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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gelose - Gelübde
Tode des Fürsten Hippokrates, dessen Reiterei er
besehligt hatte. Dazu erwarb er die Herrschaft über
Syrakus, indem er zunächst 485 die Partei der
Grundbesitzer (Gamoren), die von der Volksmenge
(dem Demos) dieser Stadt und dem hörigen Land-
volke vertrieben worden waren, unterstützte und in
ihre Heimat zurückführte, dann aber Syrakus zum
Sitze seiner eigenen, bald über das ostl. Sicilien
verbreiteten fürstl. Oberhoheit machte. Den Grie-
chen des Mutterlandes (480 v. Chr.) verweigerte er
die Unterstützung gegen Herxes, angeblich, weil sie
auf sein Verlangen, ihn zum Oberfeldherrn zu !
machen, nicht eingingen. In Wahrbeit hatte er!
aber in derselben Zeit in Sicilien die Karthager zu ,
bekämpfen, die damals zuerst die Unterwerfung der ^
Insel versuchten und unter Hamilkars Anführung ,
ein Heer, angeblich von 300000 Mann, dabin ab-
gesandt hatten. Bei Himera gewann G. im Bunde
mit dem Fürsten Theron von Akragas einen voll-
ständigen Sieg (480), der Sage nach an demselben
Tage, an dem die Griechen bei Salamis siegten.
Dieser Sieg verschaffte dem G. die Oberhoheit über !
ganz Sieilien. Als eine der Bedingungen, unter !
welchen G. den Karthagern den Frieden gewäbrte,
wird angeführt, daß sie sich künftig der Menschen-
opfer enthalten sollten. Der Sieg über die Karthager
machte ihn so populär, daß er, als er sich unbewaffnet
in der Volksversammlung bereit erklärte, der Herr-
schaft zu entsagen, einstimmig als Retter von Syratus
zu dessen König ausgerufen wurde. Nach seinem
Tode (477) verehrte ihn das Volk als Heros: als
unter Timoleon alle ehernen Bildsäulen verkauft
wurden, wurde seine Statue allein ausgenommen.
Ihm folgte fein Bruder Hiero als König.
Getöse, s. Agar-Agar,
l Gelsemm, f. Gelfemium.
Gelsemium (^adix (^I86inii), Gelsemium-
wurzel, die getrockneten Wurzeln und unterirdi-
schen Stengel von (^6i36minin nitidum A/c/i.
". 86mi)6i'vil6U8 ^.it., einem in den Vereinigten
Staaten Amerikas sowie in Meriko beimischen
schönen Kletterstrauch ("^6i1mv 01- Caroiwk ^13-
mm6") aus der Familie der Loganiaceen, enthalten
außer Harz, Stärkemehl, flüchtigen tilen und der
trystallisierbaren stark fluorescierenden Gelsemium-
säure als wirksamen Bestandteil das Alkaloid Gel-
semin, (^Il^^O^das farblose, in heißem Wasser
nur wenig lösliche, bei 45° (^. schmelzende Krystalle
bildet. Das Gelsemin ist ein heftiges Gift, das nach
vorübergehender Hirnreizung sehr bald Atemnot,
raschen Kräfteverfall, Doppeltsehen, Pupillenerwei-
terung und allgemeine Lähmungszustände bewirkt.
Al>? Heilmittel wird Gelsemiumwurzel in Nordame-
rika, neuerdings auch in Europa vielfach gegen Fie-
ber, Dysmenorrhöe, Krampfzustände und Neural-
gien mit Vorteil angewendet; man verordnet sie
entweder ale> Tinktur oder als sog. Fluidertrakt.
Gelsen, süddeutsche und österr. Bezeichnung für
Mücken, Schnaken (s. Stechmücken).
Gelfenkirchen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Arnsberg, hat 77,77 likm, (1890) 127 344 (69475
männl., 57 869 wcibl.) E., 2 Städte und 18 Land-
gemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis G., 6 km
un NW. von Vochuw, an den Linien Oberbausen-
Dortmund und Kray-G. (4,7 km) der Preuß. Staats-
bahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts
(Landgericht Essen), Steuer-, Kataster- und Aichamtes
sowie Zweier Bergrevierämter und einer Reicbsbanl-
nebenstelle, hatte 1852: 844, 1874: 7576, 1880:
Brockhaus' Konvcrsations-Lexikon. 14. Aufl.. VH.
14613, 1890: 28057 (15142 männl., 12915 weibl.)
E., darunter 10993 Evangelische und 561 Israeliten,
Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprechcinrich-
tung; kath. und evang. Kirche, Synagoge, neues
Rathaus, Denkmal Kaiser Wilhelms I./Gewerbe-
schule für Mädchen, kath. und
evang. Krankenhaus, kath. Ge-
sellen-, evang. Vereinshaus,
kath. Rektoratschule, kath. und
evang. Mädchenmittelschule,
Koch-, Näh- und Flickschule;
Dampfkessel- und Gußstahl-
fabrik, Eisengießerei, Seifen-
fabrik, Dampfmahl- und Säge-
müble und Steinkohlenbergbau lZeche Hibernia),
durch den die Stadt zur Blüte gelangt ist.
Gelt, in der Jägersprache weibliches Wild, das
keine Jungen dringt. (Vgl. Gelzen.)
Gelte oder Lot, älteres Weinmaß in Brüssel
von 2 Potv, 2/45 der Aime oder Ohm ^ 2,7091.
Dav Drittel der G. bildete das für Öl, Milck, Zonig,
Sirup u. s. w. übliche Gemet oder die Mesure
(Maß), geteilt in 3 Verres (Gläser) ^ 0,9031.
Gelten, kastrieren, s. Gelzen.
Geltschberg, klimatischer Kurort bei Lewin
(s. d.) in Böhmen.
Geltstag, im sckweiz. Konkurs der Termin, in
dem derGemeinschuldncr die Erklärung abgievt, daß
er sein Vermögen den Konkursgläubigern abtrete.
Geltvieh, Güstvieh, Bezeichnung für weib-
licke Nutztiere, Pferde, Rinder, Schafe, Schweine,
die, sei es absichtlich oder unabsichtlich, nicht tragend
geworden sind <s. Gelzen); Geltschä f er ei e n, Schä-
fereien, in denen Sckafe nicht der Zucht, sondern der
Wolle und des Fleisches wegen gehalten werden.
Gelübde (lat. vowm), die Übernahme einer Ver-
pflichtung zu bestimmten, für religiös wertvoll ge-
achteten, nicht schon an sich pflichtmähigen Leistun-
gen, entweder um die Gewährung eines Wunsches
von Gott zu erlangen, oder um Gott seine Dank-
barkeit zu bezeugen, oder um ihm auf besondere
Weise zu huldigen. Schon im Altertum gelobten
Könige und Feldherren für den Fall des Sieges
den Göttern Hekatomben, Tempel, Festspiele u. s. w.,
Privatleute Weihgesckcnke sür Hilfe aus Krankheit
und allerlei Not. Bei den Juden gab es fog.
Heiligungsgelübde, durch die man Perfonen,
Tiere, Sachen zum heiligen Gebrauche bestimmte,
Abl 0 b ungsgelübde, womit man erlaubten
Genüssen zur Ehre Gottes entsagte, und Ver-
ba n n u n g sgel ü b 0 e, durch die Personen und
Sachen der Vertilgung geweiht wurden. Ein be-
sonderes G. war das der Nasiräer (s. d.). Die kath.
^ircke empsieblt die G. als etwas Verdienstliches
und teilt sie ein inpersönliche G. (vota p6i-8onk1ia),
wodei der Gelobende selbst Handlungen, wie Gebete,
.Nasteiungen u. dgl. zu vollbringen verspricht, ding-
liche oder Realgelübde (vota. i'6Hiia), durch die
machen, wie Geschenle für Kirche und Stiftungen, ge-
lobt werden, und gemifchte G. (vota inixta), die
gleichzeitig ein Perfonal-und ein Realgelübde in sich
schließen. Die Realgelübde binden auch die Erben
der Gelobenden. Außerdem teilt man sie ein in
feierliche (vota so^muia) und einfache (vota
^im^iciH). Jene sind die beim Eintritt in einen
vom Papste bestätigten geistlichen Orden abgelegten,
diese alle übrigen. (^. Klostevgelübde und Orden,
geistliche.) Jeder darf das von ibm abgelegte G. in
ein befsere^ umwandeln; zur Nmwandlung (com-
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