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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gefleborgs-Län - Geflügelzucht
borgs ^än (i. d.), an dein hicr in den Bottnischen !
Meerbusen mündenden reißenden Gefle-Ä und an z
den Linien G.-Falun-Nättvik, G.-Ockelbo und G.-
Upsala, ist seit dein Brande von 1869, der den Teil
im Norden des Flusses zerstörte, gut gebaut und
von Gärten mit Platanen, Eschen und Pappeln !
umgeben, bat (1891) 24 337 (5., ein bochgelegenes
Schloß, ein schönes Rathaus, Freimaurerloge, ^
Bibliothek, Gymnasium und ein Theater. Die
Industrie, besonders Fabrikation von Leinwand, ^
Segeltuch, Tabak und Baumwollwareu sowie Gie- >
ßerei und Schiffbau, ist im Aufschwünge' bedeu-
tender ist der Haudel. Eingeführt werden Gerste,
Noggen, Weizen- und Roggenmehl (zusammen 189i? -.
10,96 Mill. K3), Steinkohlen, Öle, Düngemittel
<3M Mill. I<^), Baumwolle, Gewebe aller Art und
Kolonialwaren', ausgeführt werden vor allem Halb-
fabritate von Eisen (1.^92: 29,^ Mill. K<?) aus den
Grubenbezirken des Hinterlandes, Cellulose l7,i?
Mill. kx), Hölzer und Bretter. Unter den im Hafen
verkehrenden Schiffen herrscht die deutscbe, schwed.
und brit. Flagge vor. In der Nähe das Fischerdorf
Bönan. G. ist Sitz eines deutschen Vicelonsuls.
Gefleborgs-LänoderGefle-Länlspr.jäbwle-),
Bezirk im nördl. Schweden, umfaßt die alten Land-
schaftenGestritland und Helsingland ilnd bat 198l<;
<,kin, darunter 1410 c^km Gewässer, und i189N
-A^924 E., d. i. 10 auf l <^nl. Von der Festland ^
oberfläche sind 5 Proz. Ackerland, 4 Proz^ Wiesen
und 80 Proz. Wälder. Die wichtigsten Erwerbs
zweige sind Forstwirtschaft, Ackerbau und Bergbau.
Auf den Seen und Flüssen bestebt lebbafter Ver^
kehr; an Eisenbahnen sind 485> I<,n vorhanden.
Städte sind Geste, Söderhamn und Hudiksvall.
Geflecht, das Erzeugnis des Flecktens is. d.),
bildet eine Kategorie der Fadengcbilde (s. d.).
Geste "än, 's. Gefleborgs-Liin.
Gefluder, s. Fluther.
Geflügel, diejenigen Vögel, welche der Mensch
domestiziert hat (s. Geflügelzucht und Tafel: Ge-
flügel; zur Erkläruug vgl. Gänsezucht, Enten,
Tauben, Hühner, Perlbnhner, Trulbubn, Fasanen).
Geflügeldiphtherie, Bezeichnung für zwei in
ibrcm Wefen verschiedene, in ihren Erscheinungen
aber ähnliche Erkrankungen des Geflügels. Die eine
dieser beiden Krankheiten wird durch Spaltpilze, die
andere durch niederste Tierchen, sog. Gregarinen,
erzeugt. Die Spaltpilzdiphtberiedes Geflügeln
ist in Deutschland erst seit den sechziger Jahren be-
tannt und böchstwabrscheinlich aus Italien und
Frankreich dnrcb den Fmport feinerer Zuchtrassen
eingeschleppt worden. Letztere prädisponieren im
Gegensatz zu dem deutschen Landhuhn ungemein
für die Krankheit. Die Erscheinungen der Spaltpilz-
dipbtberic bestehen hauptsächlich in dem Auftreten
gelblicher, sog. diphtherischerBeläge aus der Schleim-
haut der Maul- und Nacbcnhöhle, der Nasenböble.
des Lidsackes, des Keblkopses und der Lnftröbre.
Im Anfange zeigt sich hierbei das Allgemeinbefinden
nur wenig gestört, später fallen Kamm und Kedl-
läppen zusammen, die Tiere werden traurig, versagen
das Futter und gehen schließlich unter zunebmendem
Verfall der Kräfte zu Grnnde. Die diphtheriscben
Beläge in Maul- und Nackenhöhle erschweren die
Aufnahme und das Hinunterschlucken des Futters.
Gleichzeitig gesckiebt das Atmen mit gestreckten,
Halse. Nn Erkrankung der Nacbenböble wird dae
Atmen schniefend, bei Ertrankung des Kebltopfes
und der Luftröhre pumpend, während gleichzeitig
pfeifende und rasselnde Nebengeräusche ("Schnor-
chel") auftreten. Der Verlauf der Spaltpilzdiphtherie
ist ein langsamer; er erstreckt sich über mehrere
Wocken und selbst Mouate. 50 - 70 Proz. der er-
krankten Tiere erliegen der Krankheit. Zur Ve-
bandlung empfehlen sich Vepmselungen der erkrank-
ten Stellen mit 1 - 2prozentigem Creolinwasser.
Das künstliche Loslösen der diphtherischen Beläge
ist nicht zu cmpfeblen. Beim Schnorchel baben sich
Teerräuchernngen als wirksam erwiesen. Wichtiger
als die Behandlung ist indessen die Verhütung der
Krankheit. Zu letzterm Behuse ist alles frisch an-
gekaufte Geflügel genau zu untersuchen und einer
Quarantäne zu uuterwerfen, bevor es mit dem
übrigen Bestände vermischt wird. Ferner sind Gc-
flügelausstellungen zu meiden, auf welchen eine tier-
ärztliche Überwachung der ausgestellten Tiere nicht
statthat. - Die durch Gregarinen erzeugte G.
zeigt ähnliche Veränderungen der Schleimhäute des
Kopfes wie die Spaltpilzdiphtherie. Daneben treten
aber auch noch auf den unbefiederten Teilen des
Kopfes tnötchcnförmige Wucherungen von grauer
Farbe und perlmutterühnlichem Glänze auf (sog.
Geflügelpo cken). Der Verlauf der grcgarinöfen
G. ist ein mehr gutartiger. Nicht selten kommt ohne
alles Zutdun Heilung zu stände. Im übrigen sind
! auch bier Bepinselungen der erkrankten Teile mit
^ Ereolin oder Carbol (5 Teile auf je 100 Teile Wasser
und Glvcerin) von Nutzen. - Die G. hat mit der
menschlichen Diphtherie ebensowenig gemein wie
die übrigen diphtberischen Erkrankungen der Haus-
liere. (S. Diphtheritis bei den Haustieren.)
Geflügelpocken, s. Geflügeldiphtherie.
Geflügelt, in der Jägersprache, s. Flügellahm.
! Geflügelte Worte, unter Benutzung des Ho
, menschen Aufdrucks 3^" ^-Tpo-'^n (epca pto-
^ i-o^nt^) iu neuerer Zeit Bezeichnuug besonders tref-
! fender oder charakteristischer Aussprüche oder Stellen
! aus Dichterwerken, die Anklang fanden und schnell
in den Volksmund übergingen. Büchmann (s. d.)
bat durch seine "G. W." (Berl. 1864; 18. Aufl. 1895)
den Ausdruck besonders populär gemacht. Vgl.
noch Nebry, Citatenschatz (Lpz. 188l>)', Wilh.Wacker'
nagel,"^^5A 7i-75si25'^A (Bas. 18<)0).
Geflügelzucht, ein wichtiger Zweig der Land-
wirtschaft, der bis jetzt nicht die gebübrenoe Auf-
merksamkeit der Ackerbautreibenden gefunden hat.
Die in den letzten Jahrzehnten, nach dem Vor-
gange von Nobert ^ttel in Görlitz, in großen und
kleinen Städten von Liebhabern und Freunden der
Sacke gegründeten Geflügelzüchter-Vereinebemüben
sich, durch von Zeit zu Zeit abgebaltene grosie Schau-
Nellungen von gutem Rassegeflügel das Interesse
für die G. wachzurufen. Zum Betrieb einer ratio-
nellen G. ist außer dem nötigen Platz und zweck-
mäßigen Stallungen die Wahl einer passenden Ge-
flügelrasse die Hauptsacke, denn unsere gewöbn-
lichen Vandrassen sind durch die fortwährende In-
zucht vielfach sebr zurückgegangen. Durch dieses
Verfahren erzielt man eine größere Körperfülle und
nieist auch einen ergiebigern Ertrag an Eiern.
Die verschiedenen Versuche, Geflügelzüchtereien in
großem Maßstabe anzulegen, waren meist erfolg-
los, sie gingen fast alle nach wenigen Jahren wie-
der ein, vorzugsweise aus dem Grunde, weil durch
Austreten von epidemischen Geflügelkrankheiten
l Ebolera, Dipbtheriti^) der Bestand vernichtet wurde
und die Weiterzncbt durch die Schwierigkeit einer
, völligen Desinsettion sich unmöglich erwies. Da-