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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geib - Geibel
Winkels dient das Gehrungsmaß, ein Winkel'
maß, bei welchem Anschlag und Zunge einen 45"-
Winkel bilden. Durch Einspannen in die Geh-
rungsschneidlade (s. umstehende Fig. 1), welche
unter 45° gegen die Achse geneigte Einschnitte zur
Führung für eine Säge besitzt, kann ein Stück Holz
Fig. 2.
ohne Vorzeichnung mit dem Gehrungsmaß auf G.
abgeschnitten werden. Eiserne Gehrungsladen sind
für beliebige Winkel verstellbar. Die Gehrungs-
stoßlade "Zig. 2) dient zum Hobeln stoßen) auf
G. Das Holz wird in einen verstellbaren Schlitz
eingeschraubt, dessen Grundfläche mit der Hobel-
fläche den Gehrungswinkel bildet. Mittels der Geh-
rungszwinge (s.
Fig. 3) werden beim
Leimen der fertigen
G. die Stücke auf-
einander gepreßt,
was mit dem excen-
trisch wirkenden He-
bel geschieht, wäh-
rend die Spitzen das
Festhalten bewirken.
- In der Stein-
hauerei sinddieG.
schwieriger darzu-
Fig. 3.
stellen und werden gebildet, indem man die Gesimse
von beiden Seiten nach der Gehrungslinie hin ver-
arbeitet und sich dort verschneiden oder aneinander-
stoßen läßt, wobei große Vorsicht nötig ist. Die
künstlichsten G. und Verlausungen finden sich an
den Holz- und Steinhauerarbeiten des Mittelalters.
Geib, Karl Gust., Kriminalist, geb. 12. Aug.
1808 zu Lambsheim in der bayr. Rheinpfalz, stu-
dierte in Heidelberg, München und Bonn und ging
1832 als Beamter der für den jungen König Otto
ernannten Regentschaft nach Griechenland; 1834
kehrte er nach Deutschland zurück, wurde 1836
außerord. Professor der Rechtswissenschaft in Zürich
und 1842 daselbst ord. Professor für Strafrecht
und Civilprozeß. 1851 folgte er einem Rufe nach
Tübingen, wo er 23. März 1864 starb. Die wissen-
schaftliche Richtung G.s war die der histor. Rechts-
wissenschaft, die durch seine beiden Hauptwerke: die
"Geschichte des röm. Kriminalprozesses bis zum
Tode Iustinians" (Lpz. 1842) und das unvollendete
"Lehrbuch des deutschen Strafrcchts" (2 Bde., ebd.
1861-62), bedeutend bereichert wurde. Vou sei-
nen andern Schriften sind zu nennen: "Darstellung
des Rechtszustandes in Griechenland während der
türk. Herrschaft und bis zur Ankunft König Ottos 1."
lHeidelb. 1835), "Die Reform des deutschen Rechts-
lebens" (Lpz. 1848), sowie zahlreiche Abhandlun-
gen im "Archiv des Kriminalrechts" (Halle und
Berlin). - Vql. Lueder, Gustav G., sein Leben und
Wirken (Lpz. 1864).
Geibel, Vuchhündlerfamilie, deren Begründer,
Karl G., 1841 eine Buchhandlung in Budapest er-
richtete. Er trat sie 1850 an seinen Bruder Her-
mann G. ab, erwarb den W. Laufferscken Verlag
daselbst und siedelte mit ihm nach Leipzig über.
Später kaufte er die Firma Duncker&Humblot ss.d.).
Von seinen Söhnen wurde Karl G. Nachfolger des
Vaters im Besitz der Firma Duncker & Humblot
und errichtete außerdem 1. Jan. 1891 mit vi-.Mi-.
Arnold Brockhaus eine Verlagsbuchhandlung (Iu-
gendschriften u. a.) in Leipzig unter der Firma
"Geibel & Brockhaus". - Der zweite Sohn, Dr.
Adolf G., geb. 15. Aug. 1843, übernahm 1879 die
Firma Georg Rcichardt Verlag (gegründet 1827:
meist Pädagogik) in Eisleben, verlegte sie nach
Leipzig und verband damit den Verlag des Vaters.
- Der jüngste Sohn, Stephan G., geb. 15. Juli
1847, ist Leiter und Mitbesitzer der Piererschen Hof-
buchdruckerei (s. d.) in Altenburg und errichtete dort
1888 eine Verlagsbuchhandlung (Horns Volks- und
Iugendschriften u. a.) unter eigenem Namen.
Geibel, Emanuel, Dichter, geb. 17. Okt. 1815
in Lübeck, studierte, auf dem Gymnasium seiner
Vaterstadt vorgebildet, seit 1835 in Bonn Theolo-
gie und Philologie, beschränkte sich aber bald auf
philol. und ästhetische Studien. In Berlin, wohin
er 1836 ging, fand er in dem dichterischen Kreise
Chamissos, Gaudys und Kuglers freundliche Auf-
nahme und reiche Anregung. Durch Savignys und
Bettinas Vermittelung trat er 1838 als Hauslehrer
bei dem russ. Gesandten in Athen, Fürsten Katakazi,
ein. In dieser Stellung bereiste er mit E. Curtius
einen großen Teil des Archipels. Nachdem er 1840
nach Lübeck zurückgekehrt war, verarbeitete er die
in Griechenland gesammelten Stoffe und verband
damit das Studium der franz. und span. Littera-
tur, das er während eines längern Besuchs bei dem
Baron Karl von der Malsburg auf Eschoberg bei
Cafsel eifrigst fortfetzte. Seine ersten Gedichtsamm^
lungen veranlaßten den König von Preußen um
Neujahr 1843, ihm einen Jahrgehalt von 300 Thlrn.
auszusetzen. Vielfach dichterisch thätig, lebte G.
seitdem abwechselnd in St. Goar am Rhein mit
Freiligrath, in Stuttgart, Hannover, Schlesien,
Berlin und Lübeck, bis er im Frühjahr 1852 einem
Rufe des Königs von Bayern, der ihm später den
persönlichen Adel verlieh, als Professor der Ästhetik
an die Universität München folgte. Schon längere
Zeit leidend zog sich G. 1868 nach Lübeck zurück, wo
er seitdem dauernd lebte und 6. April 1884 starb.
Am 18. Okt. 1889 wurde daselbst sein Denkmal
(von Volz) enthüllt.
Als Schriftsteller trat G. zuerst mit E. Curtius zu-
sammen in "Klassische Studien" (Heft 1, Bonn 1840)
auf, die Übersetzungen aus griech. Dichtern ent-
halten. Diesen folgten seine "Gedickte" (Berl. 1840'
120. Aufl., Stuttg. 1893), die wegen der unschuldigen
Zartheit und Innigkeit ihrer Empfindung, wegen
ihres bestrickenden poet. StimmungsgehalteZ, wegen
des musikalischen Wohllauts ihrer Sprache und
ihrer formellen Vollendung außerordentlichen Bei-
fall fanden und mit Vorliebe als Grundlage musi-
kalischer Kompositionen benutzt wurden. Ergebnisse
seiner Beschäftigung mit den roman. Litteraturen
waren die "Volkslieder und Romanzen der Spanier,
verdeutscht" (Berl. 1843), das "<-pan. Liederbuch"
(mit Paul Heyse, ebd. 1852), der "Romanzero der
Spanier und Portugiesen" (mit von Schack, Stuttg.
1860) und "Fünf Bücher franz. Lyrik" (mit Heinr.
Lenthold, ebd. 1862). Einen Teil der "Zeitstimmen"
(Lüb. 1841), das kleine Epos "Kölug Sigurds Braut-
fahrt" (Berl. 1846; 4. Aufl., Stuttg. 1877), die
meisterhaften "Zwölf Sonette" (Lüd. 1846, für