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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Genf (Stadt)
des Eaux-Vives, ersterm parallel die langgestreckte
Rue du Rhone, die Rues Basses, die Corraterie, das
elegante Viertel der Finanzwelt n. s. w. Ans dem rech-
ten Ufer ist das Quartier St. Gervais der Sitz der
industriellen Bevölkerung, und die mit palastähn-
lichen Gasthöfen besetzten Quais des Bergues, du
Montblanc, des Päquis u. s. w. sind das Quar-
tier der zahlreichen Fremdenkolonie. Beide Ufer
sind durch acht Brücken verbunden, von denen die
oberste, der prächtige Pont du Montblanc (260 m
lang, 16 ni breit), die schönste ist; zwischen ihr und
dem Pont des Bergues die Rousseau-Insel, eine
tleine mit Bäumen bepflanzte Insel mit Rousseaus
Bronzestandbild von Pradicr auf einem Granit-
sockel. Bei der dritten Brücke, Pont de la Machine,
teilt sich der Fluß in zwei Arme, den Zufluß zum
Wasserwerk und den Regulierungskanal des Seeab-
slusses, dazwischen eine Insel mit malerischen alten
Häusern und der Tour de l'Isle, Überrest eines ehe-
maligen bischöfl. Schlosses. Rings um die Stadt
dehnen sich auf den seit 1851 geschleiften Festungs-
werken schöne neue Boulevards (Heloetique, James
Fazy, des Philosophes und de Plainpalais) aus
und verbinden das eigentliche G. mit den Vorstädten
(§aux-Vives (östlich) und Plainpalais (westlich).
Viele neue Straßen, vor allem die Boulevards und
einige Quais sind mit Bäumen bepflanzt.
Plätze, Denkmäler. Am linken Ufer des Sees
liegen die prächtige Promenade du Lac (Iardin
Anglais) und die Place du Port mit dem 1809 ent-
hüllten Natioualdenkmal zur Erinnerung an den
Eintritt G.s in den Bund (1814), eine Vronze-
gruppe derHeloetia und Geneva von A. Dorer, fluß-
abwärts Place du Rhone, zwischen beiden Place
du Molard und Place Velair; weiter vom Fluß
entfernt die Promenade St. Antoine, der Cours de
Rive, der Bourg de Four in der Altstadt, der Rond-
point von Plainpalais, die prächtige Place neuve
mit dem Denkmal General Dufours, und von diefen
durch ein Säuleuthor nach Süden führend die schat-
tige Promenade des Bastions mit dem botan. Gar-
ten. Auf dem rechten Ufer liegt am Quai du Mont-
blanc die Place des Alpes mit dem prunkhaften Denk-
mal (Monument Brunswick), das von der Stadt
dem Herzog Karl von Braunschweig (gest. 18. Aug.
1873 in G.), der der Stadt sein Vermögen (etwa
20 Mill. M.) vermacht hatte, errichtet wurde.
Kirchen. Die roman. Kathedrale St. Pierre, von
Kaiser Konrad erbaut, im 12. und 13. Jahrh, umge-
baut, im 18. Jahrh, durch ein torinth. Säuleuportal
mit Giebel veruustaltet, das Innere im Übergaugs-
stil des 13. Jahrh, dreischiffig mit Querfchisf: fer-
ner bestehen neben mehrern evang. Kirchen und
Bethäusern der Freien Kirche eine kath. (3Hciü
(^wni) und eine altkath. Kirche Moti-o Dams), eine
anglitan. Kirche, eine russ. Kirche (1863-66) und
eine Synagoge.
Weltliche Gebäude. Das Rathaus (Hotel de
Ville), inmitten der Altstadt, ein massiges Gebäude
in florent. Stil aus dem 16. Jahrh., gegenüber das
Zeughaus mit demHistorischen Museum, in der Nähe
das Geburtshaus von Jean Jacques Rousseau (s. d.);
nördlich davon das Museum Fol, von W. Fol der
(Htadt geschenkt, mit wertvoller Sammlung griech.,
röm. und etrust. Altertümer, sowie solchen des Mit-
telalters und der Renaissance: an der Promenade
des Bastions das Universitätsgebäude, 1867-71
erbaut, aus zwei durch Glasgalerien verbundenen
Gebäuden bestehend, mit zahlreichen Sammlungen
(s. unten); südöstlich vom botan. Garten das Athe-
näum, im Renaissancestil, auf Kosten der Frau des
Philhellenen Eynard erbaut, mit Bibliothek und
Kunstausstellung: in der Nähe das im 18. Jahrh.
erbauteIustizgebäude, daneben das 1559 gegründete
^oI1eZ6 äs 8t. Antoine und demselben gegenüber die
Sternwarte. An der Place neuve liegt das neue
Theater, 1872-79 nach Plänen von Goß im Re-
naissancestil erbaut: gegenüber das Museum Rath,
eine von dem russ. General Rath, einem geborenen
Genfer, angelegte und fpäter der Stadt geschenkte
Sammlung von Gemälden, Gipsabgüssen u. s. w.;
an demselben Platze das Konservatorium der Musik
(l858); südwestlich von diesem das Wahlbaus M-
tiiuont ^wcwi-ai). Auf dem rechten Rhöneufer
sind zu erwähnen die Industrie- und die Uhrmacher-
jchule, das prachtvolle Hauptpostgebäude (1892),
das Waisenhaus und 4 1cm nordöstlich vom Bahn-
hof in Varembe' das Museum de l'Ariana, von den:
Genfer Schriftsteller Gustav Revilliod (gest. 1890)
gegründet und der Stadt vermacht, ein stattlicher
Renaissancebau mit wertvollen Sammlungen.
Bildungs- und Vereinswesen. An der
Spitze der Unterrichtsanstalten steht die Universität.
Die Republik G. gründete 1559 eine Akademie mit
den 4 Fakultäten der Philosophie, Naturwissenschast,
Jurisprudenz und Theologie: die letzte Fatultät
war die bedeutendste. Nachdem die Akademie im
17. und 18. Jahrh, ohne besondere Bedeutung ge-
wesen war, wurde sie durch die Verfolgungen der
Hugenotten in Frankreich der Mittelpunkt für die
prot. Kultur in allen Ländern franz. Zunge. 1873
wurde die Akademie zur Universität erhoben und
bedeutende Aufwendungen für neue Universitätsge-
bäude (1,420 Mill. Frs.), für das chem. Institut
(986000 Frs.) und für die mediz. schule (817000
Frs.) gemacht. Die Zahl der immatrilulierten Stu-
denten betrug (1891/92) 536 (89 weibliche), der
Hörer 200 (59); unter erstern waren 347 (87) Aus-
länder. Auf die theol. Fatultät entfielen 39, aus
die juristifche 86, auf die medizinische 223 und auf
die philosophische 188 Studierende.
Ferner bestehen eine von den deutsch-schweiz. Be-
wohnern der Stadt unterhaltene Deutsche Real- und
Handelsschule mit 6 Real- und Handels- sowie 3 Cle-
meutarllasfen, eineZeichen- und Modellierschule, In-
dustrieschule, Kuustschule, ein Konservatorium der
Musik und eine Anzahl von PnvaünsUtuten. Mit
der Universität verbunden sind eine Bibliothek, 1559
gegründet, mit etwa 120000 Bänden, 1500 Manu-
skripten und einer großen Sammlung histor. Por-
träts, ein Münzkabinett, archäol. Museum, natur-
histor. Museum, eine Sammluug in G. gefundener
röm. und mittelalterlicher Inschriften, eine Stern-
warte und ein botan. Garten. Liotard, Calame,
Diday, Lugardon, Casten u. a. haben die Genfer
Malerschule berühmt gemacht. Das Museum Rath
enthält Bilder von Thuilier, Humbert, George-
Gulliard, Diday, Girardet, Dufaux u. a., das Mu-
seum ä6 1'^riluiH enthält wertvolle Gobelins und
Sammlungen von chines. und japan. Porzellan,
Bronzen, eingelegten Arbeiten,Fayencen u.a., sowie
Gemälde von Raffael, Credi, van Dyck u. a. Das
geistige Leben in G. ist sehr lebhajt. Zahlreiche
Vereine fördern Wissenschaften und Künste, so die
Naturforschende und die Geographische Geft^chQst,
die Künstlergesellschaft u. a.
Wohlthätigkeitsanstalten. Unter den zahl-
reichen der Stadt gehörigen wohlthätigen Anstalten