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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geikie - Geiler von Kaysersberg
er mit einigen gleichgesinnten Freunden den sog.
"Gotischen Bund", zu dessen Zeitschrift "läuna"
er außer einigen prosaischen Abhandlungen auch
Gedichte lieferte. Gleichzeitig gab er auch "I^rsök
tili?sHim6r" (1812) heraus, von denen mehrere in
das schwed. Kirchengesangbuch aufgenommen sind.
G. kehrte 1815 als außerordentlicher Adjunkt nach
Upsala zurück, wo er 1817 die Professur der Ge-
schichte erhielt. 1825 bereiste er Deutschland. Wegen
Kränklichkeit entsagte er 1846 dem Lehramte und
wandte sich nach Stockholm, wo er 23. April 1847
starb. G. gehört zu den besten neuern schwed. Ge-
schichtschreibern. Sein erstes größeres Werk waren
"8v6a Nik68 Ii^läer" (Bd. 1, Upsala 1825; deutsch,
Sulzb. 1826), die er jedoch nicht fortsetzte. Statt
dessen begann er für die Heeren-Utcrtsche "Geschichte
der europ. Staaten" eine gedrängtere, aber sehr
wertvolle "8v6N8i<3. toiketg liiätorik" (Bd. 1-3,
Örebro 1832-36; deutsch vonLeffler, 3Bde., Hamb.
1832-36). Nächstdem ist seine "^Lokuinx at' 8ve-
riF68 tiliställä ocii af äo förnämZtH Ii^näl^näß
p6r80U6r trän XonuuF Xavi XII:8 äüä tili Xonunss
(^uLtal 111.8 anti-^ä" a,l ro^oi-iuFLn" (Stockh. 1838)
von Wert. Seine letzte größere Arbeit bildet die
Herausgabe von "Xoiniu"; 6u3tHf Ill.ä ettorism-
U3.ä6 ocli lemtio Ar ekwr ti3.u8 liöä ö^pnaä" Mp-
P6I-" (3Bde., Upsala 1843-45; deutsch von Creplin,
3 Bde., Hamb. 1843-46). Mit A. A. Afzelius gab
er die "8v6Q8kÄ loiicvi^or" (3 Bde., Stockh. 1814-
16; neue Ausgabe vonBcrgström undHöijer, 1880),
ferner Thorilds "8^miHä" 8i<iikt6i" (4Bde.,Upsala
1819-35), deren theol.-philos. Einleitung ihm eine
gerichtliche Anklage zuzog, in der er aber freige-
sprochen ward, und mit Fant und Schröder die
<(3ei-ipt0i'68 reruin 8uocicll>rnm meäii aevi" (2 Bde.,
Stockh. 1818-28) heraus. Die erwähnten Arbeiten
nebst andern kleinern Schriften pädagogischen und
polit. Inhalts wurden nach seinem Tode in den
"samwlo 8iii'itt6r" (13 Bde., Stockh. 1849-55;
kleinere Ausgabe in 8 Bon., 1873-75; mit Supple-
ment, 2 Bde., 1876-82) zusammengestellt. Von
seinen "8Ila1äo8t)-cIc6Q" (einige auch verdeutscht)
erschienen von 1835 an mehrere Auflagen. Das
von G. herausgegebene "I^tt6rg.wi'1>1iläottt (^tockh.
1838-39-, mit Anhang 1840) erregte großes Auf-
sehen. Die Resultate seiner histor.-philos. Unter-
suchungen hat Nibbing in "I^öroi^niu^r öiVer
in6imi8iliiu8 liiswi-iw) (ebd. 1856) veröffentlicht. G.
war auch Komponist; er gab eine "DuddLisonlU i'or
?iHuot0i't6" und mit Adolf F. Lindblad "Nu8ik lör
8Z.QF oeli piauolorts" (1824) heraus; für mehrere
seiner Lieder hat er die Melodien gesetzt, auch für
den Gesangverein Upsalaer Studenten mehrere
schöne Chöre komponiert. Einen Veitrag zu seiner
frühern Lebensgcschichte gab er selbst in den "NW-
u6n" (2.Aufl.,Upsala1834). Eine von I.Hellstenius
verfaßte Biographie G.s findet sich in der neuen
Auflage von G.s Schriften und gesondert Stock-
holm 1876. - Vgl. Hjärne, 6öti8ilk I'öi'dnnciet ocli
6688 llulvuäiniw (Stockh. 1878).
Geikie (spr. gihki), Archibald, engl. Geolog,
geb. 1835 in Edinburgh, empfing dort seine wissen-
schaftliche Ausbildung. Als Mitglied der zur geolog.
Vermessung des Vereinigten Königreichs 1855 ge-
bildeten Kommission arbeitete G. zunächst an der
geolog. Aufnahme der schott. Hochlande und an
einer neuen geolog. Karte von Schottland, deren
erster Entwurf 1861 erfchien. 1867 wurde er zum
Direktor der geolog. Aufnahme von Schottland,
1870 zum Professor der Mineralogie und Geologie
an der Universität Edinburgh ernannt. 1881 folgte
er Sir Andrew Ramsay als Generaldirektor der
geolog. Aufnahme des Vereinigten Königreichs und
Direktor des Museums für praktische Geologie in
London; 1892 erhielt er die Nitterwürde. Von G.
erschien: "Ike 8toi-^ ol a dmilder" (1858), "I'iiö
Z1N6I10IN6I13.0k t1i6 FiHcial ärikt 0k8cotiHuä" (1863),
"i'ilO 8c6U6r^ 0k 8cotiHii<1 V16^V6(1 in conriLetioil
nitli it8 p^8ica1 360I0L7" (1865), "^. 8wä6nt'3
inHuiial 0k FLolo^x" (1871), "660i0Zick1 inHp ol
8c0t1auä" (1875), " 0ut1iu68 0k Ü6iä ^eolo^"
(4. Aufl. 1891), "HeoIoZical 8lc6tcli68 at I101N6 Huä
^dr0Hä" (1882), das vortreffliche "^ext-dook ok
^L0l0Fxu (3. Aufl., Lond. 1893) sowie ein "I^iks 0k
8ir V.. Nnrcki80n, d^86ä 0n 1ii8 ^'oulnalg 2nä let-
t6l8, ^vitii N0tic68 0k Ki8 8ci6iitiiic coM6inp0r3,ri63
anä 3. 8ic6tcii ok tk6 ri86 anä ^ro^vtli ok pHlNoxoic
FL0I0F)' in Vritain" (2 Bde., 1875).
Sein Bruder, James G., geb. 1839 zu Edin-
burgh, ist Professor der Geologie und Mineralogie
an der Universität daselbst. Er schrieb: "liis Freat
ico HF6 3.nä it3 rel^tion to tlio antiliuit^ ok man"
(3. Aufl. 1894), "I>i'6iii8t0i'ic ^urcipe, 2.1ii8torica1
8i^6tcd" (1881) und "0ut1in08 ok F60io^) (2. Aufl.
Geilen, Iägerausdruck, s. Gailen. ^1888).
Geilenkirchen. 1) Kreis im preuß. Neg.-Bez.
Aachen, hat 196,79 ^m, (1890) 25471-(12929
männl., 12 542 weibl.) E., 19 Landgemeinden. -
2) Kreisstadt im Kreis G., an der Wurm und an
der Linie Aachen-München-Gladbach der Preuß.
Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines
Amtsgerichts (Landgericht Aachen), hat (1890)
3743 E., darunter 86 Evangelische und 154 Israe-
liten, Post zweiter Klasse, Telegraph, zwei kath. und
eine evang. Kirche, eine Synagoge, höhere Bürger-
schule, Ursulinerinncnkloster mit höherer Mädchen-
schule, Kaltwasserheilanstalt nach Kneipp; Eisen-
gießerei, Dampsmahlmühle, Thonwaren- und Ofen-
sabriken fowie Ackerbau. Der gegenüberliegende ehe-
malige Flecken Hünshoven gehört jetzt zur Stadt.
Geiler von Kayfersbe'rg, Joh., Volkspre-
diger, geb. 16. März 1445 in Schaffhausen, wurde
von seinem Großvater zu Kaysersberg im Elsaß er-
zogen, studierte in Freiburg und Basel, wo er 1475
die theol. Doktorwürde erlangte, und wurde nach
kurzer Universitätsthätigkeit 1478 Domprediger in
Straßburg, wo er mit unerhörtem Beifall predigte
und 10. März 1510 starb. Für ihn wurde die präch-
tige Kanzel im Münster erbaut. G. stand dem Hu-
manismus und der Mystik gleich- fern. Er wollte
lediglich die Sitten bessern; obgleich er die Schäden
der Kirche in Predigten geißelte, war er doch kein
Reformator. Den skurrilen Mönchspredigten feind,
verschmähte er doch nicht volkstümlich derbe dra-
stische Bilder und Scherze und knüpfte gern an
Dinge des täglichen Lebens und Zeiterscheinungen
an: so hielt er über Vrants "Narrenschiff" 412 Pre-
digten, deutete ein Gericht Hasenpfeffer, einen Leb-
kuchen u. a. geistlich aus. Sein theol. Vorbild war
der Franzose Gerson. Leider besitzen wir seine Pre-
digten, die er nur lateinisch zu skizzieren pflegte, fast
nur in Ausgaben, die auf Nachschriften, Übersetzung
der lat. Fassung, Erinnerung oder gar Fälschung
beruben; am zuverlässigsten sind "Predigen teutsch"
(Augsb. 1508) und "Granatapfel" (1510), dann
"Der Seelen Paradiß" (Straßb. 1510); am bedenk-
lichsten die Ausgaben Paulis (s. d.), z. B. "Emeis"
(1516), "Brösamlin" (1517). Seine "Ältesten Schrif-