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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gekröpf - Gela
von ihm eingeführten kapitolinischen Spielen Dick-
ter und Redner. Im 12. Jahrh, singen auch die
röm.-deutschen Kaiser an, Dichter zu krönen, doch
wnrde der Lorbeer in der Regel nur für dickterische
Leistungen in lat. Sprache zuerkannt. Kaiser Hein-
rich V. krönte seinen Historiograpden David Sco-
tus, Friedrich I. den Mönck Güntber, der die
Thaten des Kaisers in einem epischen Gedickt ver-
herrlicht hatte. Doch scheint die Sitte in Teutsch-
land eine Zeit lang aus der Gewobnbeit gekommen
zu sein. In Italien erneuerte sie sich im 13. Jahrh.
Die feierlichste Krönung daselbst war die Petrarcas
auf dem Kapitol am ersten Ostertage 1331. In
Deutschland wurde der Kaiser Friedrich III. der
Wiederhersteller der Dichterkrönungen. Er krönte
Aneas Sylvius Piecolomini (den nachherigen Papst
Pins II.) und mit eigener Hand Konr. Celtis, den
viele für den ersten in Deutsckland gekrönten Dich-
ter gehalten haben, nebenbei aber so viele unbe-
deutende Männer, daß die ^ache etwas Gewöbn-
lickes wurde, sparsamer in der Austeilung dieser
Würde war sein Sohn Marimilian I., der lllrick
von Hütten zum Dichter krönte und den kaiserl.
Pfalzgrafen das Recht verlieh, allen, die sie für
tüchtig hielten, in feinem Namen den Lorbeerkranz
aufzufetzen. Infolge dieser letztern Verfügung min-
derte sich unter Maximilians Nachfolgern die Gel-
tung der Dichterkrönungen immer mehr, bis sie
endlich, als Ferdinand II. die Erteilung des Lor-
beers lediglich den Reichsbofgrafen überlieft, völlig
mchtsfagend wurde. Nächst Hütten sind als die be-
rühmtesten gekrönten Dichter Georg Sadinus, Job.
Stigelius, Nikodemus Frifchlin und Märt. Opitz,
der erste, der seiner deutschen Ticktungen wegen den
Lorbeerkranz erhielt, zu erwähnen. In England ist
der ?06t-I^ui-oltt6 seit den Zeiten Eduards IV.
ein Beamter des Hofs, der ein kleines Gebalt be-
zieht und früher zu den Geburtstagen des Königs,
bisweilen auch bei Gelegenheit von Siegen eine
Ode zu dichten hatte. Seit den Zeiten Georgs Hl.
kam jedoch der letztere Gebrauch ab. Die Verleihung
des Amtes ist jetzt nur eine Ehrenbezeugung für
einen bedeutenden Dichter. Im Nov. 1850 wurde
nach Wordsworths Tode Tennyfon lgest. 1892) zum
?oot-I^nr6^t6 ernannt, der noch keinen Nachfolger
erhalten bat.
Gekröpf, weidmä'nnifcher Ausdruck für die Nah-
rung der Raubvögel, welche von diesen gekröpft,
d. h. verschlungen wird.
Gekröpft, im Maschinenbau, s. Kröpfen.
Gekröse Mo^ntei-ium), diejenige größere Falte
des Bauchfells, in die der Dünndarm (mit Aus-
nahme feines Anfangsstücks, des Zwölfsingerdarms)
eingefchlossen ist. Das Bauchfell schlägt sich nämlich
hinten an den Lendenwirbeln von deioen Seiten
her nach innen zurück und bildet so eine Duplikatur,
in deren Eingang die dem Dünndarme zugehörigen
Gefäße und Nerven treten. Der Dünndarm selbst
liegt erst im Grunde dieses durch die Zusammen -
lagerung der Bauch fellplatten entstandenen Beutels.
Auf diese Weise wird einerseits der ungefähr ? in
lauge Dünndarm einigermaßen in seiner Lage er-
halten und vor Verschlingen geschützt, auf der
andern Seite aber ihm ein ungleich größeres Maß
von Beweglichkeit gesichert, als es z. B. dem Dick-
darme im allgemeinen zukommt. Die Lymphdrüsen,
Gefäße und Nerven, die von dem G. eingefcklossen
sind, wn^n uack demselben benannt. Der der
Wirbelsäule nahe gelegene Teil des G. wird als
Wurzel desselben srndix m05?nwrii) bezeichnet.
Auch der Grimmdarm wird, wenn auch in unvoll-
ständiger Weise, von einer ähnlichen Vauchfellfalte,
dem G r i m m d a r mgekröfe (n^gooolon), und der
ödere Teil des Mastdarms von dem noch weniger
entwickelten Mastdarmgekröse (moLorecwm)
üdertleidet. (S. Bauchfell.) - G., Inster, in der
Kockkunst Magen und Netz nebst den kleinen krausen
Gedärmen von Kalb oder Lamm, beim Rind Kal-
daunen genannt; ebenso rechnet man häusig auch
das sog. Geschlinge, d. h. den Schlund, Lunge,
Herz und Milz dazu.
Gekröfesteilt, eine weiße oder blaßblaue fast
dickte Varietät des Anhydrits (s. d.), die entweder
kugelig zusammengeballt oder in faltigen, vielfach
getröseäbnlich gewundenen Lagen oder Platten aus-
gebildet ist-, er findet sich im Salzthon, auch wohl
im reinen Steinsalz, namentlich bei Bochnia und
Wieliczka in Galizien. Ahnlich ist der sog. Schlan-
genalabaster in den Zechsteingipsen vom Süd-
rande de^ Harzes.
Gekrüpft heißt in der Heraldik ein vierfüßiges
in kauernder Stellung sitzendes Tier. Eichhörnchen,
Affen u. s. w. sitzen in der Regel gekrüpft.
Gekuppelt, in der Architektur zwei gleichartige,
durch ein genieinsames Glied verbundene Bauteile.
So hat man z.V. g ekuppelt e Fenster, bei denen
zwei oder mehrere schmale Fenster, nur durch ein
Mittelgewände oder eine ^äule voneinander ge-
schieden , zu eiuem Fenster vereinigt und oft noch
durch eine gemeinschaftliche Verdachung, durch einen
Bogen, ein Frontispiz ls. d.) u. dgl. verbunden
sind. Ferner kommen gekuppelte Säulen vor,
die entweder nur in Rücksicht auf ihre paarweise
angeordnete Stellung so genannt werden, oder weil
sie sich mit Kapital und Basis innig berühren;
ebenso gekuppelte Träger, die ihrer Länge nach
aneinander gestoßen und durch Laschen verbunden
oder mit mehrern nebeneinander liegenden Trägern
durch Bolzen, Kreuzverstrebungen u. s. w. zu einem
Ganzen vereinigt sind.
Gela, eine von Rhodiern und Kretern im Verein
mit andern dor. Auswanderern 690 v. Chr. ge-
gründete grieck. Stadt auf der Südküste Siciliens
am gleicknamigen Flusse, an der Stelle des jetzigen
Terra-Nuooa. Schon 581 wurde von G. aus
Akragas Mgrigent) gegründet. Seine größte Macht
aber "erlangte G., nachdem zuerst Kleander 505 sich
zum Tyrannen aufgeworfen, unter dessen Bruder
Hippokrates, der fast die ganze Osthälfte Siciliens
bis auf Syrakus unterwarf. Auch diese Stadt
gewann des Hippokrates Nachfolger, Gelon (s. d.),
der seinen Sitz dahin verlegte und seinem Bruder
Hiero die Verwaltung von G. überließ, das nun,
von Gelon der Hälfte feiner Einwohne,r, die nach
Syrakus verfetzt wurden, beraubt, gegen Syrakus
und Agrigent zurücktrat. Nach dem Tode Hieros,
der seinem Bruder in der Herrschaft gefolgt war,
wurde G. wieder selbständig. Als der Tyrann
Dionysius 405 gegen die Karthager eine Schlacht
bei G. verloren hatte und die Karthager die Stadt
nun zerstörten, gewährte Dionysios den Einwohnern
in Syrakus eine neue Heimat. Von Timoleon
(s. d.) um 340 v. Chr. uamentlich durch Kolonisten
aus Keos wieder bevölkert, ward es wahrscheinlich
282 von den Mamertinern zerstört und die Ve-
wobner (Geloer) wurden durch den Tyrannen
Pbintias von Agrigent in der von ihm begründeten
StadtPhintias l'dem jetzigen Licata) angesiedelt. Iu