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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gardasee - Garden
Gardasee (ital. 1^30 di 6a.i'äli; bei den Römern
I.HCU8 V6UH0U8), der größte Alpensee Italiens, liegt
64 m ü. d. M., ist 55 km lang, 5-18 km breit,
366 yllm groß und bis 300 m tief. Das obere Ende
greift in Tirol ein, das rechte Ufer gehört zur ital.
Provinz Brescia, das linke zur Provinz Verona.
T>er obere Teil ist schmal und fjordartig in die Hoch-
gebirge der Alpen eingeschnitten; der Monte-Baldo,
dessen langgestreckter Rücken den Ostrand bildet, und
die Ketten der Brescianer Alpen im W. fallen steil
zum See ab. Die Dörfer liegen meist auf den Berg-
terrassen oder in den Mündungsbuchten der Bäche.
Weiter südlich von dem Sasso di Manerba im W.,
Kap San Vigilio im O. ab treten die Felswände
zurück und zwischen die Berge und die breite See^
fläche legt sich ein allmählich sich verbreitender Ufer-
saum (Riviera), mit Citronengärten, Olivenwäldern,
Feigen-, Mandel- und Maulbeerbäumen, Villen,
Schlössern und Dörfern besetzt. Besonders schön ist
die Aussicht über den See und die Berge im N. von
der Halbinsel Sermione. Noch umfassender nach den
Alpen zu ist der Blick vom nördlichsten Gipfel deö
Monte-Baldo, dem Monte-Altissimo (2070 m).
Der G. ist das Läuterungsbecken des tirol. Alpen-
flusses Sarca und nimmt außerdem noch viele Alpen-
bäche (Ponale, Toscolano) auf. Sein Abfluß ist der
Mincio (s. 0.). Die periodischen Winde, der Paesano
(Bergwind) und die Ora (Südwind), begünstigen die
Segelschiffahrt. Stürme find nicht felten. Dampf-
schiffahrt besteht auf den Linien Riva-Tesenzano und
Riva-Peschiera. Das Wasser zeichnet sich durch Klar-
heit und prächtige Färbung aus, die je nach Beleuch-
tung und Wind vom tiefsten Grün bts zum herrlich-
sten Azurblau wechselt. Der Reichtum an Forellen,
Lachsforellen, Aalen und Sardinen ist bedeutend.
Wichtige Orte am G. sind: Riva (s. d.) an der Nord-
spitze, Limone, wo die Citronenknltur beginnt, Gar-
gnano, Gardone-Niviera, jetzt als Winterkur-
ort beliebt, inmitten üppigster Vegetation, in ge-
schützter Lage, mit zahlreichen Hotels, die Stadt
Salo ss. d.), Desenzano (s. d.), die Festung Peschiera
am Austritt des Mincio, Bardolino, Garda, da5
dem See den Namen gab, und das aus Goethes
ital. Reise bekannte Dorf Maleesine. - Vgl. Här-
tung von Härtungen, Der G., Gardone-Riviera
und die Eisenbahn Mori-Arco-Riva (Zür. 1892);
Koeniger, Gardonc-Riviera am G. (Berl. 1890).
Garde, s. Garden.
Garde-Bereiterschule, s. Militärreitschulen.
V2.rüs ües 80S2.UX (frz., fpr. gard dä ßoh),
Großsiegelbewahrer, s. Siegel.
Garde du Corps (frz., spr. gard dü kohr), die
berittene Leibgarde eines Monarchen. Der Name
kam zuerst in Frankreich in der Mitte des 15. Jahrh,
zur Anwendung für eine Truppe, welche die Be-
stimmung hatte, am königl. Hoflager Dienst zu thun
und den König ans den Feldzügen und ins Gefecht
zu begleiten (s. Garden). Die G. d. C. gehörte zu
der Raison inilitairs (s. NaiLon clu roi); zum Ein-
tritt war u. a. erforderlich, daß der Betreffende adlig
und katholisch war. Bei Ausbruch der Revolution
aufgelöst, wurde die G. d. C. während der Restau-
ration vorübergehend wiederhergestellt. Dem franz.
Beispiel folgend wurde die Vezeichnnng G.o. C. an
verschiedenen größern und kleinern Höfen ange-
wendet. In Brandenburg hatte die frühere Tra-
bantengarde diesen Namen erhalten, wurde aber von
Friedrich Wilhelm I. bald nach seiner Thronbestei-
gung aufgelöst. Friedrich d. Gr. errichtete 1740 eine
Schwadron G. d. C., ans der sich das prenß. Garde
du Corps-Regiment (Garnison Potsdam) entwickelte,
welches zur Kürassiergattung gehört und ausgesuch-
ten Ersatz an Mannschaften und Pferden, letztere
alle von dunkelbrauner Farbe, erhält, im übrigen
aber gleich den andern Kavallerieregimentern for-
miert ist. Chef des Regiments und dessen erster
(Leib-) Schwadron ist der König.
<5a.räV-ksn (frz., spr. gard föh), Kamingitter,
Ofenschirm. ^Brüstung.
<5krüe-lon (frz., fpr. gard fuh), Geländer,
Garde Freinet, La (spr. gard srenH, Ort im
Kanton Grimaud, Arrondissement Draguignan des
franz. Depart. Var, auf der Gebirgskette Chaine
des Maures (bis 780 m), hat (1891) 2092 E. und
bedeutende Korkpfropfenfabrikation. - G. (lat.
I^xin6wm) war 889-975 in den Händen span.
Araber, die von hier aus die Umgegend verheerten.
Gardelegen. 1) Kreis im prenß. Reg.-Bez.
Magdeburg, Hat1299,^s^in, (1890) 52477 (26316
männl., 26 161 weibl.) 6., 3 Städte, 102 Landge-
meinden und 20 Gutsbezirke. - 2) G., früher auch
Garde leben und Gar leben, Kreisstadt im Kreis
G., 45Wn im NW. von Mag-
.^ > X deburg, an der Milde und der
^/ Linie Berlin-Lehrtc der Preuß.
Staatsbahnen, ^itz des Land-
ratsamtes, einesAmtsgerichts
(Landgericht Stendal),Steuer-
undProviantamtes, hat<1890)
7340 (3670 männl., 3670
weibl.) E., darnnter 186 Ka-
tholiken und 56 Israeliten,
in Garnison (240 Mann) die 3. und 4. Eskadron
des 16. Ulanenregiments Hennigs von Treffen-
feld, Post erster Klasse, Telegraph, zwei evang.,
eine kath. Kirche, ein reiches Hospital (1285), ein
Realprogymnasium, eine Privat-Irrenanstalt, Gas-
anstalt, städtisches Aichamt, Schlachthaus; Eisen-
gießerei, Knopffabrikation, Lein- und Baumwoll-
weberei, Zeugdruckerei, Vierbrailerei, Landwirtschaft,
bedeutenden Hopfenhandel. Das früher berühmte
Bier der Stadt hieß Garlei. G. ist Geburtsort der
Dichter Tiedge und Bornemann. - Der Ort ist sebr
alt; längere Zeit war er Sitz markgräfl. Prinzen, die
sich Grafen von G. nannten. G. blieb ins 1478 eine
freie Stadt, war Mitglied der Hansa, wurde 1547
befestigt, litt viel im Dreißigjährigen Kriege und
durch ^euersbrünste, verlor seine Werke durch Knr-
fürst Friedrich Wilhelm und wurde 1757 von den
Franzosen gebrandschatzt. 1681 ward hier ein Schutz-
bündnis zwischen Vrandenbnrg und Braunschweig-
Lüneburg geschlossen. Auf der anliegenden Garde-
legener Heide siegte Markgraf Ludwig I. 1343
über Otto den Milden von Brannschweig.
Va.rÄo-nibnb1s (frz., syr. gard möbl), Auf-
bewahrungsraum für Geräte, bekannt durch den be-
sondern Palast, den der Architekt Gabriel am Concor-
dienplatz zu Paris für die Möbel der Krone erbaute,
die nun wieder nach diefem Bau 6. genannt werden.
Garden werden anher den Leibwachen der Für-
sten in vielen Armeen die durch vorzüglichen Ersatz
nnd besonders glänzende Uniformen ausgezeich-
neten Elitetruppen (f. Elite) genannt, die meist
in den Haupt- und Residenzstädten garnisonieren.
Garde bedeutet ursprünglich eine Umhegung. Im
heutigen Sinne ist es aus dem franz. F^rä" (Schutz)
entstanden. Die G. in der Bedeutung besonderer
Leibwachen für den Herrscher haben schon m den