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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gelbes Meer - Gelbschnabelente

drei bis zehn Tagen abläuft. Schwarzes Erbrechen, stinkende Hautausdünstung, hochgradige Albuminurie und völlige Unterdrückung der Harnabsonderung gelten als besonders ungünstige Anzeichen.

Die Orte, an denen das G. F. gewöhnlich auftritt, Westindien und die Küstenländer des mittlern Amerika, von wo aus es auch die Küsten Nordamerikas, Spaniens, ja selbst einige Häfen Italiens wiederholt heimgesucht hat, geben den besten Aufschluß über die natürlichen Ursachen, denen es seine Entstehung verdankt. Eine heiße, feuchte, mit faulenden Stoffen angefüllte Atmosphäre, ein sumpfiger, über die Oberfläche des Meers sich nur wenig erhebender Boden sind stets vorhanden, wo das G. F. ausbricht, während kältere und trocknere, besonders vom Meere entfernter liegende Gegenden gänzlich davon verschont bleiben. Der Ausbruch von Gelbfieberepidemien hängt in auffallender Weise von der Temperatur ab; die meisten Epidemien treten in den heißen Sommermonaten auf, während sie beim Eintreten kühler Witterung wieder zu erlöschen pflegen.

Das G. F. befällt meist Menschen von kräftiger Konstitution und solche, die erst seit kurzer Zeit aus einem kältern Klima in ein heißeres übergesiedelt sind, wogegen die Negerrasse fast vollständig von der Krankheit verschont bleibt. Diätfehler und Ausschweifungen aller Art, übermäßige körperliche und geistige Anstrengungen, Unreinlichkeit und das Zusammenleben vieler Personen in einem beschränkten Raume befördern hauptsächlich den Ausbruch derselben. Befinden sich viele davon Befallene nahe beieinander, wie auf Schiffen, so bildet sich in dem stagnierenden Kielwasser ein Miasma, welches die Krankheit rapid weiter verbreitet. Schon bei der zweiten Expedition des Columbus zeigte sich das G. F. unter dessen Gefährten auf Santo Domingo; seitdem hat es durch seine öfters wiederkehrenden Epidemien solche Verheerungen in den ihm ausgesetzten Gegenden angerichtet, daß z. B. 1821 in Barcelona allein 10000 Menschen daran starben.

Die Wirksamkeit der ärztlichen Hilfe ist sehr beschränkt. Dagegen könnte viel zur Verhütung der Krankheit geschehen, wenn an den Orten, wo das G. F. zu entstehen pflegt, jede Anhäufung faulender Substanzen vermieden und besonders für die gehörige Ventilation und Desinfektion der Schiffe gesorgt würde. Leichter noch als die Entstehung ist die Verschleppung der Krankheit zu verhüten, wenn sich die noch gesunden Orte streng von den erkrankten durch eine mindestens vierzehntägige Quarantäne absperren. Als individuelle Schutzmaßregel ist vor allem beim Ausbruch einer Epidemie das schleunige Verlassen der bedrohten Stadt, das Aufsuchen höher gelegener Gegenden und die Einhaltung der strengsten Diät, namentlich in Bezug auf geistige Getränke, dringend zu empfehlen. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, so sind strenge Diät, kalte Waschungen und kalte Umschläge auf den Kopf, säuerliche Getränke und leichte Abführmittel oder Klystiere zu verordnen. Gegen heftiges Erbrechen sind Eisstückchen, Brausepulver, starker Kaffee (theelöffelweise) oder Opiumtinktur (10-15 Tropfen) und Senfteige oder feuchtwarme Umschläge auf den Magen, gegen die qualvolle Schlaflosigkeit Chloralhydrat zu versuchen. Im dritten (paralytischen) Stadium sucht man durch stark erregende Mittel (Kampfer, Äther, starken Wein, Champagner) die Kräfte wieder zu beleben.

Litteratur. Avé-Lallemant, Ratschläge bei dem Besuch der Gelbfieberhäfen (Berl. 1860); Liebermeister, Das Gelbfieber (in Band 2 des "Handbuchs der Pathologie" von Ziemssen, 3. Aufl., Lpz. 1888).

Gelbes Meer, chines. Hoang-Hai, der von der Halbinsel Korea im O., vom 32.° der Breite im S. begrenzte Teil des Chinesischen Meers (s. d.). Es greift nördlich des Hoang-ho, dessen gelben Sinkstoffen es Farbe und Namen verdankt, mit den Busen von Pe-tschi-li, Liau-tung und der Koreabai tief in das Festland ein.

Gelbes Pulver, s. Schultzes Pulver.

Gelbes Ultramarin, s. Baryumchromat.

Gelbfärben, s. Färberei (Bd. 6, S. 573b).

Gelbfieber, s. Gelbes Fieber.

Gelbgießerei, s. Messinggießerei.

Gelbguß, s. Messing.

Gelbharz, s. Xanthorrhoea.

Gelbholz, alter Fustik (lignum citrinum), ein in der Färberei vielfach gebrauchtes Holz, das aus Westindien, besonders Cuba und Haiti, ferner Mittelamerika und Brasilien zu uns kommt. Es ist das Kernholz des in den genannten Tropenländern wachsenden Fustikbaums (s. Maclura) und wird namentlich aus Cuba (Cubaholz), Tampico, Corinto, Costa-Rica, Maracaibo, Veracruz, Sabanilla und Cartagena in großen, schweren, auswendig braunen, inwendig bräunlichgelben Blöcken ausgeführt. 1890 betrug die Einfuhr in das deutsche Zollgebiet 6 1/2 Mill. kg im Werte von 1 140 000 M. Man benutzt das G. besonders in der Woll- und Seidenfärberei zur Hervorbringung grüner und brauner Mischfarben; denn für sich allein giebt es eine zwar dauerhafte, aber nicht schöne gelbe Farbe. Durch Zusatz von Alaun und Kreide zu einer heißen Gelbholzabkochung entsteht die unter dem Namen Schüttgelb bekannte Lackfarbe. Seit Einführung der aus dem Kohlenteer stammenden gelben Farbstoffe hat die Wichtigkeit des G. sehr abgenommen, über die Farbstoffe des G. s. Morin. - Über das sog. ungarische G. s. Fisetholz.

Gelbin, s. Baryumchromat.

Gelbklee, soviel wie schwed. Luzerne, s. Luzerne.

Gelbkopf, Papageienart, s. Amazonen.

Gelbkraut, s. Serratula.

Gelbkupfer, gleichbedeutend mit Messing.

Gelbling, Pilz, s. Eierschwamm.

Gelblinge ((Colias), Gattung der Tagfalter (s. d.) mit kurzen Fühlern, deren Keule abgestutzt erscheint. Die Färbung ist meist gelb oder orange mit schwarzen Flügelrändern, auf der Unterseite der Hinterflügel meist ein roter Fleck in Gestalt einer 8. Die Gattung ist am zahlreichsten in den gemäßigten Teilen der Alten, aber auch der Neuen Welt vertreten, eine Art findet sich auf den Nilgiris, zwei in Chile und eine auf den Sandwichinseln. Die gemeinste der fünf deutschen Arten ist der Heufalter (s. d.). Die sammetigen, grünen Raupen leben auf niedern Pflanzen, besonders Kleearten und werden zu Puppen mit schneidig gewölbtem Rücken und Kopfspitze.

Gelbmännel, Pilz, s. Eierschwamm.

Gelbmantellori, s. Breitschwanzloris.

Gelbmenakerz, Mineralname, von Werner für gewisse Varietäten des Titanits (s. d.) gebraucht.

Gelbnacken, Papageienart, s. Amazonen.

Gelbrand (Dyticus marginalis L.), s. Schwimmkäfer und Tafel: Käfer I, Fig. 14.

Gelbreife, s. Ernte und Flachs.

Gelbschnabelente, s. Enten.