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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gath - Gatterer
Durham, am Fuße der Felswände und am rechten
Ufer des Tyne, der die ^tadt von dem größern
Ncwcastle trennt, hat (1891) 85 709 E. gegen 65803
in 1881, meist Bergleute und Fabrikardeiter. G.
ist durchaus Industriestadt und besitzt zahlreiche
Kohlengruben, Glasfabriken und Eisenwerke,Schifss-
werfte, Lokomotivenbau, große Seifenfabriken und
bedeutende Brüche von Diorit zu Schleifsteinen,
die nach allen Weltteilen ausgeführt werden, über
den Fluß und einige Straßenzüge führt die von
Robert ^tephenson erbaute Eisenbahn- und Fuß-
gängerbrücke (High Level Bridge) von 426 ni Länge
und 34 ni Höhe über dem Hochwasserstandc. G. hat
36 Volks- und 2 höhere Elementarschulen mit 21000
Zöglingen.
Gath, eine der fünf Hauptstädte der Philister,
die Heimat des Niesen Goliath (1 Sam. 17,4). Sie
wurde von David erobert, von Nehabeam befestigt
und durch den syr. König Hasael zerstört (2 Kön. 12,17).
Die Angaben des "Onomastikon" von Eusebius und
Hieronymus weisen auf das hochgelegene Dorf
Dikrm nördlich von Bet Dschibrin, das offenbar
einem bedeutendem alten Orte entspricbt.
Gäthäs, ein Teil des Zendavesta (s. d.).
Gätinais (spr. -näh), alte Landschaft in Franl-
reich, zerfiel in Gätinais-Francars (jetzt zu
Seine-et-Marne und Seine-et-Oise) init der Haupt-
stadt Nemours und Gätinais-Orleans (jetzt zu
Loiret gehörig) und bedeckte etwa 5620 hkin mit der
Hauptstadt Montargis. Einen Teil besaßen die
Grafen vonAnjou: Philipp l. zog das Lehn ein.
Gatling, Nickard Jordan, amerik. Mechaniker,
geb. 12. Sept. 18l8 in Hertfoid-County (in Nord-
wrolina), zeigte schon früh großes Talent für
Mascbincntonstnlktionen und erfand eine Reissäe-
Maschine. Später studierte er in Laporte und Ein-
cinnati Medizin und ließ sich 1849 in Indiana-
polis nieder, wo er 1850 eine Flachsbrcchmaschine,
1857 einen Dampfpflug erfand. Am bekanntesten
wurde er durch die Gatlingkanone (s. d.).
Gatlingkanone (engl. ^^iu^-^uu), ein von
dem Nordamerikaner Gatling (s. d.) 1861 erfundenes
Kartätschgeschütz (s. d.). Sie besteht aus einem um eine
gemeinsame Achse drehbaren System von gewöhnlich
sechs Läufen, die, in eine rasche und andauernde
Umdrehung versetzt, sehr große Feuergeschwindig-
keit entwickeln. Nach ihrem Mechanismus werden
die G. auch Nevolvergeschütze genannt. Bereits im
Secessionskriege von den Nordstaatcn angenommen,
fand das Gattingsche Princip später auch in Europa,
namentlick in England und Rußland Eingang, die
G. hat sich indes als Feldgeschütz nicht behauptet. In-
solge Perwendung der 1883 von Mr. Accles erfun-
denen Ladevorrichtung nimmt die G. wieder eine her-
vorragende Stelle unter den Mitrailleusen ein, da
sich hierdurch die Feuergeschwindigkeit bis auf 1600
Schuh in einer Minute (fast dreimal soviel als die
automatische Marim-Mitrailleusc) erhöbt.
Gatschet, Albert Samuel, amerik. Ethnograph
geb. 3. Okt. 1832 in St. Veatenberg in der Schweiz,
studierte in Neuchätel, Bern und Berlin, veröffent-
lichte 1865-67: "Ortsetymologifche Forschungen
als Beiträge zu cincr Toponomastik der Schweiz)'
^Bern). 1868 ging er nach Amerika und beschäf-
tigte sich mit indian. Sprachen. Die Nesultate seiner
zahlreichen Forschungsreisen bat er in einer großen
Neihe von Monographien und Aufsätzen nieder-
gelegt, welche größtenteils in I. (5. Pillings "Lidüo
Zrapii^ ot ^oNQ-^nierictm laiiZUHßLä" (Washingt.
Brcckhaus' Konvcrsations-Lexikon. 14. Aufl.. VH.
1885) verzeichnet sind. Von seinen Schriften sind
noch zu nennen: "Zwölf Sprachen aus dem Süd-
westen Nordamerikas" (Weim. 1876), "0lN33iüc3.-
tion inw 7 linF. 8tock8 of V^68t6rn Inäian äiaisct^
containkä in 40 voc^dularies" (in Wheelers "Re-
port upoii Ilniteä 8t^t63' FLo^r^pliic"! äurve^Z",
Bd. 7) und "?rolli6iiHä6 onomatolo^iliuL 8ur les
doräL du I^o I^öman" (Bern 1867).
Gatschkna, auch Gatschino, Stadt im Kreis
Zarskoje-Selo des russ. Gouvernements St. Peters-
burg, 45 Km südsüdwestlich von Petersburg, in
flacher, waldiger, stellenweise sumpfiger Gegend,
mit meist im Villenstil crbanten Häusern und bäum-
bepflanzten Straßen anmutig an beiden Seiten des
von der Ishora gebildeten Weißen Sees gelegen,
an den Linien Petersburg-Warschau der Großen
Nuss. Eisenbahn sowie Petersburg - Reval und
Tosna-G. der Baltischen Eisenbahn. G. ist Privat-
eigentum der kaiserl. Familie, steht unter der Hof-
verwaltung und hat (1892) 12 000 ständige Ein-
wohner (neben vi^'n Sommergästen aus Peters-
burg), in Garnison die 23. Feldartilleriebrigade, das
L^ib-Garde-Kürassierregiment der Kaiserin, je eine
Schwadron der Leib-Garde-Kuban-Kosakcn und der
Leib-Garde-Terek-Kosaken; 7 russ. Kirchen (mit
Einschluß der Hauskapellen), 1 luth., 1 kath. Kapelle,
Mädchengymnasium, Lehrerseminar, 1 Findclhaus
mit Erziehungsanstalt für 600 Waisen und andere
Woblthätigkeitsanstalten. Das kaiserl. Lustschloß
ll770 von Ninaldi erbaut und unter Nikolaus er-
neuert), mit 600 Zimmern, 3 Thronsälen, Theater,
Neitbahn, Gemälde- und Skulpturensammlung, liegt
im W. der Stadt und des Sees und war den größten
Teil des Jahres Aufenthaltsort Kaiser Alexan-
ders III., weshalb Schloß und Park für das Publikum
divhcr unzugänglich waren. Vor dem Schloß das
Bronzostandbild Kaiser Pauls. - G., anfangs ein
Meierhof, wurde von Katharina II. dem Fürsten
Gregor Orlow geschenkt, der Schloß und Park erbauen
ließ, nach dessen Tode wieder von ihr zurückgekauft
und 1785 dem Großfürsten und spätern Kaiser Paul
gegeben. Dieser erhob 1797 G. zur Stadt.
Gatt, Stromrinne, s. Barre; im Seewesen gleich-
bedeutend mit Loch. Vorzugsweise bezeichnet man
mit G. die in den Segeln angebrachten runden Öff-
nungen, durch die man die Leinen zieht, mit denen
man jene entweder an den Nahen, Gaffeln u. s. w. be-
festigt oder sie refft. Auch die Näume in Schiffen, in
denen man Materialien,Tauwerk u. s. w. unterbringt,
beißen G., z. B. Kabelgatt (s. Kabel), Hellegatt (s. d.).
Gatter, zunächst soviel wie Gitter: außerdem
in der Bedeutung von Sägegatter (s. Sägemaschi-
nen). (^>. auch Fallgatter.)
Gatterer, Joh. Christoph, Geschichtsforscher,
geb. 13. Juli 1727 zu Lichtenau bei Nürnberg,
studierte zu Altdorf, wurde 1752 Gymnasiallehrer
zu Nürnberg und 1759 Professor der Geschichte
zu Göttingen, wo er 1764 das Historische In-
stitut stiftete, dessen Direktor er seit 1767 war, und
5. April 1799 starb. G. beherrschte das ganze Ge-
biet der Geschichte und ihrer Hilfswissenschaften
und hat zuerst den Begriff der Universalgeschichte
richtig erfaßt und in deren Behandlung die synchro-
nistische Methode zur Geltung gebracht, andernteils
den Zusammenhang der eigentlichen Geschichte mit
deren Hilfswissenschaften erklärt und letztere selbst
nach festen Principien in sich gegliedert und be-
! grenzt. G.s Hauptwerke sind: "lliLtoi-ia ßeueÄlo-
! ßick äominorum Ilo^äciiukcroruiw) (Nürnb. 1755),
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