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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Generalstabsarzt - Generalstabskarten
kommen sie schneller und in jüngern Jahren in
höhere Stellungen.
In der Praxis ist der Weg, der zum G. führt,
folgender. Von denjenigen Offizieren, welche den
dreijährigen Kursus der Kriegsakademie durchge-
macht haben, werden diejenigen, welcbe sich beson-
ders ausgezeichnet haben, für den G. ins Auge ge-
faßt und meist auf ein Jahr zur Dienstleistung beim
G. kommandiert; die hier bewährten werdeil meist
noch ein zweites Jahr kommandiert und von diesen
dann ein Teil als Hauptleute in den G. versetzt.
Von einem eigentlichen Examen für den Eintritt in
den G. kann man nicht reden, man müßte denn das
Eintrittsexamen für den Besuch der Kriegsakademie
daruuter verstehen. Nur gauz ausnahmsweise kom-
men Offiziere in den G., welche nicht die Kriegs-
akademie besucht habeu; dieser Besuch ist gewisser-
maßen Vorbedingung, aber die Kriegsatademiker
werden in der oben beschriebenen Art start durch-
gesiebt und nur ein kleiner Teil von ibnen kann den
G. erreichen. Innerhalb des G. wechseln die Offi-
ziere vielfach zwischen Großem und Truppcngcncral-
stab, um möglichst verschiedene Lagen und Verhält-
nisse kennen zu lernen; auch werden die General-
stabs offiziere, um ihnen die Noutine der Truppcn-
führung zu erhalten, zeitweise wieder in die Truppe
versetzt und kehren dann wieder in den G. zurück.
Bei dem Trupp engeneralstab, der nur ans
wirtlichen Generalstabsoffizieren besteht, sind die-
selben den Generalkommandos und den Dwisions-
kommandos zugeteilt.
Vom G. herausgegeben sind in neuerer Zeit die
Geschichten der Kriege von 1864,1860 und 1870/71,
ferner eine Anzahl kriegsgeschichtlicher Einzelschrif-
ten. Aus der Zeit zwischen den Napoleonischen und
den neuern Kriegen stammt die "von den Offizieren
des Großen G." Heransgegebene Geschichte des
Siebenjährigen Krieges. Eine ganz nene Bearbeitung
der Schlesischen Kriege ist jetzt in Arbeit, der erste
Band erschienen.
In den fremden Heeren baben vielfach die deut-
schen Einrichtungen als Muster gedient, nachdem
der deutsche G. unter Leitnng Moltkes die Erfolge
von 1864,1866 und 1870/71 errungen hatte. - Vgl.
Bronsart von Schellendorf, Der Dienst des G.
(3. Anst., von Mekel, Berl.1893); Kardinal von
Widdern, Vefehlsorganifation n. s. w. (Gera 1876).
Generalstabsarzt der Armee, in Preußen
und in Bayern der Titel des Chefs des gesamten
Militär-Medizinalwesens. Derselbe hat bestim-
mungsgemäß den Rang eines Generalmajors, doch
wnrde in Preußen ncnerdings dem jeweiligen
Stelleninhaber nach längerer Amtsführung der
eines Generallieutenants verliehen, sowohl in
Prenßen als in Bayern ist der G. gleichzeitig Chef
der Medizinalabteilung in dem betreffenden Kriegs-
ministerium und Chef des Sanitätskorps, welches
er somit in allen Angelegenheiten leitet. In Öster-
reich sind zwei G. (gleichfalls mit dem Range der
Generalmajore) etatmäßig, von denen einer Chef
des militiirärztlichen Offizierkorps, der andere Vor-
stand der ^anitätsabteilnng im Reichs-Kriegsmini-
sterinm ist.^-
Generalstabskarten, die in erster Linie für
den militär. Gebrauch von den Generalstäben der
verschiedenen Armeen bearbeiteten und meist auch
im Buchhandel veröffentlichten Kartenwerke. Die
außerordentlich hohe Bedeutung zuverlässiger und
genauer topogr. Karten für alle militär. Unterneh-
mungen hat fast in allen Staaten zur Herstellung
von G. geführt. Im allgemeinen wird anf Grund
einer sorgfältigen Triangulation die Originalauf-
nahme im Maßstabe von etwa 1:10000 bis 1:25000
ausgeführt, meist unter gleichzeitiger Bcnntzung der
etwa schon vorhandenen Katastertarten (s. d.) oder
anderer älterer zuverlässiger Aufnahmen. Aus der
Originalaufnahme, die so genan und sorgfällig
angefertigt wird, daß sie auch allen andern staat-
lichen Zwecken dienen kann, wird die eigentliche
militür. Gebranchskarte, meist knrzwcg als G. be-
zeichnet, durch entsprechende Verkleinerung nnd
Neuredaktion ihres Inhalts gewonnen. Die hier-
bei angewendeten Maßstäbe liegen im allgemeinen
zwischen 1: 50000 und etwa 1:300 000. Die tech-
nische Herstellung der G. geschieht zumeist durch
Kupferstich oder auch Lithographie, Zinkographie,
Heliogravüre n. dgl. Als die wichtigsten G. in den
gröftern Staaten Europas sind etwa aufzuführen:
1) Deutschland: a. Karte des Deutschen Reichs
in 1:100 000, bearbeitet von den Generalstäben
Preußens, Bayerns, Sachsens und von dem Topo-
graphisch-Statistischen Bureau Württembergs. Die
Karte (Kupferstich mit blauen Gewässeru) umfaßt
das Gebiet des Deutfchcn Reichs und besteht aus
675 Blättern, von denen (bis Frühjahr 1893) 435
erschienen sind. Bis zum Abschluß des ganzen
Werkes dienen, als Ersatz für die fehlenden Blätter,
die in den einzelnen Staaten vorhandenen ältern
G. in den Maßstäben von 1:50000 (Bayern, Würt-
temberg, Baden, Oldenburg), 1: 80000 (Rheinland
und Westfalen), 1:100000 (Preußen, Sachsen,
Hannover); d. Topogr. Specialkarte von Mittel-
europa (Reymannsche Karte, s. Reymanns topo-
graphische Specialkarte von Mitteleuropa).
2) Österreich-Ungarn: a. Neue specialkarte
der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und des
Occupationsgebietes im Maßstabe 1:75000(750
Blätter Heliogravüre), d. Generalkarte von Central-
europa in 1:300000 (201 Blätter, seit 1878 voll-
endet), c. Generalkarte von Mitteleuropa im Maß-
stabe von 1:200000, in Farbendruck (Terrain braun,
Gewässer blau, Wälder grün, das übrige schwarz);
erscheint seit 1889, bis jetzt (Frühjahr 1893) sind von
den in Aussicht geuommenen 260 Blättern 79 er-
schienen. Die Karte wird ebenso wie die vorher
aufgeführten herausgegeben vom k. und k. Militär-
geographifchen Institnt zu Wien.
3) Italien: (^i-ta äsl i'6Fno ä' Italic 1:100000,
bearbeitet von dem Militärgeographischen Institut
zu Florenz (277 Blätter, von denen ^Frühjahr 1893^
172 fertig gestellt). Daneben bestehen noch zahlreiche
Karten einzelner Teile des Königreichs in verschie-
denen Maßstäben.
4) Rußland, a. Drciwerstigckriegstopogr.Karte
(3 Werst haben anf der Karte die Länge von 1 engl.
Zoll) 1:126 000, bearbeitet von der militärtopogr.
Abteilung des Hauptstabes (gegen 800 Blätter). Die
.^arte wird durch sortdauernde Neuaufnahmen ver-
bessert und erweitert, d. Die zehnwerstigc Special-
karte des europ. Rußland 1:420000, Lithographie
in vier Farben (157 Blätter). Dieselbe ist bis auf
wenige südl. Blätter vollständig erschienen. Außer-
dem zahlreiche Karten einzelner Gouvernements.
5) Frankreich: a. Cai-to ä6 I^i-luicö 6 6 1'^tat-
N^or 1:80000 (274 Blätter), Kupfechich. Tie
Karte erscheint jetzt auch in Viertelblättern, d. (^rw
ä" ?illnc6 1:320000 (33 Blätter), Kupferstich,
c. (?llrto äo Trance är68866 par oräre än mmisti o