.
Ganglbauer, Eölestin, Erzbischof von Wien,
geb. 20. Aug. 1817 zu Thanstetten bei Steyr in
^derösterreich als Sohn eines Bauern, trat in den