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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geistiges Eigentum - Gekrönter Dichter
daß die Volkswirtschaft durch die Benachteiligung
der Volksgesundheit, welche der Konsum der G. G.
im Gefolge hat, schwer geschädigt wird. Eine Un-
summe von wirtschaftlichem Clend, Krankheit und
Verlust an Leben wird durch die Vorliebe des Men-
schen für G. G. bedingt.
Verfälschungen sind bei den G. G., besonders den
bessern Sorten, wegen der großen Nachsrage und
des verhältnismäßig hohen Preises bäufig. Am
häufigsten werden Wein und feine Branntweine und
Liqueure gefälscht. Die Beurteilung und Bestra-
fung solcher Fälschungen fällt unter die Bestimmun-
gen der Gesetze über den Verkcbr mit Nahrungs- und
Genußmitteln. (S. auch Verfälschungen.)
Geistiges Eigentum, f. Eigentum, Gewerb-
liches Eigentum und Urheberrecht.
Geisttnger, Marie, Schauspielerin, geb. 26. Juli
1836 in Graz als die Tochter eines pensionierten
russ. Hoffchanspielers, debütierte 1842 in Kinder-
rollen auf der Bühne ihrer Vaterstadt und wurde
1849 für Laibach, 185i0 als Soubrette an das
Schweigersche Voltstheater in München, 185)2 ans
Iosephstädtische Theater in Wien engagiert, von
wo sie 1854 ans Fricdrich-Wilhelmstädtische Theater
in Berlin ging. 1856 wurde sie Mitglied des Kam-
burger Thaliatheaters, gastierte dann in Vreslau,
Glogau, Posen und Königsberg, war 3 Jahre in
Riga, wo sie neben der Operette auch Schau-
und Lustspiel kultivierte, gehorte seit 1863 dem
Verband des Berliner Vicioriatheaters, seit 1865
dem des Theaters an der Wien an und wurde
hier in Offenbachschen, Suppöschen und andern
Operetten jubelnd aufgenommen. 1869-75 hatte
sie mit Steiner anch die Leitung diefer Bühne.
In der folgenden Zeit bewies sie an verschiedenen
Orten, zuerst am Wiener Stadttheater, ihre Be-
fähigung als Heroine und Tragödin. 1877-80 war
sie Mitglied des Leipziger Stadttheaters und wandte
sich seitdem, ohne festes Engagement, Gastspielen zu.
Ihr glänzendes Talent, das ihr gestattet, neben
einer Schönen Helena eine Iphigenie zu spielen, hat
ihr auch in Amerika große Erfolge verschafft. Eine
1877 mit dem Schauspieler Aug. Müller-Kormann
eingegangene Ehe hatte nur kurzen Bestand. Seit
1889 lebt sie auf ihrer Besitzung bei Klagenfurt.
Geistliche, s. Klerus.
Geistliche Bank, s. Fürstenbauk.
Geistliche Fürsten, s. Fürst; über die Vertre-
tung der G. F. im alten Reichstage s. Fürstenbank.
Geistliche Gerichtsbarkeit,'s. Gerichtsbarkeit,
geistliche. Mtterorden.
Geistliche Orden, s. Orden (geistliche) und
Geistlicher Vorbehalt, s. tl686iv3.wm ecdo
8ig.8ticuin.
Geistliche Schauspieles. Vauernspiele, Myste-
rien, Passionsspiele, Deutsche Litteratur (Bd. 5,
S. 7 a), Deutsches Theater (Bd. 5, S. 89).
Geistliches Lied, s. Kirchenlied.
Geistliches Verdienstkreuz, vom Kaiser
Franz I. von Österreich W. Nov. 1801 gestiftete
Auszeichnung für Feldkapläue, wird nur in Feld-
zügen verliehen und besteht in einem goldenen oder
silbernen länglichen Kleeblatt- oder Lazaruskreuz,
das im blauen Hcrzschilde die Worte "I^jg inoi-iti8"
zeigt und an einem weiß und rot gestreiften Bande
getragen wird.
Geistliche Verwandtschaft entsteht nach An-
sicht der kath. Kirche aus der Taufe und der Fir-
mung zwischen dem Tausenden, dem Täufling und
denEltern des Täufliugs, weiterzwischen demPaten,
dem Täufling und den Eltern des letztern: analog
l bei der Firmuug. Sie bildet ein 'Ehehindernis.
Dem heutigen prot. Kirchenrecht, den staatlichen Ge-
setzgebungen und so auch dein Neichsrecht ist das
Ehehindernis der G. V. fremd.
Geistlichkeit, s Klerns.
Geitaue, diejenigen zum Laufenden Gut (s. d.)
gehörigen Taue, mit denen man die untern Ecken
der Segel bis unter die Mitte der Rahe in die Höhe
zieht, wenn man jene geien, d. h. fortnehmen
will. <^ie werden nach den Segeln benannt, für
welche sie dienen, z. V. Fockgeitaue, Vorbramgeitaue
u. s. w. Zum weitem Zusammenschnüren und leich-
tern Festmachen der Segel dienen die Gordinge
(s. d.).^ G. laufeu an den Nahen durch Blöcke (s. d.).
Geithain, Stadt in der Amtshauptmannschaft
Borna der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, in
231 m Höhe, an der Enla und den Linien Leipzig-
Borna-Chemnitz und Leipzig-Lausigk-G. (43,9 km)
der Sächs. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Leipzig), Abteilungsingenieurbureaus
und hat (1890) 4007 (2034
männl., 1973 weibl.) E., Post, Telegraph, in Gar-
nison (25)3 Mann) die 3. und 4. Eskadron des
18. Illanenregiments, eine alte schöne Kirche im
roman. Stil mit reichem Portal; Kalksteinbrüche,
Kalk- und Ziegelbrennerei. Den im Mittelalter
wichtigen Ort zerstörten die Hussiten.
Geitner, Ernst August, Chemiker und Indu-
strieller, geb. 12. Juni 1783 in Gera, studierte Me-
dizin und Chemie und errichtete 1810 in Lößnitz
eine chem. Fabrik und 1815 eine zweite in Schnee-
berg, wo er 24. Okt. 1852 starb. G. erfand das Ar
gentan, entdeckte das Färben tierifcher und pflanz-
licher Stoffe durch chromsaure Salze, veröffentlichte
Schriften über die Bereitung von Tranbenzucker und
Sirup aus Kartoffelmehl, über das Blaufärben
wollener Zeuge ohne Indigo, ferner "Briefe über
Chemie" (2 Bde., Lpz. 1808) u. a. Besonders be-
kannt war er seiner Zeit durch das Anlegen von
Treibgärten über den unterirdischen Kohlcnbränden
in Planitz bei Zwickau.
Geiz oder Geitz, am Weinstock der Trieb, wel-
chen jedes kräftige Blatt an der Nute aus seiner
Achsel entsendet. Neben dem G. befinden sich ein
oder zwei Hauptaugen, welche erst im nächsten
Jahre an der verholzten Nebe zum Austrieb ge-
langen; bleibt der Geiztrieb bis zum Herbst be-
stehen, so entwickelt sich das Hauptauge im nächsten
Jahre äußerst kräftig als langer Holztrieb; wird der
G. aber im Juni und fpäter wiederholt bis auf ein
Auge oder ganz entfernt, so bringt das Hauptauge
einen starken, aber kürzern gedrungenen Trieb mit
reichlichen und kräftigen Gescheinen (Blüten) hervor.
Das Verfahren des Ausbrechens heißt geizen.
Dasselbe kommt anch beim Tabak zur Anwendung.
Gekerbt, s. Blatt (Bd. 3, S. 86 a).
Gekochter Terpentin, s. Fichtenharz.
Gekörnt heißen Mineralien, die auf ihrer Ober-
stäche mit kleinen rundlichen, ziemlich gleichmäßig
verteilten Erhabenheiten versehen sind.
Gekrätz (metallurg.), s. Krätze.
Gekrönter Dichter (lat.poLta laui-L^ws). Die
Sitte, Dichter feierlich zu bekränzen, herrschte schon
in Griechenland, wo sie bei den sog. musischen
Wettstreiten stattfand. (S. Agon.) Von den
Griechen verpflanzte sie sich zu den Nomern, und
Kaiser Domitian krönte mit eigener Hand bei den