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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gartenammer; Gartenarchitekt; Gartenbalsamine; Gartenbau

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Gartenammer – Gartenbau

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Garten'

eines Kompost- und Dungplatzes ins Auge zu fassen, am besten an einer halbschattigen, versteckten, aber leicht zugänglichen Seite des Terrains; sodann sind Brunnen, Bassins oder Wasserleitungshähne mit Kübeln in etwa 30 m Entfernung voneinander vorzusehen; eine Gerätekammer darf nicht zu weit vom G. entfernt liegen. Anzuchtsbeete und Mistbeetkasten sind in nächster Nähe des G. oder in demselben anzubringen. Wege werden so wenig wie möglich angebracht. (S. Gemüsebau.)

Baumschulen dienen zur Anzucht von Obst- und Wildgeholzen, Bäumen und Ziersträuchern aller Art. Man unterscheidet Sortiments-Baumschulen und solche, die nur für Specialitäten, wie Obst, Rosen, Koniferen, bestimmt sind; je einseitiger die Kulturen betrieben werden, desto vorzüglicher sind in der Regel die Einzelleistungen, desto mehr wird aber auch die Kraft des Bodens erschöpft, und aus diesem Grunde schon wird man einen Wechsel der Hauptkultur mit andern Nebenkulturen eintreten lassen müssen. Ein bis ins kleinste durchdachter Bewirtschaftungsplan muß bei der Anlage einer Baumschule zu Grunde gelegt werden. Man wechselt gern mit Hackfrüchten und Gemüsen aller Art; empfehlenswert wäre ein Wechsel zwischen Koniferen und Erdbeeren, Rosen und Stauden. Ein Wechsel unter den Gehölzarten muß ebenfalls, soweit es die mehr oder weniger gleichartige Bodenbeschaffenheit des Terrains gestattet, im Bewirtschaftungsplan vorgesehen werden; so wechselt man mit Kern- und Steinobst, Strauch- und Baumformen, immergrünen und laubabwerfenden Gehölzen. Auf 6–7 Jahr Baumschulkulturen rechnet man 2–3 Jahre Hackfrüchte. Zur Erhaltung der Ordnung in der Nomenklatur und zur Unterrichtung über die Bestände ist die Einrichtung eines Grund- und Betriebsbuches erforderlich, in welchem für jedes Quartier ein Grundplan mit den etwa angepflanzten Standbäumen und alljährlich die ausgeführten Arbeiten und erzielten Kulturresultate verzeichnet werden. Die zur Gewinnung des nötigen Vermehrungs- und Veredlungsmaterials erforderlichen Sortenbäume werden auf Rabatten oder besser in kleinen Arboreten, Obstmuttergärten, Rosengärten zusammengepflanzt. Außerdem sind erforderlich Quartiere für Ableger und andere Vermehrungsarten. (S. Vermehrung der Pflanzen). Der Boden für Baumschulen ist am besten sandiger Lehmboden, der nicht zu trocken ist; den frischesten Boden benutzt man für die Anzuchtsbeete; man rigolt mindestens 70 cm tief und wiederholt dieses durchweg nach 6–7 Jahren unter gleichzeitiger starker Düngung. Für besonders wertvolle Pflanzen bearbeitet man den Boden entsprechend sorgfältiger: Kulturbeete aller Art, Moor- und Heidebeete. Meist werden die Baumschulen als Handelsbaumschulen, seltener als Privat- und Gemeindebaumschulen gehalten, (S. auch Obstbaumzucht.) Über die Pflanzgärten der Forstwirtschaft s. Pflanzkamp.

Andere Handelsgärten betreiben Anzucht und Verkauf der verschiedenartigsten Ziergewächse. Sie sind nach ähnlichen Grundsätzen anzulegen wie die Baumschulen, natürlich unter steter Berücksichtigung der besondern Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen an Boden, Klima und Behandlungsweise.

II. Ziergärten. Im Hausgarten soll der Besitzer sich ungeniert wie in seiner Häuslichkeit bewegen, gleichzeitig aber frische Luft, Blumenschmuck und schöne Formen in Rasenbahnen, Beeten wie in ↔ der ganzen Anordnung genießen können. Obst- und namentlich Gemüsegärten sind daher abseits von demselben anzulegen. Treten Blumenanlagen in einem G. in den Vordergrund, so nennt man ihn Blumengarten; sind es Rosen, die in größerer Anzahl und Pracht zur Geltung kommen, so spricht man von einem Rosengarten. Nimmt der G. größere Ausdehnung an, so wird er zum Park (s. d.).

III. Wissenschaftliche G. haben den Zweck, Pflanzen anzuziehen und zu kultivieren, um an denselben Beobachtungen in pflanzenanatom., morpholog., physiol. und systematischer Beziehung, andererseits über Acclimatisationsfähigkeit, Kulturverfahren u. s. w. vornehmen zu können; endlich dienen solche G. zur Belehrung für Gärtner und Botaniker; deshalb müssen diese G. auch eine möglichst übersichtliche Anordnung der Gewächse aufzuweisen haben, entweder nach dem System oder nach der geogr. Verbreitung der Pflanzen. Für technisch verwertbare, Nutz-, Heil- und Giftpflanzen werden je nach Bedarf besondere Abteilungen eingerichtet. – Botanische Gärten (s. d.) sollen Pflanzen jeder Familie je nach Größe des Terrains in größerer oder geringerer Auswahl enthalten; da der Platz hier oft nur gering bemessen ist, namentlich für Gehölze, so wird das durchaus berechtigte Verlangen nach größern dendrologischen G. immer mehr in den Vordergrund treten; solche G. sollen nur Bäume und Sträucher aufnehmen, welche unter den obwaltenden klimatischen Verhältnissen ganz oder unter leichter Decke im Freien aushalten. – Pomologische G. enthalten nur Obstgehölze in den verschiedensten Formen und Sorten, um hieran Erfahrungen zu sammeln für die volkswirtschaftlich so hochwichtigen Obstkulturen. – Önologische G. erstrecken sich nur auf den Weinbau. – Schulgärten stehen im Dienste der niedern Unterrichtsanstalten und enthalten meistens nur eine beschränkte Sammlung der wichtigsten Gift- und Nutzpflanzen und solcher Gewächse, die für den Unterricht in der Pflanzenkunde von besonderm Interesse sind; auch wird hier Obstbau und Gemüsekultur betrieben, um zur Nachahmung anzuspornen, solche G. sind aber noch selten und entbehren oft fachmännischer Leitung. – Litteratur, s. Gartenbau.

Gartenammer, s. Ortolan.

Gartenarchitekt, s. Gärtner.

Gartenbalsamine, s. Balsamine.

Gartenbau, der Anbau von Gartenfrüchten aller Art, sowohl in Gärten wie in gartenmäßig bewirtschafteten Feldern, die Anzucht von Zierpflanzen und deren ästhetische Verwendung sowie die Anlage und Unterhaltung von Zier-, Nutz- und wissenschaftlichen Gärten, mithin die Gärtnerei in ihrem ganzen Umfange. Der G. hat mit der Land- und Forstwirtschaft mehrfache Berührungspunkte, mit ersterer im Gemüse-, Obst- und Samenbau, mit letzterer in der Anzucht von Wildbäumen, in Baum- resp. Forstbaumschulen und der Baumpflege. – In jenen beiden Fächern findet vorherrschend der Großbetrieb unter Verwendung von Maschinen und von mit Pferden bespannten Geräten, im G., mit Ausnahme des Gemüse- und Samenbaues und einzelner Baumschulen, fast ausschließlich der Kleinbetrieb und die Bearbeitung des Bodens mit dem Spaten (Spatenkultur) und andern Handgeräten statt (s. Gartengeräte). Während sich die Land- und Forstwirtschaft nur mit dem Anbau weniger der für den menschlichen Bedarf wichtigsten Nutzpflanzenarten

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 552.