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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Geier; Geieradler; Geierfalken; Geierperlhühner; Geiersberg; Geierseeadler; Geiervogel; Geige; Geigenbauer

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Geier (Florian) - Geigenbauer

besten. Der Preis schwankt von 75 M. für den Schmutzgeier, 100 M. für den Rabengeier, den Mönchsgeier, den weißköpfigen G., bis zu 300 M. für den Königsgeier und 400 M. für den Kondor.

Geier, Florian, s. Geyer.

Geieradler, s. Bartgeier.

Geierfalken (Polyborinae), eine Unterfamilie der Falken (s. d.), welche Charaktere der Geier und der Falken in sich vereinigt; ihr Schnabelfirst ist an der Wurzel gerade und erst an der Spitze gebogen. Hierhin gehört der durch seine knarrende Stimme weithin vernehmbare schöne Carancho oder Caracara (Polyporus brasiliensis Swains., Preis 75 M.) und die zierlichen Chimangos (Ibycter, Preis 40 M.) aus Südamerika, die bei einiger Abwechselung in der Fleischnahrung die Gefangenschaft Jahre lang ertragen.

Geierperlhühner, s. Perlhühner.

Geiersberg (Geyersberg), der höchste Gipfel des Spessart, im NO. von Rohrbrunn, im bayr. Reg.-Bez. Unterfranken, ist mit Wald bedeckt und 585 m (nach andern 615 m) hoch.

Geiersberg, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Senftenberg in Böhmen, in hügeliger Gegend an der Stillen Adler und an den Linien Mittelwalde-Königgrätz und G.-Wildenschwert (14 km) der Österr. Nordwestbahn, hat (1890) 1741 meist czech. E. (65 Deutsche), Post, Telegraph, Pfarrkirche (1680), kunstvolle Marienstatue, Schloß mit ausgedehnten Gartenanlagen und Allodherrschaft G. der Gräfin Stubenberg (3492 ha); Möbel-, Bürsten- und Zündhölzchenfabrikation, Branntweinbrennerei, Ziegelei, Brauerei und Ackerbau. In der Nähe auf einem Felsen (542 m) die Ruine Žambach.

Geierseeadler, Angolageier (Gypohierax angolensis Rupp.), ein häufig aus Westafrika nach Europa gebrachter Raubvogel von schwarzweißer Färbung mit nacktem orangegelbem Gesicht, von der Stärke des Bussards. Die Jungen sind dunkelbraun und färben sich erst nach 3-4 Jahren aus. Der Preis beträgt 60 M. Als Futter giebt man neben Fleisch auch Fische.

Geiervogel, s. Brillenalk.

Geige oder Violine (ital. Violino; frz. Violon), das wichtigste Orchesterinstrument und, weil auf ihr alle Töne ganz rein in den mannigfaltigsten Modifikationen in Hinsicht auf Stärke und Schwäche vorgetragen werden können, eins der beliebtesten, wenn auch eins der schwersten zum Vortrage einer Solostimme. Die G. war dem Altertum unbekannt und kommt zuerst im Mittelalter und im Abendlande vor. (S. Geigenbauer.) Der Schallkörper der jetzt gebräuchlichen G. (sowie der verwandten Instrumente: Bratsche, Violoncello, Kontrabaß) besteht aus dem Resonanzboden (s. d.) oder der in der Mitte ausgeschweiften Oberplatte, dem Boden (Unterplatte), den beide verbindenden Zargen (s. d.), dem Steg (s. d.) zwischen den F-Löchern (s. d.) und der Stimme (s. d.). Die schmale Verlängerung des Schallkörpers heißt der Hals; auf ihm ist das Griffbrett (s. d.) angebracht, worüber die Saiten laufen, die am Saitenhalter an der untern Zarge befestigt sind, sowie der Dattel, eine Holzleiste mit Einschnitten, in denen die Saiten liegen. Am obern Ende des Griffbretts beginnt der Kopf mit dem Wirbelkasten. Für die Unterplatte, die Zargen und den Hals wird Ahorn, für die Oberplatte Fichte verwendet. Nur altes, abgelagertes Holz ist für eine gute G. zu gebrauchen. In dem Wirbelkasten sind die Wirbel befestigt, durch deren Drehen die Saiten gestimmt werden. Von den vier Darmsaiten ist die tiefste und stärkste mit Silberdraht übersponnen. Die Saiten werden in g, d', a', e''^[im Original Überstriche] (Quinten) gestimmt. Je weiter man mit dem Aufsetzen der Finger nach dem Stege zu rückt, desto höher werden die Töne. Die Noten für die G. werden im G- oder Violinschlüssel gesetzt; ihr Tonumfang geht vom F bis etwa zum viergestrichenen a; doch ist man erst in neuern Zeiten bis zu dieser Höhe hinaufgestiegen. Alle genannten Töne, ja selbst die kleinsten enharmonischen Verhältnisse werden bloß durch das Aufsetzen der Finger hervorgebracht, daher das Instrument sowohl dadurch wie durch seinen schönen eindringenden Ton unter die vollkommensten und angenehmsten musikalischen Instrumente zu zählen ist. Das Werkzeug, durch das die Saiten der G. klingend gemacht werden, ist der Bogen (s. d.). Die Güte des Tons einer G. besteht in Klarheit und Reinheit, Kraft, Fülle und leichtem Ansatz. - Die bekanntesten Anweisungen zur Erlernung des Geigenspiels sind die von Francesco Geminiani, Löhlein (neu hg. und vermehrt von Reichardt), Leop. Mozart, sowie die von Rode, Kreutzer und Baillot gemeinschaftlich bearbeitete und vom Pariser Konservatorium angenommene Violinschule; ferner von Fröhlich, Guhr, Spohr, Campagnoli, Schön u. a. (S. Streichinstrumente.)

Die bedeutendsten Violinmeister der ältern Zeit als Spieler wie als Komponisten sind Corelli und Tartini; als die berühmtesten neuern Spieler sind zu erwähnen: Rode, Baillot, Spohr, Lafont, Kreutzer, Viotti, Polledro, Lipinski, Mayseder, Paganini, Vieuxtemps, Ole Bull, Bériot, Ernst, David, Joachim, Wieniawski, Sivori, Bazzini, Alard, Wilhelmj, Sarasate, de Ahna u. a. Entsprechend ihrer Bedeutung, ist die G. von allen Instrumenten auch am eingehendsten beschrieben, besonders in folgenden größern Werken: Wasielewski, Die Violine und ihre Meister (Lpz. 1869; 3. Aufl. 1893); ders., Die Violine im 17. Jahrh. (Bonn 1874); Hart, The violin, its famous makers, and their imitators (Lond. 1875 u. ö.; neueste Aufl. 1887); Vidal, Les instruments à archet (3 Bde., Par. 1876-78); Rühlmann, Die Geschichte der Bogeninstrumente (mit Atlas, Braunschw. 1882); J. A.^[Jacob August] Otto, Über den Bau der Bogeninstrumente und über die Arbeiten der vorzüglichsten Instrumentenmacher (3. Aufl., Jena 1886); Apian-Bennewitz, Die G., der Geigenbau und die Bogenverfertigung (Weim. 1892).

Geigenbauer, Verfertiger von Streichinstrumenten aller Art und ähnlichen Saiteninstrumenten, wie Guitarren, Lauten. Schon seit dem 10. Jahrh. war die Geige, wenn auch noch in sehr unentwickelter Form und nur mit zwei oder drei Saiten bezogen, in Frankreich beliebt, und die Troubadours und Jongleurs bedienten sich ihrer zur Begleitung des Gesangs. Am Ende des 15. Jahrh. war sie auch in Holland völlig eingebürgert. Die jetzt noch übliche Form erhielt die Geige in Italien, das auch, mit dem angrenzenden Tirol, die vorzüglichsten Bogeninstrumente lieferte. Die ersten G. in Italien sind indessen eingewanderte Deutsche. So gelangten zu höchstem Ansehen in Italien die Familien Amati, Guarneri, Stradivari, Rugeri u. a.; in Tirol Jakob Stainer, Klotz u. a.; in Deutschland Joachim Tielke in Hamburg, Anton und Karl Ludwig Bachmann in Berlin u. s. w. In manchen Orten, wie Mitten-^[folgende Seite]